Auf dem Blog “Geist und Gegenwart” wird gerade das Minimalismus-Manifest heiß diskutiert. Sehr interessant, ihr solltet euch da mal hindurchklicken.
Was mir aber da ins Auge fiel, war ein Kommentar von Gilbert, der schrieb:
…
“Übrigens sehe ich das Problem des Ich-zentriert-Seins bei dem Minimalismus auch ganz deutlich. Und es wäre einer meiner eigenen größten Kritikpunkte. Zum Beispiel: Eine häufig zu hörende “Regel” von Minimalisten ist, nicht nur die Dinge, die einem die Freiheit verstellen, los zu lassen, sondern auch die Menschen, die der minimalistisch konzentrierten Selbstverwirklichung im Wege stehen. Die Minimalisten, von denen ich gelesen habe, sind sehr schnell bereit, ehemalige Freunde, die ihnen zur Last fallen, hinter sich zu lassen. Für mich ist das schon ein Ausdruck von Egoismus.”…
Das hat jetzt alles nichts mit der ursprünglichen Diskussion des Minimalismus-Manifest zu tun, sondern mit etwas, was mir immer wieder bei den vielen anderen, kritischen Kommentaren auf diversen Minimalismusblogs aufgefallen ist.
Es geht um Beziehungen. Es dürfte ja mittlerweile allgemeinhin bekannt sein, dass Minimalisten erstmal alles rausschmeissen und sich von Verpflichtungen lossagen. Und im gleichen Atemzug wird auch vorgeschlagen (von mir übrigens auch!!!) dass man ungesunde Beziehungen loslassen soll.
Bei obigen Zitat ist mir wieder aufgefallen, dass das oftmals total falsch rüber kommt, deshalb wollte ich dazu noch mal Stellung nehmen.
Also – Frage – : Was soll man mit Menschen tun, die einen nerven, die einem zur Last fallen, die ehemalige Freunde sind, bei denen man sich nicht wohlfühlt, mit denen man nichts (mehr) zu tun haben will, weil man sich dauernd verletzt fühlt? Denen man einfach nichts mehr zu sagen hat und sich nur aus Höflichkeit mit ihnen abgibt, weil man eben in VERGANGENHEIT etwas miteinander zu tun hatte?!
Und ich bin mir sicher, JEDER kennt mindestens eine Person, auf die diese Merkmale zutreffen. Das kann der Mitschüler sein, der jetzt nur noch von Haus, Kindern und Autos spricht und unendlich langweilig geworden ist oder eine “Freundin”, die immer nur dann anruft, wenn es ihr mal wieder schlecht geht, weil sie von xy verlassen worden ist.
Das Dumme am Leben ist ja, dass die Zeit begrenzt ist. Und wenn ich mich langweile oder scheiße fühle, ist das Verschwendung dieser kostbaren Lebenszeit.
Soll man sich ewig mit solchen Leuten herumquälen? Soll ich lieb sein und zuhören, wenn mitten in der Nacht besagte “Freundin” anruft und mich als Seelenmülleimer benutzen will? Was will ich denn mit Leuten, die mir ständig das Gefühl wollen, mein Lebensentwurf ist schlecht, weil “zu anders” ?
Als ich damals einer Person gesagt habe, dass ich nichts mehr mit ihr zu tun haben will, war das wahsinnig hart für mich, weil ich sowas noch nie zuvor zu jemanden gesagt habe, aber letztlich hat mich dieses Ereignis befreit und ich bin stärker geworden. Irgendwo muss man eben eine Grenze ziehen. Ja, natürlich ist es egoistisch, aber es ist gesunder Egoismus, der uns befreien kann und uns innere Klarheit schenkt.
So ist das gemeint, wenn Minimalisten schreiben “ungesunde Beziehungen loslassen”.