1 Woche ohne Zusatzstoffe

So, die Woche ohne Zusatzstoffe ist nun auch vorbei, das Experiment ist offiziell beendet.

In meinen Gedanken war diese Woche am Schlimmsten. Wochen vorher habe ich nur gedacht „hm, was esse ich denn dann bloß?!“ und als Tag X immer näher heranrückte, wusste ich: Ohne gute Organisation geht das nicht, denn die Weglassliste war entsprechend lang: Keine Instantprodukte wie Fixsaucen oder Microwellenfraß, keine Fertigprodukte aus der Tiefkühlabteilung oder aus Dosen, keine Lightprodukte, auch kein sog. Functional Food. Und dann kommen noch die Millarden E-Nummern-Zusatzstoffe hinzu, wie z.B. Antioxidationsmittel, Backtriebmittel, Emulgatoren, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Nitrate, Phosphorsäuren, Verdickungsmittel, Aromen, Süßstoffe, Zuckeraustauschstoffe und Vitaminzusätze.

Also haben uns Herr DingDong und ich am Samstag hingesetzt und Rezepte für die kommende Woche ausgesucht, Obst, Gemüse und Brot eingekauft und am Sonntag erst mal ca. 3 Liter Gemüsebrühe gekocht. Der gute Duft der Gemüsebrühe konnte die Tatsache nicht verbergen, dass diese zusatzstofffreie Woche gleichzeitig eine Zusammenfassung der anderen Wochen ist. Süßigkeiten? Mit Zusatzstoffen! Fastfood? Mit Zusatzstoffen! Trinkjoghurt, Fruchtbuttermilch, Pudding? Mit Zusatzstoffen! Helle Brötchen? Mit Zusatzstoffen…
Und wenn du jetzt denkst, dass das Problem einfach zu lösen wäre, wenn man in einem Reformhaus oder in einem Biosupermarkt einkauft – Fehlanzeige. Auch da sieht es nicht besser aus.

Soweit die Theorie. Die Praxis sah anders aus: Obst und Gemüse satt und Dank Herrn Dingdong, der seine Leidenschaft als Hobbykoch wieder erweckt hat, immer ein hervorragendes Abendessen.
Am Tag 1 klappte alles wunderbar, ab Tag 2 bis Tag 5 dann nicht mehr. Ich hatte ständig ein flaues Gefühl im Magen und Verdauungsbeschwerden, war zittrig und hatte Probleme mit dem Kreislauf. An Tag 4 konnte ich sogar schlecht Atmen, was mich sofort an Eisenmangel denken ließ. Das Seltsame war: Mir gings zwar irgendwie nicht so toll, aber tief in mir spürte ich, dass das schon so okay ist. 5 Tage lang musste ich ohne sonderlich viel Schlaf (ca. 3 Std. pro Nacht) auskommen und war morgens trotzdem fit.
An Tag 5 war ich nachmittags allerdings so fertig, dass ich schon aufgeben wollte. Ich brachte nix runter, hatte weder Hunger noch Appetit, mir wurde schwindelig. Ein Kollege hat meine Blässe bemerkt und mir eine Bio-Lakritzschnecke gegeben. Danach war ich wenigstes soweit wieder hergestellt, dass ich mir einen Becher Naturjoghurt kaufen konnte, den ich dann in Zeitlupe runtergelutscht habe. Und verrückterweise ist seitdem alles in Ordnung. Was war da los?
Keine Ahnung, aber es war so, als hätte ich nen Knopf gedrückt. Seitdem läuft alles, das flaue Gefühl im Magen ist weg und ich habe soviel Energie. Vermutlich waren das doch eher Entgiftungserscheinungen?
Was mir sonst noch aufgefallen ist?
Meine Haut ist rosig-zart, meine Haare glänzen schön und ich habe kein Nachmittagstief erlebt. Morgens ist mein Gehirn sofort auf „wach“ umgestellt und ich habe sofort gute Laune. (die mich immer ein bisschen erschreckt hat :D sowas kenne ich gar nicht von mir :D) Ich muss auch weniger essen (sehr viel weniger! auch das erstaunt alle :D) und kann endlich auf das Sättigungssignal hören. Mein Stoffwechsel fährt mit 200 km/h und mir gehts supergut.

Letzteres war wohl die erstaunlichste Sache daran. Ohne Zusatzstoffe kam ich mit weit weniger Nahrung aus und ich konnte sofort aufhören zu essen, als ich satt war. Während ich früher (LOL, also vor einer Woche) noch locker 2 Teller Nudeln runterspachteln hätte können, muss ich mich schon anstrengen überhaupt einen Teller leer zu essen. Ist das nicht krass? Herr DingDong und ich wittern eine Nahrungsmittelkonzernverschwörungstheorie! Und noch ne tolle Entdeckung: Äpfel machen doch satt. (Habe Äpfel bisher nur als Zwischenmahlzeit gegessen, weil sie mich so hungrig machten. Interessanterweise ist das nun vorbei.)

So und wie entscheide ich mich? Ich habe spontan noch eine Woche Zusatzstofffrei angehängt. Allerdings mit ein paar Ausnahmen: Bonbons werde ich wieder lutschen, genauso wie ich wieder hefefreies Gemüsebrühepulver nehmen werde. Und mein Trinkjoghurt mit Johannisbrotkernmehl werde ich auch wieder essen.

Morgen gibt es eine Zusammenfassung über das gesamte Experiment.

7 Gedanken zu “1 Woche ohne Zusatzstoffe

  1. Hut ab! Ich glaube, dass ich sowas nie hinkriegen würde.
    Vor allem deine Entdeckung mit den Äpfeln finde ich interessant: Was meinst du, warum dich Äpfel auf einmal satt machen? Kenne das nämlich gar nicht…
    lg daniel

  2. Das ist so interessant, wie du über dieses Experiment schreibts. Ich weiß nicht, ob ich das so durchziehen könnte. Bin gespannt auf dein Schluss-Fazit! :)

  3. Ich fand dein Experiment total spannend und als ich das heute mit den Äpfeln las, musste ich einfach antworten: Das „Ein Apfel verursacht nur noch mehr Hunger“-Phänomen kenne ich auch von mir!! Ich dachte schon, ich spinne, weil keiner von meinen Leuten das nachvollziehen konnte. ;)
    Ansonsten habe ich mir vorgenommen, eine ohne Zucker- und eine ohne Zusatzstoffe-Woche zu machen. Ich hoffe, dass sich bei mir energiemäßig was tut. Ich komme morgens einfach zu schwer aus dem Bett… *schnurch*

    1. Ja, das mit dem Hungergefühl nach Äpfeln kennt wirklich nicht jeder…seltsam, oder?
      Naja, jetzt kann ich wenigstens Äpfel gegen den Hunger essen ;D

      Schwer aus dem Bett kommen – mmh…trinkst du Kaffee oder Schwarztee? Könnte nämlich auch damit zusammenhängen. Oder ganz klassisch: weil man abends zuviel gegessen hat *räusper* Zumindest kam ich leichter aus den Federn, wenn ich abends nur Eiweiß zu mir genommen habe…

      Egal, jedenfalls viel Erfolg! Berichte gerne, wenn du magst!

  4. Kaffee trinke ich nur zum Wochenendfrühstück mit dem Göttergatten. :) Schwarztee hab ich mir auch abgewöhnt. Beim British Shop meines Vertrauens hab ich einen Decaf Earl Grey gefunden. Ist zwar sauteuer, aber ich trink den auch nicht literweise. ;)

    Diesen Montag hatte ich ich die Zuckerfrei-Woche gestartet. Am meisten hatte ich schlechte Laune befürchtet, aber der Gatte hat sich nicht beklagt, hihi. Was ich hatte waren Kopfschmerzen (allerdings erst nachmittags) und abends habe ich irre gefroren, trotz dickem Rolli und Wolldecke! *staun* Süßes habe ich nicht vermisst.

    Zweiter Tag: Aufstehen morgens ging super (so schnell – wunder!). Gegen 9 fühlte ich mich schlaff trotz Frühstück, das hatte ich auch am Tag darauf. Nachmittags wieder Kopfweh. Abends Appetit auf was Süßes, aber keine Fröstelanfälle mehr.

    Dritter Tag: Aufstehen easy, ab 9h allerdings wieder schlaff, wie unterzuckert und ständig hungrig, was auch den ganzen Tag anhielt, obwohl ich regelmäßig gegessen habe. Abends habe ich dann die zuckerfreie Woche abgebrochen. *schäm*

    Fazit: Ist schon krass, wie sich so die Entzugserscheinungen geäußert haben. Besonders das heftige Frieren am Montag hat mich erstaunt. :-o Obwohl ich vorzeitig abgebrochen habe, werde ich jetzt trotzdem keine Zucker-Orgie veranstalten. *grins* Aber ich habe Obst so sehr vermisst und Fruchtjoghurt. Und das werde ich mir auch gönnen, allerdings bewußter als früher.

    Und ich werd mal darauf achten, was ich abends gegessen habe und wie dann meine Aufstehfähigkeit am nächsten Morgen ist. Danke für den Tipp! :)

    Puh, das ist ein langer Post geworden. Ich hoffe, nicht zu lang. ;)

    1. Nein, ich finde den Post überhaupt nicht zu lang – danke für den ausführlichen Bericht!
      Würdest du denn sagen, du isst relativ viel Süßigkeiten/Süßes? Hmm…vielleicht wäre ab Tag 4 alles normal gewesen?

  5. Ich bin schon ein ziemlicher Süßfreak, obwohl ich versuche, mich ausgewogen zu ernähren. :) Vermutlich hatte mein System noch mit dem Wochenend-Zucker-Overkill (Besuch bei meinen Eltern *grins*) zu tun und hat deswegen so krass reagiert. Ich werd nochmal einen zweiten Versuch wagen, diesmal aber den Zuckerkonsum langsam runterfahren und nicht „cold turkey“. ;) Evtl. kommt mein Körper so etwas besser klar.

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