Von Dingen und Gewohnheiten

Gerade habe ich zwei hässliche alte Kisten mit alten Briefen, Postkarten, Notizbüchern und Bildern ausgemistet und die Schätze, die bleiben dürfen in neue weiße Kisten gepackt. In einem der aussortierten Notizbüchern habe ich ein Post-it aus dem Jahr 2014 mit „gesammelten Erkenntnissen“ gefunden, wo so Sachen drauf stehen wie „mehr Wasser statt Spezi trinken“ und „weniger Essen tut mir gut“. (Super Erkenntnisse, gell? hahaha)

Aber mir kam dabei ein Gedanke, weil mir das Wasser trinken leichter fällt als früher. (das mit dem weniger essen übrigens auch, aber nur, weil ich jetzt seit fast 3 Jahren intermittierend faste). Ich habe mich gefragt, was da anders geworden ist und des Rätsels Lösung ist ein Ding! Vor ein paar Wochen kaufte ich mir in einem schwedischen Möbelhaus spontan eine Karaffe. Fassungsvermögen 1,1 L – was meinem persönlichen Tagesziel entspricht. (Von diesen Angaben man solle jeden Tag 2 Liter oder mehr trinken halte ich übrigens nichts, ich bin kein Leistungssportler, wohne in einem gemäßigten Klima und will nicht alle 10 Minuten aufs Klo rennen…)
Nun, seit ich diese Karaffe habe, fülle ich diese jeden Abend mit Leitungswasser und trinke. Ohne Anstrengung. Ohne mich daran erinnern zu müssen. Weil das Ding auf meinem Schreibtisch steht und sichtbar ist und es bequem ist.

Daher lautet die spannende Frage: Wie beeinflussen die Dinge unsere Gewohnheiten? Oder: Warum tun sie es nicht?

Wenn ich Süßigkeiten kaufe und in der Schublade bunkere, nasche ich. Wenn ich keine Süßigkeiten zu Hause habe, dann nicht.
Wenn ich wenig Dinge besitze, muss ich nicht so viel aufräumen und putzen.
Wenn der Mixer leicht zu reinigen ist, benutze ich ihn öfter, um mir einen Smoothie zu machen.
Wenn ich in der Nähe einer schönen Laufstrecke oder in der Nähe eines Fitnessstudios wohne, gehe ich öfter hin.
usw.

Welche Dinge brauche ich, um ein gutes Leben zu führen und welche nicht? Welche Dinge sind hilfreich und nützlich?

Beim darüber nachdenken fiel mir der Begriff Environment Design wieder ein. Das bedeutet, seine Umgebung so zu gestalten, dass Gewohnheitsänderungen leichter gelingen. Eben zum Beispiel das mit der Wasserkaraffe. Seit der Aktenvernichter dauerhaft neben meinem Schreibtisch steht, stapeln sich keine Unterlagen mehr. Durch das Vogelhäuschen am Fenster erfreue ich mich morgens mit einer Tasse Tee in der Hand an der Natur und das macht mich ruhig. Wenn genügend ausgedruckte Einkaufslisten an der Pinnwand hängen, markiere ich sofort was fehlt und ich muss weniger nachdenken.

Wie viele unserer Gewohnheiten sind wohl an Dinge gekoppelt? Und: Löst man diese Gewohnheiten wirklich, wenn man die Dinge verkauft/wegwirft/spendet?

6 Gedanken zu “Von Dingen und Gewohnheiten

  1. Liebe Frau DingDong,
    ein virtuelles High-Five für die erfolgreiche Wasser-Trink-Gewohnheits-Umstellung! Wieder einmal ein gutes Beispiel, wie sich das Setzen von realistischen Zielen und der Einsatz von sinnvollen Tricks und Hilfsmitteln zu den kleinen (und großen) Erfolgserlebenissen des Alltags führen. Zum Thema Environmental Design zu Hause: Ich merke in letzter Zeit (zu meiner großen Zufriedenheit) immer wieder, dass ich es mit der Ordnung daheim immer besser hinkriege – das verdanke ich tatsächlich einem Hinweis Fr. Kondos, „jedem Ding seinen Platz zu geben“. Wenn es also zu viel herumliegt und die Dinge kein „Zuhause“ haben, muss Platz geschaffen werden, oder das Ding muss gehen. Kein großes Hexenwerk, aber dieser Aha-Moment führte bei mir dazu, dass ich jetzt morgens und abends nur eine schnelle Runde durch die Wohnung drehen muss, und es relativ schnell wieder anständig aussieht. Meine Art des E.D. also :)
    Viele Grüße aus BaWü,
    Sarah

  2. Liebe Frau DingDong,
    ja, das habe ich auch schon bemerkt. Wenn ich keine extra Energie aufwenden muss, verwandeln sich neue Gewohnheiten schneller in Alltag. :)

    Viele Grüße
    Annika

  3. Ich habe seit einiger Zeit das Fernsehen komplett verbannt und weil ich dann stattdessen ständig irgendwas wahllos Filme und Serien im Internet habe, habe ich mir dann eine kleine „To-Watch-Liste“ gefertigt, mit Dingen, die ich wirklich (auf DVD, im Online-Streaming und im Kino) schauen möchte sowie Vermerke drauf gemacht, was in naher Zukunft so für mich Interessantes rauskommt. So schaue ich weniger und wenn, dann bewusster..

    Danke auch hier nochmal für deinen Tipp mit der Glasflasche/-karaffe!

  4. Danke für diesen Beitrag, da steckt meine Erleuchtung des Monats drin!

    Dein Wasserbeispiel setze ich auch schon erfolgreich seit einer ganzen Weile um. Kaum zu glauben, wieviel es ausmacht, wenn das Wasser einfach in Reichweite steht. Ich merke jetzt erst, wie wenig ich vorher teilweise wirklich getrunken habe. Das Süßigkeiten-Phänomen trifft bei mir auch zu. Ist nichts im Haus, esse ich es nicht. Und dass ich Dinge eher aufräume, wenn sie einen sinnvollen Platz haben, muss ich auch immer wieder feststellen.

    Ich hab mir bisher nur noch nie Gedanken darüber gemacht, dass das alles auf die selbe Ursache zurückzuführen ist. Und dann gibt es sogar noch einen Namen dafür :D Grandios!

    Zu deiner Frage: Ich denke schon, das viele Gewohnheiten stark an Dinge gekoppelt sind. Sitze ich mit Smartphone an der Bushaltestelle surfe ich vielleicht im Internet oder nutze einen Messenger, sitze ich jedoch mit einem Buch da, werde ich eher lesen. Grade unerwünschte Gewohnheiten kann man sicherlich ganz gut eindämmen, wenn man das dazugehörige Ding los wird.

  5. Ach wie schön, dass ich deinen Blog entdeckt habe! Deine Beiträge lassen sich wirklich wunderbar locker-leicht lesen :)
    Mit dem Wasser geht’s mir ganz genauso. Seitdem ich ein hübschen Glas mit buntem Strohhalm immer bei mir stehen habe geht das irgendwie auch leichter ;)

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