Offline ist das neue Bio

(Achtung, random Gedankengeschwurbel, noch nicht zu Ende gedacht)

Vor mir ging ein junger Mann, mit deinem Button an seinem Rucksack. Auf dem Button stand: „Offline ist das neue Bio“.

Ich musste darüber kurz schmunzeln.
Mein erster Gedanke war „stimmt!“ – mein zweiter Gedanke war: „Nicht für jeden“.

Im Internet ist es kalt geworden.
Ich muss mich wärmer anziehen.

Es ist so: Ich bin Offliner geworden. Ich mag das echte Leben da draußen jetzt lieber als das Internet. Es ist ruhig da draußen. Langsam.
Das Internet kommt mir langweilig und kreischig vor, alles ist zu viel, ich komme nicht mehr mit. Ich will ehrlich gesagt auch nicht mehr mitkommen, weils keinen Spaß mehr macht.
Ab und an verklicke ich mich und lande auf Twitter und bin richtig schockiert. Ich verstehe nicht mehr, wie ich das damals gemacht habe. Wie habe ich das ausgehalten?
Ständig frage ich mich, wie die anderen das aushalten. Und nein, mich wunderts nicht, wie die Welt da draußen is, wenn sich alle im Internet nur über irgendwas aufregen und oberflächlichen Kackmüll austauschen.
Wie kriegen die das hin? Diese Aufreger-Hate-Entertainment Kultur auf Twitter, Facebook und Instagram, dazwischen die ganze Werbung und Pop-ups und natürlich: zwölftrilliarden Mal das Rad neu erfinden, ein endloses Wiederkauen von Ideen, die es schon immer gab. Also wie geht das? Dieser „Spam“, das andere Ich im Internet, in Einklang zu bringen „mit dem da draußen“, in der offline Welt??
Wie geht das, sich nich selber zu langweilen mit den blöden Postings auf Instagram? Das Teilen von Gedanken von Gedanken auf die man kein Feedback bekommt? Dieses Flüchten vor Leuten, die einem etwas andrehen wollen…

In meinem Notizbuch befinden sich so viele Blogartikel-Ideen, dass ich vermutlich schon das komplette nächste Jahr vorplanen könnte, aber – erstaunlicherweise – habe ich überhaupt kein Mitteilungsbedürfnis mehr. Gedanken für sich allein reflektieren, ohne sie in einen virtuellen Raum hinauszupressen…das fühlt sich gut an. Es ist geheim. Es hinterlässt ein warmes Gefühl in meinem Herzen.

Ich frage mich, ob mein Blog noch ein Lagerfeuer sein kann, oder ob ich es aufgebe. Es ist mir bis jetzt nicht gelungen, eine frische Bloggingroutine auszudenken, die mich selber wieder inspiriert oder ob das Thema Bloggen 2020 einfach tot ist.

Keine Ahnung was passiert. Ich erkunde erstmal weitere Möglichkeiten. In der echten Welt.

11 Gedanken zu “Offline ist das neue Bio

  1. Bei Social-Media geht es mir genauso: Ich bin da seit Frühjahr 2018 raus und wenn ich mal da reinschaue, ob es nicht doch mit Social Media besser geht, gruselt es mich meistens. Also lasse ich es weiterhin weg.

    Blogs – so wie deinen – lese ich dann schon noch sehr gerne. Allerdings dann auch nicht jeden, jedes und alles. Selber bloggen finde ich nach wie vor noch schön – allerdings geht das bei mir nach Lust-und-Laune-Prinzip. Keine festen Termine, keine Routinen, keine festen Pläne. Wozu auch? Das nehme ich, wie es kommt, mal viel, mal wenig, mal gar nicht. Es ist mir egal, wie „man“ bloggen sollte. Ich bin nicht „man“ und erlaube mir da Freiheit.

    Würde mich freuen, ab und an weiterhin von dir zu hören. Gerne auch nur ab und an, gerne auch nach Lust, Laune, Zeit – ich mache es ja auch nicht anders.

  2. Lass Dir Zeit. Mach einfach Pause. Offline, yeah!
    Die Lust am Bloggen und am Internet kommt wieder, oder vielleicht auch nicht. Wichtig ist, zu spüren, was gerade für einen dran ist.
    Mir geht’s irgendwie ähnlich, die fröhliche bunte Internet Welt der 90er und Nuller Jahre ist irgendwie vorbei, und diese Riesen mega Marketing-/Gelddruckmaschine geht mir heute oft eher auf den Keks, und ich fühle mich getrieben und ausgeliefert. Hatte mir auch schon überlegt, bis Januar Smartphonemäßig einfach mal offline zu gehen, und zu gucken, was passiert.

    Also, vertrau dir selbst, Mut zur Lücke ;-), und viel Spaß im echten Leben!

    1. Schön wieder von dir zu lesen. :) Selbst wenn du deinen Blog irgendwann schließen möchtest, finde ich ihn sehr insirierend und fände es schade, wenn man nicht mehr auf deine Posts und Themen zurückgreifen könnte.

      Ich habe gestern als einzige im Zugwagon (so weit ich zumindest sehen konnte) ein Buch („The Last Four Days of Paddy Buckley“) gelesen. Das fand ich erschreckend. Soviele Smarthphone weit und breit, die sich dann auch bei jeder ach so kleinen Benachtigung gleich akustisch melden. Geht es wirklich nicht einmal ohne? Vor einiger Zeit fuhr ein Mädel mittig auf der Straße mit Ihrem Fahrrad und schaute dabei nur aufs Smartphone. Als ich sie als Entgegenkommende darauf aufmerksam machte, schaute sie ganz dümmlich irritiert.

      Hätte ich übrigens nicht 3 effektive Werbeblocker-Add-ons würde ich das Internet kaum nutzen. Leider gibt es noch kein Add-On gegen unnütze Kommentare. Wen interessiert es ob jemand der 35. Kommentar (Die Eltern wären mit Sicherheit stolz über diese Leistung) unter einem Youtubevideo ist? Und wie intelligent sind Mitläufer-Kommentare wie „Isso“ und Sätze in denen mehr englische Wörter als deutsche Wörter vorkommen? Ich fühle mich alt. Zurecht (zum Glück?).

      Ich wünsche dir eine besinnliche Adventszeit! :)

  3. Ich habe mir letztens Instagram installiert und bin immer noch in Schockstarre. Altersmäßig gehöre ich wohl eigentlich zu den Digital Natives aber ich komme mir da oft eher vor, wie von einem anderen Stern. Vielleicht hab ich die euphorische Anfangszeit auch einfach verpasst? Für mich ist mein Blog, das Medium zum Gedankenteilen und ich habe schon auch das Gefühl, dass die Bloggerwelt (zumindest meine) noch ruhiger und tiefgehender ist. Allerdings im Schnitt wohl auch einiges älter als ich.

    Ich lese deinen Blog gern, besonders so nachdenklichere Artikel wie diesen. Sie inspirieren mich und in diesem Gedankenaustausch sehe ich die Stärke von kleinen Blohs mit guten Inhalten. Aber ja, auch offline tut in jedem Fall gut. Jeder Trent fängt klein an und vielleicht ist das Geschrei im Netz schon bald für mehr Leute Grund genug, wieder Briefe zu schreiben oder mal einfach persönliche tiefgehende Gespräche zu führen. Ich würd’s mir wünschen.

  4. Ich mag Blogs immer noch sehr. Sie scheinen mir ruhiger, durchdachter, inhaltsreicher, anregender u vor allem freundlicher als Facebook, Instagram u Co. Auch wenn ich noch nie auf dieser offenbar so schrecklichen Posts gestoßen bin, von die dich/euch so schokieren. Allerdings suche ich auch nicht danach. Ich finde es sehr schade, dass das Bloggen immer weniger wird u die netten Leute den nicht so netten das Feld überlassen. Aber verstehen kann ich die Offline-Sehnsucht auch. Freue mich aber sehr, wenn du weiter schreibst! Mathilda

  5. Als jemand, der gerade erst vor zwei Wochen eingesehen hat, dass die ewig brachliegenden Twitter- und Facebook-Accounts auch niemandem weiterhelfen und sie daraufhin gelöscht hat, bin ich komplett bei dir. Ich weiß nicht so recht, wie andere die Zeit und Energie in ihrem Alltag aufbringen können, sich durch ewige Feeds und Timelines zu lesen und selbst Gedankenfetzen hinaus zu posaunen. Mir gelang das in den letzten Jahren bereits nicht mehr, da mich die Tausenden Reize beim Scrollen und Scrollen und Scrollen irgendwann nur noch überfordert haben.

    Bei dem Blog sehe ich das für mich persönlich (noch) anders. Auch da bin ich weit von einer Routine entfernt, aber manchmal kribbelt es mir doch in den Fingern zu schreiben oder etwas festzuhalten. Zugegeben als Vollzeitredakteurin kommt das immer seltener vor, aber ich will mir durch ein Löschen die Chance nicht nehmen, in alten Beiträgen zu stöbern oder Neues zu veröffentlichen. Aber es kommt sicher für die meisten Blogger irgendwann der Moment, in dem das weitere Führen einer Seite komplett uninteressant geworden ist und man sich in das reale Leben „zurückzieht“, das man einfach für sich führt und nicht für Leser und Follower und Abonnenten. Trotzdem muss ich noch anmerken: Es würde mir um deinen Blog sehr leid tun, da ich immer noch gern, wenn auch still, mitlese. ;)

  6. Ich find das zwar sehr schade, wenn du da jetzt erstmal leiser wirst hier, weil ich dich immer so gern gelesen hab. Kanns aber sehr nachvollziehen.
    Ich hab in den letzten Monaten immer wieder überlegt ob ich wieder bloggen soll (hab 2016 damit aufgehört) und bin jetzt draufgekommen, dass ich die Zeit lieber (erstmal) in persönliches Papier investiere ;) – nicht nur offline, sondern sogar analog.
    Obwohl mein Kopf voll ist mit Ideen und Gedanken, von denen andere profitieren könnten, mittlerweile durch den Job gut mit WordPress und Page Buildern umgehen kann – ich mag da gar nicht mehr wirklich was in den Internet-Raum setzen. Ganz sicher, woran das liegt, bin ich mir nicht. Will ich einfach nur nicht mehr privat so viel vorm Laptop hocken, weil ich dasselbe Gerät privat und beruflich nutze? Ist mir „das Internet“ mittlerweile ein so kommerzialisierter Raum geworden, dass ich nicht mal mehr Foren gerne nutze? Foren gibts ja kaum noch, ist alles auf Facebook, scheiß unordentlich unpraktisch, diese Gruppen und alles was man schreibt, kann gegen einen verwendet werden, auf alle Fälle für Werbung. Durch Analytic-Tools habe ich herausgefunden, dass einige meiner Posts kommerziell auf irgendeine Weise weitergenutzt wurden, weil sie auf Seiten hinter einer Paywall verlinkt wurden. Hat mich schon irritiert, dass ich nicht gefragt wurde.
    Mir ist das Internet glaub ich u.a. zu kommerziell geworden. Ich finde das ok. Gratis Infos haben auch eine Schattenseite: was nix kostet, ist nix wert. Und jetzt hat sichs halt in Werbung verwandelt, weil man will ja auch leben können von dem, was man tut.
    Kurzes oberflächliches Grasen in Teilen meiner unfertigen Gedanken zu deinen unfertigen Gedanken die sehr ähnlich sind.

    1. Das Problem ist, dass auch Informationen, die Geld kosten, oft nicht mehr so viel Wert sind. Das sind halt so Facebook-und-Blogexperten, die sich da reingearbeitet haben. Ist ansich auch okay. Aber wenn ich mir bei den meisten Kommerzblogs die Inhalte ansehe, bin ich besser dran, wenn ich einfach mal ein Buch von jemanden kaufe, der Ahnung hat, als immer das abgeschriebene und wiedergekäute Zeug von Laien durchzulesen. Vielleicht häng ich aber auch einfach nur zu viel auf pinterest ab, wo mir der Algo eh schon so viel vorkaut und anbietet. Das fehlt mir sehr. Selber auf gute Ideen stoßen, weil es Vielfalt gab.

  7. Hallo,
    auch ich finde das Internet bzw. soziale Netzwerke überwiegend anstrengend. Bei den meisten Inhalten geht es gefühlt sowieso nur darum, etwas zu verkaufen oder zu bewerben. Am liebsten lese ich, was von den Autoren (gefühlt) aus dem realen Leben gegriffen ist, ohne kommerziellen Hintergedanken. Alltagsgeschichten oder offene Gedanken. Leider kenne ich da nicht viele Quellen, hier ist auch ein Ort wo ich immer mal wieder gern rein geschaut hab.
    Jedenfalls alles Gute für das neue Jahr!
    LG, lunalesca

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*