Getestet: 3 Monate Bullet Journal

Okay, also ich habs 3 Monate lang versucht mit dem Bullet Journal.
Die ganzen hübschen Bilder auf Instagram sind wirklich schön, wobei ich lieber bei der minimalen Variante ohne Schnörkel, Tape und Kalligrafie blieb.

Aber ganz ehrlich: Mir gefällts tatsächlich nicht so gut, wie ich als Organisations- und Schreibfreak erwartet habe. Ich merk auch nicht, dass ich „ultimativ produktiv“ geworden bin, aber das liegt daran, dass ich das auch nicht sein muss. Ich arbeite Vollzeit und hab dann irgendwann Feierabend, den ich mir beliebig gestalten kann und meistens fülle ich die Zeit vor dem Schlafen gehen mit Spaß aus, anstatt irgendwas „Produktives“ zu machen. Wobei die Wand anzustarren für mich schon sehr produktiv ist, weil es mich erholt, aber das muss ich mir nicht notieren.

Was ich am Bullet Journal schlecht finde:

  • es ist wirklich elendig viel Schreiberei

Eigentlich macht mir schreiben wirklich Spaß und ich bin auch ein Mensch, der schriftlich nachdenken MUSS, aber irgendwie war es mir dann komischerweise doch zu viel. Vor allem dann, wenn das Heft voll ist und man seine gesammelten Erkenntnisse irgendwie behalten will, aber die To-Do Listen eben nicht. Das führt mich gleich zum 2. Punkt.

  • Man schleppt immer alles mit sich herum

Ich habe mir neben einer Monatsübersicht nur meine Tages To-Dos notiert, dazu am Ende des Monats eine Monatsreview. Der Rest waren die sog. „Collections“, also Sammlungen von Gedankengrütze in beliebiger Form. Ich hatte Geschenkelisten, Film- und Musiktipps, Notizen zu Büchern, die ich gelesen habe, Zitate, meine Werte, Ideen zur Selbstfürsorge usw.
Mich stört es wirklich total, dass ich alten Ballast nicht zwischendurch abwerfen kann. Ich will das Bullet Journal auch nicht behalten, es soll mir ja nur ein Werkzeug sein. Aber wenn ich die Seiten aus den Collection-Bereich behalten will, muss ich alles wieder irgendwo hin übertragen, siehe Punkt 1.
Die Mischung aus Alltags-To-Do und einem Destillat von Gedanken passt für mich nicht so gut zusammen.

Ich hatte auch überlegt, ob es an dem Heft lag. Denn ein solches Problem hätte ich z.B. nicht, wenn ich ein Buch mit Spiralbindung nehmen würde und alles rausreisse, was ich nicht brauche. Aber da ich Spiralbindung nich so gern mag, kommt das wohl eher nicht in Frage für mich.


Was ich am Bullet Journal aber gut finde:

  • Man sieht in der Monatsübersicht sofort genau, was man alles gemacht hat

…und man erkennt auch sofort, obs zu viel war. Das hat mir sehr genützt, weil ich so meinen Energiehaushalt besser in Balance halten konnte.

  • die sogenannten Signifiers sind brauchbar und sehr nützlich

wobei ich die Signifier sehr beschränkt habe und ich eh schon seit längerem Symbole benutze, um meine Notizen zu organisieren.



So und wie gehts weiter?

Also ich verteufle natürlich niemanden, der es nutzt, denn es ist ein sehr mächtiges Werkzeug. Aber ich muss mich selbst gar nicht so sehr strukturieren. Ich arbeite Vollzeit, habe am Wochenende frei und kann nach der Arbeit machen was ich will. Mir reicht mein (Filofax-)Kalender für meine Termine und kurzen Ideen. Sonstiges Gedankengeschwurbel notiere ich mir dann in ein schönes Notizbuch und behalte die dann auch. Das angefangene Bullet Journal Heft werde ich vollkritzen und dann wegwerfen.

Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Menschen, die selbstständig arbeiten (Hausfrauen und Hausmänner, Studenten, Freiberufler etc.) und ein hohes Maß an Organisation brauchen, gut damit fahren, wenn sie Stift und Papier mögen.

Nutzt du das Bullet Journal? In welcher Weise ist es dir nützlich? Hast du es ausprobiert und für nicht so geeignet befunden?

13 Gedanken zu “Getestet: 3 Monate Bullet Journal

  1. Guten Morgen,
    Du schreibst mir gefühlt aus der Seele. Ich finde die ganzen Bilderchen zu Bullet Journals so schön und will auch so gern solch ein schönes, buntes Büchlein. Aber das wäre nicht ich. Ich habe, wie du, geregelte Arbeitszeiten, den Abend frei für mich, ebenso die Wochenenden. Für meine wenigen Termine nutze ich einen einfachen Filofax Kalender, und meine Notizen kommen da mit rein oder auch mal auf nen Zettel, der dann nach Erledigung wegfällt.
    Lieben Gruß, Nicole

  2. mir ist das auch zu chaotisch irgendwie. Bei mir hat sich folgendes System etabliert:
    * Kalender mit Aufteilung links Woche, rechts Notizen (A6 reicht). Da notier ich zusätzlich Wochen-To-Dos, Adressen für Termine bzw andere Termindetails.
    * Alltagsnotizbuch/heft in A6 das ich zum Kalender dazu stecke. da notier ich Sachen, die ich nur kurzzeitig brauch. zb Listen für Sammelbesorgungen, oder Ideen aus einem Workshop. wenn es voll ist, kann das weg.
    * schönes Notizbuch für Sachen die ich lange aufheben möchte
    * Tages-To-Do oder Listen die sichtbar wo herumliegen müssen kommen auf Schmierzetteln, und dann ins Altpapier

    Das schlepp ich aber auch nicht alles mit mir herum, nur den kleinen Kalender mit kleinem Notizheft.
    find das auch nicht umständlich so. das alles in einem Buch, ufff…

  3. Hallo,

    ich <3 Bullet Journal. Ich bin jetzt etwa im dritten Jahr und habe „mein System“ gefunden. Mein aktuelles Buch besteht aus Monatsübersichten, Tagesübersichten und einem Dutzend Listen. Ergänzend haben mein Mann und ich eine Wochenübersicht am Kühlschrank und einen google-Kalender für das Jahr. Die Wochenübersicht erstellen wir gemeinsam jeweils Sonntags.

    Abends setze ich mich hin und hake ab, was erledigt wurde. Male ein mini-doodle als Erinnerung für den vergangenen Tag (z.B. eine Kamera, wenn wir im Kino waren), schreibe kleine Dankbarkeits-Notizen und Gedanken des Tages. Dann schreibe ich die ToDos für den nächsten Tag und fertig. Das dauert nie länger als 10 Minuten.

    Es ist eine Mischung aus Kalender und Tagebuch. Wenn ich dann doch mal eine Sonderliste schreibe oder ein schönes Zitat finde, wird das natürlich auch aufgenommen, das ist aber eher selten. Ein Inhaltsverzeichnis führe ich nicht, das ist mir zu zeitaufwendig.

    Mein liebster Vorteil ist, dass ich keinen Platz verschwende. Manchmal erledige ich zwanzig kleine Miniaufgaben an einem Tag, manchmal mache ich gar nichts. Manchmal brauche ich zwei Wochen für eine Doppelseite, manchmal zwei Tage. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, wie viele Aufgaben ich mir pro Tag auferlegen kann. Es bleibt selten ein Punkt offen und ich fühle mich nicht gestresst.

    Und ich habe das Gefühl, mein Kopf ist freier, wenn ich aufblitzende Gedanken schnell an den richtigen Ort niederschreibe und dann gedanklich abhaken kann – auch wenn die Aufgabe an sich noch unerledigt ist. Das wäre aber bei einem "normalen" Kalender ähnlich.

    Diese schönen Instagram-Bilder von Bullet Journals sind wie die Bilder von aufgeräumten und weißen Wohnungen – schön anzusehen, aber nicht immer alltagskonform.

    Deine Argumente verstehe ich allerdings auch, es ist wohl wirklich typ-abhängig :)

    Liebe Grüße
    Steffi

    1. 3 jahre!! Wow! Das ist echt beeindruckend. Das mit dem Inhaltsverzeichnis finde ich auch. Ich glaube nicht, dass man das wirklich braucht. Zumindest guck ich es einfach nie an und vergesse immer, da was einzutragen :D

  4. Mir geht es da ähnlich wie Dir, Vollzeitjob, Wochenende frei und sonst frei zu gestaltende Abende. Als Kalenderersatz hat mir das Bullet Journal also nicht getaugt aber für Skizzen, Ideen oder Nähprojekte funktioniert das hervorragend und ich habe nicht ständig irgendwelche Post-Its herumliegen.

  5. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das System bullet journal nicht ganz verstanden. Mir scheint, dass ist viel Organisation für die Organisation.
    Ich möchte meine Organisation so einfach wie möglich halten. Dazu habe ich einen Kalender von „Roter Faden“ mit drei Klammern. Eine ist für den Kalender und zwei für Notizhefte. Davon ist eines meine to-do-Liste und das andere ist meine Bücherliste. In der Bücherliste sind die Bücher inkl. Signatur aufgelistet, die ich mir aus der Bücherei ausleihen möchte.

    1. Ja, stimmt das wollte ich oben eigentlich auch noch schreiben. Es ist so viel ARBEIT dafür dass es eigentlich ein Werkzeug sein sollte das einem Arbeit erspart. Also für mich halt.

  6. Hallöchen,

    ich kann deine Gedanken wirklich nachvollziehen. Mit Tages-TODO Listen komme ich überhaupt nicht klar. Ich habe mir am Anfang eine Struktur reingemacht, aber von den Tageskästchen, die ich mir gemacht habe, habe ich nur die Hälfte benutzt, und der Rest war leer. Das ist halt nicht ganz der Sinn der Sache.
    Die Monatsübersicht und genrell einen Kalenderübersicht in der ich wichtige Termine eintragen kann, fand ich aber bisher nützlich.
    Für die Planung von Projekten kann ich mich auch ganz gut anfreunden.
    Aber um mir schöne Dinge zu notieren oder Zitate oder so etwas, ist es mir nicht das passende Medium. Da nehme ich lieber einen eigenen schönen Block.

    Ich habe allerdings immer noch etwas die Hoffnung, dass ich mit dem Bullet-Journal etwas anfangen kann, aber ich muss noch die für mich richtige Methode finden.

    Viele Grüße,
    Abigail

    1. Ich denk mir auch immer, dass ich „nur noch nicht die richtige Methode“ dafür gefunden habe, aber irgendwie will ich da auch nicht allzu viel daran herumdenken müssen. Ach es ist vertrackt! Aber vielleicht kommt uns ja noch die Erkenntnis :D

  7. Ich bin noch in der Experimentierphase (also seit etwa drei Monaten dabei).
    Deine Einwände kann ich verstehen. Bei mir funktioniert es eigentlich ganz gut, aber ich merke auch dass ich Notizen zu Büchern, Ideen etc nicht (nur) darin haben möchte.
    Für mich ist es eine gute Alternative zur Zettelwirtschaft – also statt Essensplan, To Do Liste, Geschenkideen auf loosen Zetteln zu vermerken kommen sie jetzt ins Buch (so isst sie auch niemand…).
    Ich benutze es in Verbindung mit einem Familienwandkalender, der Überblick über die wöchentlichen Termine für uns alle gibt.

  8. Ein komplett selbst gemaltes Bullet-Journal wäre nichts für mich. Ich bin einfach nicht motiviert genug, einen ganzen Kalender selbst zu malen… .

    Ich nutze ebenfalls einen Filofax und habe mir zu meinen Einlagen passende Monatsübersichten geschrieben (das hat mir schon gereicht). Ich brauche die ganze Woche auf einen Blick – rein kommen Termine, Arbeitszeiten, Sportzeiten, Geburtstage, die Müllabfuhrtermine und was es zum Mittagessen gibt. ToDo-Dinge trage ich nur ein, wenn sie Zeit gebunden sind. Wenn’s mich überkommt, klebe ich auch Glitzer-Washi-Tape in den Kalender. ;) Im Moment immer auf der Seite, wo ein neuer Monat beginnt.

    Im Büro habe ich ein Ringbuch, das über weit mehr BulletJournal-Elemente verfügt. Es ist kein Kalender, eher ein Notizbuch wo ich alle möglichen Dinge notiere und einhefte (Notizen, Bemerken von Kolleg_innen, Ergebnisse von Besprechnungen, wen, wann als nächstes kontaktieren, etc.).

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