1 Woche Zuckerfrei

Hier nun mein Bericht zum Achtsamkeits-Experiment „1 Woche ohne Zucker“, das ich erfolgreich hinter mich gebracht habe. (Gegenwärtig befinde ich mich übrigens in Woche 2 – ohne FastFood und Snacks.)
Okay, also die Kurzversion meines Berichts geht so: Es ist total abgefahren und du solltest es unbedingt mal ausprobieren!

Bei der Woche ohne Zucker geht es nicht nur um das Weglassen von Süßigkeiten, sondern generell um Zucker in all seiner Form. Also auch Laktose, Maltose, Sacharose, Glukose, Glukosesirup usw. Aber das ist noch nicht alles! Zuckeralternativen wie Honig, Ahornsirup, Agaven-,Apfel-, Birnendicksäfte und Rübensirup waren auch nicht drin. Und auf so Kleinigkeiten wie Fruchtjoghurts, Kompott, Gelee, Marmelade, Fertigmüslis und und und musste ich auch verzichten.

Allerdings habe ich tatsächlich Obst gegessen, ein paar Mal Direktsaft getrunken und mir auch mal Vollkornhaferflocken in ein Naturjoghurt gemischt – denn irgendwas muss man ja essen, oder? Und es stand nicht auf der Liste!! :D

Am ersten Tag hat sich diese Zuckerlosigkeit nur psychisch bemerkbar gemacht. Morgens das Naturjoghurt mit Vollkornhaferflocken hat mir nicht so gut gefallen, ein Marmeladenbrötchen wäre da schon netter gewesen. Mit ner halben zerdrückten Banane, konnte ich das Müsli aber runterwürgen. Mittags ganz anders: Ich war viel besser drauf und hatte gute Laune, war aber gleichzeitig enttäuscht, dass sich körperlich überhaupt nix getan hat. Tag 2 brachte da schon andere Ergebnisse: Ich fühlte mich stärker und wacher als sonst, mein Gehirn musste nicht erst langsam hochfahren sondern war so aktiv, dass ich fast schon manisch wurde. :D Und das obwohl (oder weil??) ich wenig Schlaf hatte. Das hat mich ein bisschen gegruselt. Ich spürte förmlich wie ein Assoziationsfeuerwerk durch meine Synapsen schwurbelt, das war genial. So kreativ war ich schon lange nicht mehr. Hab dann 1 Glas Saft getrunken und schon war ich wieder eingelullt in meine OpiumZuckerwolke. Und auch mein Körper hat sich gefreut: Meine ganzen „Befindlichkeitsstörungen“ (auch das mit den Beinen) haben sich gegeben. So ging das in etwa dann bis zum Rest der Woche.
Das klingt natürlich jetzt total einfach – und im Grunde war es das auch – aber ein paar Sachen waren schon echt fies. Zum Beispiel hat eine Kollegin für uns alle Süßkram gekauft. Ich erntete zwar mitleidige und bewundernde Blicke, dass ich das so brav aushalte, aber puh! das war schon ganz schön hart, wenn man den halben Tag auf eine Schachtel Kekse oder Schokoküsse starren muss. Und wenn einem dann am Tag 7 auch noch vorgeschlagen wird, man könnte das Experiment doch früher beenden, wegen Kaffee-und-Kuchen-Gemütlichkeit… Da muss man wirklich alle Disziplinreserven aufbringen, die man noch übrig hat. Der Kaffee hat aber auch ohne Kuchenbeilage – und natürlich ohne Zucker -geschmeckt.

Körperlich: keine Entzugserscheinungen, obwohl ich das erwartet habe. Im Gegenteil. Mein Körper hat sich gefreut und dann so hingenommen, dass es keinen Zucker gab. Ich fühlte mich fitter und gesünder als sonst und hatte mehr Energie. Ich war morgens schon voll da und habe auch nix von einem Nachmittagstief gespürt. Das einzig problematische an der Sache war, dass ich ziemlich schnell wieder Hunger bekam, weil meine Verdauung durch die Zuckerlosigkeit aufgeweckt wurde und einen Gang höher eingestellt war. Da ich nicht die ganze Zeit essen konnte (und wollte) musste ich den Hunger aushalten. Und den so entstehenden Mundgeruch konnte ich auch nicht mit nem Bonbon weglutschen, also habe ich Saft udn ganz viel Wasser getrunken. Achso, vielleicht auch noch erwähnenswert: Habe durch den Zuckerverzicht ganz nebenbei 1,3 kg abgenommen. Das fand ich schon beachtlich.
Seelisch: Ich war die gesamte Woche ziemlich gut drauf. Ich war sogar so gut drauf, dass sich meine Kollegen wegen meiner unlustigen Sprüche abgewendet haben :D
Es fühlte sich so an, als ob mein Körper endlich auch wieder meine Seele umschließt. Das klingt vielleicht seltsam, aber manchmal hatte ich schon das Gefühl, dass mein Körper ein bisschen zu groß für meine Seele geworden ist. Jetzt haben sich beide wieder angenähert :D Ich fühlte mich ganz ohne großes zutun (auch bekannt als „Denken“) gelassen und aufgeräumt. Das war schön. Trotzdem: Die Gewohnheit steckt da din. Es ist nicht der Körper der befiehlt: „Iss das Stück Schoko, du brauchst den Zucker!“ sondern es ist der Kopf, das Innere deines Selbst, das Kuchen bestellt, weil alle Kuchen bestellen und beherzt zugreift, wenn einem die Pralinenschachtel vor die Nase gestellt wird, weil es alle tun, weil es gerade so gemütlich, langweilig, stressig ist.
Ich sag euch, dieses AHA-Erlebnis ist unbezahlbar!

So, und jetzt? Im Buch muss man sich nach der Woche entscheiden wie es weitergeht. Und weil es mir so gut ging, werde ich weiterhin versuchen, meinen Zuckerkonsum zu reduzieren. Wenn ich Süßes essen will, dann nur einmal pro Woche. Und zwar suche ich mir Süßigkeiten aus, auf die ich wirklich wirklich Bock habe und nichts aus der Abteilung „Steht gerade so rum“. Ich habe gelernt, dass ich das Zeug gar nicht brauche (…ich wusste das natürlich schon vorher, aber zwischen „wissen“ und „begreifen“ ist ein himmelweiter Unterschied!) und diese Erkenntnis sitzt nachhaltig. Was einem der Körper zeigt, vergisst man nicht mehr so schnell.

21 Gedanken zu “1 Woche Zuckerfrei

  1. Das klingt sehr interessant. Kaum zu glauben, dass eine auf den ersten Blick relativ geringe Änderung so gewaltige Auswirkungen auf Körper und Seele haben kann. Bin schon auf den Bericht der Fastfood&Snack-freien Woche gespannt.

  2. wow, nach so kurzer Zeit schon?
    So richtig richtig muss ich das auch mal in Angriff nehmen (jetzt gerade stell ich mich wieder auf vegetarisch/tendenzvegan um, da wird mir erst mal nicht langweilig…)
    Aber auf jeden Fall hab ich dank dir vorhin beim Einkaufen den Sojakaramellpudding gleich wieder ins Regal zurückgestellt!

    Ich bin auf deine nächsten Berichte gespannt! Wie machst du das in der Fleischwoche? Du bist doch schon Vegetarierin, oder? Eine Woche Fleisch essen um festzustellen, wie schwer es im Magen liegt? haha

    1. Die Wochen „ohne Fleisch“ und „ohne Alkohol“ werde ich einfach weglassen, da ich weder Fleisch esse noch abends Alkohol trinke. Muss also nur 6 von 8 Wochen durchziehen – und wenn ich mir „ohne weißmehl“ und „ohne milchprodukte“ so anschaue, bin ich auch ganz froh drüber, denn das wird noch ganz schön hart :D

      Achso und zu deiner anderen Frage. Ich hab so gut wie gar keine Gelüste mehr. Ich kann nach einem Stückchen Schoko aufhören. Heute morgen hatte ich Marmelade zum Frühstück und das hat mir auch bisher gereicht. Früher wäre ich alle 20 Minuten zum Süßkramfach getingelt…ich kann das Zeug mittlerweile auch in der Arbeit stehen lassen. Unglaublich.

  3. Wow. Ich glaube, ich brauch das Buch. Und dann wird auch mal ausprobiert. Da ich mir das aber erstmal besorgen muss, hier meine Frage zu deiner SüsskramfreienWoche: „generell um Zucker in all seiner Form. Also auch Laktose, Maltose, Sacharose, Glukose, Glukosesirup usw. “

    Heißt das jetzt, du hast auch keine Milch getrunken? Wie ist das mit wirklich süssem Obst gewesen? Mangos, Weintrauben oder Birnen?

    Oder geht die Frage nun doch zu sehr ins Detail? Brot, Brötchen und Friends? Oder zählen die dann zu der WeißmehlfreienWoche?

    1. In der Weglassliste stand zwar Fruktose und Laktose, aber nichts spezielles zum Thema Obst oder Milch. Also habe ich Milch in mein Müsli getan, Naturjoghurt gegessen (ungesüßt, brrrr) und ein paar Mal Direktsaft getrunken, weil ich durch das Weglassen von Zucker einen ziemlich guten Stoffwechsel hatte und ich entsprechend Mundgeruch bekam. Das wollte ich den Kunden und Kollegen dann doch nicht antun. Ich habe dadurch auch festgestellt, dass ich ganz bequem und automatisch zu Obst greife, obwohl ich nie vorher so der Obstesser war (weil zu süß zu dem restlichen Süßkram!!!). Und selbst diese kleinen Mengen an Obst und Saft haben bei mir auch schon dieses „Einlull-Gefühl“ erzeugt. Letztlich war es aber ein Hintertürchen, weil ich so spontan ja auch gar nicht wusste, was ich essen sollte

  4. Ja, auf deinen Milchbericht bin ich ganz besonders gespannt. Mir selber fällt er erstaunlich leicht, weil ich nie ein Käse-addict war und alles andere gibts ja auch ganz leicht in vegan – nur halt oft soooo gesüßt :(
    Vielleicht heitert es dich auf, wenn ich dir (nochmal?) sage, dass man zB Mandelmilch ganz einfach selber machen kann :) (1000 Rezepte im Netz – meistens roh, man kann die fertige Milch dann auch noch kurz aufkochen, was mir pers. besser schmeckt, und länger hält), auch Sojamilch geht ganz easy.
    Vergiss aber nicht, dich über VitaminB12 schlau zu machen, wenn du dann vielleicht dauerhaft auch auf Milchprodukte verzichtest.

    Oh und wegen dem ungesüßten Müsli… Hirsebrei!!! (ich verwende Perlhirse)
    Hirse wird beim Kochen ein bisschen süß – viele Märchen schwärmen vom süßen Brei ;) ein paar Apfelwürfel drübergestreut, vielleicht ein bisschen Sesam mmmmmmmmh

    Aber vielleicht kannst du ja zum Thema Fleisch und Alkohol trotzdem was schreiben? Wie es dir ohne geht, ob du dich noch an „mit“ erinnern kannst usw.

    1. Sojamilch habe ich mir an- und wieder abgewöhnt. Es gibt so viele Sorten, die mir nicht schmecken und ich habe keine Lust mehr mein Frühstück runterwürgen zu müssen. Mandelmilch klingt da schon besser. Eine Freundin mischt immer Mandelmus mit Wasser, sie meinte, das schmeckt sehr gut und ist relativ leicht zu machen. Wobei das Mandelmus ja nicht gerade günstig ist…
      mal sehen. Ich hops demnächst mal in die Bücherei und leih mir vegane Kochbücher aus. Zu Fleisch und Alkohol kann ich auch gerne was schreiben

  5. Die Mandelmusoption ist teuer, ja. Aber für Mandelmilch muss man nur mitm Stabmixer Mandeln in Wasser pürieren und die Milch abfiltern. Da kostet der Liter ca. so viel wie Kuhmilch ;) (nichtbio 80cent, bio 1,20)

  6. hach, ohne zucker.. ich will’s versuchen – aber ich bin süchtig danach. mein großer vorsatz für 2013 – erstmal eindämmen; nicht zwingend verdammen..
    da ich merke, dass er mir nicht gut tut, ermutigt das gelesene doch erheblich..
    LG Romy

  7. Hallo!
    Ich lebe nun seit ca drei Wochen (fast) ohne Zucker. Hatte vor ca 6 Monaten aufgehört zu rauchen und wurde seitdem jeden Monat ein bis zwei Kilo schwerer :-(
    Und das trotz vier bis fünfmal die Woche Kraft Training und wandern min 6-10 k! Es war so schrecklich. Alle sagten nur, na ja, in zwei Jahren hat der Körper sich dann ganz umgestellt. Na ja, jetzt ging es noch, aber in dem Tempo weiter zunehmen, eher hätte ich wieder mit dem rauchen angefangen. Dann hab ich dieses Buch über die Zucker mafia gelesen und beschlossen, den Zucker weg zu lassen. War nicht so einfach, weil ich eine echte naschkatze war, aber bin nun total begeistert! Habe fast vier kilo mittlerweile runter! Und das ohne Diät oder Hunger. Im Gegenteil, esse mehr als je zuvor! Bin super glücklich!

  8. Wow, ich finde es toll, dass du so eine positive Erfahrung mit dem Zuckerverzicht gemacht hast. Ich habemich vor Weihnachten auch eine Woche basisch ernährt und dazu gehörte auch der Zuckerverzicht. Während dieser Woche hatte ich nach so 3 Tagen auch keine Zuckergelüste mehr, was mich total überrascht hat und ich habe mich körperlich freier und seelisch leichter und luftiger gefühlt. Das hat sehr gut getan. Aber leider hat die schöne Weihnachtszeit und all der Naschkram sein Übriges getan und ich war nur allzu schnell wieder im Zuckerfieber. Wie schaffst du das mental, auf die süßen Leckereien zu verzichten bzw. sie nur in kleinen Portiönchen zu dir zu nehmen. Auch wenn ich „weiß“, dass ich mir etwas Gutes tue, wenn ich zuckerfreie Tage einlege, ist es bei mir mit dem „Begreifen“ noch nicht so weit. Hast du mir da eine Idee, wie kam das Begreifen zu dir, war dies einfach durch deine einwöchige Erfahrung? Ich würde mich über deine Antwort freuen.
    Lieben Gruß aus Hamburg
    Catherine

    1. Liebe Catherine,
      danke für deinen Kommentar. Alsooo um es gleich zu sagen: Ich esse nach wie vor Zucker, lebe also nicht komplett zuckerfrei, aber ich habe meine Gelüste und Einstellungen besser unter Kontrolle und konsumiere dadurch bewusster.
      Nach diesen Achtsamkeitswochen muss man immer eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll. Also habe ich mich hingesetzt und eine Entscheidung getroffen: Ich liebe Süßkram, aber wenn ich etwas esse, dann soll es gefälligst verdammt gut schmecken, damit ich es genießen kann (und sich die Kalorien auch lohnen LOL). Seitdem stopfe ich mich nicht mehr mit Süßkram voll, sondern wähle sorgsam aus. Wenn in der Arbeit Weingummi, Schokoküsse etc. herumliegen, dann greife ich NICHT mehr automatisch zu, weil ich bemerkt habe, dass mir diese billige, aufdringliche extreme Süße überhaupt nicht schmeckt und mir sogar davon schlecht wird. (Da wandelt sich glaub ich ab einem gewissen Alter der Körper automatisch hin)
      Wenn ich aber im Pralinenladen stehe, wo ich mir jede einzelne aussuchen kann, dann tue ich das mit voller Seele und einem fetten Grinsen im Gesicht. Ich hab mir auch eine interne Hitliste an Süßigkeiten gemacht, auf die ich nicht verzichten will, das hat es mir leicht gemacht, den Rest links liegen zu lassen.
      Diese Achtsamkeit kann man trainieren. Ganz klassisch trainiert man sie mit einer Rosine, aber ich rate: Kauf dir mal im Fachgeschäft eine Praline oder eine besondere Tafel ganz edler Schokolade, wo man diverse Nuancen herausschmecken kann. (Rosinen!!! Ich bitte dich :D) Setz dich mit geschlossenen Augen hin und lutsch die Schokolade so lange, bis nur noch dieser Kakao-Hauch im Mund übrig bleibt. Billige Schokolade ist bei mir kratzig im Hals, während gute Schokolade den kompletten Gaumen auskleidet und eine feine Süße hinterlässt.:D Diese Eindrücke habe ich mir abgespeichert, meine Hitliste befragt, warum die Sachen da drauf stehen und welche nicht und dann mit der Realität abgeglichen.
      Das ist alles Kopfsache.

      Was Zucker in anderen Nahrungsmitteln angeht: Da gucke ich auf die Inhaltsstoffe und suche nach Alternativen. Oder ich verzichte darauf.

      Das mal in Kurzform, ich hoffe, das hat dir ein bisschen geholfen. Wenn du weitere Fragen hast – schreib einfach nochmal :)
      LG

  9. Ich bin mitten drin. Ich verzichte nicht auf jeden Zucker sondern nur auf den Industriellen Zucker.

    Mir ist zwar passiert das ich zu anudeln und auch mal zu Suppe griff und erst später bemerkte das es Zucker drin hat. Aber sonst bin ich bis auf 0.1g beim Reis oder bei Kolenhydrat (Max. 1.5g) ziemlich stur geblieben.

    Fazit bis jetzt: Meine Laune ist am Arsch und ich leide auch unter Entzugserscheinungen (falls man das so nennen darf). Aber ich habe schon lange nicht mer so gut geschlafen, ich fühle mich mit jedem Tag besser (bis auf die Tiefpunkte hi und da) und ich habe auch schon fast 3 kg abgenommen.

    Tipp:Ich trinke oft Wasser, aber in meinem Alter sind Süssgetränke leider oft dabei. Hab angefangen Obst ins Wasser zu geben. Hilft einfach nur perfekt. Und bei Süsslust griff ich auch zu süssem Obst wie Mango.☺

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