kecklich und gefährlich

Der Text ist ein bisschen sperrig, aber lesenswert:

Aber auch wenn uns die Zukunft nichts hoffen ließe – unser wunderliches Dasein gerade in diesem Jetzt ermutigt uns am stärksten, nach eignem Maß und Gesetz zu leben: jene Unerklärlichkeit, daß wir gerade heute leben und doch die unendliche Zeit hatten zu entstehen, daß wir nichts als ein spannenlanges Heute besitzen und in ihm zeigen sollen, warum und wozu wir gerade jetzt entstanden. Wir haben uns über unser Dasein vor uns selbst zu verantworten; folglich wollen wir auch die wirklichen Steuermänner dieses Daseins abgeben und nicht zulassen, daß unsre Existenz einer gedankenlosen Zufälligkeit gleiche. Man muß es mit ihr etwas kecklich und gefährlich nehmen: zumal man sie im schlimmsten wie im besten Falle immer verlieren wird. Warum an dieser Scholle, diesem Gewerbe hängen, warum hinhorchen nach dem, was der Nachbar sagt?

Es ist so kleinstädtisch, sich zu Ansichten verpflichten, welche ein paar hundert Meilen weiter schon nicht mehr verpflichten. Orient und Okzident sind Kreidestriche, die uns jemand vor unsre Augen hinmalt, um unsre Furchtsamkeit zu narren. Ich will den Versuch machen, zur Freiheit zu kommen, sagt sich die junge Seele; und da soll es sie hindern, daß zufällig zwei Nationen sich hassen und bekriegen, oder daß ein Meer zwischen zwei Erdteilen liegt, oder das rings umher eine Religion gelehrt wird, welche doch vor ein paar tausend Jahren noch nicht bestand. Das bist du alles nicht selbst, sagt sie sich. Niemand kann dir die Brücke bauen, auf der gerade du über den Fluß des Lebens schreiten mußt, niemand außer dir allein. Zwar gibt es zahllose Pfade und Brücken und Halbgötter, die dich durch den Fluß tragen wollen; aber nur um den Preis deiner selbst: du würdest dich verpfänden und verlieren. Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir: wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn. Wer war es, der den Satz aussprach: »ein Mann erhebt sich niemals höher, als wenn er nicht weiß, wohin sein Weg ihn noch führen kann«? – Friedrich Nietzsche, aus: Unzeitgemäße Betrachtungen – Kapitel 25

Inbox zero und voller Briefkasten

LOL – so ist es doch, oder? :D

Diese „Inbox zero“ Tipps finde ich mittlerweile total ausgelutscht. Welcher Normalsterbliche Nicht-Business Fuzzi bekommt denn heutzutage noch E-Mails?!
Und überhaupt: Warum schwirren auf jeder Personal-Development-Seite immer noch Tipps dazu herum? Es reicht!
Inbox Zero geht so: Löschen. Fertig. Vorher evtl. noch antworten. Oder anrufen, wenn man zu faul ist, einen Text zu tippen. Und dann löschen.

Messenger-Apps, Twitter und Co. haben E-Mails längst abgelöst. Wir haben uns schon daran gewöhnt, keine langen Texte mehr zu verfassen, denn alles muss immer ganz schnell gehen – denn – wir haben ja keine Zeit und müssen noch so viel erledigen.
Puh.

Dabei liegt in der Ruhe im Medienclash doch die Kraft!

Wenn ich mir die Instagram Bilder von Filofax-Verrückten und Snailmail-Enthusiasten ansehe, weiß ich: Da halten viele Leute inne und wählen ganz bewusst Langsamkeit. Papier statt Touchscreen. Postkarten und Briefe.
Die Umschläge werden mit Washi-Tape verziert, die Briefmarken sorgfältig ausgewählt und es wird mit Schönschrift experimentiert.

Ich mag Briefe und Postkarten und freue mich über einen vollen Briefkasten. Das rührt mich jedes Mal.

Ich ernte immer verwunderte Blicke, wenn ich im Café sitze und einen Brief schreibe oder mich während der Mittagspause darauf konzentriere, keine Fettflecken aufs Briefpapier zu schmieren :D
Das Gespräch geht dann immer so: Ach, du schreibst einen Brief? – ja – ich bekomme nie Briefe! – schreibst du denn selbst welche? – nein. Hm.

„Ich weiß aber nicht was ich schreiben soll!“

brupo

Vielen fällt es schwer in schriftlicher Form über ihr (Seelen-)Leben zu berichten. Deshalb einige Tipps:

  • Anlässe gibts genug und wenn nicht: erfinde einen!
    Ostergrüße, Weihnachtspost, Geburtstagskarte – das sind Anlässe, die man nutzen kann. Und wenn gerade nix ist – dann erfinde eben einen Grund :)
  • Es geht weder um Perfektion noch muss es lang sein.
    Eine Seite reicht für den Anfang. Oder nimm einfach eine Postkarte: „Hi wie gehts dir?, hab das Motiv gesehen und musste an dich denken!“
  • Lies Briefe von berühmten Personen.
    In der Bücherei gibt es genügend Tagebücher und Briefsammlungen. Schmöker ein bisschen darin herum. Da wird über das Wetter gejammert, die große Liebe beschrieben, über den Nachbarn gelästert. Sehr inspirierend!
  • Beschreibe, was du fühlst.
    Geh in ein Café oder öffne das Fenster. Was siehst du? Hörst du Vogelgezwitscher oder Musik? Was riechst du? Wie fühlt sich der Stuhl an auf dem du sitzt? Und was hat das alles mit dir zu tun? Was löst das alles bei dir aus?
  • Geduld haben und weitermachen.
    Manchmal bekommt keine Antwort in Briefform. Das ist anfangs enttäuschend, aber nach einiger Zeit freut man sich über den Akt des Schreibens an sich. Das Schreiben und der Weg zum Briefkasten ist ein schönes Ritual.

Also: Halte die Zeit an und schreib mal wieder!

Mutprobe lieber morgen

epikur

Bin gerade über dieses Zitat gestolpert und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Mein Jahresmotto läuft bisher igendwie nicht allzu gut. Mein Schweinehund und ich haben uns in unserer Komfortzone gemütlich eingerichtet. Es gibt Tee und Gebäck, Schundromane, Comics und Fachbücher, B-Movies und Erzählkino. Es ist warm und sauber und niemand stört mich.

Hm. Aber eigentlich wollte ich das gar nicht.

Letzte Woche habe ich oft meine Komfortzone verlassen und das war toll! Ich war beim Minimalismus-Meet-up (=Blind Date!!!), was sehr interessant war und ich habe diverse Comicläden im Rahmen des Gratis-Comic-Tags besucht, obwohl es wie aus Eimern geschüttet hat. Samstagabend habe ich mir die volle Dröhnung gegeben: ESC und Hafengeburtstagsfeuerwerk inkl. durchgeweichten Menschenmassen.

Ich mag sowas eigentlich nicht. Aber ich habs geschafft, weil ich mich dazu überredet habe. Und trotzdem wirkt es heute so, als ob ich verzaubert war. Ich bin erstaunt, wie gemütlich so ne Komfortzone sein kann.
Aber wenn ich diverse Vorhaben immer sein lasse und auf morgen verschiebe oder einfach sein lasse – welche Erfahrungen und Erinnerungen bleiben am Ende meines Lebens übrig? Will ich mich an Hausputz erinnern oder an nette Gespräche mit interessanten Leuten?

Mutig sein, die Komfortzone verlassen beginnt jetzt.

Wann hast du deine Komfortzone zuletzt verlassen und ist dadurch etwas Schlimmes oder etwas Tolles passiert?

Blog des Monats: chez larsson

Tja, eigentlich passt der oben genannte Blog nicht wirklich in diese Kategorie, weil die Blogbetreiberin Benita Larsson zum Jahresende 2013 beschlossen hat, nicht mehr weiter zu machen. Ich finde es einerseits schade, andererseits verständlich. Verrückt, wenn man sooo lange einen Blog gelesen hat, den man richtig mochte. Ich mag nicht nur Ihren Blog sondern auch sie und ihre Katzen :D (ok, das soll jetzt nicht so crazy stalkermäßig rüberkommen, wie es da steht…ähm.weiterimtext)

Sie hat aber netterweise den Blog noch online, deshalb lautet meine Empfehlung: Klickt euch durch!
Sie hat nicht nur tolle Heimwerker und DIY-Projekte sondern auch einfach nur schöne Fotos von Haus, Deko, Katzen und Garten.
Ich würde sagen, ihr Heim ist sehr gut simulierter Minimalismus :D

Lasst euch inspirieren:

http://www.chezlarsson.typepad.com/

Blog des Monats: Stil inspiration

Oh dieses Mal war es wirklich schwierig einen Blog des Monats auszusuchen, weil ich in letzter Zeit wieder ziemlich viele gefunden habe, bei denen sich das Schmökern lohnt.
Und weil ich endlich kapiert habe, wie das mit dem Interior Design geht, ist es auch ein Blog zu diesem Thema!

Stilinspscrsho

Mein Blog des Monats heisst „Stil Inspiration“ und wird von Pella Hedeby geführt. Sie sammelt dort sämtliche Bilder und Ideen, die sie begeistern. Interior design, Deko, Garten, Fotografie und Architektur sind Schlagwörter, die den Blog umreissen. Und wie schön die Bilder sind!!

Ich kann mich an den weißen, reduzierten Interiors nicht satt sehen. Trotz schlichter Erscheinung wirken die Räume nicht kahl, sondern wohnlich.

Wer etwas für einen Sonntagnachmittag braucht klickt also hier: http://stilinspiration.blogspot.de/

…und in ihrer Blogroll gibts mehr!!

Blog des Monats: rebel:art

Der letzte Blog des Jahres!
Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wie ich darauf gestoßen bin – aber ein Glück, dass ich diesen Blog gefunden habe!
Er verbindet das für mich Interessante: Kunst trifft Aktivismus
Der Blogger Alain Bieber sammelt und teilt auf rebel:art alles zum Thema street art, culture jamming, ad busting, Kunst und Kultur – bunte Konsumkritik und kreativer Protest!

rebelartscr

Also geht mal stöbern und lasst euch inspirieren! :)

http://rebelart.net/

Aufbrüche – anders Denken

Das mit dem Bloggen soll wieder anders werden! Ich sperre mich in mein Schreibkammerl ein und tue nichts anderes!!! Isch schwöre!!

Damit ich wieder in den Fluss komme und du was zu lesen bzw. zu hören hast, kommt das hier:

Aus der Reihe „Aufbrüche – vom Reiz des Unbekannten“ gibt es nun den dritten und letzten Teil der Diskussion online.
Unter dem Motto „Anders denken“ trafen sich Jo Lendle (Autor), Tran Nguyen (FameLab Siegerin und beste Wissenschaftserklärerin) und Gunter Dueck (Mathematik Professor und Autor)

Viel Spaß beim Hören!

LORAF

Neulich habe ich ja „Selbst denken“ von Harald Welzer gelesen (Besprechung folgt). Und was ploppt mir da auf Seite 154 ins Auge?
Das hier:

Lebenskunst, zwanzig Jahre später

Wir schreiben das Jahr 2033. Schon vor zwanzig Jahren hatte sich über die rasche Verbreitung von Car-Sharing-Modellen und Giveboxen in den Städten der Paradigmenwechsel vom Besitzen zum Nutzen angekündigt, der heute im vollen Gange ist: Es gilt mittlerweile als cool, nur noch so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu haben. Es ist der Lifestyle des Loslassens (neudeutsch LORAF = Lifestyle of Relief and Fun): Was man nicht hat, braucht keinen Raum, was man nicht hat, kann nicht geklaut werden, was man nicht hat, braucht nicht umzuziehen, was man nicht hat, kostet nichts.

Interessanter Begriff, ne? Kommt uns auch irgendwie bekannt vor…
LORAF = Minimalismus
-=+

Zukunftsfähig sein. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Zitat entnommen aus: Welzer, Harald: „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“, S. 154, 4. Aufl., Frankfurt a. M.: S. Fischer Verl., 2013

Aufbrüche – Anders zusammen leben

Hallooooo…? Ist noch jemand da?
Letzte Woche habe ich es nicht auf die Reihe bekommen mehr zu bloggen, weil ich gerade in Büchern versinke und die Tatsache, dass ich nun eine Decke!! mit Ärmeln!!! besitze, bedeutet leider, dass ich nichts anderes mehr tun möchte als Lesen. Vor allem wenn man gerade gute Bücher erwischt hat, die man nur so weglesen kann…

Und heute ist es grau und schmuddelig, typisches Hamburger Schietwetter, da will ich am Liebsten auch nix anderes tun. Nun gut, ich bin mal nicht so, ich teile zumindest noch einen Link :D

Es ist der Link zu der zweiten Zusammenfassung aus der Reihe „Aufbrüche – vom Reiz des Unbekannten

Es geht dieses Mal um das Thema „Anders zusammenleben
Als Gäste sind dabei: Heinz Bude, Thomas Effenberger, Marion Stock

Viel Spaß beim Hören!