Was die Serie „Queer Eye“ mit Minimalismus zu tun hat

Okay, reden wir über die Fab 5 – kennst du die Serie „Queer Eye“? Gerade ist auf Netflix die 2. Staffel draußen und ich bin immer noch begeistert. Eigentlich ist es eine Umstyling Show und das Prinzip geht so: Fünf schwule Experten fallen wie Heuschrecken in das Leben von meist heterosexuellen, bibeltreuen Landeiern ein und geben denen den nötigen Arschtritt, um mal einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen. Es geht um Mode und Stil, Inneneinrichtung, Körperflege sowie Coaching und (kulturelle) Bildung. Das Ganze innerhalb einer Woche. BAM! Fertig ist ne tolle Show! Dabei werden Schlaglichter auf die amerikanische Kultur (Hello heftige Konsumkultur) geworfen und durchaus ernste Themen wie Rassismus, Feminismus, Sexismus und religiöse Ausgrenzung besprochen. Plötzlich sieht man sich umarmende Männer, die auch vor Rührung und Dankbarkeit weinen und das ist (leider noch) so neu, dass man gleich mitheult.

Nach der Folge, wo sie einen 8-köpfigen Haushalt entrümpeln mussten, um überhaupt irgendwas anzufangen und ich mich wieder an diese Konsumkultur erinnerte, die mir mittlerweile so fremd erscheint, ist mir klar geworden, dass diese Show mehr mit Minimalismus zu tun hat, als bloßes Umstyling. Denn das, was man pro Folge sehen kann, ist ein Mikro-Turbo-Minimalismus. Vom Außen nach Innen. Mit jeder Menge Selfcare und sich verändern wollen, weil man feststeckt, nicht weil man irgendwas für andere optimieren muss. Natürlich bleibt das ganze eine Unterhaltungsshow, also allzuviel Tiefgang ist nicht immer zu erwarten, aber der respektvolle Umgang miteinander ist sehr sehenswert.

Jeder der Teilnehmer ist quasi sein eigenes Projekt. Einer outet sich am Schluss seiner Stiefmutter, der andere führt endlich mal wieder seine Frau aus, ein schüchterner Mensch hält vor seinen Freunden und Kollegen eine Rede – solche Sachen. Bis zu Tag X wird der Teilnehmer gepimpt.
Sein Kleiderschrank wird von Tan (mein Favorit :D) durchgecheckt, entrümpelt und dann geht er mit dem Teilnehmer shoppen. Mode interessiert ihn nicht, nur der bisherige Stil des Teilnehmers und die Figur. Es ist wird stilistisch nur geupdated. Der Hippie bleibt im Grunde eine Hippie, zieht aber statt Schlabbershirt mal ein Leinenjacket an.
Jonathan kümmert sich um die Körperpflege und die Haare. Er erklärt den Teilnehmern bei auch bei geringem (Zeit-)Budget, wie man sich richtig trimmt. Er verpasst ihnen eine neue Frisur, stutzt den Bart und erklärt, worauf sie achten müssen. Jonathan ist zwar extra, aber für die Teilnehmer bleibt es im Rahmen. Das was er sagt, scheint auf die Männer immer mächtig Eindruck zu machen, weil sie 1. keine Ahnung von Pflegeprodukten haben und 2. Selfcare wirklich ein Fremdwort ist. Jonathan zeigt den Typen, dass es nicht exklusiv weiblich ist, sich zu pflegen. Also geht er mit ihnen auch mal zur Pediküre :D
Antoni checkt den Kühlschrank. Er erkennt meistens, dass in den Kühlschränken entweder a) nichts b) Ungesundes oder c) absolut Ekliges ist. Komischerweise riecht und probiert er auch mal, was eindeutig eine masochistische Ader vermuten lässt :D Jedenfalls ist er ein Feinschmecker und kocht mit den Teilnehmer ganz einfache Gerichte, die unaufwendig, gesund und leicht nachzuvollziehen sind.
Bobby hat wohl den Löwenanteil, der kann zaubern. Innerhalb einer Woche stylt der dir die Bude so um, dass du dein Haus nich mehr wieder erkennst. Sein Motto: Wenn dich deine äußere Umgebung inspiriert und dir gefällt, geht es auch deinem Inneren gut. Meistens hat er damit zu tun alles möglich zu entsorgen und Möglichkeiten für eine gute Haushaltsorganisation zu schaffen. Dabei nutzt er auch sentimentale Stücke zum Dekorieren, was ich immer sehr schön finde.
Karamo ist der „Daddy“ der Truppe. Er coacht den Teilnehmer durch die Woche und hat immer tolle Ideen, wie man Probleme angeht und sich Lösungen ausdenkt. Dem Hipster-Bürgermeister aus Staffel 2, der Probleme mit dem Halten von Reden hatte, ließ er nen Rap vorführen, um lockerer zu werden. Er sucht sich immer Sachen aus, die auch zur Persönlichkeit und zum Problem des Teilnehmers passen, aber auch immer mit ein bisschen Unbequemlichkeitsfaktor . Teilnehmer Remi trinkt gern Whiskey, also soll er was über Whiskey lernen, um ein bisschen kultivierter zu werden. Teilnehmer AJ hatte Angst vor dem Ungewissen, also ab in den Hochseilgarten und den Sprung mit verbundenen Augen nach unten (natürlich mit Sicherung) – da stecken wirklich ganz viele tolle Beispiele in der Show. Und wenn jemand andere Leute auftauen kann, ist es Karamo.

All das zusammengewürfelt ergibt einen heilsamen, ehrlichen Perspektivwechsel, der einem auch selber gut tut. Sich auch für andere ein bisschen Mühe zu geben, Fragen stellen, zuhören lernen, sich Zeit für sich nehmen, sich pflegen und verwöhnen, weil man es verdient, gut genug zu sein, sich selbst wertschätzen – das ist das was wir alle brauchen.
Und das ist es doch auch, was am Ende beim Minimalismus rauskommt, wenn man seine Wohnung entrümpelt hat, seine Pflege und seinen Haushalt vereinfacht hat, seine Ernährung überprüft hat, oder? Durch das eigene „Update“ kommt man raus aus der Langeweile, der Gewohnheit, der Alltagsunzufriedenheit. Zumindest sollte/könnte das ein Ziel sein.

Hier ist noch ein toller Artikel über die Fab 5 und die Webisode in Australien.
Oh und die die Webisode in Australien ist auch seit gestern draußen, aber die ist ein bisschen anders als die anderen Folgen.

Also los, reden wir über die Fab 5! Welcher der Fab 5 ist dein Liebling? Hast du was aus der Show gelernt? Und wie könnte man sich selbst in einer Woche updaten? Was braucht es dazu?

10 Gedanken zu “Was die Serie „Queer Eye“ mit Minimalismus zu tun hat

  1. Ich liebe diese Show. Ich bin ernstlich verliebt in cute Antoni aber so richtig verrückt bin ich nach Jonathan. Ich finde ihn so niedlich, so herrlich tuntig und zauberhaft. Aber eigentlich mag ich jeden einzelnen der Fab5. Witzig, mit Minimalismus hab ich die Sendung nie in Verbindung gebracht, aber da ist was dran. Reduce to the Max.

  2. Danke für den Tipp!
    ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir diese Sendung anzusehen (mache generell einen großen Bogen um Styling-Shows!). Habe gerade in die erste Folge reingeschaut und bin (nachdem ich die furchtbare Intro-Musik überstanden habe) schockverliebt in die Jungs! Wie liebevoll sie mit ihrem „Opfer“ umgehen… Zucker!

  3. Haha, mit diesem Blick habe ich die Serie noch nie gesehen, aber im Grunde hast du Recht. Insbesondere was das Styling (für Körper, Kleidung oder Haus) anbelangt ist Fokus auf das Wesentliche meist der Schlüssel zum Erfolg. :)

    Lieber Gruß,
    Philipp

    1. ja auch wenn Bobby immer – für meinen Geschmack zu viel – Schnickschnack einbaut, achtet er doch immer auch auf die Funktionalität. Und selbst Jonathan sagt, dass man sich nich jeden Tag die Haare waschen soll :D

  4. Wegen deines Blogpost habe ich testweise die erste Folge der ersten Staffel geschaut. Kurze Zeit später war ich bei Folge 7 und total verheult :)

    Mich stört bei solchen Sendungen eigentlich, dass eine äußere Veränderung nur wenig Auswirkung auf die inneren Werte hat. Ein neuer Haarschnitt macht nunmal kein Selbstwertgefühl. Aber bei diesem Format wird beides sehr gut kombiniert und wie du schon sagst: Die Personen werden nicht radikal verändert, sondern das wahre Innere der jeweiligen Männer nach außen geholt.

    Ich glaube ich bin Team Antoni, aber ich finde alle Jungs (und auch die Teilnehmer) sehr symphatisch.

    Danke für den Anstoss, die Serie doch mal zu gucken, denn sie ist weitaus wertvoller als gedacht <3

    Gruß
    Steffi

  5. Ich liebe diese Serie und habe da bereits viel lernen können. Natürlich finde ich auch alle der Fab 5 super sympathisch, weil sie ihre Kandidaten nicht nur mit guten Vorschlägen sondern vor allem mit Respekt und total auf Augenhöhe begegnen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum die Serie so einen tollen Vibe hat – hier werden eben keine Vollversager vorgeführt, sondern Leute gezeigt, die sich verändern (verbessern im Grunde) wollen, um Hilfe bitten und angemessene Hilfe bekommen, wobei der Zuschauer sich dann die Dinge herauspicken kann, die er braucht.
    Ich glaube aber, man unterschätzt die Arbeit, die da geleistet wird, da die Folgen ja vergleichsweise kurz sind, wenn man bedenkt, dass sie ja eine ganze Woche da sind und Dinge anstellen.

    Wie gesagt, ich finde alle toll, aber ich glaube Jonathan hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Nicht etwa, weil ich ihn besonders toll finde, sondern weil ich ihn anfangs als Klischee-Schwulen einschätzte, er mir aber dann doch sehr schnell genau dadurch ans Herz wuchs. Er hat quasi einen viel größeren Sympathiesprung gemacht, als die anderen. :)

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