Anders Lernen, neugierig bleiben, andere Lernorte

Vor einiger Zeit haben die Minimamusen gefragt, womit wir durch Minimalismus freigewordene Zeit nutzen. Was das Wesentliche denn dann sei.
Das Wesentliche, das mir erst durch Minimalismus klar geworden ist, ist für mich das Thema lebenslanges Lernen. Dafür will ich Zeit haben. Ich bin neugierig und will WISSEN. Die Welt ist voll von Zeug, das ich nicht verstehe. Von dem ich noch nie gehört habe. Das ist aufregend. Und gleichzeitig irgendwie witzig, so völlig doof durch die Welt zu tapsen. Aber es so viel toller, Sachen endlich auch mal zu kapieren und/oder Dinge dann anders zu machen. (z.B. Bananen wie Affen öffnen, das hat mein Leben enorm verbessert! Zero Bananenmatsche ey :D)
In der Schule hab ich größtenteils nur Zeug gelernt, das ich nicht verstanden habe. Ich habe nix hinterfragt, der Lehrer hat nicht erklärt WARUM man das alles braucht. Erst als ich verstanden habe, wie mein Gehirn lernt, wurde es besser. Da war ich dann aber schon aus der Schule raus. Jetzt lerne ich im Leben und vom Leben. Und das macht total Spaß!

Ich lerne aus Schulbüchern, die ich mir in der Bücherei leihe. Und ja, das nutze ich als Ausrede, um mir hübsche und gut riechende Schulhefte kaufen zu können :D
Gerne nutze ich auch die Bücher aus der „Für Dummies“-Reihe oder Bücher für Kinder. Für Kinder ist alles einfacher erklärt und meistens auch noch schön illustriert.

kipiguin

Aber was noch viel toller ist: Woanders lernen! Sachen angucken, sie sich zeigen lassen. Experten mit Fragen löchern. Raus aus der Internetblase und den Informationsfluss selbst steuern. Den Warum-Muskel trainieren. Je mehr man fragt, desto weniger Scheu hat man. Es gibt keine blöden Fragen! Es gibt nur unterschiedliche Erfahrungshorizonte und auch wenn die Frage anfangs komisch anmutet, so ist sie doch interessant, weil es wieder eine andere Perspektive anbietet.
Das macht richtig viel Spaß! #nerdalert

So konnte ich schon mal:

  • durch einen aufgeblasenen Dickdarm gehen
  • DNA aus Fischsperma extrahieren
  • Elektronenrastermikroskope bestaunen
  • endoskopisch operieren
  • etwas über bestimmte Strategien von Urwaldpflanzen in Erfahrung bringen
  • mein Gehirn mit wissenschaftlichen Geräten testen
  • Astronauten treffen
  • fliegende Sternwarten besichtigen

grenzschichtwindkanal

Diese Art etwas Neues in Erfahrung zu bringen, gefällt mir gut. Leicht und locker und weniger mühsam, als sich stundenland durchs Netz zu klicken. Zusammenhänge sind auch leichter verständlich, wenn es jemanden gibt, der sie mir erklären kann.

Es folgen nun einige Tipps, wie du selbst andere Lernorte finden kannst.

nasberli

Ich zähle erstmal das auf, was hier in Hamburg alles passiert. Bestimmt gibt es in deiner Stadt oder in deiner nächstgelegenen (Groß-)Stadt auch solche Aktionen. Hinweise darauf findet man oft in Wochenblättern, im Fahrgastfernsehen an U-Bahn-Haltestellen und über Flyer, die oft auch in Bibliotheken oder an der VHS ausliegen.

Lange Nacht der Museen: es kann ziemlich voll und wühlig werden, aber ein bisschen Museumshopping kann auch Spaß machen. Wer es kuscheliger haben möchte, besucht an wenig frequentierten Tagen die Ausstellung oder besucht spezielle Märkte oder Messen z.B. im Völkerkunde- oder Naturkundemuseen und plaudert dort ein bisschen mit den Experten
Auch schön: Freiluftmuseen mit Vorführungen oder Mitmachmuseen wie das phaeno
Nacht des Wissens – in Hamburg leider nur alle zwei Jahre, aber das ist immer ein absolutes Happening.
Tag der offenen Tür bei den jeweiligen Einrichtungen. Bei größeren, öffentlichen Einrichtungen kann man auch mal ne Gruppenführung buchen.
Volkshochschulkurse für jedes Interessengebiet. Es macht Spaß mit anderen etwas zu lernen.
Heimathafen Wissenschaft – Aktionstage der Uni HH (auch besuchenswert: die diversen naturkundlichen Museen der Uni HH)
Bestimmt gibt es auch an deiner hiesigen Uni solche Aktionstage, wo man mal in den Archivbestand oder in den Laboralltag schnuppern kann.
Allgemeines Vorlesungswesen der Uni Hamburg Kostenlose Ringvorlesungen zu bestimmten Themen, die Schwerpunkte sind von Semester zu Semester unterschiedlich
Wer doch lieber Online bleiben will, kann sich ja mal MOOC anschauen. Im Zuge meines Jahresmottos werde ich demnächst bei einem mitmachen.

tropenhaus1

Viel Spaß beim Entdecken! Hast du Tipps für tolle Museen? Wo kann man noch lernen? Hast du mal eine freie Uni ausprobiert? Oder lernst du lieber über Online-Plattformen? Hast du schon mal bei einem MOOC mitgemacht?
Wer kennt einen Geheimtipp? (mein Geheimtipp, der wohl gar keiner mehr ist, ist die DDR-Wohnung in Berlin)

7 Gedanken zu “Anders Lernen, neugierig bleiben, andere Lernorte

  1. Habt ihr gewusst, dass man auch als Nicht-Student einen Bibliotheksausweis von einer Uni bekommen kann? Also, zumindest hier in Österreich geht das. Man hat natürlich nur eingeschränkten Zugang: nur die Hauptbibliothek, nicht die einzelnen kleineren Fachbibliotheken. Was nur heißt, dass man in den Fachbibs nix ausleihen kann, aber natürlich kann man sich im Normalfall einfach reinsetzen und vor Ort blättern.
    Auf Uni-Bibs liegen auch immer Fachzeitschriften auf.

    Abseits von städtischen und universitären Büchereien gibt es auch erstaunlich viele kleine Fachbibliotheken. Oft von Vereinen u.ä.. Es gibt hier in Wien zB eine von der Arbeiterkammer, es gibt oder gab eine Feministische Bibliothek, eine Anarcho-Bib… Manchmal heißen diese Bibs auch Archiv (die FemBib heißt eigentlich „Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung“).

    Was ich gerne mal mitmachen möchte, ist ein Stadtspaziergang. Diese Stadtspaziergänge werden von ehrenamtlichen Leuten geführt, und man geht eben durch die Grätzel (Viertel?) und bekommt Geschichten zu den Orten erzählt. Geschichtliches, Aktuelles, Anekdoten, Lustiges… Ich glaube, das gibts auch in anderen Städten.

    Oh und auch die gute alte Wikipedia darf man nicht vergessen!

    Auch darf man nicht auf praktisches Wissen vergessen. Wenn ich lernen will, wie man etwas macht (DIY im weitesten Sinne), greife ich gerne auf entsprechende Youtube-Kanäle, Pinterest und Foren zurück. Auch viele Blogger zeigen, wies geht.
    Stricken hab ich zum Beispiel über http://www.nadelspiel.com gelernt!
    Reparaturcafés sind glaub ich auch sehr cool. Es gibt mittlerweile echt soo coole Möglichkeiten. Leute, die gratis ihr Wissen über essbare Wildpflanzen weitergeben. Sommerworkshops zum Reinschnuppern in echt alles mögliche. Von DJing über Bauchtanz hin zu Seedbombs basteln und Seife sieden – oft sogar gratis. Ich hab keine Links, aber die Suchmaschinen haben einem das ja fix gefunden.

  2. Ach und in D wirds das eher nicht geben, wegen den Platzbeschränkungen, aber in Ö sind generell ALLE Vorlesungen öffentlich (bei FHs allerdings wohl nicht). Kann man sich einfach reinsetzen und zuhören. Ich empfehle kleine und unbekanntere Studiengänge. Sonst muss man sich das weichste Stück Fußboden aussuchen.

  3. Jepp es gibt wirklich unglaublich tolle Museen als Lernorte. Eins meiner absoluten All-Time-Favoriten in dieser Hinsicht ist das Deutsche Museum in München.

    Was auch super ist, um was Neues zu lernen, ist Fachleute fragen. Schon mal einen Feuerwehrmann nach Einsatztaktiken/Erfahrungen befragt?

    Oder wenn man was über fremde Länder lernen will, Leute befragen, die dort leben/von dort kommen.
    Die meisten erzählen sehr gern und da es mit persönlichen Erlebnissen verknüpft ist merke ich mir das dann auch noch besonders gut.
    Liebe Grüße

  4. Ooooooh, es gibt doch immer wieder so… Wie. Heißen die, sprechende Bücher? In der Wiener Stadtbib wird das immer wieder mal angeboten. Ein sprechendes Buch ist ein Mensch, der was zu erzählen hat. Leute mit ungewöhnlichen Berufen, mit interessanten Biografien, Leute die man vielleicht nicht so eifach kennenlernt (Flüchtlinge, buddhistische Mönche…)
    Ich war bis jetzt zu schüchtern für sowas… Also hingehen, treffen und zuhören.

  5. Hui, ein spannendes Thema welches du hier ansprichst und bei dem Abschnitt mit der Schule habe ich mich total wiedergefunden. Damals als man es lernen musste, fand ich es total langweilig und hatte keine Lust drauf. Heute interessieren mich die Themen plötzlich und ich lese viel dazu nach.. wenn das mal früher so gewesen wäre :)

    Liebe Grüße

  6. Abseits Bibliotheken jeglicher Art und offenen Bücherschränken, kann ich Aktivitäten mit anderen Menschen als Wissensquelle sehr empfehlen.

    So lerne ich beispielsweise gern Koch- und Backgeheimnisse von meiner Mutti, Naturangelegenheiten von meinem Vater, historische Hintergründe von meinen Großeltern. So habe ich außerdem auch das erste Mal mit meinem ehemaligen Mitbewohner selbst Bier gebraut. Denn was bietet sich besser an, etwas zu erlernen, als wenn man es gleich anwenden kann?

    Lieber Gruß,
    Philipp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*