Online-Shopping, Minimalismus und Umweltschutz

Okay, Zeit für ein Geständnis:

Ich bestelle fast nie was online. Ich habe auch keinen Account bei Amazon. Und ich habe vor 3 Wochen zum allerersten Mal in meinem 33-jährigen Leben etwas aus dem EU-Ausland online bestellt. Das war wirklich sehr aufregend für mich!
Es hat auch geklappt.
5 Sterne, gerne wieder.
Oder?

Ich weiß, dass das vielen lächerlich erscheint. Man hat so seine Wunschlisten und wenn man was will, dann kauft man sich es halt. Egal woher das Zeug dann kommt. Und bevor ich Samstags in das überfüllte, stickige Einkaufszentrum pilgere, bestell ich es lieber ganz bequem abends vorm Abendbrot. Schön einfach.

Aber ich frage mich – ist das wirklich so? Machen wir uns zu wenig Gedanken darum?
Was ist, wenn wir nur denken, dass es bequem ist?

Ich sehe die Berge an Kartonagen in der Straße stehen. Die muss man ja vorher da hin tragen.
Ich beobachte Menschen, die genervt sind, weil ihr Paket nicht ankam, es irgendwo abgelegt wurde, oder sie es irgendwo abholen müssen.
Ich sehe Menschen, die gernervt sind, weil sie sich wieder irgendwo anstellen und warten müssen, damit das Zeug das nicht gefällt oder passt wieder zurückgeschickt wird.

Einige bestellen Zeug nur für das Instagram-Foto, andere weil sie nirgendwo was finden (was in Dörfern und Kleinstädten echt ein Problem ist)
Die Retour-Ware, die technisch gesehen noch Neuware ist? Kommt auf den Müll. (Und ja, mir wurde richtig schlecht, als ich das gehört habe)
Fahrer kurven mit halbgefüllten Wagen durch die Straßen, ist ja schließlich Express-Versand. Da lassen sie manchmal den Motor laufen, weil sie sich ja für den mickrigen Stundenlohn auch noch beeilen müssen. Dann is da niemand, der das Paket annehmen kann, also wird es woanders hingefahren.
Wie viel CO2 kommt da eigentlich zusammen?
Und dann der ganze Verpackungsmüll!
Oh und noch geiler ist ja, wenn man sich im Fachhandel beraten lässt und dann trotzdem online kauft. Klar, kann man machen. Ist aber unfair und die lokalen Händler verkommen zu Amazon-Showrooms. Dann wird sich gewundert, warum so viele kleine Läden sterben und jede Fußgängerzone in Deutschland gleich aussieht.

Also ist das wirklich bequem? Wollen wir das so?

Wenn man spezielle Sachen sucht, die man nirgends bekommt – ja.
Bei besonderen Kleidungsstücken oder Sondergrößen oder fehlender Transportmöglichkeit bei Möbeln finde ich das durchaus okay.

Wenn man wirklich Schnäppchenjäger ist und sich Teil xy unbedingt wünscht und es das ausgerechnet online günstiger zu haben ist, okay – warum nicht?

Aber wenn man neue Schuhe haben will und sich 10 Paar bestellt und schon weiß, dass man 9 Paare zurück schicken wird – warum muss das sein?

Ich finde es ja eher nervig, Pakete irgendwo abholen zu müssen, weil das mit der Lieferung nicht geklappt hat.
Ich finds auch blöd, wenn ich Sachen zurückschicken muss (bisher ist das gottseidank nur 2 x passiert)

Eine Arbeitskollegin hat gefragt, wie ich denn einkaufe, so ganz ohne Online-Handel. (Für sie wäre es eine Strafe an einem Samstagnachmittag ein Einkaufszentrum zu besuchen – für mich auch.)

Meine Art ist vielleicht auch nicht bequem, aber es macht mir Spaß, weil ich mir beweisen will, dass ich die Dinge, die ich haben will auch ohne Online-Shopping bekomme. Das kann ich deshalb so einfach, weil ich meine Einkäufe niemals wichtig oder dringend finde. Außerdem finde ich Online-Shopping ein bisschen langweilig. Ich fasse Dinge gerne an.
Als Minimalistin erlaube ich mir den Spaß:

  • Also schreibe ich manchmal Firmen an, die mir dann sagen, welche Händler in meiner Nähe ihre Ware verkaufen. Da fahr ich dann da hin.
  • Ich frage auch manchmal in Geschäften, ob sie Marke xy nicht in ihr Programm aufnehmen wollen.
  • Oder wenn eine bestimmte Größe nicht vorhanden ist, ob und wann sie wieder reinkommt oder bestellbar ist.
  • Einmal ist mir mein To Go Becher runtergefallen und der Deckel war kaputt. Also habe ich auf der Firmenseite nachgesehen, wer in meiner Nähe diese Becher verkauft. Ich rief den Händler an, schilderte mein Problem und ob sie eine Lösung hätten. Da haben sie mir einfach einen Deckel nachbestellt!

  • Ich gucke mir bei diversen Marken die aktuellen Modelle an und weiß, welche Läden ich meiden kann, weil da nur hässlicher Schlonz verkauft wird. Wenn ich was brauche, hilft mir mein Klamotten-Kalender.
  • Meistens kaufe ich ja eh second-hand, aber auch bei Neuware merke ich mir Läden und Marken, die gut passen.
  • Wenn ich dann mal Kleidung online bestellt habe, habe ich mich vorher genau ausgemessen und die Tabellen angesehen, ob da was übereinstimmt. Dann passte es auch.
  • Oh und dann bin ich noch ein großer Fan vom guten alten Warenhaus. Alles, was man glaubt zu brauchen ist dort versammelt. Dazu Verkäufer die man fragen darf und unterm Dach gibts immer Kaffee und Kuchen. :D
  • …und die Click-and-Collect-Magic! Bisher nur im Baumarkt ausprobiert, aber das ist online-shopping und echtes einkaufen gleichzeitig. Da sucht man sich online aus was man haben will und die Fachverkäufer ziehen einem das ausm Regal. Man muss dann nur noch hingehen, abholen und bezahlen.

Mehr Infos:
Amerika, das Land der Hoarder
Video: Retouren für den Müll
Und diese Dame hat eine interessanten Lösungsansatz für dieses Problem
Die Schattenseiten des Online-Handels
Mit gutem Gewissen online einkaufen: E-Commerce schadet der Umwelt nicht
So umweltschädlich ist Onlineshopping

Tja, also keine Ahnung ob Online Shopping gut oder schlecht ist oder das normale Einkaufen besser oder bequemer. Ich glaube, das kann man so auch nicht sagen. Vielleicht ist es auch egal.
Vielleicht muss man sich hierbei auch wieder minimalistisch besinnen und sagen: Brauch ich beides nicht. Wenig geht auch.

6 Gedanken zu “Online-Shopping, Minimalismus und Umweltschutz

  1. Ein spannendes Thema! Vor Ort bestellen – auch eine gute Idee. Beim Online-Handel sind die Kartons und der damit entstehende Müll wirklich sehr nervig. Kaufe ich vor Ort, gibt es diesen Müll auch, nur den muss der Händler entsorgen und nicht ich. Die mit LKWs verstopften Straßen kommen noch dazu.
    Was ich manchmal nicht verstehe, warum so viele Händler vor Ort mehr oder weniger freiwillig dem Onlinehandel so viele Kunden überlassen. Konkret: Ich suche nach einer Beratung durch Verkäufer/-innen oft vergeblich, niemand zu sehen, keine Zeit, ewige Warteschlangen am Infostand. „Irgendwas“ shoppen ist kein Problem, aber ich will ja nicht irgendwas, sondern wenn, dann was ganz bestimmtes. Passende Hosen finde ich als Langbeinerin z.B . schlichtweg nicht. Welche Frau hat schon so lange Beine, das lohne sich einfach nicht – schon vor 20 oder 30 Jahren war das ein Drama, immer alles rund 10cm zu kurz und ich musste als Frau auf Herrenhosen ausweichen – Horror… Der Onlinehandel schickt mir heute die Hosen zu und fertig.
    Minimalismus ist in der Tat ein Weg aus dieser Zwickmühle. Dinge, die ich nicht brauche, muss ich auch nicht kaufen – weder online, noch offline. Wunderbar :-)

  2. Liebe Frau DingDong,
    Online einzukaufen wird zu einem immer grösseren Problem, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen. Alle deine oben aufgeführten Gründe tragen dazu bei, dass immer noch mehr produziert, noch mehr Kilometer gefahren, noch mehr weggeschmissen wird. Alleine die Tatsache, dass NEUE Retouren-Ware von Online-Versandfirmen auf den Müll geschmissen wird, weil sich scheinbar das Kontrollieren und Neuverpacken nicht lohnt (wie bitte?) bringt mich zur Weissglut. Wie dekadent sind wir eigentlich inzwischen???
    Persönlich shoppe ich nur bei zwei Lieferanten online. Einerseits bei meiner Lieblings-Klamottendesignerin. Da weiss ich, dass die Grösse, die Qualität und auch der Nachhaltigkeitsgedanke stimmt. Und sowieso hab ich das letzte Mal vor mehr als einem Jahr da was bestellt, vielmehr: Ich hab damals das letzte Mal überhaupt was zum Anziehen gekauft. Geht, oder? ;oD Und ich bestelle ausserdem bei einem andern Lieferanten, der meine Aleppo-Seife in einer Grosspackung führt, was ja wiederum so oder so okay ist- die Seife an und für sich UND die Grosspackung. Auch da bestelle ich höchstens 1 oder 2 Mal im Jahr und behalte die Produkte dann natürlich auch.
    Ich finde es wahnsinnig wichtig, die kleinen Läden zu berücksichtigen. Hab letzthin sogar festgestellt, dass das Buch, was ich in der Buchhandlung meines Vertrauens im Ort bestellt hatte, ganze 5 Franken günstiger war als im Onlinehandel. Und ich hab abends bestellt und am übernächsten Tag morgens abgeholt. Schneller geht das auch per Lieferant nicht. Siehste…..
    Ach- übrigens finde ich auch diese Geschichten wie Black Friday und Konsorten echt zum Davonlaufen. Aber das ist wieder ein anderes Thema……
    Sehr interessant, dein Post, merci dafür!
    Herzliche Grüsse!

  3. Hallöchen,

    ich bin auch absolut kein Freund vom Online-Shopping. Und kaufe nur im absoluten Notfall online ein, weil ich es offline nicht finde. (Wobei das letzte Mal online einkaufen auch schon ein paar Jahre wieder her ist, da habe ich mir PC-Einzelteile bestellt um ihn mir selbst zusammenzubauen).
    Gerade bei deutschen Büchern kann ich es absolut nicht verstehen, dass man sich diese bei Amazon oder so bestellt. Durch die Buchpreisbindung kann man sich nicht wirklich Geld sparen.

    Viele Grüße
    Abigail

  4. Hallo liebe Frau DingDong,
    ich habe schon sehr viel online bestellt. Die Retouren halten sich in Grenzen, da ich sehr genau überlege was und ob ich bestelle. Dieses Jahr hatte ich eine Retour, da die Sache trotz Messen nicht passte. :(
    Als ich noch in der Großstadt bzw. in umittelbarer Nähe (10 Minuten Zugfahrt) einer Großstadt gewohnt habe, habe ich sehr viel weniger online bestellt! Irgendwo gab es schon das passende Geschäft mit dem passenden Ding. Hier in meiner Kleinstadt ist das oft leider nicht der Fall – obwohl ich es immer wieder optimistisch ausprobiere.

    Egal ob Großstadt oder Kleinstadt, online oder offline – es ist wie du sagst, braucht man das Ding wirklich? Geht es auch ohne?

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