Schenken und Minimalismus.

Weihnachten naht. Alle rennen in die Läden und kaufen noch am 23.12. bis 20 h wahllos irgendwelches Zeug, das sie den lieben Freunden und Verwandten unter das Bäumchen legen können. Das dabei viel Mist herauskommt ist ja wohl klar.
Richtig schenken oder viel mehr „richtige Geschenke ausdenken“ lernt man nämlich auch nicht in der Schule…

Aber was tun Menschen, die das ihr Hab und Gut aufgegeben haben (oder gerade dabei sind, sich mehr und mehr von ihren Sachen zu trennen) und trotzdem gerne schenken wollen? Wie können diese Menschen das mit sich vereinbaren? Die Philosophie „Ich entmülle mein Leben und mülle anderen das Leben zu!“ – scheint da ja nicht so ganz zu passen.

Deshalb habe ich mir in einem Brainstorming überlegt, was man auch als Minimalist schenken könnte, ohne dass man ein schlechtes Gewissen haben muss. Schenken geht natürlich leichter, wenn man die Interessen des Anderen sehr gut kennt. Also immer schön die Ohren spitzen und auf dem Laufenden bleiben…:)

1) Essbares schenken. Zartschmelzende Trüffel-Sahne-Pralinen, ein deftiger Fresskorb, 18 Jahre alter Balsamico-Essig. Tee, Kaffee, Bio und Fairtrade, normal oder exquisit, da passt ja alles! YUMMY!
Gute Idee, weil: Budget lässt sich selbst stecken und das Geschenk löst sich selbst auf ;) – kein Kram, der herumsteht.

2) Verbrauchsmaterial schenken. Was da dazu gehört, ist wohl typabhängig. Ich bezeichne gerne Socken als Verbrauchsmaterial, weil ich mir da so oft Löcher hineinrubbel und die dann ziemlich schnell kaputt gehen. Als witzige Idee könnte man das z.B. als „Socken-Abo“ verschenken, dann kommt da jeden Monat ein Paar Socken in den Briefkasten. Entweder man kauft selbst ein, oder aber man lässt das Abonnement über einen Anbieter laufen, z. B. diesen hier. Google hilft bei der Suche. Ansonsten ist dieser Punkt offen zur freien Interpretation. Der Beschenkte ist leidenschaftlicher Bastler? Dann schenk ihm Klebstoff oder schönes Papier. Der Beschenkte schneidert gerne? Wie wäre es mit Schneiderkreide, Garn und Nadeln? Oder Origami-Papier für Faltkünstler?
Gute Idee, weil: dem Beschenkten gehen die Materialien nicht mehr so schnell aus, er muss also weniger oft los um sich seine Materialien zu besorgen und hat so mehr Zeit für sein Hobby. Hmm…man schenkt ihm/ihr also auch Zeit!

3) Erlebnisse schenken. Erlebnisse zu schenken ist wirklich was Feines! Vor allem für Leute, die sich nicht so oft sehen ist das eine wunderbare Art, mal wieder gemeinsam was Tolles zu unternehmen. Und auch hier gibt es keine Grenzen! Egal, ob man das richtig groß aufzieht und z.B. bei Jochen Schweitzer bucht oder selbst etwas organisiert – Spass macht es bestimmt! Vielleicht ist das ja auch mal die Gelegenheit was richtig Verrücktes zu machen?! Etwas, was man noch nie zuvor gemacht hat. Das muss ja nicht gleich Fallschirmspringen sein oder über Feuer laufen…es kann etwas ganz einfaches sein. Etwas, was man sich schon lange vorgenommen hat, aber noch nie so wirklich getraut hat…etwas, wo man ins Kalte Wasser hüpfen muss!
Gute Idee, weil: einfach so gut wie alles passt und gemeinsame Erlebnisse die Beziehung stärken. Wenn es dann auch noch ein Erlebnis mit hohen Nutzen ist, sammelt man auch noch Erfahrungen. Wenn man da auch noch Vitamin B oder die richtigen Tricks parat hat, geht das bestimmt leichter und schneller zu organisieren.

4) Gutscheine schenken. Ja. Gähn. Langweilig und unpersönlich sagen da viele. Aber warum? Warum muss man sich mit den Geschenken immer so abmühen? Warum nicht einfach einen Gutschein für das bevorzugte Geschäft verschenken, wo sich das Glückskind dann wirklich die Dinge aussuchen kann, die es wirklich braucht? Ist das wirklich so schlimm? Man muss ja nicht die Langweiler-Verpackung des Ladens nehmen (obwohl leider viele dazu übergegangen sind, diese hässlichen Aufladekarten zu nutzen) sondern kann sich was Hübsches dafür einfallen lassen! Ein edler Umschlag, ein nettes Kartenetui…mit ein bisschen Kreativität kann man das bestimmt hinbiegen. Vielleicht könnte man vorher im Laden nachfragen, ob das nicht auch geht, dass sie die Plastikkarten oder sonst was in selbst mitgebrachte, gebastelte Umhüllungen geben?
Gute Idee, weil: Das Budget selbst bestimmbar ist und man nicht viel Falsch machen kann.

5) Zeit schenken. Wie das geht? Man übernimmt einfach mal ein paar (ungeliebte) Aufgaben für jemanden, der mal eine Pause braucht. Das können Paare mit Kindern sein, auf die man mal einen Abend aufpasst, damit die beiden mal einen ungestörten Abend miteinander verbringen können Das kann Bügeln, Aufräumen und Organisieren sein, damit ein Chaot endlich mal zur Ruhe kommen kann. Das können kleine Reparaturen im Haushalt sein, für die im hektischen Alltagsleben eines Berufstätigen keine Zeit bleiben. Das kann so vieles sein!
Gute Idee, weil: man seine Talente dafür einsetzen kann und das nicht mal was kostet. Vielleicht lernt der Beschenkte dadurch sogar noch was!

6) Gutes tun im Namen des Beschenkten.
Um dem Konsumwahn noch ein extra Schnippchen zu schlagen, kann man sich selbst und den Beschenkten auch ganz anders eine Freude machen. Wie wäre es, wenn man z.B. 1 Monat Trinkwasser für 100 Menschen verschenkt?
Oder 10 junge Bäume, die im Kongo angepflanzt werden um später einen Schutz vor Erosion zu bieten? Bei oxfam ist sowas möglich.
Natürlich kann man Gutes auch in der eigenen Heimat tun. Viele kulturellen und sozialen Einrichtungen brauchen Hilfe, man muss sich nur vorher informieren. Weitere Ideen wären z.B. vom Verfall bedrohte Bücher retten oder Weihnachtsmann für Kinder aus einem SOS Kinderdorf spielen!
Gute Idee, weil: das perfekt passt für Leute, die schon alles haben und nichts brauchen! ziemlich stressfrei und man tut auch noch was Gutes.

7) Selbstgemachtes verschenken. Ich glaube, dieser Punkt ist selbsterklärend. Natürlich ist das einfacher für Leute, die gerne Dinge selbst machen. Aber auch die anderen, die immer behaupten sie wären völlig „talentfrei“ sollten sich mal daran versuchen. Ideen gibt es genug! Und wer hierbei wirklich ahnungslos ist, kann zumindest ein Witziges T-Shirt designen und das drucken lassen. Oder auf kunsthandwerkliche Weihnachtsmärkte gehen, sich inspirieren lassen und/oder den jungen Kreativen was abkaufen. Das freut nicht nur die Jung-Designer.
Gute Idee, weil: sehr persönlich, macht kreativ und gute Laune! wenn Kreativität mit Design gekoppelt wird, landet man ja doch meistens einen Volltreffer. Frei nach dem Motto: „ein Unikat für ein ein Unikat!“

8) Das verschenken, was sich der andere wirklich wünscht. Ha! Könnte so einfach sein. Nur haben die meisten nie Wünsche, wenn man sie danach fragt. Wie kann man dieses Problem lösen? Tja, das ist nicht so leicht, weil man alle impfen muss, regelmässig Wunschlisten zu schreiben. Am Besten das ganze Jahr über. Wenn man hierfür aber elektronische Wunschlisten anlegt, kann man sich viel Zeit und schlechte Laune sparen. Weltweit einsehbar, relativ aktuell und mit entsprechender Verlinkung zum Online-Shop oder zur Produktbeschreibung. Online-Wunschlisten sind z.B. unter wishlistr.com oder http://www.yourlistonline.com/ oder Wunsch-Galerie anzulegen. Also, mit gutem Beispiel voran gehen und sich selbst eine Wunschliste anlegen. Dann spart man anderen Schenker auch viel Grübelei!
Gute Idee, weil: man auch hier nichts falsch machen kann. Wenn die Dinge auf der Wunschliste zu teuer oder immaterieller Natur sind, bekommt man wenigstens eine Idee, was der Beschenkte will/braucht und kann so weiter planen.

So, das war’s jetzt mit meinem Brainstorming. War das in irgendeinerweise hilfreich?
Was schenkst du dieses Jahr? Empfindest du zur Weihnachtszeit eine Art „Konsumterror“ oder geht das an dir vorbei?
Wie hältst du andere davon ab, Blödsinn zu verschenken?

4 Gedanken zu “Schenken und Minimalismus.

    1. oh, darüber würde ich mich schon freuen, wenn der Staubsauger oder ein Küchengerät gerade kaputt gegangen ist. Momentan würde ich mich über warme Hausschuhe, einen neuen Ofen, ein Fahrrad und einen schnelleren Computer freuen.
      ;)
      Natürlich kommt das immer auf die Persönlichkeit an. Eine Hausfrau und Mutter würde dem Ehemann wohl den Kopf abreissen, wenn er ihr ein neues Bügeleisen schenken würde ;D dann doch lieber einen Tag in einer Wellnessoase.

  1. Noch kurz zur Anmerkung.

    Es gibt auch eine Wunschliste unter http://www.amazon.de
    Auf die können dann Freunde/Familie zugreifen, wenn die Emailadresse des Beschenkten bekannt ist.
    (Man kann die Wunschliste aber auch sperren, damit man nur selber eine Gedankenstütze hat, was man haben will)

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