Was passiert mit deinem Zeug, wenn du stirbst?

Das ist eine beschissene Frage. Für alle.
Wenn du jung bist, interessiert dich die Frage nicht, weil der Tod noch weit weg ist.
Wenn du alt bist, hast du Angst vor der Frage, weil sich der Tod langsam heranschleicht.
Und trotzdem ist die Frage wichtig. In Wirklichkeit weiß das auch jeder.

Vorsorge furr NichtMinimalisten

Also: Was passiert mit deinen Sachen, deinen Aufgaben, all deinem Zeug, wenn du stirbst? Was hinterlässt du den Menschen, die dich lieben und sich kümmern (müssen)?

Wissen deine Kollegen, woran du eigentlich genau arbeitest? Würde die Arbeit weiterlaufen, wenn du morgen vom Bus überrollt wirst? Was werden deine Kinder in deinen geheimen Schatzkisten finden?

Wer sein Jetzt organisiert, macht die Zukunft für alle anderen leichter.

Der Tod ist für alle anderen da draussen ein Verwaltungsakt. Für die Betroffenen nie. Heulen will man, sich verkriechen, durchdrehen, wütend sein. Und trotzdem muss man sich um all die vollen Keller und Dachböden und Schränke kümmern. Akten ordnen, schreddern, Sperrmüll wegbringen, Formulare ausfüllen und Verträge kündigen. Das ist scheisse.

Je minimalistischer man sein JETZT gestaltet, desto mehr Raum bleibt später für die Trauer. Und das ist ein Geschenk für die Hinterbliebenen.

Vorsorgeplanung für Minimalisten

Wo fange ich beim Thema Vorsorgeplanung überhaupt an?

1) Aktuelle Lebenslage einschätzen.
Wo stehe ich? Was tue ich den ganzen Tag? Wer ist wichtig? Was ist mir wichtig? Welchen Leuten in meinem Umfeld vertraue ich?

2) Fragen klären
Wer soll im Notfall sofort benachrichtigt werden, wenn mir etwas passiert? Wie kann ich das organisieren?
Wer entscheidet im Notfall über ärztliche Behandlungen und wer setzt das gegenüber Ärzten durch?
Wer kümmert sich um meine Bankgeschäfte? Wer verwaltet mein Vermögen?
Wo will ich wohnen, wenn ich mich nicht mehr gut bewegen kann oder sogar ein Pflegefall bin?
Will ich meine Organe spenden? Teile davon? Gar nichts?
Wie will ich eigentlich beerdigt werden?
Was soll mit meinem Nachlass passieren? Gibts überhaupt was zu vererben? An wen?

3) Informationen sammeln und organisieren
Nimm dir Zeit zum Überlegen, hole Infos ein. Wie sieht eine Vollmacht genau aus? Welchen Regeln müssen dabei beachtet werden?
Gibt es vielleicht schon eine Patientenverfügung? Hast du bereits einen Organspendeausweis? Sind die Dokumente noch aktuell? Sind sie leicht für andere zu finden? Wo und wie hast du sie aufbewahrt?
Hast du mit jemanden schon mal über das Thema gesprochen?
Falls du im Job eine spezielle Aufgabe hast, ist es vielleicht sinnvoll sie kurz zu skizzieren und ein „in case of death“ File auf dem Computer oder sogar in der Personalabteilung zu hinterlassen. Selbstständige sollten sich auf jeden Fall mal mit einem Anwalt hinsetzen.

4) Mit den Bevollmächtigten sprechen
Wichtig: Will der/die Auserkorene das überhaupt? Traut sich das dein bester Freund, dein Ehemann, werauchimmer überhaupt zu an deiner Stelle zu handeln? Falls ja, sprich mit ihm/ihr darüber. Der Bevollmächtigte sollte auf jeden Fall gut über den Inhalt der Vollmacht Bescheid wissen, dass er so gut wie möglich in deinem Sinne handeln kann.

Schon alleine diese Auflistung macht mich müde. Es ist sehr viel Arbeit, sich mit seiner Sterblichkeit auseinanderzusetzen und spätestens dann wird das Thema „Minimalismus“ noch um einiges attraktiver. Wenn ich nichts habe, muss ich auch nicht daran denken. Wenn ich mich durch das ganze Entrümpeln besser kennengelernt habe, weiß ich was ich will und wem ich vertrauen kann.
Und natürlich gehts auch nicht nur um die eigene Sterblichkeit, sondern auch die von deinen Eltern oder Geschwistern…

Es ist ein saublödes Thema, ich weiß.
Trotzdem hoffe ich, dass dieser Beitrag irgendwie hilfreich ist.

11 Gedanken zu “Was passiert mit deinem Zeug, wenn du stirbst?

  1. Das ist ein saublödes Thema, aber auch sehr sehr wichtig. Wie Du habe ich meine Mutter vor einiger Zeit verloren, und als ich mit meinen Geschwistern den ganzen Aufruhr, der danach anfiel, durchlebt habe, wurde mir klar, dass es besser sein wird, wenig zu hinterlassen und Sinnvolles – also all die Informationen, die die Angehörigen brauchen, wenn es denn mal passiert ist, und wenig Krempel zum Wegschmeißen. Meine Mutter war wirklich keine Sammlerin, und dennoch war das Haus voller Dinge, die niemand wollte, die irgendwie entsorgt werden mussten – was wir alles weggeworfen haben, was ihr wichtig war, uns aber nichts gesagt hat, tut mir jetzt noch weh.

    Ich bin leider eine Sammlerin, habe mir aber vorgenommen, so viel wie möglich zu entsorgen, ohne dass ich mich unwohl fühle, und meinen Geschwistern je einen Ordner mit allen wirklich wichtigen Informationen zu hinterlassen. Das ist nichts, was über Nacht passiert, aber ich arbeite dran. In diesem Zusammenhang danke ich Dir für den Beitrag, der dazu weiter ermutigt hat.

    Ein sehr sehr wichtiges Thema!

  2. Ein super wichtiges Thema, was mich beschäftigt seit Fräulein Ordnung darüber geschrieben hat.

    Mich beschäftigt auch: Wer kümmert sich um mein Kind, wenn meinem Mann und mir was passiert. Wer übernimmt das Sorgerecht, wo wird es leben? Hoffentlich wird das nie eintreten, trotzdem ist mir wichtig das mit den entsprechenden Personen zu klären.

  3. Ein wirklich wichtiges Thema aber auch voll doof.
    Wir haben schon oft mit unseren Mädels drüber gesprochen was ist wenn es denn soweit ist und
    viele Dinge habe ich schon geregelt. Was noch fehlt ist die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Kommt aber noch.
    Auch wichtig war da unsere Jüngste noch Single ist da zu wissen was sie will im Falle eines Falles, denn dann sind wir als Eltern ja diejenigen die alles regeln müssen. Aber das haben wir auch schon geregelt. Ist aber trotzdem ein doofes Gefühl mit der 25 Jährigen Tochter über ihren Tod zu sprechen :-( hallo ich mag nicht das mein Kind eventuell mal vor mir geht.
    Nutzt aber nix besser vorab schon mal solche Dinge ansprechen und offen drüber reden als noch vor einigen Generationen wo das Thema todgeschwiegen wurde.

    Lg Aurelia

  4. Erwischt, ich habe noch nie drüber nachgedacht… und auch bei anderen finde ich es immer eher blöd, wenn sie mir erzählen, was mit ihrem Besitz nach dem Tod passieren soll… weil ich einfach nicht wahr haben will, das JEDER IRGENDWANN STIRBT.
    Aber du hast eigentlich wirklich Recht, so blöd das Thema auch ist – ich müsste mir mal Gedanken machen, denn ein bisschen Zeug hätte ich ja doch, worum sich bitte jemand kümmern sollte.
    Danke für diese Anregung zum Nachdenken!

    Liebe Grüße

  5. Spannendes Thema. Als mein Papa vor einem Jahr gestorben ist war sehr viel Zeug da was erst gesichtet und dann aussortiert werden musste – weggeschmissen, aufbewahrt, verkauft, verschenkt. Es ist immer noch gar nicht so wenig da, aber das Meiste zum Glück doch schon. Ich habe da schon verstanden wieso manche einfach eine Entrümpelungsfirma beauftragen um alles asap loszuwerden da sie sich nicht mit der Verantwortung der Dinge auseinandersetzen wollen/können. Es ist gar nicht so einfach dem Herr zu werden.
    Danke für deine wundervollen Fragen für die Vorbereitung und Selbstreflexion um sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Finde ich super!

  6. Ganz wichtiges Thema, das unbedingt innerhalb der Familie angesprochen werden muss, egal welches Alter. Noch blöder ist es nämlich dann darüber zu reden, wenn jemand krank ist, denn dann will man demjenigen ja eigentlich Hoffnung machen. Also am besten in den „guten Zeiten“ darüber sprechen, was man gerne nach seinem Tod hätte. Und immer mal wieder sein Zeug aussortieren, ist sowieso super, denn mitnehmen kannst du eh nichts.

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