Alles-anders-April: das Fazit

Was für ein turbulenter Monat!
Mir ist immer noch ganz schwindelig.

Diese Dinge (in kursiv) habe ich gemacht:
1) Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen
2) Abends noch ins Kino gehen
3) Nach der Arbeit noch zum Sport gehen
4) Die Mittagspause woanders verbringen oder zumindest mal woanders sitzen
5) Vollkornbrötchen backen
6) Jeden Tag Gymnastik machen
7) Eine 5 Minuten Collage machen
8) alle Lieblingsfilme angucken
9) ein Brettspiel spielen
10) Jeden Abend einen Spaziergang machen
11) Ein neues Restaurant testen
12) Sich schick machen
13) Im Rock zur Arbeit (OMG!!!) (Röcke SIND umbequem)
14) In der Mittagspause kochen
15) einen Krimi lesen
16) einen historischen Roman lesen
17) Bei Starbucks abhängen und cool tun (das mit dem „cool tun“ hat noch nicht so wirklich geklappt)
18) Woanders sitzen (im Bus, im Aufenthaltsraum etc.)
19) etwas essen, was ich normalerweise nicht mag
20) einen Horrorfilm gucken
21) einen anderen Sportkurs besuchen, den ich normalerweise nie besuchen würde
22) mit dem Kopf am Fußende schlafen
23) mal pünktlich ins Bett gehen und zwar ein paar Tage/Wochen am Stück
24) keine To-Do-Listen schreiben (sehr seltsam, aber auch ziemlich leicht)
25) ohne Tasche zur Arbeit fahren (ich glaube das war das Beste)
26) Tourist in der eigenen Stadt spielen
27) Abends noch ins Schwimmbad gehen
28) Eine Vorlesungsreihe komplett besuchen
29) Abends offline sein
30) morgens keinen Tee trinken
31) etwas nähen
32) Blumen kaufen (Ginster!)
33) Blut spenden
34) dekorieren
35) ein Bild fertig stellen
36) in einen H&M gehen und sich umschauen (*schwitz*)
37) Nägel in einer Farbe lackieren, die ich normalerweise nicht trage (sie waren feuerwehrrot!)
38) ein Kleid anziehen
39) abends noch mit Freunden um die Häuser ziehen
40) Streetartist spielen
41) rückwärts zur Bushaltestelle gehen
42) ohne Uhr aus dem Haus gehen
43) einen fremden Stadtteil erkunden
44) Schmuck tragen
45) etwas Kaltes zum Frühstück essen/trinken (bekommt mir nicht)
46) ein 3-Gänge Menu kochen
47) kalt duschen
48) Fremde ansprechen und Small talken (*inohnmachfall*)
49) etwas kaufen, auch wenn es sinnlos ist (dazu zähle ich jetzt mal den grauen Rollkragenpullover den ich im secondhand laden gefunden habe. Der ist von einer traumhaften Qualität, aber ich hätte ihn nicht gebraucht…)
50) ein Bild fertig stellen, das schon seit 2008 wartet…
51) einen Fantasyroman lesen
52) einen Psychothriller lesen

53) mit dem rechten Bein zuerst in die Jeans gestiegen
54) Pizza in einer anderen größe und mit anderen Zutaten belegt
55) morgens mal wieder Make-up aufgetragen
56) total improvisiert gekocht (und es hat geschmeckt!!)
57) Joghurt aus dem Glas gegessen, unterwegs (ab wann gilt man eigentlich als Stadtteilverrückte?)
58) ich war zum ersten Mal im tiefen Inneren der Fressmeile im Hbf, seltsames Völkchen dort
60) absichtlich eine Behindertentoilette benutzt (hat mich das nervös gemacht!! das war die einzige Toilette, die nicht vollkommen verschmutzt und klopapierlos war)
61) gleiche Frisur, andere Frisörin (hat sie auch gut gemacht!)
62) einen neuen Secondhand-Laden besucht (leider nix gefunden)
63) plastikfrei eingekauft (beim 1.Mal kommt man sich wie Captain Planet vor)
64) andere Musik als sonst gehört
65) absichtlich verloren gehen und bei einer mir völlig fremden S-Bahn Station rauskommen
66) einen VHS-Kurs im Bogenschießen besucht, 5 Stunden lang. (das war toll!)

Insgesamt betrachtet war der Alles-Anders-April eine wunderbare Erfahrung. Ich habe sehr bewusst Entscheidungen getroffen, auch wenn sie ziemlich unbequem waren. Ich habe permanent meine Bequemlichkeitszone verlassen und kam mir plötzlich ziemlich hilflos und unsicher und gleichzeitig auch recht mutig vor. Keine Ahnung woran das liegt, aber man kann sich in seinen Gewohnheiten doch recht wohl und „heimisch“ fühlen. Ha, deshalb sind es wohl Gewohnheiten! :D
Zwischendurch hatte ich sogar mal wirklich „Heimweh“ nach meinem Rhythmus, meiner Routine. Selbst die subtilsten Änderungen machen einen schon nervös, weil man es nicht gewöhnt ist!

Durch diese Anders-Aktionen lernt man sich nicht nur selbst besser kennen, sondern auch sein Umfeld. Eigentlich würde ich mich schon als neugierigen, offenen Menschen beschreiben, aber als ich einige Sachen durchgezogen habe, habe ich bemerkt wie sehr ich doch von Vorurteilen und Meinungen eingeengt werde.
Ich glaube, am Besten hat mir aber das Zwischenmenschliche gefallen. Als ich mich im Aufenthaltsraum zur Besprechung mal woanders als sonst hingesetzt habe, fühlten sich auch meine Kollegen etwas „unbequem“. Einige haben daraufhin im Laufe der Zeit auch mal den Platz gewechselt und stellten fest, dass so ein Sitzplatzwechsel auch eine neue Perspektive bietet.
Was auch noch toll war: seine Mitmenschen um Ratschläge für Anders-Aktionen zu bitten. Ich habe mir Literatur empfehlen lassen und habe die Begeisterung der anderen in den Augen leuchten sehen, wofür ich sonst nur endgültiges Urteil übrig hatte.
Durch die Kommentare und Ratschläge der anderen habe ich mich selbst anders kennenlernen dürfen. Man denkt man macht was anders und dann kommt einer daher und sagt: „Moment mal, so viel anders ist das jetzt nicht, weil…!“

Ein verrückter Monat, der ziemlich anstrengend und wunderschön war. Zukünftig werde es wohl häppchenweise angehen, wenn mir der Alltag wieder zu grau wird. Eine Woche bunt wird dann wohl genügen. Steht ja noch genügend auf der Liste. :)

oh und noch ein #funfact: Ich habe erfahren, dass ich eigentlich eine verkappte Linkshänderin bin!!! Ist das nicht faszinierend?!

9 Gedanken zu “Alles-anders-April: das Fazit

  1. :-) Ich habe immer geahnt dass Du eine verkappte Linkshänderin bist.
    Wie bist Du Dir drauf gekommen?
    Mit Deinem alles-anders hast Du mich inspiriert und ich habe einiges anders gemacht und es war sehr unbequem schön :-D

    Ahoi!

    1. Das mit der Linkshändigkeit habe ich beim Bogenschießen herausgefunden. Die erste Anweisung des Trainers war, dass wir die Zielscheibe anvisieren sollten, da habe ich das rechte Auge zugekniffen – da war für ihn klar, dass ich den Bogen mit rechts halten muss, um mich mit links auf die Pfeile bzw. das Ziel zu konzentrieren. Verrückt. Und ich dachte auch immer ich steige mit links in die Hose, dabei ist links mein Standbein und ich steige mit rechts hinein!! Das ist echt heftig. Mittlerweile sind mir noch mehr Kleinigkeiten eingefallen. Ich werde wohl öfter mal was mit Links machen ;D

  2. Hallo Frau Ding Dong,

    ich war ja sehr gespannt auf das Ergebnis. Wunderbarer Artikel und auch gleichzeitig so ehrlich. Ich glaube wir haben alle in den letzten Jahren unglaublich viel Routine, Meinungen, Vorstellungen und Vorurteile angehäuft. Ein anderer Blickwinkel scheint da nicht verkehrt.

    Ich werde dieses Experiment auch mal ausprobieren und bin sehr gespannt was dabei raus kommt :D

    Liebe Grüße
    Muse

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