Inbox zero und voller Briefkasten

LOL – so ist es doch, oder? :D

Diese „Inbox zero“ Tipps finde ich mittlerweile total ausgelutscht. Welcher Normalsterbliche Nicht-Business Fuzzi bekommt denn heutzutage noch E-Mails?!
Und überhaupt: Warum schwirren auf jeder Personal-Development-Seite immer noch Tipps dazu herum? Es reicht!
Inbox Zero geht so: Löschen. Fertig. Vorher evtl. noch antworten. Oder anrufen, wenn man zu faul ist, einen Text zu tippen. Und dann löschen.

Messenger-Apps, Twitter und Co. haben E-Mails längst abgelöst. Wir haben uns schon daran gewöhnt, keine langen Texte mehr zu verfassen, denn alles muss immer ganz schnell gehen – denn – wir haben ja keine Zeit und müssen noch so viel erledigen.
Puh.

Dabei liegt in der Ruhe im Medienclash doch die Kraft!

Wenn ich mir die Instagram Bilder von Filofax-Verrückten und Snailmail-Enthusiasten ansehe, weiß ich: Da halten viele Leute inne und wählen ganz bewusst Langsamkeit. Papier statt Touchscreen. Postkarten und Briefe.
Die Umschläge werden mit Washi-Tape verziert, die Briefmarken sorgfältig ausgewählt und es wird mit Schönschrift experimentiert.

Ich mag Briefe und Postkarten und freue mich über einen vollen Briefkasten. Das rührt mich jedes Mal.

Ich ernte immer verwunderte Blicke, wenn ich im Café sitze und einen Brief schreibe oder mich während der Mittagspause darauf konzentriere, keine Fettflecken aufs Briefpapier zu schmieren :D
Das Gespräch geht dann immer so: Ach, du schreibst einen Brief? – ja – ich bekomme nie Briefe! – schreibst du denn selbst welche? – nein. Hm.

„Ich weiß aber nicht was ich schreiben soll!“

brupo

Vielen fällt es schwer in schriftlicher Form über ihr (Seelen-)Leben zu berichten. Deshalb einige Tipps:

  • Anlässe gibts genug und wenn nicht: erfinde einen!
    Ostergrüße, Weihnachtspost, Geburtstagskarte – das sind Anlässe, die man nutzen kann. Und wenn gerade nix ist – dann erfinde eben einen Grund :)
  • Es geht weder um Perfektion noch muss es lang sein.
    Eine Seite reicht für den Anfang. Oder nimm einfach eine Postkarte: „Hi wie gehts dir?, hab das Motiv gesehen und musste an dich denken!“
  • Lies Briefe von berühmten Personen.
    In der Bücherei gibt es genügend Tagebücher und Briefsammlungen. Schmöker ein bisschen darin herum. Da wird über das Wetter gejammert, die große Liebe beschrieben, über den Nachbarn gelästert. Sehr inspirierend!
  • Beschreibe, was du fühlst.
    Geh in ein Café oder öffne das Fenster. Was siehst du? Hörst du Vogelgezwitscher oder Musik? Was riechst du? Wie fühlt sich der Stuhl an auf dem du sitzt? Und was hat das alles mit dir zu tun? Was löst das alles bei dir aus?
  • Geduld haben und weitermachen.
    Manchmal bekommt keine Antwort in Briefform. Das ist anfangs enttäuschend, aber nach einiger Zeit freut man sich über den Akt des Schreibens an sich. Das Schreiben und der Weg zum Briefkasten ist ein schönes Ritual.

Also: Halte die Zeit an und schreib mal wieder!

8 Gedanken zu “Inbox zero und voller Briefkasten

  1. Vor einer Stunde noch habe ich meiner Freundin per SMS zum Geburtstag gratuliert, das hätte ich doch viel besser mit einem Brief machen können! Ich muss es wirklich zugeben, ich habe als 16-Jährige noch nie einen Brief selbst abgegeben oder geschrieben. Dafür schäme ich mich ein bisschen, immerhin liebe ich Dinge wie Bücher, Kalligraphie und Tagebücher. Aber ich bin einfach damit aufgewachsen, dass man nur mit Textnachrichten am Handy miteinander kommuniziert. Höchstens Postkarten aus dem Urlaub werden noch verschickt, das aber auch nur noch selten.
    Bei der nächsten Gelegenheit wie Geburtstage oder Treffen werde ich auf jeden Fall zu Papier und Tinte greifen! Danke, dass du mich daran erinnert hast ;)

  2. Ich hatte früher immer Brieffreundinnen und wir haben sogar unsere Umschläge schön bemalt.
    Da ich vor einiger Zeit in Füller, farbige Tinte und ein Tagebuch investiert habe, bin ich auch wieder ein wenig dem Schreiben verfallen.
    Ich suche irgendwie noch immer wen, dem ich schreiben kann. Aber vielleicht mache ich es einfach mal so und überrasche auch wen damit.
    Es ist schade, dass alles über die kleinen Geräte läuft.

  3. Ich schreibe noch Briefe (keine langen, zugegeben), aber gerne auch Geburtstagskarten mit selbstgemachten Fotos. Den letzten Überraschungsbrief ohne bestimmten Anlass (Karte + eine schöne Zeitschrift) habe ich gerade gestern Vormittag in die Post gegeben.

    … und ich schreibe und bekomme auch noch Mails … Liegt bestimmt auch daran, dass ich so gar nicht bei Twitter, Apps, Facebook & Co mitmische … Nicht zuletzt telefoniere ich auch lieber als eine SMS zu schreiben …

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

  4. Allen, die gerne Postkarten schreiben und bekommen, denen lege ich die kostenlose und internationale Plattform postcrossing.com ans Herz. Ich bin seit vier Jahren dabei und bin noch immer begeistert.
    Auf Postcrossing bekommt jedes Mitglied Adressen in aller Welt vermittelt, an die er dann eine (und zwar wirklich nur eine) Postkarte schickt. Im Gegenzug bekommt man dann ebenfalls eine Postkarte, allerdings von einem anderen Mitglied. Und da man nie weiß, an wen die eigene Adresse grade rausgegangen ist, verspricht jeder Gang zum Briefkasten eine Überraschung. Und wer sich Sorgen um seine Privatsphäre macht: Die Adressen sind natürlich nicht öffentlich sichtbar.

    LG Claudia

  5. Ich schreibe schon seit einigen Jahren wieder Briefe und Postkarten.
    Mit einer Freundin habe ich sogar nur Briefkontakt.

    Manchmal juckt es mich sogar in den Fingern und ich suche die Adressen von Internetbekannten raus und dann gibts ganz viel Post für die anderen :)

  6. Ich bin immer kurz vor ner Panikattacke, wenn ich sehe, dass ein Brief im Briefkasten ist. Das sind doch immer nur Mahnungen oder irgendwelche Hiobsbotschaften von Ämtern oder Versicherungen.

    Vor einer Weile habe ich einer Freundin ein Paket zum Geburtstag geschickt. An der Sendungsverfolgung konnte ich sehen, dass es bei ihr im Ort auf der Post liegt und nicht abgeholt wird. Ein paar Tage später bekam ich von ihr ne SMS, dass sie mein Geschenk bekommen hat und es ewig nicht abgeholt und in Angst gelebt hat, weil auf dem Abholschein „Einschreiben“ angekreuzt war und sie dachte, es wäre Inkasso oder irgendwas gerichtliches.

    Man sollte sich wirklich wieder öfter „nette“ Sachen schicken… ^^

  7. Hallo, dank einer Flaschenpost (https://hundnico.wordpress.com/2017/04/29/unser-urlaubsstrand-soll-schoener-werden/) habe ich das Schreiben per Hand auch wieder entdeckt. Klar, ist ein Brief am PC schnell geschrieben, aber nicht so persönlich. Aber es ist unglaublich schwer Briefpapier zu bekommen. Am Schluss musste doch wieder der Onlinehändler her.
    Auch bei Urlaubskarten bin ich wieder kreativ geworden. Da wir unseren Urlaub immer am gleichen Ort verbringen :-) , habe ich genug Fotos um eine schöne Postkarte vorab drucken zu lassen. (gut, einfachhalber auch schon mit Text ;-))

    LG Anja

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