Minimalismus als Megatrend

Keine Ahnung wie es dir geht, aber ich finde es super gut, dass Minimalismus mittlerweile so große Wellen geschlagen hat. Umso mehr freut es mich, Minimalismus auch noch in der Megatrend Map vom Zukunftsinstitut verortet zu sehen.
Megatrends überdauern mehrere Jahre. Seit 8 Jahren blogge ich schon über das Thema Minimalismus und ich konnte beobachten, wie es vom Nischenthema in den Mainstream gewandert ist. Das hat meiner Meinung nach das ganze Thema einerseits verwässert, weil ständig das Rad neu erfunden wurde, anstatt in die Tiefe und weiter zu denken, andererseits hat diese Vielfalt sehr viele neue Aspekte und Ideen hervorgebracht. Und jeder dieser Aspekte trägt nach wie vor dazu bei, die Idee weiter zu denken.

Minimalismus ist ein ganz und gar unminimalistisches Fass ohne Boden. Es betrifft sämtliche Bereiche von Außen (Entrümpeln, Grundgarderobe usw.) nach Innen (weniger Arbeiten, ungesunde Lebensmuster loslassen). Die einen sind zufrieden mit einer aufgeräumten Wohnung, die anderen krempeln daraufhin ihr ganzes Leben um. Es betrifft also nicht nur den Konsumaspekt sondern auch die eigene Individualität. Und dadurch, dass wir uns verwandeln, verwandelt sich auch die Gesellschaft. Dieser Wertewandel ist die Basis einer zukunftsfähigen Gesellschaft (wenn man es denn richtig anstellt, aber das muss ich noch erforschen :D)

Interessant am Minimalismus ist, dass es ein globales Phänomen ist. Ursprünglich ist der Begriff bzw. der Lebensstil ja aus den Vereinigten Staaten herübergeschwappt, dazu kam dann irgendwann die Zen-Asthetik aus Japan, vermixt mit den Grundzügen der Simple living Bewegung der 80er Jahre. Und während wir hier gerne Minimalismus mit einem grünen zerowaste Lifestyle verbinden, nutzen die Amerikaner die Idee, um ihre Schulden loszuwerden. (Der amerikanische Minimalismus langweilt mich übrigens extrem. Die kommen von ihrem Konsum-Schulden-Thema irgendwie auch nicht los…) Minimalismus hat eben viele Facetten. Da hängt diese ganze Achtsamkeits-Slow-Bewegung mit drin, aber natürlich auch die Sharing Economy, Zero Waste Experimente und Bio-Vegan-Superfood genauso wie die Technomaden und das Thema Postwachstumsökonomie.
Die spannende Frage ist: Wie bastelt man mit Minimalismus an einer Umformung der Gesellschaft im technologischen, gesellschaftlich-sozialen und – auch nicht zu vernachlässigen – ökonomischen Sinne, das daraus ein gutes Leben für alle wird und der Planet nicht vor die Hunde geht?
Und – auch spannend – was kommt als Gegentrend? Ist es schon „Hygge„? Oder das plakative Tragen von Markennamen um den Influcencer-Konsum-Lifestyle noch weiter zu treiben?

Ein Gedanke zu “Minimalismus als Megatrend

  1. Öhmmm…naja, ich wage zu behaupten: Minimalismus IST ein Gegentrend! Zum masslosen „Ich habe, also bin ich“, aus dem auch dieses ganze Influencer-Gedöhns schlussendlich resultiert….. Ich bin sehr begeistert, dass dieser bluewin.ch so hohe Wellen schlägt und hoffe, dass sich immer noch mehr Menschen da reinhängen. Es kann unserem Planeten nur guttun, egal, welcher Aspekt des Minimalismus den eigenen Nerv trifft. Alles, was von „Weiter. Höher. Schneller. Mehr“ weggeht ist richtig und gut. Hygge zelebriert ja nichts anderes, als dass man es sich Zuhause schön macht, sich mit Familie und Freunden trifft und die Natur geniesst. Und die Steigerung (oder Fortsetzung?) von Hygge ist Lagom, was „alles im richtigen Mass“ beschwört. Schlussendlich ist es ja auch egal, wie die Dinge heissen, Hauptsache ist doch einfach dass die Menschen langsam erkennen, worum es geht im Leben und dass es dazu wirklich wenig(er) braucht!
    Guter Text, merci!
    Liebe Grüsse!

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