Gelesen im August und im September

Ja, es ist nicht Mittwoch. Die Hand ist zwar heil, aber jetzt bin ich erkältet und nur am Abschlaffen…ich tipp das schnell hier hin und verkriech mich gleich wieder ins Bett.

Der August war ja mein Urlaubsmonat und davon bin ich die meiste Zeit draußen gewesen. Abends war ich durch das Wandern so müde, dass ich dann auch nicht so viel lesen konnte und von diesem Zustand bin ich in eine richtige Leseflaute gerutscht. Mal sehen wann ich da wieder rauskomme. Die Liste sieht entsprechend aus.

„Die letzte Crew des Wandersterns“ von Hans-Arthur Marsiske
2028, Alltag auf der ISS: Die dort lebende Crew macht alles zur endgültigen Stilllegung fertig. Daher gilt es aufzuräumen. Beim Beenden der Testreihen und Experimente machen die Wissenschaftler bei einem Experiment mit Marsproteinen eine unerwartete Entdeckung. Parallel dazu beobachtet Jaija, Mitglied und „Seherin“ eines Naturvolks auf einer einsamen Insel, fern von jeglicher Zivilisation den ständig vorbeiziehenden „Wanderstern“. Ob das ein Zeichen ist? und wenn ja, welches?
Fazit: ich mochte es, aber ich kann es nicht so richtig weiterempfehlen, da es viel zu speziell ist. Für Fans von Kubriks 2001 oder der ISS ist es bestimmt sehr lesenswert. Stellenweise musste ich oft auch an die Bilder aus „Gravity“ denken. Ich mochte die Ideen die darin steckten, die nicht nur das Fachwissen des Autors sondern auch philosophische Betrachtungsweisen zulassen. Insgesamt war es mir aber dann doch zu wenig emotional und ich hätte dann doch mehr Drama erwartet, aber andererseits passiert das bei Astronauten, die ja bekanntlich Nerven aus Stahl haben, wohl nicht.

„Der Würfel“ von Bijan Moini
Der Würfel, eine alles durchdringende KI, bestimmt das Leben der Menschen in Deutschland. Für das Grundeinkommen ist gesorgt, es steigt, wenn man einen hohen Pred-Score hat. Je höher der Score, desto mehr kann der Würfel das Verhalten vorausahnen und entsprechend Vorschläge zu einem guten und gesunden Leben unterbreiten. Dann bekommt man auch noch mehr Geld und kann sich schöne virtuelle Tapeten „smalen“ oder mit seinen „smeyes“ und „smears“ die Obdachlosen aus den Straßen oder Schimpfwörter ausblenden.
Taso macht da nicht mit. Er ist Offliner und Gaukler. Seine Entscheidungen trifft er zufällig um seinen Predscore möglichst niedrig zu halten. Das klappt gut, aber viele Freunde hat er nicht und es gibt deshalb auch regelmäßig Differenzen mit seinem Bruder Peter, der „drin“ ist. Er lebt mehr schlecht als recht. Dann kommt allerdings unerwarteter Besuch: Jugendfreundin Dalia ist aus einer Offline-Sekte geflohen und will nun ein schönes Leben in Freiheit. Taso hilft ihr beim Eintritt in die Würfelwelt und das stellt sein Leben so ziemlich auf den Kopf…
Fazit: also es liest sich spannend wie ein Film. Ich hoffe, dass das Buch verfilmt wird. Es hat mich an eine Mischung aus „Blade Runner“ und „Minority Report“ erinnert und hat mir wahnsinnig gut gefallen. Tolle Charaktere, gute Ideen und jede Menge grausliches „ah omg“ Gefühl. Ich fand das alles sehr realistisch, gut durchdacht und kann es daher nur empfehlen.


„Die Harz-Reise“ von Heinrich Heine

Student Heine kehrt Göttingen den Rücken und wandert in den Harz. Dort macht er nicht nur Bekanntschaft mit der Natur, sondern trifft auch nette Mädchen. :D
Fazit: wer mal in den Harz fährt sollte Heines Harz-Reise unbedingt lesen. Es ist kurz und ganz schön sarkastisch gewürzt, ich hab gut gelacht und wusste gar nicht, dass Heine so bösartig sein kann. Toll!

„Die Kunst, einfach gut zu sein“ von Robert Twigger
Robert Twigger ist Philosoph und kann das perfekte Omelett machen. Naja. Für seine Verhältnisse. Er nennt das „Mikromeisterschaft“ und davon gibt es viele. Die Idee hinter dem Buch ist, kleine Erfolge zu haben statt ständig große Anstrengungen zu machen. Wie das genau geht und warum das Vorteile bringt erklärt Twigger mit netten Illustrationen (zeichnen ist auch eine Mikromeisterschaft, btw) in seinem Buch.
Fazit: Sehr inspirierend und motivierend. Hab ich sehr gerne gelesen!

„Duell im ewigen Eis: Scott und Amundsen oder die Eroberung des Südpols“ von Rainer-K. Langner
Bekanntlich weiß man ja, dass die Norweger unter Amundsen die ersten am Südpol waren. Scott kam mit seiner Crew enttäuscht an und schaffte kaum mehr den Rückweg, während es für Amundsen eher ein Skiausflug war. Was da genau schiefgelaufen ist bzw. was die Expedition zum Erfolg führte, erfährt man in diesem (kurzen) Buch
Fazit: selten hat mich ein Buch so mitgenommen wie dieses! Ich musste darüber so viel reden und nachdenken…tu dir den Gefallen und lies es auch. Es sind nur 224 Seiten aber diese sind voller Drama, Arroganz, falschen Einschätzungen, Mitgefühl und Zorn.


„Space Girls“ von Maiken Nielsen

Juni wächst in den 50ern in New Orleans auf. Wenn sie nicht gerade irgendwo hin rennt, will sie fliegen, also macht sie unter den Fittichen von Stiefvater Ben mit 17 ihren Pilotenschein. Sie fliegt mit anderen Frauen Rennen und hat als Vorbild Jerry Cobb, die wiederrum von Dr. Lovelace gefragt wird, ob sie am Mercury Programm zur Astronauten Ausbildung teilnehmen will. Jerry zögert nicht lange und sagt zu. Wie gut das Dr. Lovelace noch andere Frauen für sein Testprogramm sucht.
Derweil überschattet ein dunkles Geheimnis Junis Familie…
Fazit: sehr lesenswert. Über das Mercury Programm weiß man ja einiges, von den Frauen, die als Mercury 13 Team getestet wurden fast gar nichts. Dieser Roman bietet einen idealen Einstieg und vermischt empathisch und spannend eine Flucht- und Familiengeschichte aus dem zweiten Weltkrieg mit dem amerikansichen Space-Race Gefühl der 60er unter Wernher von Braun und den Apollo Missionen. Hat mir sehr gut gefallen.

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2 Gedanken zu “Gelesen im August und im September

  1. Hallo liebe Frau Dingdong,

    erstmal gute Besserung. Die Erkältungswelle ist ja momentan schon sehr stark.
    Ich lese derzeit „Der Wal und das Ende der Welt“. Sehr spannend. Ein Banker aus London flüchtet in ein kleines Dorf. Dort strandet auch noch ein Wal. Wie er in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wird und was sonst noch alles passiert….das ist wirklich sehr lesenswert. Kann ich nur empfehlen.

    Liebe Grüße, verena

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