Blog des Monats – oder auch nicht?

Eigentlich sollte hier mal wieder ein Blogempfehlung stehen. Ich weiß nicht mehr genau wie es kam, aber beim Durchwühlen meiner Lieblingsseiten, Twitternachrichten und anderen Links ist mir etwas aufgefallen: Es gibt fast nur noch Blogs, die in irgendeiner Art und Weise immer etwas mit Konsum zu tun haben. Da werden Beiträge von Firmen gesponsert, da blinkt in der Ecke ein bunter Banner, da führt ein Link zu Amazon und dann gibt es haufenweise Gewinnspiele und Bloggeburtstagsattraktionen. Selbst auf Minimalismus-Blogs wird einem digitales Zeug in Form von eBooks oder eCourses angedreht.
Das ist ansich ja nicht falsch (oder?), ich finds irgendwie schon cool, dass es die Möglichkeit gibt mit so einem elektrischen Ding seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber geht diese Überkommerzialisierung nicht schön langsam ein bisschen zu weit? Oder ist es eh schon zu spät und wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir es gar nicht mehr merken? Können wir das ausblenden? Blenden wir es wirklich aus?

Vielleicht bin ich ja ein bisschen zu spät auf der Party, aber mir ist es jetzt erst aufgefallen.

Oft stellen sich Blogger so dar, als wäre alles perfekt. Der/Die Blogger zeigen sich stets gut gelaunt, ihre Kinderchen lachen immer in die Kamera, die Videoclips, die sie teilen sind immer mit derselben lustig-poppig-fröhlicher Indiemusik unterlegt und sie trinken immer einen perfekten Cappucino und nehmen auch nicht zu, wenn sie sich diese selbstgebackten Wundertorten reinstopfen.

In Wirklichkeit schaue ich diese Blogs schon gerne an. Ich emfinde keinen Neid, ich bewundere sogar die Art, wie toll Fotos vom Alltagsleben aussehen können. Das ist schon ein Stück weit Inspiration. Aber ist das dann noch Alltagsleben, echtes Leben, wenn ich weiß, dass ein Blogger damit Geld verdient?
Andererseits: Echtes Leben ist auch: voll Windeln, Montagsgejammer, blöder Verkehr und dumme Nachbarn. Will man das im Internet auch noch lesen? Ich nicht.

Hm. Ich weiß auch nicht. In Zukunft werde ich bestimmt wieder Blogs teilen, die mit Werbung vollgepflastert sind.
Schade eigentlich, aber geht wohl nicht mehr anders?

Falls du noch einen Blog ohne Sponsoring, SEO-Kram, Flattr-Button, Giveaways usw. kennst, zeig ihn mir!

14 Gedanken zu “Blog des Monats – oder auch nicht?

  1. Oh, dann mache ich ja mal was richtig damit, dass ich zugenommen habe ;-)
    Was den Kommerz angeht, so finde ich die Blogs ok, die Werbung klar als Werbung einblenden (und so halte ich es auch)
    Die gesammelten Produkte-Tester finde ich langweilig
    und was Verlosungen angeht, bin ich chronisch desinteressiert, da ich dabei bin, meinen Krempel zu reduzieren.
    Da möchte ich ganz sicher nicht irgendwelchen Kram gewinnen.
    Wenn Du etwas tiefer wühlst, findest Du aber auch jede Menge interessante Blogs – die führen halt ihre Blogs und Seiten ohne die Werbetrommel für sich zu rühren.

  2. Moin,

    ich denke, die Mischung macht es. Blogs, die fast komplett aus Werbung bestehen, mag ich auch nicht. Aber gegen gelegentliche Produkttests habe ich nicht, im Gegenteil, ich habe schon den ein oder anderen nützlichen Gegenstand oder eine gute Creme so kennengelernt. Wichtig ist, dass ein Blog authentisch bleibt und ich nicht das Gefühl habe, da wird ein Produkt nur um der Werbung willen vorgestellt.

    LG Claudia

    P.S.: Falls du einen Blog ohne Werbung suchst, dann lege ich dir meinen ans Herz. Ich blogge erst seit rund zwei Monaten und bin anscheinend für Werbekunden noch zu uninteressant ;-)

  3. Ich denk, Claudia hat da einen guten Punkt getroffen: Je kleiner der Blog, desto werbefreier ist er. Ich les z.B. gefühlt nur werbefreie Blogs. Die sind halt alle eher unbekannt, nicht ganz so chic, dafür aber von sehr engagierten Leuten geschrieben, die das als reines Hobby ansehen und daher mit vollem Herzen dabei sind.
    Gut, das sind auch eher Blogs zum Thema plastikfrei, also tendenziell eh schon konsumkritisch unterwegs, auch wenn da schonmal plastikfreie Alternativprodukte vorgestellt werden. Da die Leute aber nix dadran verdienen, sondern die Sachen vorstellen, um anderen Plastikvermeidern das Leben zu erleichtern, empfinde ich das als sehr hilfreich und keineswegs störend.
    LG Zora

  4. Ich vermute fast das es sich um amerikanische Blogs handelt oder?

    Ganz private Blogs werden meist so geführt, das man recht anonym bleibt und keine Verbindung zu der realen Person hergestellt werden kann.

    So einen Blog habe ich.

    Die Sache ist, privater Blog oder ganz privater Blog. Zumindest nenne ich das jetzt mal so.

    der private Blog ist dann fast schon mit system aufgebaut. So wie du das schilderst, das alles perfekt ist. Klar, wer kauft denn schon auch Sachen von Leuten die von ihrer 2 wöchigen After-Schwangerschafts-Depression berichten?

    Oder der heftige Ehestreit von gestern? Wobei natürlich scheidungsebooks dazu passen würden.

    Jeder kann das ja handhaben wie er möchte. Wir konsumieren ja immer. Ob einfach einen Blog lesen = Textkonsum, oder wenn wir essen. Futtern müssen wir schließlich täglich.

    Wenn wir das nicht mehr machen wollen würden, müssten wir in den Wald gehen und als Einsiedler leben, der sich von Moos und Rinde ernährt. Das tun wir jedoch nicht. Wir können uns nur in einen begrenzten Rahmen beschränken.

    Ebooks finde ich an sich auch gar nicht verwerflich, schließlich ist es digital und kann nur begrenzt der Natur schaden, außer mit dem Endgerät.

    Ich selbst lese Blogs, weil ich die Art des Schreibens mag, die der Verfasser nutzt. Wenn er dabei seinen Lebensunterhalt mit Werbeeinblendungen verdient oder auch mal Reviews über Dienstleistungen von Hostingseiten oder was auch immer macht und ich erkenne das ist eine echte Erfahrung die er/sie gemacht hat, dann ist für mich das auch ok. Wenn ich aber merke, das ist nur eine Seite die NUR verkaufen will und die Person ist die Marke, dann bin ich auch wieder schnell weg.

    Ein Blog lebt durch die Personalität des Verfassers. Wirkt er auf einen Unglaubwürdig, kommt man als Leser nicht mehr wieder.

    Das ist übrigens mit Büchern auch so. Wenn der Autor nur in den Büchern über seine Produkte und Seminare wirbt, werden viele das Buch irgendwann in die Ecke schmeissen. Weil die Person nicht mehr autentisch ist sondern sich über die Produkte definiert.

    Solange die Balance zwischen Autenzität als Blogger und den Texten und den Werbeeinblendungen vorherscht, dann ist das völlig legitim.

    Ich würde auch deinen Blog weiterlesen, wenn du auf einmal auf Affiliate Marketing setzt. Solange ich dich noch als echte und nicht als für das Produkt gefakte Person wahrnehmen kann!

    Mein Statement dazu, auch wenn ich schon vom Thema abgewichen bin.

    LG

    Anette

  5. Rund 10.000 Werbebotschaften prasseln auf jeden von uns täglich ein. Blogs gehören da auch dazu, mal offensichtlich mit Affiliate, mal versteckt in Blogbeiträgen. Würden wir keine Blogs mehr lesen, in denen Werbung auftaucht, hätte wir nicht mehr viel zu lesen. Natürlich möchte ich nicht damit zugepflastert werden. Ansonsten muss für mich der Blogger authentisch bleiben.

    Einen praktisch werbefreien Blog, den ich zum Beispiel empfehlen kann, ist bevegt.de

    Auf meinem Blog versuche ich möglichst auf Werbebotschaften zu verzichten. Früher oder später muss ich mir aber etwas überlegen, damit ich zumindest meine Kosten wieder reinbekomme. Sind mittlerweile 100 bis 150 Euro pro Monat, Tendenz steigend. auf Dauer kann ich mir das leider nicht leisten.

    Einfach bewusste Grüße

    Christof

  6. Mein Blog ist auch werbefrei, ebenso wie fast alle in meiner Blogroll (2 Ausnahmen) Ich habe aber auch schon Blogs aus meinem feedreader gelöscht, weil ich genervt war, daß immer häufiger und penetranter auf den flattr-button hingewiesen wurde, weil immer wieder Rezensionen für Bücher aus demselben Verlag erschienen usw. Ich lese gern von normalen Menschen und deren normalem Leben, und wenn die dann plötzlich hip werden, dann ist das eh nix mehr, was mich interessiert …
    Vielleicht einfach mal von Blogroll zu Blogroll klicken, da findet man immer viel interessantes abseits von den „großen“. Natürlich auch viel, was man nicht lesen mag, logisch. Aber das merkt man ja schnell….

  7. Lustig, das habe ich vor ein paar Tagen gedacht, als auf ganz vielen Lehrerblogs parallel ähnliche Rezensionen auftauchten.

    Ich mache es ähnlich wie Fjonka und schaue sehr interessiert, was andere in ihrer Blogroll haben. Ob ich bei einem Hochglanzblog hängenbleibe, hängt dann auch sehr von meiner Stimmung ab. Ich schaue mir in der Tat sehr gerne tolle Fotos an (die Frage, ob Foodblogger nicht eigentlich alle rund und kugelig sein müssten, habe ich mir auch schon oft gestellt…), akzeptiere im Gegenzug aber, dass Bilder, die ich einstelle ganz und gar nicht perfekt sind. Da fehlen mir aber auch Zeit, Ausrüstung und Lust zu. Die Leser meiner Seite scheint das nicht zu stören, da geht es dann mehr um Authentizität.

    Perfektionismus sehen ist etwas anderes, als ihn zu leben. Ersteres genieße ich bisweilen, zweiteres fänd ich vermutlich auf Dauer auch langweilig.

    Herzliche Grüße,
    Frau Weh

  8. Kaum einer macht es ums des Machens willen, es muss wohl für diejenigen die Werbung im Blog aktiv schalten (Zwangswerbung bei den kostenlosen BLogs nehme ich mal aus) etwas herausspringen, was den Aufwand den sie betreiben dann am Ende rechtfertigt. Ist leider halt so.

    Dank AdBlock werde ich von den ‚kleinen‘ Werbebotschaften weitestgehend verschont, wenn die Beiträge dann abspeisen oder empfehlen, sind sie nicht mehr interessant.

  9. joa, da hab ich auch ein bisschen drüber nachgedacht in den letzten Wochen. Scheint ein Thema zu sein, dass die Bloggerlandschaft grad umtreibt.

    Ich bin da ein bisschen hin und her gerissen.

    Einerseits freu ich mich für Leute, die damit Geld verdienen können. Klar ist dann eventuell auch Werbung zu sehen, und auch zu lesen, aber wenn das quasi deren Alltag ist? Dann nur zu. Ich muss das ja nicht lesen, wenn ich nicht will, da bin ich schmerzfrei.

    Das betrifft aber, und da kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen in der Regel die großen, durchgestylten Blogs, und die haben eh nicht so meine Themen. Blöd isses halt, wenn jemand, den man gerne gelesen hat, gefühlt nicht mehr aus eigenem Antrieb schreibt, sondern wenn ganz deutlich herauszudeuten ist, dass der Antrieb von außen kommt. Das ist das Andererseits an der Geschichte. Aber in Zeiten in denen immer mehr Leute zum Blog greifen, findet man mit ein bisschen Glück andere Leseorte!

    Jedem das Seine irgendwie, gibt ja genügend Nischen!

    Liebe Grüße,
    Johanna

  10. Hallo Frau DingDong,

    mein Blog ist werbefrei. Wenn ich etwas vorstelle, wären das einfach Sachen, die ich besonders mag.
    Mein Blog ist aber eben auch noch sehr jung (wie bei Claudia) und das ist dann einfach für Firmen uninteressant. Aber für mich ist es auch kein Ort mit dem ich gezielt Geld verdienen will, das mach ich schließlich mit meiner Arbeit.

    Ich bin heute erst auf deinen Blog gestoßen und bin gespannt, was ich alles so entdecke.

    LG Nanne

    1. hi Nanne, danke für deinen Kommentar!
      wollte gerade bei dir einen Beitrag kommentieren, aber ich habe weder livejournal,noch google noch open-ID account. Name/URL Auswahl macht wohl zu viel Spam, oder?

  11. Hallo Frau DingDong,

    ich bin heute erst durch einen Beitrag von Pia auf malmini.de auf Deinen Blog und diesen Beitrag gekommen.
    Zum Thema Werbung in Blogs möchte ich sagen, dass ich generell Blogs ganz schrecklich finde, wo man die Inhalte zwischen hunderten Pop-Up-Fenstern, Bannern und „Trag-Dich-hier-ein-dann-erhältst-Du-dies-und-jenes-for-free“-Feldern wie die Nadel im Heuhaufen suchen muss.
    Über ehrliche Empfehlungen und Anregungen von Bloggern freue ich mich natürlich.
    Es scheint also wirklich eine Gratwanderung zu sein, wenn man mit seinem Blog auch tatsächlich Geld verdienen möchte, aber in den meisten Fällen ist weniger mehr.

    LG, Nicole

    PS: Mein Blog ist auch komplett werbefrei, fällt aber wohl auch eher in die oben von Anette genannte „Ehestreit-von-gestern-Abend“-Kategorie…

  12. Auch ich habe einen sehr jungen Blog, der keine Werbung hat. Seit kurzem habe ich sogar einen Zweitblog eröffnet, wo ich Fundstücke aus dem Internet sammle. Diesem Blog folge ich schon lange mit großem Interesse, weil mir das Thema Minimalismus auch sehr am Herzen liegt. Der letzte Beitrag zum produktfreien Leben hat mir auch total gut gefallen.

    Ich würde auch keine Werbung haben wollen, denn zu meinem Blog http://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/ würde das gar nicht passen.

    lg
    Maria

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