Werte finden und zufrieden leben: Klarer denken, besser entscheiden

Kennst du eigentlich deine Werte?
Komische Frage, oder?
Denn üblicherweise denkt man da überhaupt nicht drüber nach. Zumindest habe ich es bislang nicht getan, weil es mir immer zu komplex war und ich nicht wusste, wo anfangen.
Und es geht ja auch irgendwie so, das Leben. Ohne Nachdenken.
Ich bin über das Thema gestolpert, weil alle immer vom „Wertewandel der Gesellschaft“ reden. Irgendwie hat mein Gehirn dann einen Umweg genommen und dachte: Hey, das Thema ist ja essentiell und passt zum Minimalismus (Oder?)

Denn wenn man sich mit Minimalismus beschäftigt und sämtliches Zeug rausgeworfen hat, fängt man an, sein Leben selber zu designen. Man streift Schicht für Schicht seine Ideen, Gedanken und Gewohnheiten ab und guckt nach, was da sonst noch ist.
Werte sind toll. Wenn man Werte für sich herausgefunden hat, wird es irgendwie leichter. Zumindest empfinde ich es so. Ich muss mich dann immer nur fragen: Lebe ich im Einklang mit meinen Werten? Und wenn die Antwort „nein“ heißt, kann ich etwas anpassen und mir so ein gutes Leben basteln. Das steckt auch in diesen ganzen Jahresmottos und „Word of Year“ Zeugs mit drin.

Entscheidungen – ich meine die heftigen, die einen neuen Job oder eine neue Beziehung u.ä. betreffen, kann man dann irgendwie einfacher treffen. Weil man gar nicht mehr wirklich drüber nachdenken muss. Weil man sich selbst besser kennengelernt hat.
Schade, dass ich die Sache mit den Werten nicht in der Schule gelernt habe.

Nun, wie findet man seine Werte?
Die Liste ist lang und geht von A wie Abenteuer bis Z wie Zufriedenheit…wer Inspiration braucht, kann ja mal nach Werte-Listen gogolen.

Ich habs mir einfach gemacht und mich gefragt:

Was ist mir wichtig? Und welcher Wert steckt dahinter?
Beispiel: „Ich möchte viel reisen und finanziell unabhängig sein“ – Wert, der möglicherweise dahinter steht: Freiheit

Weitere mögliche Fragen, um deine Werte zu finden:
– Wovon braucht die Welt mehr? Wovon weniger?
– Wie reagiere ich bei Stress oder Konflikten (und welcher Wert wird hier missachtet?)
– Worüber rege ich mich ständig auf? (und welcher Wert wird hier missachtet?)
– Wann fühle ich mich richtig wohl in meiner Haut?
– Was möchtes ich in meinem Leben erreichen?
– Woran sollen sich meine Freunde erinnern, wenn ich nicht mehr bin?

Hast du ein paar Werte gesammelt? Auf wie viel bist du gekommen?
5? 30? 200? 10?
Wie immer gilt: Fokussieren und Prioritäten setzen!
Welcher Wert ist der Wichtigste? Welcher kann als Leitprinzip in deinem Leben gelten?
Sortiere deine Liste neu, setze den wichtigsten Wert nach oben, den nicht ganz so wichtigen nach unten auf die Liste. Lass die Liste ein paar Tage liegen, denk drüber nach, streich was durch, füge etwas hinzu.

Bist du es wirklich? Lebst du diese Werte? Falls nicht: Zeit was zu ändern.

Wie kannst du diese Werte leben?
Wie definierst du ganz persönlich diese Werte?
Was passt jetzt gerade nicht gut zu dem Wert?

Wenn dein Wert „Freiheit“ ist, du dir aber keine Fernreisen leisten kannst oder willst, überlege dir, wie du den Wert trotzdem ausleben kannst.
Vielleicht reicht ja schon ein Tagesausflug an die See oder in die Berge oder mit der U-Bahn bis zur Endstation?

Ich glaub, du verstehst schon was ich meine.

Da steckt ganz schön viel Kraft drin, non? Ich muss das noch weiter durchdenken, aber das ist schon mal ein guter Ausgangspunkt.

Was sind deine Werte?

14 Gedanken zu “Werte finden und zufrieden leben: Klarer denken, besser entscheiden

  1. Freiheit ist der wichtigste Wert für mich. Aber nicht in Bezug auf Reisen, sondern das ich mich so entfalten darf wie ich es möchte und mir gut tut. Heißt auch in einer festen Partnerschaft ( Ehe bei mir) die Freiheit zu haben mal allein zu sein, allein wohin zu gehen ohne das der Partner dir Vorwürfe macht. Diese Freiheit auch dem Partner zugestehen und ihn nicht einzuengen.
    Ohne persönliche Freiheit wäre ich ein Vögelchen im Goldenen Käfig und das will ich nie wieder haben (die ersten 18 Lebensjahre haben gelangt :-( ) Kontrolle, Vorschriften und Verbote sind der Killer der Freiheit, der eigenen Persönlichkeit. Darum ist Freiheit das wichtigste für mich dafür würde ich jederzeit wieder kämpfen wenn sie mir irgendjemand weg nehmen will.

    Lg Aurelia

  2. Hey Cloudy,

    wie du schon in deinem gedankenankurbelnden Beitrag geschrieben hast, besteht ja ein Unterschied zwischen Wert und darin, wie sich sich in meinem Leben widerspiegeln. Um beim Beispiel Freiheit zu bleiben: Ich habe die Freiheit, viel unterwegs sein zu können. Andererseits fühle ich mich in meiner Freiheit stark durch die deutsche Meldepflicht eingeschrenkt.

    Gerade wird mir auch klar, dass wir uns wahrscheinlich vieler Werte erst dann wirklich bewusst, wenn es diesbezüglich Missstände gibt. Bestes Beispiel dafür ist meines Erachtens das „Burkini“-Debakel. Warum bedarf es erst eines medienwirksamen Ereignisses, damit wir bemerken, dass wir bei weitem nicht so sehr für unsere gesellschaftlichen Werte einstehen, wie wir unlängst meinten?

    Lieber Gruß,
    Philipp

    1. Ich denke, dass der Status Quo ein Debakel ist aus Sicht der Mehrheit. Tolerant sind wir nicht, wenn es wirklich drauf an kommt. Wenn wir Angst haben erst recht nicht.
      Die Leute, die mir so unter die Nase kommen finden das mehrheitlich schlimm, wenn andere Leute vollverschleiert rumlaufen. Die wohnen am gleichen Ort wie ich auch und ich kenne niemanden, der hier vollverschleiert rumläuft.
      Die auch nicht.

      Also würde ich in dem Burkini Fall eher anders herum argumentiern und sagen, dass da schon genau die Gesellschaftlichen Werte auftauchen, die wir tatsächlich leben (als Gesellschaft), nämlich kleingeistige Intoleranz im Deckmantel des Zeitgeists.

      Schade das, aber wegargumentieren wird schwer glaub ich.

  3. Freiheit würde ich gar nicht auf dieses Rumreisen beschränken/reduzieren.

    Ich sehe das eigentlich genau wie Aurelia, dass es dabei im Kern darum geht sich als Person zu entfalten. Das setzt vorallem innere Freiheit voraus, die wiederrum das voraussetzt, was Kant unter Aufklärung versteht. Und das wiederrum geht einfacher mit Bildung und (manche) Reisen bilden. So sehe ich das.
    Freiheit ist da aber kein Selbstzweck, sondern dient der Persönlichkeitsentwicklung/-entdeckung.

    Übrigens wäre ich – trotz meiner Position zur Freiheit/Persönlichkeitsentwicklung – vorsichtig, einen wichtigsten Wert zu suchen. Ich glaube vielmehr, dass die Werte in ihrer Summe wichtig sind und dass sich das Verhältnis durchaus verändern kann – Situationsbedingt. Ich meine nicht, um Opportunismus zu rechtfertigen. Es geht darum anzuerkennen, dass manche Werte in manchen Situationen wichtiger sind, als andere, die wiederrum in anderen Situationen wichtiger sind.

    Über eigene Wertmaßstäbe nachzudenken setzt viel Selbstreflexionsfähigkeit voraus. Das geht so manchen Mitmenschen daher über die Fähigkeiten und/oder die Hutschnur. Insoweit Respekt an alle, die das können und tun! Ihr seid toll! Und von eurer Sorte brauchen wir zB. mehr ;-)

    1. Ja genau das meinte ich ja damit, dass so ein Werte-Wort unendlich viele Möglichkeiten der Interpretation zulässt und man es eben für sich persönlich genau definieren muss, damit man den Wert auch leben kann.
      Für mich z.B. hat das Thema Freiheit überhaupt nichts mit herumreisen zu tun, für einen digitalen Nomaden aber schon.

  4. Ein Thema, mit dem ich mich aktuell auch sehr intensiv auseinandersezte(n muss). Ist man eine Person, der das Ausleben eigener Werte nicht unwichtig ist, dann kann das Unterdrücken dessen unangenehme Folgen nach sich ziehen. Werte, die ich aktuell hin- und herdrehe:

    Freiheit: Ist relativ. Bin ich jemand der außerdem gerne Verantwortung übernimmt, bspw. in Form von Familie, dann geht das mehr oder weniger auf Kosten der eigenen/persönlichen Freiheit. Was auch gut und richtig so ist, viele aber im Vorfeld nicht gründlich genug durchdenken.

    Selbst-/Fremdbestimmung: Wird mir zunehmend wichtig. Ich hab einen sehr fremdbestimmten Tagesablauf, was natürlich auch am Wert Freiheit nagt. Selbstbestimmung ist ein Wert, den ich für mich gerne besser integriert wissen möchte.

    Weitere Werte behalte ich erstmal für mich… ;-)

  5. Das Glück liegt in uns selbst, wer das erkennt, kann völlig unabhängig vom außen leben und ein Leben in Minimalismus leben.

    Man sieht ja, was Macht und Gier aus den Menschen machen. Den Frieden müssen wir in unserem Inneren finden.

  6. Ein Thema, das mich seit einiger Zeit auch beschäftigt! Für mich bisher ein spannender und klärender Prozess zugleich. Viele Entscheidungen lassen sich wirklich einfach treffen bzw. es fällt mir leichter in die für mich richtige Richtug zu gehen, auch wenn der Weg vielleicht komplizierter ist. Dafür aber ist das mein Weg!

  7. bin sehr glücklich darüber, dass ich jetzt ein viel weniger fremdbestimmtes Leben führen darf. Schicksalhaft mit 60 in die Freiberuflerei katapultiert worden, viel – sehr viel! – weniger arbeiten müssen als vorher (bei mind. gleichem Monatsverdienst), nur noch für mich selbst verantwortlich. Keine lästige Präsenzpflicht, Vorbildfunktion etc. Aufträge aquirieren muss ich auch nicht. Und das allertollste: ich bin schon alle Reisen gereist, die ich machen wollte und habe auch sonst keinerlei MUSS NOCH im Kreuz. Kann einfach so meine Freiheit genießen, ungepeitscht von Erlebniszwängen. Ich weiß nicht, ob jemand jüngeres verstehen kann, dass dies ein paradiesischer Zustand für mich ist. Einfach alles gut, nur oder eben wohl WEIL nicht mehr jung und noch alles/vieles vor mir :-)

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