Wenn du deinen Körper liebst, wird dein Leben leichter

Okay, ich glaube wir machen uns nicht genügend Gedanken darum, wer oder was unser Körperbild formt – kann das sein?
Wir werden überall mit einem bestimmten Körperbild überfallen. Es gibt den behaarten Norm-Hipster mit Undercut und Vollbart, es gibt die muskulöse Sportskanone, das braungebrannte Bikinibabe mit Silikonbrüsten oder das gepiercte, buntgefärbte Post-Punk-Pixie-Dreamgirl. Dazwischen gibts nichts mehr. Und das ist nur Pinterest und Instagram. In den Zeitschriften sieht es – je nach Zielgruppe – ähnlich aus.

Aber was machen diese Bilder mit uns?

Klar, sie können motivieren, fitter und gesünder zu leben. Aber kommt davor nicht eine permanent stattfindende Verunsicherung?
Und führt diese Verunsicherung wieder zum Konsum? Eine Migliedschaft im Gym, spezielle Diätpulverchen oder Superfood, neue Klamotten, Make-up – es wird alles gekauft, was die Verunsicherung vertreibt.

Aber keine Panik, auch da haben die Medien vorgesorgt. Im Jahreskreislauf der Printausgaben gehts im Herbst los mit der Gemütlichkeit, da darf man das neue Plätzchenrezept probieren und sich einen Pullover in Übergröße stricken, um dann im Frühjahr wieder mit der neuesten Diät und einem wissenschaftlich ausgeklügelten Fitnessplan zur genormten Körperelite gehören zu können. Dazwischen, im Sommerloch, wenn eh alles faul herumliegt und in der Sonne schmilzt wird verkündet: Liebe deinen Körper, wir sind gut so wie wir sind. Das ist zwar schön, gut und richtig, hilft aber nicht. Nicht, in solchen Magazinen. Das ist einfach nur unglaubwürdig. (Falls hier Redakteure mitlesen: Lasst das Thema mal, okay? Es langweilt. Durchbrecht mal euer Muster)

Und seinen Körper wirklich zu lieben ist gar nicht so einfach. Ich finde, es ist sogar üble Schwerstarbeit bei all den Gebrechen und Vergleichen! Aber tun wir für einen Augenblick so, als würden wir unseren Körper lieben. Wir haben ja nur einen, also wäre es doch zeit damit anzufangen, non?

koerperliebe und konsumbefreiung

Wenn du deinen Körper liebst, machst du dir keine Gedanken mehr darum, was andere denken könnten. Du wirst dankbar. Du hast diesen einen Körper und er funktioniert.
Du bist nicht zu fett oder zu dünn, du bist genau richtig.
Dein Körper ist ein Wunder.
Dein Herz schlägt, du kannst atmen, weinen, lachen, bluten und kacken. Ein super Kreislauf!
Du kannst dir heftig weh tun und gute Sachen essen, die dich wirklich nähren.
Du hast Körpergefühl und willst dich bewegen. Du willst dich ausruhen. Wenn dein Körper krank wird, sagt er dir, was er braucht.
Du lebst.

Du magst dich und hörst auf, Magazine zu kaufen, die dir dauernd sagen, dass du einen Beachbody oder eine Bikinifigur brauchst.
Wenn du deinen Körper liebst, wird dein Leben leichter.

12 Gedanken zu “Wenn du deinen Körper liebst, wird dein Leben leichter

  1. Einer Bekannten, die mal heftig unter einem fitnessblogsinduzierten schlechten Körpergefühl gelitten hat hab ich vor ein paar Jahren mal geraten, sie möge ein Experiment wagen. Eine Woche lang keine Fitnessblogs schauen und ihren Spiegel verhängen, in keine Spiegel schauen, nie. Sie war zuerst so WTF? Aber sie hats einfach mal probiert, weil sie wirklich sehr geknickt war. Zuerst wars voll anstrengend, sie hat immer die Sorge gehabt, dass sie sich komisch angezogen hat, dass die Wimperntusche verschmiert ist. Aber mit den Tagen ist das immer besser geworden und sie hat sogar ohne es zu merken 3 Wochen draus gemacht. Weil sie sich auf einmal richtig gut gefühlt hat. Sie hat mir erzählt, es war ganz komisch, weil sich ihr Körpergefühl verändert hat. Sie hat nicht mehr im Spiegel geschaut, wie was ausschaut und wie sie wirkt (weil geht ja nicht ohne Spiegel), sondern sie hat in den Körper reingefühlt. Wie fühlt sich die Hose an? Das Oberteil? (Und an sich am Körper runterschauen kann ja auch oft ausreichen um das Outfit zu überprüfen) Sie hat auch die Reaktionen von anderen besser beobachten können, wie sie ausprobiert hat wie das Leben ohne Wimperntusche funktioniert. Und tatsächlich, die Leute haben ihr in die Augen geschaut beim Reden, darauf hat sie vorher nie so geachtet. Und offenbar hat sie auch ohne Mascara Augen, sonst hätten ja die Leute sonst wohin geschaut.
    Das war echt witzig, von ihren Erfahrungen zu lesen. Ich hab leider keinen Kontakt mehr zu ihr, es wäre interessant, ob sich für sie dauerhaft was geändert hat.
    Sehr interessant war auch wie sie mir erzählt hat, dass sie viel mehr auf andere geachtet hat, aber im positiven Sinne. Sie hat viel mehr die kleinen schönen Details in deren Gesichtern gesehen, weil sie sich irgendwie im Laufe der Zeit von ihrem eigenen Bild (im Spiegel) entfernt hat, ihr Fokus hat sich langsam mehr auf die Umgebung, auf die anderen Menschen in ihrem Umfeld verlagert.

    Ich hab dieses Experiment selbst nie gemacht, weil das konkret nie mein Problem war und es war so eine spontane Idee. Und ich hab mich riesig gefreut, dass es ihr tatsächlich geholfen hat. Ich steh ja auf solche Experimente und da findet sicher jede/r etwas, das er oder sie analog machen kann, ausprobieren kann. Aber natürlich kann es schwer sein, selber sowas zu finden, weil man zu wenig Distanz zu sich selbst hat.

  2. Du bist ja selber kein Nähnerd, aber es gibt seit Jahren den sogenannten Me Made Mittwoch. Dort zeigen „echte“ Frauen echte Bilder von dem, was sie nähen und anziehen. Ich bin auch dabei und freue mich sehr, dass man dort so viele unterschiedliche Körperformen und Geschmäcker sieht! Schau doch mal rein:

    http://memademittwoch.blogspot.de/

  3. Ein schöner Artikel, ich stimme dir in den meisten Punkten zu. Nur in einem (impliziten, vielleicht habe ich dich da auch falsch verstanden) möchte ich vehement widersprechen: Seinen Körper lieben bedeutet eben nicht IMMER zu fühlen dass er „genau richtig“ ist. Ich kenne viele Menschen auf die genau das zutrifft und für die diese Einstellung viel Gesundheit und Glück gebracht hat. Aber ich kenne ebenso Menschen die erst als sie ihren Körper angefangen haben zu lieben sehen konnten: Der Körper ist nicht genau richtig. Er ist zu dick. Oder zu dünn. Oder sonstwas. Diese Menschen konnten das erst aus der Liebe heraus erkennen und dann auch verändern.
    Selbstfürsorge ist halt so individuell wie wir, manchmal bedeutet es Akzeptanz, manchmal Veränderung.

    1. Ich glaube, der Impulus zur (nachhaltigen) Veränderung kann nur durch Akzeptanz und einer gewissen Dankbarkeit seinem Körper gegenüber stattfinden. Ich find mich auch zu dick und trotzdem akzeptiere ich mich erstmal so, weil ich weiß, dass ein abnehmen nicht über Nacht geht und mein Körper ansich funktioniert. Mein Herz schlägt, ich kann atmen, habe Beine, die mich tragen. Dieses Wissen fühlt sich gut an und ich habe dadurch LUST, meinem Körper etwas gutes zu tun (gute Sachen essen z.B. oder Bewegung)

      Worauf ich mit dem Artikel hinaus will: Weiß denn jeder automatisch, woher dieses „ich fühl mich in meinem Körper nicht wohl“ kommt? Wird einem das durch die Bilderflut in den (sozialen) Medien und durch Werbung eingeimpft oder kommt das tatsächlich aus einem gesunden Körpergefühl? Und genau dieses diffuse Gefühl wird schnell in „ach ich kauf mir was schönes/leckeres“ verwandelt, damit man unschöne Gefühle übertünchen kann.

  4. Super geschrieben! Genau so ist es. Auch irgendwelche unsinnigen Normierungen, Vorgaben, wie ein Körper zu sein und zu funktionieren hat, führen zu Verunsicherung und zum unsinnigen Konsumieren.

  5. Nicht zu vergessen die jährlichen Berichte in den Frauenzeitschriften über die richtige Enthaarung. Wehe es ist am Bein auch nur ein Haar zu entdecken….. Geht’s noch? Mittlerweile wachsen meine Haare dort, wo sie wachsen. Ich mache diesen Wahnsinn nicht mehr mit, spare Zeit und Geld. Die vermeintlich Schönen schaue ich mir gerne an, ihnen nacheifern würde ich heute nicht mehr.

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