sich von Naschsucht befreien (es zumindest versuchen)
Okay, die Kommentare und Mails waren eindeutig – ihr wollt wissen, was ich tue um meine Naschsucht zu besiegen. Die Sache ist nur die: Es funktioniert für MICH und ich weiß nicht, ob das bei dir auch klappt. Aber zumindest kann ich ja mal die Idee in den Raum stellen und du kannst dann für dich mal herumexperimentieren.
Erst mal die Fakten: Es geht um Achtsamkeit und Willenskraft. Und es ist ein Prozess, der mal ziemlich leicht und dann ziemlich schwer und dann wieder leicht ist. Vermutlich wirds auch mal wieder schwer, aber mal sehen. :D
Ich esse nach wie vor Süßigkeiten (ich bin ja nicht völlig bekloppt!!! :D), allerdings sehr viel seltener und nicht die ganze Tafel Schokolade sondern eben nur ein einziges kleines Stückchen mit absolutem Genuss. Jeder Naschsüchtige weiß, was das für eine Leistung ist. :D
Der Trick ist, dass ich mir diverse Hürden gebastelt habe. In erster Linie gings mir darum, mal den Teufelskreis des Naschens zu durchbrechen und die Süßkram-Pausen dann weiter auszudehnen.
Die Vorbereitungsphase: Eine Woche ohne Zucker überleben.
Erst dadurch hat mir mein Körper beigebracht, dass es 1. mit Willenskraft und Achtsamkeit klappt etwas durchzuhalten und 2. dass es mir ohne Zucker sehr viel besser geht. Er hat mir aber auch beigebracht, dass das Leben ohne Süßzeug ziemlich langweilig ist. Nur so habe ich begriffen, dass Verbote nichts bringen. (Klar, der Kopf weiß das sofort, aber der Körper?)
Der Kopf kann viel beschließen, aber wenn der Körper den Grund dafür nicht kennt, bockt er und aktiviert den Schweinehund, der sämtliche Vorsätze sabotiert.
Natürlich könnte man auch versuchen, mit einer Woche ohne Süßkram anzufangen, aber ich weiß nicht, ob das dann den gleichen Effekt hat. Ich fands noch vor ein paar Wochen echt schwer überhaupt einen Tag ohne Süßkram durchzuhalten. :(
Der Rest ist eigentlich nur banaler Blödsinn, den ich beschlossen habe und an den ich mich halte. Wenn man einmal den Naschsucht-Kreislauf durchbrochen hat, wird es ziemlich leicht.
Ich habe nur vorher überlegt, was es mir in bestimmten Situationen schwer macht auf Süßkram zu verzichten:
1. Problem: Es gibt zuviel Süßes in meinem Umfeld.
Lösung:
Keine Vorräte mehr anlegen
Schön, wie man sich das immer argumentiert: “Ich kauf nur mal xyz falls wir spontan Besuch bekommen” So ein Quatsch. Isst man ja doch alles selber…
Also reisse ich mich zusammen und kaufe keine Süßigkeiten mehr auf Vorrat. Anfangs war das ganz schön hart. Überall wo anders gibts doch genug!!! Z.B. auf Arbeit. Da steht meistens was rum. Wenn ich also Süßes essen will, könnte ich das theoretisch dort auch tun. Und bei absoluten Heißhungerattacken muss ich eben mal zur Tanke latschen. (Da ich aber meistens zu faul für sowas bin, lass ich auch das bleiben :D)
2. Problem: Wenn man mal drin ist, isst man irgendwie automatisch alles. Zumindest probiert man es.
Lösung:
Nur das essen, was man wirklich wirklich liebt.
Wenn ich schon Kalorien verschwende, dann doch bitte für was richtig Gutes. Es gibt doch wirklich nichts traurigeres als Süßkram, von dem einen schlecht wird oder der nicht “süß” genug ist den Heißhunger zu stoppen! Ich habe keine Lust mehr auf billige Schokolade und Farbstoffverseuchtes Bonbonzeug.
Ich habe mir eine Liste geschrieben mit Süßigkeiten, die ich mittlerweile total eklig finde. Die Liste war erstaunlicherweise ziemlich lang. Wenn es in der Arbeit etwas davon gibt, dann lass ich es bleiben. Das fällt mir ziemlich leicht, weil ich es ja schwarz auf weiß stehen habe. Ich habe auch eine Liste geschrieben mit Süßkram, den ich schätze. Das Witzige ist: Ich dürfte alles auf der Liste essen wann und wo ich will, allerdings wird das auf Dauer langweilig, weil es ja irgendwie immer das gleiche ist. Also hat sich das auch automatisch reduziert.
3. Problem: Ich nasche zu viel und weiß nicht, wie groß eigentlich eine Portion ist.
Lösung:
Mit kleinen Portionen klar kommen
Eigentlich kam dieses “weniger essen” dann ganz automatisch, weil ich durch Achtsamkeit die (Stopp-)Signale meines Körpers früher bemerke. Aber ab und zu wiege ich auch mal eine Portion ab, damit ich mal sehe, wie viel das eigentlich an Kalorien ist. Ich esse jetzt erstmal immer ganz wenig, denn meistens reicht das schon. Der Genuss von zartschmelzender, qualitativ hochwertiger Schokolade ist beim ersten Stückchen da und steigert sich auch nicht, wenn man mehr davon isst. :/
4. Problem: Ich sollte generell etwas gesünder essen.
Lösung:
Süßes gegen Gesundes eintauschen
Ich achte darauf, dass ich mind. 1 x pro Tag Obst esse. Hui, stimmt, Obst ist auch süß. Wenn ich mehr Gesundes esse (und mit 1x fange ich ganz klein an), dann esse ich auch weniger Ungesundes. Logisch. Ich gebe aber zu: Das lief auch schon mal besser.
Bonusidee (die ich mir erst vorgestern ausgedacht habe und ähm eher optional anzuwenden ist?!) für Problem Nr. 5 – Süßes verursacht Müll!
Lösung: Nur Süßes essen, was keinen Müll verursacht! Wuahahha ich bin begeistert! Das erlaubt Kuchen und Torten im Kaffeehaus, Eis in der Waffel oder in der Eisdiele und Teilchen auf die Hand und Pralinen von der Theke oder gelantine-freie Gummibärchen aus der Schütte – allerdings nur, wenn ich meine eigenen Behältnisse mitnehme! Ich habe im hiesigen Karstadt gefragt, wie es aussieht mit Behältnisse mitbringen, die meinten, das geht klar.
Tja, das wars auch schon. Ich sagte ja, ziemlich billig, aber für mich funktioniert es. Wenn man herausfindet, wo die Fallen liegen, kann man auch darauf reagieren. Es ist nur etwas Hirnschmalz erforderlich.
Category: Experimente, Minimalismus 6 comments »

März 8th, 2013 at 11:44
Hallo!
Vielen Dank für gute Tipps. Man soll echt große Willenskraft haben, um die Naschsucht zu bewältigen:) Bei mir klappt es nur teilweise und hängt vor allem von der Laune ab. Manchmal ist ein Stück leckeres Törtchen mit einer Tasse gutem Kaffee das beste und einizige Arzneimittel, damit der Tag wieder schön ist.
Beste Grüße
Elen
März 8th, 2013 at 17:00
noch das wochenende und ich bin zwei wochen ohne zuckerfrei – auch kein honig oder agavensirup o.ä.
abgesehen davon, dass mir dieser verzicht diesmal ausgesprochen leicht fällt, mache ich die erfahrung, dass es sich stärkend auswirkt auf willenskraft und den individuellen fokus, wenn man das sch… zeug weglässt.
bei mir setzt zucker das “nein”-zentrum in gehirn ausser kraft. ich glaube, das zu verstehen und zu wissen, kann sehr hilfreich sein. was ich ausserdem bemerkenswert finde ist die tatsache, dass zucker weiss und kristallin ist, und mancherorts in tütchen angeboten wird. genau wie gewisse substanzen, die unter das betäubungsmittelgesetz fallen. aber das mag natürlich übertrieben klingen.
weissmehlprodukte haben übrigens einen ähnlich effekt auf mich.
März 9th, 2013 at 10:44
Ha! Herzlichen Glückwunsch nochmal zum Überlisten der inneren Naschkatze :)
Ich mach eigentlich das selbe wie du. Hab mit dem Veganer-Dasein und dem Experiment:Zuckerfrei angefangen, eben auch eher Nüsse, Rosinen oder ne Stück Banane zu naschen. Geht sowieso wenig Knabberkram, halte hielt (…verfluchtes Plastik…) mich vor allem an Chips & Vollkornsalzstangen. Will man auch nicht jeden Tag.
Womit ich trotz allem nicht klar komme ist Problem 3… Katzen sind echt schwer erziehbar :D
März 10th, 2013 at 10:05
[...] gehen und die Nascherei ganz aufgeben möchte, findet bei Frau DingDong im aktuellen Blogeintrag Sich von der Naschsucht befreien (es zumindest versuchen) einige Tipps und [...]
März 10th, 2013 at 12:15
wow, sehr cool zwei wochen ohne zucker! das ist wirklich lobenswert!
Ich glaube, was du zum Thema Stärke und Willenskraft geschrieben hast, stimmt. In der Woche ohne Zucker habe ich bei jedem Stück Obst oder Schluck Saft gemerkt, dass das Gehirn wieder weich wird. Zucker ist eine schöne Droge…
März 10th, 2013 at 12:15
Ja das stimmt – deshalb will ich auch auf keine Süßigkeiten verzichten – mir reicht es schon, wenn ich es an 6 Tagen pro Woche auf Null reduziere ;D