Der Klamotten-Kalender

Es ist Ende Juli und du brauchst einen neuen Badeanzug. Du gehst bei 30 Grad Außentemperatur in den Laden deiner Wahl und denkst: „WTF?!“ – in Braun und Grau: Wintermäntel, Tweedhosen, Fleecejacken. Du siehst dich schwitzend um und entdeckst in der hintersten Ecke 3 Langweiler-Badeanzüge. In Geschäft Nr. 2 und Boutique 3 ist es der gleiche Anblick. Nichts gefällt, die Auswahl ist mies, du ziehst frustriert von dannen.
Ging es dir schon mal genauso?

Von Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben wir uns in der Mode leider schon längst verabschiedet. „Fast-Fashion“ heißt die Devise. Und dann diese ominöse „Übergangssaison“ mit Kleidungsstücken, die in Wirklichkeit keinen Sinn machen (kurzärmelige Jacken, ungefütterte Jacken, Pullover in Kombi mit Daunenwesten…die Liste ist endlos). Ich sehe überall nur diese roten Schaufensteraufkleber die kurz nach einem Sale sofort den Mid-season-Sale ankündigen.

Ich habs hier ja schon oft genug erwähnt: Ich hasse einkaufen. Das war schon immer so und das wird vermutlich auch für immer so bleiben. Aber noch viel mehr hasse ich es, wenn ich tatsächlich mal was brauche, ich mich also in die Läden bequeme und es dort exakt nichts gibt, das mir gefällt und meinen Ansprüchen genügt.

Das macht mich völlig fertig. Und deshalb bin ich mal in mich gegangen und habe meine Beobachtungen aufgeschrieben, das Ganze mal ein bisschen recherchiert, erfragt und in Kladde gegossen. Ich will hier nicht zum sinnlosen Shoppen aufrufen sondern Frustration vermeiden. Deshalb gibt es nun – trommelwirbel – den Klamotten-Kalender!

klamottenkalender

Januar
Die erste Frühjahrsmode taucht auf, die bisher nicht vekaufte Winterware landet in der Sale-Ecke

Februar/März
Noch mehr Frühjahrsmode, in den von den Designern formulierten Trendfarben des Jahres (Dauertrendfarben sind türkis, hellgrün, koralle und erdbeerrot, seeeehr viel Pastell…) Die Stoffe sind auch für den Übergang abgestimmt (Baumwolle, Seide, Polyester). Wer sich vorgenommen hat, im Sommer eine luftige Leinenbluse zu kaufen, sollte es jetzt tun. (Oder hast du im August schon mal ne Leinenbluse in den Läden gesehen?)

April/Mai
Anfang April herrscht Hochsommerlaune in den Läden. Jetzt gibts alles, was kurzärmelig ist inkl. große Auswahl bei der Bademode. Sommerkleider, leichte Stoffe und ja – schon die ersten Schnäppchen bei der Frühjahrsmode.

Juni/Juli
Die letzte Lieferung von Sommermode kommt rein, bevor alles auf im Sommerschlussverkauf landet (Der SSV wird eigentlich immer in der letzten Juli-Woche angekündigt). Die Geschäfte räumen ihre Lager für die ankommende Herbstmode. Die Stoffe werden schon ein bisschen dicker und die Farben dunkler.

August
Die ersten Sticksachen kommen in die Läden, ebenso wie Kleidung aus robusteren Stoffen (Lederjacken!)

September
Dieser Monat bietet die wohl breiteste Auswahl an Herbstmode. Zumindest kommts mir immer so vor. Verrückterweise gibts ja auch ab September schon Stollen und Schokonikoläuse…

Oktober
Hurra, die Wintermode ist da. Jogginganzüge, dicke Pullover, Skisportklamotten. Bester Zeitpunkt um seine Wintergarderobe aufzustocken. Oh und was auch noch rüberschwappt ist dieses komische Black-Friday-Shopping, also meidet Ende Oktober ganz besonders die EKZ.

November/Dezember
Noch mehr Winterklamotten, diesmal mit einem Hauch Luxus. Klar – Weihnachten steht vor der Tür. Samt, Cashmere und viel Blingbling für Silvester. Nach Weihnachten fallen die Preise.


Es ist nicht ganz einfach, sich das alles zu merken und klar, manchmal funken die Trends auch dazwischen, aber generell kommt das wohl hin. Da ich mir ja sehr gut überlege, was ich als Ergänzung für meine Garderobe brauche, kann ich anhand der Liste gezielter danach gucken und mich für den Rest der Zeit entspannt zurücklehnen.

Was fehlt in der Liste? Was ist dir in den Läden aufgefallen?

15 Gedanken zu “Der Klamotten-Kalender

  1. Danke für die Übersicht – die ist klasse.

    Ich hasse Einkaufen auch, darum kann ich damit, wenn ich doch mal was brauche, besser planen.

    Für mich ein absolutes Einkaufssperrgebiet: die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr bzw. hier in BW Drei-König – da sind die Preise vielleicht gefallen, aber die Stadt ist knüppeldickevoll, weil alle Zeit und Geld zum Verbraten haben. Mein Büro liegt an einer Zufahrtsstraße zum Karstadt-Parkhaus, da stehen sie an derartigen Tagen in endlos langen Schlangen an, vertuckern lieber Benzin und Lebenszeit als mit dem (guten!) ÖPNV zu kommen, weil sie wollen ja Parkgebühren sparen. Irre!

  2. Ist doch praktisch, dass das, was man gerade Saison hat, immer schon im Sale ist… ;-) Im Ernst, ich finde diese Inflation von Saisons ein bisschen mühsam. In den guten alten Zeiten gab’s zwei Mal im Jahr zu festen Zeiten einen Schlußverkauf. Das war irgendwie planbarer.

    Ich kaufe das meiste nach wie vor Second Hand, aber wenn Du Shoppen so hasst ist das auch nicht die allerbeste Lösung, weil es so zeitaufwändig ist und manchmal noch chaotischer. Du suchst meist doch gezielt Sachen, da finde ich mittlerweile online bestellen eine gute Option. Da gibst Du im Laden Deiner Wahl gelbe Socke Gr. 39 ein und gut ist.

    Oder?

    1. Online-Shops sind tatsächlich ne Alternative, aber irgendwie denke ich da nie dran. Ich bin irgendwie zu faul fürs Zusammenklicken, Paket abholen, anprobieren und wieder zurückschicken, wenns doch nicht passt :D
      Da bummel ich lieber in den Läden rum, keine Ahnung warum das so ist. Aber so wirklich ne Ahnung von Online-Shops/Marken habe ich jetzt auch nicht und Amazon oder Zalando will ich nicht unterstützen.

  3. Gut Beobachtet :-)
    ich mag auch nicht zum Klamotten kaufen gehen und bin schon seit gut 28 Jahren Katalogkäufer. Da ist es aber auch so das die Winterkataloge im Juli kommen und der Sommerkatalog schon im Januar Februar. Allerdings gibt es zwischendurch auch Sonderhefte wo dann auch mal Jahreszeit passend Klamotten drin sind.
    Sollte es dennoch mal brennen und ein Teil nicht aufzutreiben sein dann tob ich durchs www :-)

      1. Nach so vielen Jahren ist es immer noch der mit O anfängt und mit O aufhört :-)
        Größentechnisch ändert sich da bei mir auch nix ist immer die gleiche und bei dem
        Katalog passt es zu 99% immer.
        Ja und minimalistisch bleibt es auch weil eben nur bestellt wird wenn etwas gebraucht wird :-)
        Als Tipp hmm…. keine Ahnung, wenn du deine Größe kennst ist doch kein Problem da was zu finden :-D

      2. aber sind die Größen denn immer exakt so, wie angegeben?
        Denn wenn ich Dinge bestelle und wieder zurückschicken muss, ist das für mich nicht minimalistisch :D weil ich zu faul bin

  4. Boar. Ich finde einkaufen sowas von ätzend. Ich habe aktuell eine Hose. Echt, eine Hose. Ich weiß aber auch nicht, wo ich mir eine kaufen können wollte. Wenn die hinüber ist… dann habe ich ein Problem. Denn im grünen Rock gehe ich jetzt wohl nicht mehr auf die Straße.

    Was mir noch zum Kalender einfällt – ist aber eher so ein Mütterding – Schuhe für Kinder. Herbstschuhe kaufst du im Sommer, Winterschuhe im Spätsommer und Sandalen kriegst du dann Ende Februar. Sportschuhe gibt’s in der letzten Sommerferien- und der ersten Schulwoche. Ich hab das alles nie drauf. Ich krieg dieses vorausschauende Einkaufen nur mit unglaublich viel Energieaufwand hin. Das raubt mir manchmal wirklich viel Kraft, so dass ich dbzgl manchmal einfach „horte“, obwohl ich das nicht mag. Mir bietet jetzt jmd Fußballschuhe in Größe 34 an? Nehm ich. Klar, ich hab keine Ahnung, ob einer der Jungs mal Fußballspielen mag – aber Hauptsache ich muss sie nicht erst kaufen, wenn alle schon über die aktuelle Mode hergefallen sind.

    Nix reduziert leben und so…

    1. Ich hatte auch nur eine gute Jeans und das war voll das Problem wegen Waschen.
      Bei Kindern würde ich – glaube ich – auch so handeln und nehmen was kommt und einlagern. Irgendwer wächst da schon rein. Und bei Kleidung generell würde ich als Mutte auch nur Second Hand kaufen (falls möglich), weil eh immer alles gleich dreckig wird und ich würde mich mit anderen Eltern vernetzen, so dass man 2 x im Jahr (Sommer und Winter) eine Tauschparty organisiert. Ist eh üblich bei Kinderklamotten, oder?
      Irgendwie müsste man das als Erwachsene auch besser etablieren, aber vielleicht kommt das noch.

      1. Bei Kinderkleidung secondhand kaufen ist auch super einfach. Ich kaufe nur ab und zu was Neues, z.B. Strumpfhosen oder wenn mich wirklich die Lust auf eine Sache überfällt, weil ich sie einfach so schön finde und wir das unbedingt gerade benötigen. Das hält sich aber so was von in Grenzen. Manchmal kaufe ich auch große Sachen und die bekommt erstmal das Kind einer Freundin und wir kriegen es dann wieder.

        Das blöde und mich wirklich nervende ist – die meisten Leute verschenken neue Kinderkleidung (dabei will ich die nur in den seltensten Fällen haben) und da ist es kaum möglich sich gegen zu wehren. Es ist ja immer alles lieb und nett gemeint – nur wollen wir eben keine neuen Sachen!!!

        Für mich kaufe ich momentan auch übers www – ich kenne die Größen und momentan nutze ich alles was Zeit spart, auch wenn ich Firmen unterstütze, die ich eigentlich nicht mag. Aber besondere Zeit, besondere Umstände – da darf es auch mal anders sein.

        Ich kaufe meist nicht saisonale, klassische Sachen, die ich kombiniere – da bin ich ziemlich unabhängig von der Saison (abgesehen von meiner Winterjacke).

  5. Wahnsinn! Liebe Frau Dingdong, wie lange hatdas denn gedauert, bis du das rausgefunden hast? Mir wirds schon beim bloßem Gedanken an die Shoppinghöllen ganz schwummrig.
    Aber – puh- ich müsste vorläufig ausreichend haben,so dass ich evt. nächsten Sommer maximal eine Hose brauche.

    1. Ich hab mal ein halbes Jahr im Einzelhandel gearbeitet, da kriegt man so einiges mit. Der Rest ist eine Mischung aus Recherche bei Berufsverbänden, in Stilbüchern und das Studieren des ewigen Kreislaufs der sinnlosen Frauenzeitschrift-Themen ;D Da steht auch immer dasselbe drin :D

  6. Hallo Cloudy,

    ich schwanke immer zwischen dem Einkaufen-Überforderung- und dem Einkaufen-Yippiyayeah-Modus. Letzterer tritt bei kleinen, familiären, gut sortierten Geschäften auf, ersterer in riesigen Shoppingzentren und Supermärkten. (Ja, auch den Lebensmitteleinkauf finde ich manchmal schon ätzend, weil es zu viel Auswahl gibt.) Da hilft es auf jeden Fall, genau zu wissen, was man möchte und gezielt nur das aus dem Laden zu holen. So richtiges Bummeln („Wir schauen mal, was wir gebrauchen könnten…“) mag ich gar nicht – indiziert meiner Meinung nach übrigens auch zu viel Geld und Zeit zu haben beziehungsweise nichts Schöneres damit anzufangen zu können. :D

    Lieber Gruß,
    Philipp

    1. Ich geh ja gerne Bummeln ohne Geld auszugeben oder das Gefühl zu haben, meine Zeit zu verschwenden. Vermutlich weil ich gerne andere Leute beobachte und Dinge anfassen möchte. Ich weiß noch nicht genau, warum das so ist, aber rumlaufen und Sachen angucken find ich toll :D

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