3 Wochen vegan essen – ein Erfahrungsbericht

Okay, also das Interesse an meinen vegan-Wochen (es war durch das Fasten kein ganzer Monat) ist da, deshalb gibts hier nun viel zu lesen.

Aaaaalsooooo!
Vom 29. März bis 6. April 2018 habe ich gefastet. Das war klassisches Buchinger-Fasten mit Wasser, Tee, klare Gemüsebrühe und sehr stark verdünnten Obst- und Gemüsesäften. Davor und danach habe ich mit der Einnahme von Bifi-Bakterien experimentiert, um meine Darmflora ein bisschen zu unterstützen und um abzunehmen. Ich habe vor ein paar Wochen das Buch „Schlank mit Darm“ gelesen und habe daraufhin angefangen, mit diesen Darmbakterien zu experimentieren. Mir ging es durch die Einnahme wirklich besser. Warum ich das erwähne? Weil das meines Erachtens auch die vegane Kostauswahl und generell die Umstellung beeinflusste. Glaube ich zumindest.
Durch die Einnahme der Bakterien hatte ich weniger Hunger, absolut NULL Heisshunger auf Süßes oder Fettiges, nein – mein Körper hat mich ganz natürlich zu Obst und Gemüse gesteuert (denn das wollen die Bifido Bakterien am liebsten essen). Oft hatte ich das Gefühl in mir herrschen parasitäre Alienklone, die mich zu einem Gesundling umerziehen wollen. Ich war jeden Tag über mich selbst erstaunt, keine Lust auf Süßes zu haben.

Das Wochenende nach dem Fasten hat vegan nicht so gut geklappt. Ich war auf der Heimreise und im Zug selbst gabs natürlich NICHTS veganes zu essen, bei einem einstündigen Aufenthalt in Nürnberg wurde ich am Bahnhof aber fündig. Fast überall findet man mittlerweile vegane Optionen, wenn man die Augen aufhält und genügend Zeit für die Suche einplant. Dann war Sonntag, ich wälzte mich planlos durch die ganzen Kochbücher und überlegte, was ich wann kochen und essen sollte. Die meisten Rezepte fand ich wenig alltagstauglich. Klar, als Selbstständiger oder Student kann man abends gerne mal ne Stunde in der Küche zu bringen und aus 500 einzelnen Zutaten ein leckeres Gericht kochen, aber wenn ich abends heimkomme hängt mir der Magen in den Knien, ich bin müde, muss mein Hirn ausleeren und ich will dann verdammt noch mal was essen, was in max. 30 Minuten auf dem Tisch steht. Ich will auch nur mit Zutaten kochen, die es überall gibt und nicht für ein Gericht ein Glas Zeugs kaufen, wovon ich nur nen Teelöffel nehmen muss. Klar gibts diese Rezepte, aber mich hat das alles überfordert, da ich ja auch immer unter 1500 kcal pro Tag bleiben wollte. Und die Wochen davor habe ich mich aufs Fasten vorbereitet.

Die veganen Arbeitswochen waren auch nich ohne Probleme. Nach dem Fasten hatte ich insgesamt 2,5 Wochen keinen Kaffee angerührt und meistens hat mir der Cappucino oder eben Kaffee mit normaler Milch sofort dieses „ach, toll, das war ja gar nich vegan, na jetzt isses auch egal, jetzt kannst du mittags auch ne Käsestulle essen“ – Gefühl beschert. Das war wirklich immer ziemlich dumm. Denn was ich nicht erwartet habe war, dass mein Intervallfasten nicht mehr funktioniert. Durch das Fasten, die Bakterien und die vegane Kost hatte ich nach 4-5 Stunden nach der letzten Mahlzeit soooo derben Hunger, dass ich einfach essen musste! Und während der Arbeit hungrig über eine vegane Option nachzudenken, die idealerweise 600 kcal nicht übersteigt war für mich kaum zu schaffen. Irgendwann hatte dann endlich mal die tolle Idee mir für die Arbeit ne Packung Milchersatz zu holen. Ab da ging es dann. Mittags aß ich gerne Salat, aber veganes Dressing vor Ort finden? Fehlanzeige. Also auch selber machen und mitnehmen.

Mitte des Monats gabs ein Familienfest mit Gartenparty, brasilianischem BBQ und – natürlich null vegan – also vegetarisch gegessen.

Die veganen Kuchenrezepte habe ich übrigens nicht ausprobiert, weil ich überhaupt keine Lust auf Süßes hatte. Und beim Durchblättern diverser veganer Koch- und Backbücher ist mir echt schwindelig geworden. Da hatten dann plötzlich ein Stück Kuchen über 700 kcal. Ich habe sogar ein paar Blechkuchenrezepte gesehen, wo ein Stück über 1000 kcal hatte!!! Ich investiere gerne meine Kalorien in Süßkram, aber das war selbst mir zu viel. Dann verzichte ich lieber ganz.

Das habe ich gelernt (aka „Binsenweisheiten“ die ich endlich begriffen habe):
Eine Ernährungsumstellung egal welcher Art ist immer nur eine Sache der Organisation (ein bisschen Disziplin und Motivation im Gepäck zu haben schadet auch nicht.). Zur Organisation gehört, sich zu überlegen, wann man was isst, wie der Lebensstil aussieht, was verträglich ist, was schmeckt, was eingekauft wird und was man macht, wenn alle guten Vorsätze den Bach runter gehen.
Wenn du nichts Süßes mehr essen willst, kauf es nicht. Auf Arbeit liegt immer irgendwas rum, weil Kunden was mitbringen oder die Kollegen mit dem Superstoffwechsel immer Süßkram mitbringen…
Wenn du morgens zu faul bist, um dir eine Stulle für die Arbeit zu schmieren, überleg dir, wo du etwas auf dem Weg zur Arbeit kaufen kannst.
Welche Optionen bietet die Kantine?
Du verstehst schon was ich meine. Eigentlich ist es echt nur das.
Ich habe durch das Fasten und die Bakterien mein Intervallfasten aufgeben müssen (ich habe ca. 3 Jahre lang nur gegen 10 Uhr und abends gegen 19 Uhr gegessen), weil ich einfach immer Hunger bekommen hab. Mit dieser Umstellung musste ich also auch umgehen.
Wenig essen und gut kauen ist das Beste was man für seinen Körper tun kann, egal welche Ernährungsform man wählt und ja – es ist so einfach, man darf es nur nich ständig vergessen und dafür sorgen, dass man das auch kann. In einer 30-minütigen Mittagspause schaufelt man sich dann doch eher mit den Kollegen tratschend mehr rein als wenn man alleine im Park sein Vollkornbrot kauen muss.

Und wie gehts weiter?
Vegan war und ist ansich für mich nichts Aussergewöhnliches, weil ich als Vegetarier sowieso schon immer mal vegane Rezepte gekocht habe oder im Restaurant auch die vegane Option gewählt habe. Ich kenne viele vegan lebende Menschen und wenn die ne Party schmeissen gibts halt nur vegan. Die Umstellung fiel mir körperlich leicht, organisatorisch war es mir für 3 Wochen zu schwer. Ich hab mich oft überfordert und ratlos gefühlt. Wenn ich das nochmal disziplinierter angehen will, würde ich mir von meinen Freunden vegane Menüpläne schreiben lassen :D

Margarine finde ich widerlich.
Sojamilch fand ich auch wirklich eklig.
Auf Kuhmilch werde ich weiterhin verzichten so gut es geht, wobei ich sagen muss, dass ich noch nie in meinem Leben ein Glas Milch so getrunken habe. Es geht also eher um homöopathische Dosen im Kaffee oder max. 200 ml Milch im Müsli.
Hafermilch schmeckte mir von allen getesteten Ersatzprodukten am Besten, da hatte ich bei 3 verschiedenen Marken immer Glück. Egal ob im Kaffee oder Müsli, das passte gut und ich werde sie wieder kaufen.

Sojajoghurt usw. habe ich nicht wirklich durchprobiert und werde ich vermutlich auch nicht, weil ich Joghurt, Quark und anderes nicht mal so esse. Vermutlich werde ich solche Produkte kaufen, wenn ich sie mal in einem Rezept verwenden muss.
Generell ist mir die vegane Ernährung aber viel zu Kohlenhydrathaltig. Ich liebe zwar Nudeln, Brot und Kartoffeln, aber ich glaube mittlerweile, dass ich sie gar nich so gut verdauen kann. Daher habe ich vor, mich Ende des Monats zu einem low carb vegan Ernährungsseminar anzumelden. Ob diese vegan-keto alltagstauglich ist, bezweifle ich noch sehr. Mal sehen.
Außerdem habe ich den Verdacht, dass mich irgendeine bestimmte Zuckerart komplett fertig macht. Wenn ich Kuchen, Eis oder sowas esse habe ich keine Probleme. Aber als ich letzte Woche ab und an dann doch verpackte Süßigkeiten (danke Kollegen…) gegessen habe, bekam ich sofort wieder Ausschlag und Rötungen auf dem Gesicht und mir wurde richtig übel davon. Das machte mich stutzig, also muss ich in dieser Richtung auch mal weiterforschen.

So das wars jetzt aber. Hoffentlich war mein Bericht nicht zu konfus. Falls du noch Fragen hast, gerne. Lass gerne noch den einen oder anderen Tipp für den (Arbeits-)Alltag da :)

4 Gedanken zu “3 Wochen vegan essen – ein Erfahrungsbericht

  1. Danke für deinen Erfahrungsbericht. Viele Probleme sehe ich auch: Rezepte mit Zutaten, die ich gar nicht kenne; drölfizig Minuten Kochzeit; konsequente Planung und Vorbereitung…
    Ich glaube, es ist leichter, die Mahlzeiten nach und nach immer veganer werden zu lassen und dafür einen längeren Zeitraum zu wählen (also beispielsweise erstmal das Frühstück auf vegan umstellen und wenn das nach einigen Wochen gut klappt, auf das Mittagessen auszuweiten).
    Mittlerweile bin ich sehr verwirrt und orientierungslos von all den Dokumentationen und Expertenmeinungen zum Thema Ernährung. Wem darf man überhaupt noch glauben?

    1. ja das find ich auch wie du schreibst…einfach mal ein bisschen entschleunigen und ein paar dauerhafte Basics einbauen, wie z.B. das mit der Milch oder so.
      Das mit den Expertenmeinungen…tjaaaaa. Damit lässt sich gut Geld verdienen. Ich glaube mittlerweile, dass alle recht haben. Aber nicht jede Ernährungsform passt zu jedem Körper und ich glaube das ist das, was wir alle wieder lernen müssen. Deshalb probier ich so achtsam wie es geht herum und hoffe, dass mir mein Körper rechtzeitig mitteilt, wenn ich was dummes tue :D
      Abgesehen davon ist glaub ich wirklich der Schlüssel gut zu kauen und einfach weniger von allem zu essen.

  2. Ich habe im letzten Jahr fast vegan gelebt, aber bei Einladungen etc. auch immermal ne Ausnahme gemacht, damit es praktikabel blieb – so ähnlich, wie du das bei der Gartenparty schreibst. Was Planung und den Heißhunger auf Gemüse angeht kann ich das auch ohne Bakterien sehr gut nachvollziehen, war bei mir auch so. Krass fand ich die Umstellung in der Verdauung, ging aufm Klöchen alles viel leichter um es mal positiv auszudrücken ;)
    Nach drei Monaten Italien muss ich jetzt erstmal wieder reinfinden. Aber wenn dann doch ab und an mal ne Ecke Käse dabei ist find ich das auch nicht so schlimm. Positiv fand ich in jedem Fall viele neue Rezepte und auch Zutaten auszuprobieren, die meine Ernährung einfach abwechslugsreicher gestalltet haben. Aber stimmt schon: Es braucht etwas bis man seine „Klassiker“ findet. :)

  3. Hallo Frau Ding Dong,
    Beeindruckender Erfahrungsbericht…
    ich habe dieses Jahr zur Fastenzeit nur basisch gegessen, das bedeutet nur Obst, Gemüse, Salat, Pilze, Sprossen und Mandeln (als einzige Nuss). Alle anderen Lebensmittel werden als Säurebildner gesehen, sprich, der Körper verstoffwechselt diese Lebensmittel, so dass sich viel Säure bildet. Soll helfen bei Arthrose (meine Partnerin) und auch Sodbrennen (ich)…
    warum ich das alles schreibe, ist, weil du oben vermutest, dass du Kohlehydrate nicht so gut verträgst: Versuchs mal mit Kartoffeln, die wirken bei mir zumindest anders als Brot, Nudeln, Reis und co… mach nicht so müde und schlapp.
    organisatorisch ist eine basische Ernährung herausfordernd gewesen, genauso wie du schreibst, man muss planen und wissen, wo was geht. als Frühstück hatte ich immer frisches Obst mit ins Büro genommen, mittags hatte ich vorgekocht, nachmittags als Snack hatte ich Karotten da, abends mussten wir kochen… Gut war auch das Salatbuffett unserer Kantine, falls ich kein Essen dabei hatte. praktisch sind Eintöpfe, die kann man gut am Wochenende vorkochen und für die Woche eintuppern
    Problematisch waren allerdings Einladungen jeder Art bei Leuten privat. Am besten Essen selbst mitbringen. Der Besuch beim Italienier habe ich mit Minestrone und einem ordentlichen Salat auch hingekriegt, aber es ist schon hart.
    Ich habe mit Erstauenen gelesen, dass du mit Kuchen oder Eis keine Hautprobleme kriegst, aber anderen Zucker gar nicht verträgst… ich muss das mal mit meinem Zuckermonster testen, weil auf Eis im Sommer zu verzichten wird völlig unmöglich.
    Danke für deine Beiträge, liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg bei der Ernährung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*