Amerikanische Arbeitsmentalität und schlechte E-Books

Ein hochtrabender Titel, ich weiß, aber eigentlich geht es nur um die Tatsache, dass Minimalismus zu einer Karikatur seiner selbst geworden ist, weil so viele Leute (aka Minimalisten) ihre „Dayjobs“ gekündigt haben und reihenweise schlecht geschriebene und noch schlechter illustrierte E-Books zu diesem Thema auf den „Markt“ hauen.
Mich nervt das, aber anscheinend ist die Welle wieder vorbei, nachdem sich eben diese Minimalisten selbst über diese E-Book-Publishing-Geschichte aufgeregt haben (LOL!)
Schlechte Literatur nervt mich aber generell, das war und ist nicht der Punkt. Der Punkt ist folgender: Auf jedem amerikanischen Minimalismus-Blog der mit den Schlagwörtern „out of debt“ und „freedom“ um sich wirft, kommt irgendwann auch die ellenlange Anleitung, wie man seinen „Dayjob“ kündigt, eben „out of debt“ kommt, um seinen persönlichen „freedom“ zu erreichen. Als ob man nicht frei sein könnte, wenn man einen erfüllenden „9-5“ Job hat, den man liebt oder einfach Teilzeit arbeitet…

Trotzdem habe ich immer wieder darüber nachgedacht, ob das erstrebenswert ist oder eben nicht, wie das hierzulande funktionieren könnte und was man dazu alles können und machen muss, damit es endlich auch klappt. Der Sprung ins kalte Wasser ist ja nicht jedermanns Sache.

Und dann ist es mir erst aufgangen (mit einem Glühbirnen-Zeichen über meinen Kopf) – das liegt einfach daran, dass sich die Jungs und Mädels da drüben echt abknechten müssen! Wir jammern über unser Rentenalter und die putzigen Menschlein da drüben kriegen grad mal 10 Tage Urlaub im Jahr und wenn sie Pech haben und schlimm krank werden, müssen sie dafür den Urlaub aufbrauchen…

Diese „Hire-and-Fire“-Mentalität ist doch scheiße. Aber das ist auch der Grund, warum so viele von den amerikanischen Minimalisten kündigen und von Freiheit sprechen. Dann darf man endlich krank sein, wann man will. Und dann muss man eben auch E-Books schreiben, damit man über die Runden kommt.

Passend dazu ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung:
Amerikanische Arbeitsmentalität – Leben um zu arbeiten

Das nur mal so als kurze Notiz.

Jetzt werde ich meinen Kopf beschäftigen, in dem ich ihn frage, was das eigentlich ist – „Freiheit“
Irgendwelche Ideen?

3 Gedanken zu “Amerikanische Arbeitsmentalität und schlechte E-Books

  1. Hier in Deutschland ist es doch viel einfacher als in den USA „minimalistisch“ zu leben aufgrund geregelter Arbeitsverhältnisse, dem deutschen Sozialsystem und der guten öffentlichen Infrastruktur.

  2. Hi @goldgraeberin!

    wieder mal ein schöner artikel über themen, die in jedem kopf herumschwirren müssen, der sich mit dem thema minimalismus beschäftigt.

    wir alle haben ja die entsprechenden us-blogs und ebooks gelesen. ich gebe dir recht: die ersten („guten“) books waren frisch (ich will nicht „neu“ sagen, denn hermann hesse, die hippies, jack kerouac und viele andere haben das thema immer wieder gehabt…) und dem digital age angemessen.

    10.000 variationen später wird das schon ermüdend.

    zur definition von arbeit, freizeit und freiheit kann ich nur sagen, dass es immer darauf ankommt, was ich wie mache. ich aus einem schrott-job für mich selbst immer noch etwas herausholen (lebenserfahrung). ich kann einen 9-5 persönlich so ausfüllen, dass ich „gut“ bin und auch noch „erfüllt“. das selbe kann ich, wenn ich selbstständig arbeite.

    tim ferriss hat die dikussion insofern neu ins rollen gebracht, als dass er mit 4hww einen trick angewendet hat: 4 stunden arbeit bedeutet bei ihm: 4 stunden tätigkeiten, die langweilig sind und (ihm) keinen spaß machen. die anderen (wahrscheinlkich immens vielen) stunden pro woche, in denen promotet, schreibt, bloggt, dinge tut – sind nach seiner definition keine arbeit. gewürzt mit einem ortswechsel dann und wann wird so aus einem selbstständigen firmeninhaber und autor plötzlich eine ikone des digital lifestyle…

    also: alles definitionssache.

    aber du hast recht: scheiß bücher, zu teure und schlechte inhalte: das ist genau das, was kein minimalist, kein edgeworker, kein cyborg oder was weiß ich sucht.

    aber was suchen wir dann eigentlich?

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