Vom Bullet Journal zur Ich-Bibel

Okay, wie du ja weißt, kam ich mit dem Bullet Journal leider nicht zurecht. Das Potential darin hab ich erkannt, aber diese elendige Abschreiberei von Sammlungen und Gedankenfetzen, die mit ins neue Notizbuch kommen sollten, war mir dann doch zu viel. Aber schriftlich nachdenken ist super, deshalb habe ich das Thema weiter abgegrast und ta-da – das Internet hat natürlich wie immer eine Lösung! :D

Kevin Gao hat sich selbst eine Bibel geschrieben, in der er immer liest. Er notiert sich Gedanken, Gedichte, Zitate, Fragen, Lebenstugenden, inspirierende Geschichten und Schnipsel aus Büchern, die er gelesen hat. Fertig ist die eigene Bibel.

Dazu schreibt er:

My goal for this Personal Bible is to have a handbook of the most inspiring, powerful, and interesting content I’ve experienced. Something I can read every day or as often as possible, a resource I can turn to when facing important decisions or tough emotional times. Together, they represent the ideas and beliefs and insights that I want to remember forever, concepts that I want to become a concrete part of my daily life.

Und ich dachte – gute Idee, das wird gleich nachgemacht und ausprobiert.

Also habe ich mir ein Notizbuch im Format A6 aus dem Regal gezogen, tatsächlich einen Index angelegt, der sogar funktioniert (in meinem obigen Test war der Index total sinnlos, keine Ahnung warum) und mir Gedanken gemacht. Ich nenne es – inspiriert von Hannah Arendt – „Nachdenkbuch 2018“.

Und das ist bisher drin:

  • Zitate zum Thema Selbstliebe, Freiheit, Akzeptanz – kurzum, jedes Zitat, was mir ins Auge sticht und mich interessiert.
  • Liste: Orte, die ich mal besuchen möchte
  • Liste: Dinge, die ich gerne mal tun möchte
  • Fragen, jede Menge Fragen. Ich liebe Fragen! Die helfen besonders gut beim Nachdenken und Kopf-verdrehen
  • Selfcare Ideen, um meine Bedürfnisse zu erfüllen
  • Meine Werte nach denen ich leben will bzw. die ich ergründen will
  • Postkarten mit schönen Motiven oder Fotos und Sticker, die mich freuen
  • Liste mit Dingen, die mich glücklich machen und mir Kraft geben
  • Liste mit Sachen, die ich bisher erfolgreich gemeistert habe, quasi ein kleines Erfolgstagebuch
  • Meine Vorbilder und was mich an diesen Menschen fasziniert
  • positive Affirmationen
  • Notizen aus Büchern, die mir weitergeholfen haben
  • positive Sachen, die ich erlebt habe oder die jemand über mich gesagt hat
  • Liste: Darin bin ich gut
  • Liste: Das will ich noch lernen/das will ich verbessern
  • Dankbarkeitsliste
  • Kraftcollagen und Mini-Moodboards
  • Realitäten: Kurze Notizen zu realen Erlebnissen, die meine negativen Glaubenssätze entkräften
  • Morgen- und Abendroutinen in Bezug auf meine Bedürfnisse
  • Reflektionen zum Jahresende
  • Ausblick und Visionen für das kommende Jahr
  • Erkenntnisse, die ich aus TED-Talks gesammelt habe
  • Zielplanung, fernab von dieser SMART Grütze.

Hier habe ich noch mehr Ideen, die man in einer Ich-Bibel sammeln könnte:

  • Das habe ich heute/diese Woche/diesen Monat gelernt
  • Meine größte Probleme sind…
  • Wege und Ideen, um meine Probleme zu lösen
  • Blogs und Internetseiten, die mich auf gute Ideen bringen
  • Das tröstet mich…
  • Das tut mir gut, wenn…
  • Das ärgert mich/Trigger
  • Das hat gut geklappt
  • Ich hab Angst vor … und tu es trotzdem

Im Grunde geht es darum, sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen, sich selbst besser kennenzulernen und immer wieder abzugleichen und zu hinterfragen. Ich finde es spannend, wie sich dadurch mein Leben verändert, denn das tut es damit. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Büchlein mich so sehr weiterbringt. Ich nehme es gerne zur Hand, blättere darin herum, zeichne und kritzle und erlaube mir, mein Inneres da rein zu destillieren. Anders als beim Tagebuch-Gesülze, wo ich Dinge einfach nur rauslasse, ist dieses Nachdenkbuch dann doch etwas lösungsorientierter und gibt Antworten auf meine Fragen. Das hilft besonders wenn ich mal wieder am Grübeln bin. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ich merke, dass irgendwas schief läuft in meiner Wahrnehmung (aka Negative Glaubenssätze) und ich aber lese, dass mein Vergangenheits-Ich notiert hat: Ey, in der Situation war das ähnlich und das Problem hast du so gelöst und es ging dir gut – weiß ich, dass ich mir vertrauen kann und alles gut wird. Vielleicht müssen das andere Menschen nicht machen, weil die das alles in ihrem Kopf geregelt kriegen. Ich kanns leider nicht so gut.

Das wars schon. Ich hoffe, der Beitrag war in irgendeiner Art und Weise hilfreich für dich.
Was könnte man noch drin notieren? Führst du so ein Denktagebuch auch? Welche Collections hast du in deinem Bullet Journal, die dich weiterbringen?

3 Gedanken zu “Vom Bullet Journal zur Ich-Bibel

  1. Hallo,

    danke für den tollen Beitrag, das ist für mich sehr hilfreich. Ich hatte überlegt, wieder mit einem Bullet Journal anzufangen, um meine Ziele besser zu erreichen, aber ich fand das Bujo für mich persönlich zu aufwendig, selbst die minimalistische Variante.

    Viele Grüße, Claudia

  2. Hallo Cloudy,
    nach Ewigkeiten bin ich wieder hier. Nadine/Nanne von ehemals einfachsoleben. Schon lange jetzt her, ich finde es aber ganz spannend, dass wir einen ähnlichen Weg bei Bujo „weiter“ gehen. Das Bujo so wie es sein könnte, passt für mich auch überhaupt nicht, ich merke aber, dass ich Teile davon hilfreich finde und erstelle mir gerade mein eigenes System! So durchdacht wie bei dir ist es noch nicht, definitiv behalte ich einen kleinen, externen Kalender (da gibt es ja für diese TravelerBooks o.ä.) schmale, leichte Heft. Dazu habe ich wahrscheinlich ein aktuelles Bujo, wo ich unterwegs einfach Notizen, Gedanken, aktuelle ToDolisten reinschreibe, und ggf. ein weiteres, gutes zuhause, in das ich nur die allerwichtigsten Dinge übertrage oder Listen schreibe, die ich nicht mitnehmen muss. Ich bin da noch am Gucken. Mit Color Codes und Key Codes zu arbeiten, will ich noch mit in mein System aufnehmen. Zeitintensiv finde ich meine Variante nicht, daduch, dass ich den Kalender seperat habe, muss ich nicht groß was gestalten.
    LG Nadine

    1. oooh wie schön von dir zu lesen!
      Ich finde deine Variante super. Neulich hatte ich so ein Travellers Notebook Dingsi mal in der Hand, das fand ich sehr reizvoll, habe mich allerdings ob meiner Blankonotizbuchsammlung *hüstel* dagegen entschieden. Ich verstehe an den Bujos nicht, warum man sich einen Kalender malt. Denn wenn ich eh eine Wochenübersicht zeichne, dann könnte ich doch gleich einen normalen Kalender im entsprechenden Format nehmen? Ich habe durch meine Instagram-Bujo Einblicke nicht den Eindruck, dass es wöchentlich wechselt und herumprobiert wird…mmh…
      naja…das Thema wird wohl nie enden :D

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