Eine schrottige Zukunft

Ab und zu bleibt man nach ein bisschen Internetkonsum mit gemischten Gefühlen zurück. Keine Ahnung ob man lachen oder weinen soll.

Hier zwei Beispiele, die mich neulich völlig fertig machten:

1) Der Smart Juicer „Juicero“

Ja genau. Dieser 700$ teure Saftpresser kann nichts anderes als GEPRESSTEN SAFT IN TÜTEN AUSZUQUETSCHEN. Das muss man sich mal reinziehen. Wenn der QR-Code auf der Packung abgelaufen ist, ist es nicht mehr möglich, den Saft zu pressen. (Übrigens kann man auch keinen Saft pressen, wenn das Internet nicht läuft.) Aber es war ja noch Saft, deshalb haben die Leute die Packung aufgeschnitten und den Saft ins Glas geschüttet. Ich habe absolut keinen Schimmer wie das passieren konnte. Also alles. Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu erfinden und dafür auch noch Ressourcen zu vergeuden? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu finanzieren? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu kaufen? Das Start-up ist mittlerweile zu meiner völligen Überraschung pleite.

2) Der smarte Salzstreuer SMALT

Naaaa? Zückst du schon die Kreditkarte? Ein salzstreuender Lautsprecher, der Musik spielen kann, den eigenen Salzkonsum überwacht, ein bisschen Stimmungslicht erzeugt und so für eine unique Dinner-Experience sorgen soll. Das Salz streuen funktioniert über eine App, also braucht man auch Internet dafür, sonst kriegt man kein Salz. Wow.

Es gibt noch mehr Beispiele für eine sinnlos-idotische Zukunft der Dinge. Die Dislikes unter den Videos zeigen immerhin noch eine Portion gesunden Menschenverstand an und darauf kann ich bauen.

Aber bleibt das so? Gerade in dieser Kickstarter-Crowdfunding-Start-up Welt, wo alles „smart“ sein soll, wirds meistens ziemlich dumm. Nachhaltig, cool und gesund soll alles sein – und dann nimmt man Sinnlosigkeit in Kauf??

Oh und wie oft wird man als am Minimalismus interessierte Person angesprochen, dass das „extreme“ Beschäftigen mit den Dingen im Umfeld ungesund sei? (Nach 7 Jahren Bloggen könnte ich eigentlich auch mal in Minimalismus-Bullshit-Bingo basteln) Aber Minimalismus ist eben mehr als Entrümpeln und Ordnung halten. Es ist immer eine bewusste Entscheidung für oder gegen Dinge und kann helfen, solchen Schrott zu vermeiden, der eh vermutlich nach 5 Jahren kaputt geht.
Mit einer minimalistischen Lebensweise trainiert man die Fähigkeit, entscheiden zu können, ob und wann ein Ding sinnvoll zu gebrauchen ist.
Oft wird Minimalismus auch mit dem Simple Living der 80er und 90er gleich gesetzt und den Menschen, die diesen Lebensstil praktizieren entsprechend eine Technologie-Verweigerung angedichtet. Aber das ist nicht so. Minimalismus heute konnte sich deshalb so gut entwickeln gerade WEIL alles digital vorhanden und jederzeit verfügbar ist. Man kann sich leichter von CDs und DVDs trennen, wenn man nen Streaming-Dienst hat. Es geht um Maß halten, aber nicht um Technologie-Feindlichkeit.

Oder wie siehst du das?

Dokkōdō – Der Pfad der Einsamkeit

Ronin - Dokkodo

Da drückt man einmal den Zufallsbutton auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite und dann kommt das raus!

  1. Accept everything just the way it is.
  2. Do not seek pleasure for its own sake.
  3. Do not, under any circumstances, depend on a partial feeling.
  4. Think lightly of yourself and deeply of the world.
  5. Be detached from desire your whole life.
  6. Do not regret what you have done.
  7. Never be jealous.
  8. Never let yourself be saddened by a separation.
  9. Resentment and complaint are appropriate neither for oneself nor others.
  10. Do not let yourself be guided by the feeling of lust or love.
  11. In all things, have no preferences.
  12. Be indifferent to where you live.
  13. Do not pursue the taste of good food.
  14. Do not hold on to possessions you no longer need.
  15. Do not act following customary beliefs.
  16. Do not collect weapons or practice with weapons beyond what is useful.
  17. Do not fear death.
  18. Do not seek to possess either goods or fiefs for your old age.
  19. Respect Buddha and the gods without counting on their help.
  20. You may abandon your own body but you must preserve your honor.
  21. Never stray from the way.

Miyamoto Musashi, ein herrenloser Samurai bzw. Ronin, hat diese Regeln in einer Höhle eine Woche vor seinem Tod aufgeschrieben. Als er fertig war, hat er sich sein Schwert in den Bauch gerammt und wurde aufrecht und ehrenvoll beerdigt.

Eine deutsche Übersetzung und weitere Erläuterungen habe ich in diesem Blogbeitrag gefunden.

Irgendwie steckt in so einer Auflistung von Lebensregeln oder Manifesten total viel Kraft. Zumindest fühle ich mich immer inspiriert, wenn ich welche lese. Mittlerweile ist das ja total hipstermäßig, solche Listen auf Instagram oder sonst wo zu posten. Aber das zeigt mir eigentlich nur wie sehr wir (junge) Leute solche moralischen Gerüste und Wertesysteme brauchen. Wenn ich mich mit meine Zielen und Werten auseinandersetze, merke ich jedesmal, dass sich irgendwas in meinen Gedankenwald lichtet. Werte und Regeln können in der heutigen „alles erlaubt, jeder hat die gleichen Chancen blabla“-Zeit ein notwendiger Kompass sein, der das Leben leichter macht. Ich frage mich nur, wie man da die Balance kriegt, sich nicht in seinem eigenen „Regelwerk“ zu verheddern.

Was denkst du? Wie geht es dir damit? Hast du Lebensregeln?

Übrigens: ich habe mich schon öfter mit diesem Thema beschäftigt:
The warriors reminder
Benjamin Franklins 13 Namen der Tugenden
Secrets of Adulthood

Billboard Pieces von Robert Montgomery

Schwarzes, großes Plakat, weiße Schrift. Viel Text. Anders als Werbung nicht im Vorbeigehen zu erfassen. Man muss stehen bleiben, um den Text zu lesen und zu verstehen. Nachdenken. Oder auch nicht. Kein Logo, keine erkennbare Firma, die dahinter steckt. Oder doch?
Das sind die „Billboard Pieces“ des Künstlers Robert Montgomery. Poetisch und kritisch, man stimmt zu und fühlt sich trotzdem schlecht, irgendwie ertappt.

Schau es dir doch mal an.

Durchhalten

Als ich neulich noch mal Auszüge aus „Walden“ gelesen habe, ist mir dieses Zitat ins Auge gefallen:

Thoreau

Es hat mir gefallen, weil ich sofort gedacht: „Wie wahr!“
Wir fühlen uns mies, weil wir (wieder mal) versagt haben, aber wenn man dieses „Versagen“ genauer untersucht stellt man fest: Wen kümmerts, wenn persönliche Vorhaben, Neujahrsvorsätze und Projekte nicht ganz rund laufen oder gar scheitern? Ich meine: Was passiert da genau? Bekomme ich Ärger, wenn ich zu einem bestimmten Stichtag nicht bikinifit geworden bin? Ist irgendjemand sauer, weil ich immer noch nicht mit dem Rauchen aufgehört habe?
Klar, es ist eine Ent-täuschung. Aber wir operieren nicht am offenen Herzen und wir können nicht verklagt werden, wenn wir unser Lauftraining aussetzen.

Ach Thoreau! Dieser Spruch tröstet mich ein bisschen. Danke.

Also: Tief durchatmen und weitermachen.

Escape

Der russische Fotograf Danila Tkachenko hat Aussteiger im Wald portraitiert, die mit der Gesellschaft gebrochen habe. Diese Fotografien sind im Bildband „Escape“ abgedruckt, zusammen mit ein paar Zitaten der Männer, die nun im Wald leben.

Auf seiner Website kann man sich ein paar der Fotos ansehen und auch den Entstehungsprozess nachvollziehen. Er fragte sich:

I am concerned about the issue of internal freedom in the modern society: is it at all reachable, when you’re surrounded by social framework all the time? School, work, family – once in this cycle, you are a prisoner of your own position, and have to do what you’re supposed to. You should be pragmatic and strong, or become an outcast or a lunatic. How to remain yourself in the midst of this?
I grew up in the heart of the big city, but I’ve always been drawn to wildlife – for me it’s a place where I can hide and feel the real me, my true self, out of the social context.

An den Bildern finde ich interessant, dass alles von Menschen gemachte und der Mensch selbst mit der wilden Natur total verschmolzen ist. Da ist keine Werbung, kein buntes, glitzerndes Plastikzeugs, alles ist grün, braun, schwarz und grau. Alles, was bunt ist, ist nun verblasst. So eine Aussteiger-Romantik sehe ich in den Bildern nicht. Ich sehe darin aber auch keinen Kampf gegen die Natur. Eher eine Symbiose. Hm.

Guck dir die Bilder mal an. Was hältst du davon?

Im Flow mit Yoko Ono

…so lautete der Titel meines 30-Tage-Projektes, das ich im August gemacht habe.
Der Großteil meines Urlaubs lag im August und ich dachte daran, wie es wäre mal etwas Spaßigeres für 30 Tage zu machen. Sonst hatte ich den Fokus immer auf „weniger“ bis „kein“ Kaffee/Limo/was auch immer, aber für den Urlaub wollte ich mehr Alltagspoesie, Gedankenstürme, Blickpunkte und Erinnerungsfetzen.
Im Flow Ferienbuch lag dieses Heftchen bei, das ich gleich dazu genutzt habe. Die Papierqualität ist zwar nicht sonderlich gut, reichte aber auch um Plastik und Metall aufzukleben.

Yoko Onos „Anleitungen“
sind seltsam, poetisch und inspirierend. Ich hatte das Buch „Acorn“ nur als eBook zur Verfügung und gegen Ende des Projekts hatte es mir sogar jemand „weggeschnappt“, daher musste ich improvisieren. Ich habe geklebt, geschrieben, zerschnitten, gezeichnet und gemalt.

Die meiste Zeit war ich ziemlich ratlos. Wie soll man denn „Stell dir vor, du würdest alle Statuen der Welt in der Farbe des Himmels anmalen“ umsetzen?

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Aber diese Ratlosigkeit gefiel mir, vor allem als ich das Buch nicht mehr hatte. Die Links zu Instagram und Twitter habe ich für den Beitrag gefunden, vorher bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, danach zu suchen. Mein Gehirn hat mich in kreativer Hinsicht nicht im Stich gelassen. Heraus kamen dann so seltsame Fragestellungen wie: „Gibt es Außenseiterdinge?“ oder „Wäre es möglich, wenn man in Hamburg an zwei unterschiedlichen Orten losgeht, trotzdem aufeinander zu treffen?“ oder „Wie riecht das Weltall?“

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Weitere Ideen für ein 30 Tage Projekt:

  • Jeden Tag einen Zentangle zeichnen (das kann jeder, auch solche, die meinen nicht zeichnen zu können. Vorsicht! Suchtgefahr!)
  • Jeden Tag ein Foto eines Fundstücks machen, das dir auf den Weg zur Arbeit/Uni/Schule begegnet.
  • Jeden Tag ein Gedicht schreiben (Ein Haiku pro Tag wäre sehr minimalistisch :)

Tja, und so schnell stolpert man irgendwie ins Art Journaling rein.
Hast du schon mal ein kreatives 30-Tage-Projekt durchgeführt? Hast du ne Idee für ein neues Projekt? Erzähl mir davon!

Blog des Monats: INVENTUR

Mein Blog des Monats heißt „INVENTUR„. Er beschäftigt sich mit Konsum und betrachtet ihn aus kultureller Sicht. Dirk Hohnsträter, Autor und Kulturwissenschaftler, fragt sich zum Beispiel, was Qualität eigentlich ausmacht und wie sich der Konsum in unserem digitalen Zeitalter wandelt.

Klar, man braucht ein bisschen Zeit für diese vielen interessanten Artikel, aber es lohnt sich. Meine Lieblingskategorie ist bisher übrigens „Was ist Qualität?“ in der verschiedene Menschen gefragt werden, woran sie Qualität erkennen und bemessen.

http://inventur-blog.de/

Und auch schön: Der Blog ist werbefrei.

Steine bestempeln

steinebestempeln

Neulich an der Ostsee habe ich wohlgeformte Steine gesammelt. Einfach weil ich sie gerne in den Händen halte. Mir wurde gesagt, dass man dem Meer nichts klauen soll, denn das bringe Unglück.
Obwohl ich es als lächerlichen Aberglauben abgetan habe, ließ es mich nicht los.
Zuhause fiel mir mein Stempelkissen ins Auge und ich hatte eine Idee! Wenn ich sie dem Meer entwedet habe, kann ich die hübschen Steine doch einfach wieder der Natur zurückschenken?! Und vielleicht freuen sich andere darüber. (yeah! #Streetart)

steinebestempeln2

Das StazOn Stempelkissen ist übrigens in gut sortierten Bastelläden erhältlich. Es riecht gefährlichgut nach Marzipan und man kann damit alles Mögliche bestempeln, weil es auf Lösungsmittel basiert.

Die bestempelten Steine kann man als Story Stones, Briefbeschwerer oder kleines Geschenk u.v.m. verwenden.

…und ich geh jetzt mit den Taschen voller Steine spazieren. :D