Lass dich überraschen

Ich bin neulich über das hier gestolpert:

…und so cheesy der Jingle und die Show auch sind – ich habe mich sofort gewundert, ob wir uns eigentlich noch überraschen (lassen) können?

In der Show ging es um Kandidaten, deren größter Wunsch erfüllt wird. Diese Wünsche wurden von Freunden und Kollegen verraten und Rudi Carrell kam diese Kandidaten dann überraschen. Zack! Wunscherfüllung. Und die Bäckerin konnte ihre Brötchen mal mit dem Porsche ausfahren.
Heutzutage wäre die Show ja undenkbar! Intime Wünsche, die man im Gespräch verraten soll? Die vielleicht ein bisschen peinlich oder seltsam sind? Und dann noch ein beliebter aber alter Fernsehmoderator mit Migrationshintergrund, der den Wunsch erfüllt?
Wie soll das gehen?
Innerhalb von 10 Minuten hätte man auf seiner Facebook-Seite die Info, dass Herr Carrell in der Heimatstadt gespottet wurde. Verdächtigerweise haben sich die Kollegen neulich in der Whatsapp-Gruppe über Träume und Wünsche unterhalten, dann blitzt es einem, man reimt sich alles zusammen, schließlich is man ja nicht blöd!
Überraschung? Nee. Man kommt ja ins Fernsehen. Oder auf Youtube. Da müssen die Brows on Fleek sein.

Bevor wir ins Restaurants gehen, checken wir im Internet Bewertungen.
Wir sehen an der Statusmeldung, wie die Stimmungslage bei der Freundin oder beim Freund ist.
Lohnt das Tinder-Date? Erstmal alles durch stalken, bis wir diese Person treffen.
Es gibt Online-Wunschlisten und Pinterestboards, Testberichte und Blogbeiträge – alles wird geteilt, kann eingesehen und als Lesezeichen gemerkt werden.
Man wird getrackt und geortet und alles ist irgendwie immer unter Kontrolle.
Der Rest wird von einem Algorithmus ausgesucht, aber Entdeckungen machen wir selbst keine mehr, is zu anstrengend. Double Tap.

Das Ganze ist wirklich sehr praktisch. So wissen wir immer worauf wir uns einlassen und was wir zumindest grob erwarten können. Manchmal ist das wirklich sehr hilfreich, z.b. bei Bildern und Bewertungen von Ärzten. Aber vorher gings doch auch ohne diese ganzen Sternchen und Bewertungen!?
Das war so einfach.

Ich frage mich, warum wir uns nicht mehr erlauben, uns überraschen zu lassen.
Ein bisschen Nervenkitzel.
Ein bisschen Spannung.
Ein bisschen Vertrauen.
Ein bisschen die Kontrolle loslassen und gucken was passiert und was das mit einem macht.

Sich verirren.
Auf das Bauchgefühl hören.
Sich beraten lassen.
Echte Menschen um Empfehlungen bitten. Was begeistert sie? Wovon waren sie enttäuscht? Warum?
Und vor allem: Mut zum Ausprobieren.

Was hat dich zuletzt überrascht?

Reden wir über Weihnachten

Ja ja, ich weiß schon! Du denkst: „Was will die denn jetzt schon mit Weihnachten?! Das is ja noch ein bisschen hin!“ – stimmt. Aber nachdem der Supermarkt schon seit Ende August alles mit Lebkuchen ausstaffiert hat, dachte ich, dass das gar nicht mal so dumm ist, sich jetzt schon über Weihnachten aufzuregen Gedanken zu machen.
Denn jetzt kann man sich schön viel und in Ruhe überlegen, um dann eben NICHT in diesen (Vor-) weihnachtlichen Stress zu geraten.
Ein bisschen Vorbereitung und man hat einen entspannten Advent. Das klingt doch traumhaft, oder?

Also – was kann man jetzt erledigen, damit man einen stressfreien Dezember hat?
Hier ein paar Ideen:

1. Überlege dir, ob und wie du beschenkt werden willst und fang an, mit allen darüber zu reden.
Mittlerweile krieg ich nur noch brauchbare Geschenke in Form von: „gar nichts“, Nahrungsmittel oder Sachen, die sich selbst verbrauchen. Erlebnisse sind auch toll, aber Gutscheine haben sich immer noch nicht durchgesetzt :D
Worauf ich hinaus will: Menschen lieben es Geschenke zu machen, aber wenn du Angst davor hast, wieder mit sinnlosen Plunder vollgemüllt zu werden, solltest du rechtzeitig mit allen potentiellen Schenkern darüber sprechen, dass du nichts bzw. anders handhaben willst. Schenkt euch gegenseitig ein Loslassen, ein Nichts-schenken-müssen.

2. „Was wünscht du dir?“ – „nichts“.
Der Klassiker: Eigentlich hatte man vereinbart, sich nichts zu schenken, aber dann kam der andere plötzlich an etwas vorbei, das er einfach kaufen und dir schenken MUSSTE.
Um das zu vermeiden gibt es nur zwei Auswege: Konsequent nichts verschenken und an Heiligabend den Zustand aushalten. (Schwierigkeitsstufe: hoch, für sensible Personen: seeeehr hoch)
Und: Für sich definieren, was dem „nichts“ nahe kommt und trotzdem funktioniert. Also sag etwas Spezifisches, wie z.B. 1 Flasche Craft Beer der Marke xy oder 1 Glas deiner selbstgemachten Himbeermarmelade oder: einen Gutschein im Wert von 10 Euro, damit ich mir Musik runterladen kann oder „ich wünsche mir, dass du am (Datum xyz) um (Uhrzeit xyz) zu mir kommst und wir bei Kaffee und Kuchen uns einen schönen Nachmittag machen“ oder sowas. Bedenke bei deinem Wunsch das finanzielle und zeitliche Budget des Schenkers.
Wichtig ist, deutlich zu machen, dass es völlig okay ist, so kleine Geschenke zu machen und man damit völlig zufrieden ist. Aufmerksamkeit ist in unserer heutigen Zeit auch ein Geschenk.

3. Eine Geschenkeliste anlegen: Wer wird mit was beschenkt?
Idealerweise führt man diese Liste das ganze Jahr. Ich notier mir immer schnell, wenn eine Freundin oder ein Freund mal im Nebensatz erwähnt, was er gut findet. Ich versuche dabei, den materiellen Wunsch in ein Erlebnis zu verwandeln.
Wer sparen muss, legt eine Budgetgrenze fest; Wer basteln will, sollte sich auch schon mal eine Zeitplanung überlegen und sich ein freies Zeitfenster im Terminplaner auspicken.

4. Geschenke einkaufen oder basteln
Mit der Liste in der Hand kann man in der Mittagspause oder nach Feierabend bequem schon ein paar Dinge (also Geschenke oder Bastelmaterial) einkaufen. Eine Freundin von mir hat im Flur einen Schrank und darin ist ein Fach nur für Geschenke reserviert. Also immer wenn sie wo ist und sie etwas sieht, was Person xy gefallen könnte, kauft sie es und packt es in dieses Fach und hat das ganze Jahr über Geschenke parat. Darin sind auch Kleinigkeiten, wie eine Packung Buntstifte, ein lustig bedrucktes Paar Socken, eine gute Flasche Wein. Sachen, die auch als Gastgeschenke oder Mitbringsel funktionieren.

5. Feiertagsplanung
Wer kommt zu wem und wann? Wie soll Heiligabend aussehen? Wie die Feiertage? Sind die Tickets für die Reise gebucht? Evtl. Hotelzimmer?
Und: Plan etwas mit ein, was gegen das Durchdrehen hilft. Das ganze gemeinsame Rumsitzen und reden wird schnell zu viel, bei schlechtem Wetter sinkt die Laune, die Kinder werden unruhig und Opa fängt an darüber zu diskutieren, dass früher alles besser war. Also check rechtzeitig die Möglichkeiten. Gibt es ein Museum, das geöffnet hat? Ein Kino? kann man in der Umgebung einen langen Spaziergang machen?

6. Essen! Einkaufen!
Eigentlich Wahnsinn, dass da jedes Jahr immer so ein Aufwand getrieben wird und hinterher jammern alle wieder, dass sie zugenommen haben…und dann diese Einkaufsorgien, als ob die Zombieapokalypse ausbricht. Man versteht es nicht.
Daher: Stöber dich rechtzeitig durch die Rezepte, schreib schon mal eine Einkaufsliste oder halte dich an das traditionelle Weihnachtsgericht deiner Familie. Wenn du keines hast, erfinde eines. Das entstresst, ebenso wie Vorkochen oder Tiefkühlware. Und denk mal über Aufgabenverteilung nach. Es muss ja nich immer einer alles machen. Was das Plätzchen backen angeht – auch das kann man rechtzeitig planen. Und mit einer Teigsorte kann man viele verschiedene Plätzchen backen.
Und lagerfähige Dinge wie Toilettenpapier, Seife oder Waschmittel muss man auch nicht am 24.12. kaufen.

7. Adventskalender basteln
Wer keinen Gekauften mag und selber befüllen will, sollte sich daher auch schon rechtzeitig Gedanken um die Adventskalenderfüllung machen. Ideen en masse gibts auf Pinterest

8. Dekoration
Ich bin ja überhaupt keine Dekofee, aber ein bisschen gemütlich darfs schon sein. Minimaler Aufwand, maximale Wirkung. Und mein Augenmerk liegt auf Deko, die die ganze Wintersaison über sinnvoll ist. Lichterketten, Schneeflocken aus Papier oder mit Fenstermarker – zack hat man Deko von November bis Februar und kann sich genügend Zeit fürs Abbauen lassen.

9. Weihnachtspost verschicken
Ich verschicke so gerne Post! Allerdings definiere ich vorher, wem ich was schreibe und ob es ein Brief oder eine Karte wird. Das klappt mal gut, mal weniger gut, aber wenn man sich rechtzeitig ausdenkt, wer und in welcher Weise Post bekommen soll, gehts eigentlich. In Amerika ist das ja eher so ein Jahresabschlussbrief, wo immer ausführlich die Erfolge der Kinder beschrieben werden, aber warum auch nicht? Is doch nett, wenn man sich wenigstens einmal im Jahr per Brief ein Update gibt.

10. entstresste Terminplanung + Selfcare
Dezember is Zeit für Weihnachtsfeiern, Nikolaus, Gottesdienste usw. Aber es ist auch schön leer: Im Kino, im Museum, in der Bibliothek….herrlich! Meinen 30. Geburtstag damals habe ich gefeiert, in dem ich mir einen Ausflug nach Kiel gewünscht habe und wir waren die einzigen im Naturkundeuseum. Danach gabs Torte. Das war supergut. Weihnachten soll ja besinnlich sein, das vergisst man in dieser Konsumhektik nur leider immer. Dabei ist Dezember als Jahresabschluss-Monat doch total magisch! Also könnte man sich doch auch jetzt schon mal hinsetzen und sich ein paar Dates mit sich selbst ausmachen, damit aus dem hektischen Dezember ein langsamer Monat der Introspektion und Seeligkeit wird. Nachdenken über das vergangene Jahr, sich vorbereiten auf das Nächste…einfach einen Gang runterschalten und sich erlauben, bei der Hektik da nich mitzumachen.


Was sind deine Tipps für eine beSINNliche Adventszeit? Wie und wann bereitest du dich auf Weihnachten vor? Hast du den ultimativen Tipp, der vor Weihnachtsstress bewahrt?

Lagerraum oder Lebensraum?


Okay, neulich blättere ich in dem aktuellen Katalog eines Möbelherstellers. Da stand irgendwas von „Wir glauben, dass es gut ist, wenn man seine Wohnung regelmäßig verändert blabla“ – bin zu faul das richtige Zitat abzutippen, aber der Inhalt war klar: „Kauf regelmäßig unsere Möbel, wirf sie nach ein paar Jahren weg und kauf dann wieder Neues, danke.“

Das ging mir das irgendwie nicht mehr aus dem Kopf.

Ich meine damit nicht die Aufforderung ständig Möbel zu kaufen und wegzuwerfen, sondern der Gedanke, dass das Leben ganz schön schnell stecken bleibt, wenn man nicht aufpasst. Obwohl ich mich für Minimalismus interessiere – und das seit mittlerweile 9 Jahren – habe ich im letzten halben Jahr gefühlt wieder mehr Dinge angehäuft und gekauft und mich so im Alltag eingesperrt. Bei genauerer Überprüfung habe ich gar nichts Neues angehäuft sondern eher tatsächlich aussortiert und ausgetauscht, aber es fühlt sich nach mehr an. Wie kommt das?
Aus diesem Steckenbleiben-Gefühl wird ein Lagerraum, weil sich nichts an der Menge der Sachen ändert und an dem Drumherum auch nicht. Das Regal wurde an diese Ecke gestellt und da blieb es auch die letzten 10 Jahre. Die Bücher wurden so geordnet und setzen Staub an, werden aber nicht gelesen. Alles verkommt zu einem Lager von nicht fertiggestellten Projekten, von ungelesenen Zeitschriftenstapeln, von klobigen Möbeln, die rumstehen aber sinnlos sind.
Aber sollte unsere Wohnung nicht Lebensraum sein? Etwas, das lebt, ist lebendig. Die Dinge sind im Fluss. Aber wann sind sie es schon?
Versteh mich nicht falsch. Ich liebe diese klinisch-minimalistischen Penthouse Wohnungen aus den Architekturzeitschriften und auf pinterest, aber ist das nicht auch starr? Klar, wir wohnen in Wohnungen oder Häusern aber wir wollen doch ein ZUHAUSE. Kuratiert von den Bewohnern nach ihren individuellen Bedürfnis nach Schönheit und Ordnung.
Aber viel zu leicht verfällt man im Alltag in diese Starre (Ich merke das übrigens nur, weil ich selbst in dieser Starre stecke und mich ja dieses Jahr das Motto „Freiheit“ beschäftigt. Diese Dissonanz is wie ne Bratpfanne, die mir jemand überzieht. Mehrmals.Kräftig.Hintereinander.) und ich glaube, das tut uns nicht gut. Wir entwickeln uns. Die Wohnung sollte sich auch mit entwickeln. Oder?

Wann hast du das letzte Mal den Flur gestrichen?
Hast du das angefangene Projekt, das Staub ansetzt und erstmal zur Seite geschoben hast, schon fertig?
Macht die Aufbewahrung, die du dir für Bastel- und Nähkram ausgedacht hast noch Sinn oder behindert sie dich?
Passt der Stil deiner Wohnung noch zu dir?
Liegt unter der Wandfarbe und unter den Tapeten dein wahres Ich vergraben?

Wir verändern uns ständig, aber unsere Wohnung nicht so oft.
Es ist Herbst und deshalb Zeit für Veränderung.
Keine Panik, ich will nicht, dass du los gehst und dir neue Möbel kaufst oder Duftkerzen und so nen Müll den niemand braucht.
Aber vielleicht mal was weglassen, was nervt. Und hinzufügen, was Freude macht.

Ich habe eine Wand mehr mit türkis angemalt und es fühlt sich gut an.

Vom Bullet Journal zur Ich-Bibel

Okay, wie du ja weißt, kam ich mit dem Bullet Journal leider nicht zurecht. Das Potential darin hab ich erkannt, aber diese elendige Abschreiberei von Sammlungen und Gedankenfetzen, die mit ins neue Notizbuch kommen sollten, war mir dann doch zu viel. Aber schriftlich nachdenken ist super, deshalb habe ich das Thema weiter abgegrast und ta-da – das Internet hat natürlich wie immer eine Lösung! :D

Kevin Gao hat sich selbst eine Bibel geschrieben, in der er immer liest. Er notiert sich Gedanken, Gedichte, Zitate, Fragen, Lebenstugenden, inspirierende Geschichten und Schnipsel aus Büchern, die er gelesen hat. Fertig ist die eigene Bibel.

Dazu schreibt er:

My goal for this Personal Bible is to have a handbook of the most inspiring, powerful, and interesting content I’ve experienced. Something I can read every day or as often as possible, a resource I can turn to when facing important decisions or tough emotional times. Together, they represent the ideas and beliefs and insights that I want to remember forever, concepts that I want to become a concrete part of my daily life.

Und ich dachte – gute Idee, das wird gleich nachgemacht und ausprobiert.

Also habe ich mir ein Notizbuch im Format A6 aus dem Regal gezogen, tatsächlich einen Index angelegt, der sogar funktioniert (in meinem obigen Test war der Index total sinnlos, keine Ahnung warum) und mir Gedanken gemacht. Ich nenne es – inspiriert von Hannah Arendt – „Nachdenkbuch 2018“.

Und das ist bisher drin:

  • Zitate zum Thema Selbstliebe, Freiheit, Akzeptanz – kurzum, jedes Zitat, was mir ins Auge sticht und mich interessiert.
  • Liste: Orte, die ich mal besuchen möchte
  • Liste: Dinge, die ich gerne mal tun möchte
  • Fragen, jede Menge Fragen. Ich liebe Fragen! Die helfen besonders gut beim Nachdenken und Kopf-verdrehen
  • Selfcare Ideen, um meine Bedürfnisse zu erfüllen
  • Meine Werte nach denen ich leben will bzw. die ich ergründen will
  • Postkarten mit schönen Motiven oder Fotos und Sticker, die mich freuen
  • Liste mit Dingen, die mich glücklich machen und mir Kraft geben
  • Liste mit Sachen, die ich bisher erfolgreich gemeistert habe, quasi ein kleines Erfolgstagebuch
  • Meine Vorbilder und was mich an diesen Menschen fasziniert
  • positive Affirmationen
  • Notizen aus Büchern, die mir weitergeholfen haben
  • positive Sachen, die ich erlebt habe oder die jemand über mich gesagt hat
  • Liste: Darin bin ich gut
  • Liste: Das will ich noch lernen/das will ich verbessern
  • Dankbarkeitsliste
  • Kraftcollagen und Mini-Moodboards
  • Realitäten: Kurze Notizen zu realen Erlebnissen, die meine negativen Glaubenssätze entkräften
  • Morgen- und Abendroutinen in Bezug auf meine Bedürfnisse
  • Reflektionen zum Jahresende
  • Ausblick und Visionen für das kommende Jahr
  • Erkenntnisse, die ich aus TED-Talks gesammelt habe
  • Zielplanung, fernab von dieser SMART Grütze.

Hier habe ich noch mehr Ideen, die man in einer Ich-Bibel sammeln könnte:

  • Das habe ich heute/diese Woche/diesen Monat gelernt
  • Meine größte Probleme sind…
  • Wege und Ideen, um meine Probleme zu lösen
  • Blogs und Internetseiten, die mich auf gute Ideen bringen
  • Das tröstet mich…
  • Das tut mir gut, wenn…
  • Das ärgert mich/Trigger
  • Das hat gut geklappt
  • Ich hab Angst vor … und tu es trotzdem

Im Grunde geht es darum, sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen, sich selbst besser kennenzulernen und immer wieder abzugleichen und zu hinterfragen. Ich finde es spannend, wie sich dadurch mein Leben verändert, denn das tut es damit. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Büchlein mich so sehr weiterbringt. Ich nehme es gerne zur Hand, blättere darin herum, zeichne und kritzle und erlaube mir, mein Inneres da rein zu destillieren. Anders als beim Tagebuch-Gesülze, wo ich Dinge einfach nur rauslasse, ist dieses Nachdenkbuch dann doch etwas lösungsorientierter und gibt Antworten auf meine Fragen. Das hilft besonders wenn ich mal wieder am Grübeln bin. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ich merke, dass irgendwas schief läuft in meiner Wahrnehmung (aka Negative Glaubenssätze) und ich aber lese, dass mein Vergangenheits-Ich notiert hat: Ey, in der Situation war das ähnlich und das Problem hast du so gelöst und es ging dir gut – weiß ich, dass ich mir vertrauen kann und alles gut wird. Vielleicht müssen das andere Menschen nicht machen, weil die das alles in ihrem Kopf geregelt kriegen. Ich kanns leider nicht so gut.

Das wars schon. Ich hoffe, der Beitrag war in irgendeiner Art und Weise hilfreich für dich.
Was könnte man noch drin notieren? Führst du so ein Denktagebuch auch? Welche Collections hast du in deinem Bullet Journal, die dich weiterbringen?

Was die Serie „Queer Eye“ mit Minimalismus zu tun hat

Okay, reden wir über die Fab 5 – kennst du die Serie „Queer Eye“? Gerade ist auf Netflix die 2. Staffel draußen und ich bin immer noch begeistert. Eigentlich ist es eine Umstyling Show und das Prinzip geht so: Fünf schwule Experten fallen wie Heuschrecken in das Leben von meist heterosexuellen, bibeltreuen Landeiern ein und geben denen den nötigen Arschtritt, um mal einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen. Es geht um Mode und Stil, Inneneinrichtung, Körperflege sowie Coaching und (kulturelle) Bildung. Das Ganze innerhalb einer Woche. BAM! Fertig ist ne tolle Show! Dabei werden Schlaglichter auf die amerikanische Kultur (Hello heftige Konsumkultur) geworfen und durchaus ernste Themen wie Rassismus, Feminismus, Sexismus und religiöse Ausgrenzung besprochen. Plötzlich sieht man sich umarmende Männer, die auch vor Rührung und Dankbarkeit weinen und das ist (leider noch) so neu, dass man gleich mitheult.

Nach der Folge, wo sie einen 8-köpfigen Haushalt entrümpeln mussten, um überhaupt irgendwas anzufangen und ich mich wieder an diese Konsumkultur erinnerte, die mir mittlerweile so fremd erscheint, ist mir klar geworden, dass diese Show mehr mit Minimalismus zu tun hat, als bloßes Umstyling. Denn das, was man pro Folge sehen kann, ist ein Mikro-Turbo-Minimalismus. Vom Außen nach Innen. Mit jeder Menge Selfcare und sich verändern wollen, weil man feststeckt, nicht weil man irgendwas für andere optimieren muss. Natürlich bleibt das ganze eine Unterhaltungsshow, also allzuviel Tiefgang ist nicht immer zu erwarten, aber der respektvolle Umgang miteinander ist sehr sehenswert.

Jeder der Teilnehmer ist quasi sein eigenes Projekt. Einer outet sich am Schluss seiner Stiefmutter, der andere führt endlich mal wieder seine Frau aus, ein schüchterner Mensch hält vor seinen Freunden und Kollegen eine Rede – solche Sachen. Bis zu Tag X wird der Teilnehmer gepimpt.
Sein Kleiderschrank wird von Tan (mein Favorit :D) durchgecheckt, entrümpelt und dann geht er mit dem Teilnehmer shoppen. Mode interessiert ihn nicht, nur der bisherige Stil des Teilnehmers und die Figur. Es ist wird stilistisch nur geupdated. Der Hippie bleibt im Grunde eine Hippie, zieht aber statt Schlabbershirt mal ein Leinenjacket an.
Jonathan kümmert sich um die Körperpflege und die Haare. Er erklärt den Teilnehmern bei auch bei geringem (Zeit-)Budget, wie man sich richtig trimmt. Er verpasst ihnen eine neue Frisur, stutzt den Bart und erklärt, worauf sie achten müssen. Jonathan ist zwar extra, aber für die Teilnehmer bleibt es im Rahmen. Das was er sagt, scheint auf die Männer immer mächtig Eindruck zu machen, weil sie 1. keine Ahnung von Pflegeprodukten haben und 2. Selfcare wirklich ein Fremdwort ist. Jonathan zeigt den Typen, dass es nicht exklusiv weiblich ist, sich zu pflegen. Also geht er mit ihnen auch mal zur Pediküre :D
Antoni checkt den Kühlschrank. Er erkennt meistens, dass in den Kühlschränken entweder a) nichts b) Ungesundes oder c) absolut Ekliges ist. Komischerweise riecht und probiert er auch mal, was eindeutig eine masochistische Ader vermuten lässt :D Jedenfalls ist er ein Feinschmecker und kocht mit den Teilnehmer ganz einfache Gerichte, die unaufwendig, gesund und leicht nachzuvollziehen sind.
Bobby hat wohl den Löwenanteil, der kann zaubern. Innerhalb einer Woche stylt der dir die Bude so um, dass du dein Haus nich mehr wieder erkennst. Sein Motto: Wenn dich deine äußere Umgebung inspiriert und dir gefällt, geht es auch deinem Inneren gut. Meistens hat er damit zu tun alles möglich zu entsorgen und Möglichkeiten für eine gute Haushaltsorganisation zu schaffen. Dabei nutzt er auch sentimentale Stücke zum Dekorieren, was ich immer sehr schön finde.
Karamo ist der „Daddy“ der Truppe. Er coacht den Teilnehmer durch die Woche und hat immer tolle Ideen, wie man Probleme angeht und sich Lösungen ausdenkt. Dem Hipster-Bürgermeister aus Staffel 2, der Probleme mit dem Halten von Reden hatte, ließ er nen Rap vorführen, um lockerer zu werden. Er sucht sich immer Sachen aus, die auch zur Persönlichkeit und zum Problem des Teilnehmers passen, aber auch immer mit ein bisschen Unbequemlichkeitsfaktor . Teilnehmer Remi trinkt gern Whiskey, also soll er was über Whiskey lernen, um ein bisschen kultivierter zu werden. Teilnehmer AJ hatte Angst vor dem Ungewissen, also ab in den Hochseilgarten und den Sprung mit verbundenen Augen nach unten (natürlich mit Sicherung) – da stecken wirklich ganz viele tolle Beispiele in der Show. Und wenn jemand andere Leute auftauen kann, ist es Karamo.

All das zusammengewürfelt ergibt einen heilsamen, ehrlichen Perspektivwechsel, der einem auch selber gut tut. Sich auch für andere ein bisschen Mühe zu geben, Fragen stellen, zuhören lernen, sich Zeit für sich nehmen, sich pflegen und verwöhnen, weil man es verdient, gut genug zu sein, sich selbst wertschätzen – das ist das was wir alle brauchen.
Und das ist es doch auch, was am Ende beim Minimalismus rauskommt, wenn man seine Wohnung entrümpelt hat, seine Pflege und seinen Haushalt vereinfacht hat, seine Ernährung überprüft hat, oder? Durch das eigene „Update“ kommt man raus aus der Langeweile, der Gewohnheit, der Alltagsunzufriedenheit. Zumindest sollte/könnte das ein Ziel sein.

Hier ist noch ein toller Artikel über die Fab 5 und die Webisode in Australien.
Oh und die die Webisode in Australien ist auch seit gestern draußen, aber die ist ein bisschen anders als die anderen Folgen.

Also los, reden wir über die Fab 5! Welcher der Fab 5 ist dein Liebling? Hast du was aus der Show gelernt? Und wie könnte man sich selbst in einer Woche updaten? Was braucht es dazu?

8 Tipps für einen gelungenen Gratis-Comic-Tag

Es ist Mai und das bedeutet: Gratis-Comic-Tag!
Und was passiert da? Genau – es gibt Comics für umme!!!!

Okay, stopp, auch wenn dich Comics gerade (noch) nicht interessieren – lauf nich weg! Denn du verpasst was. Comics sind klasse. Es sind nicht nur coole Zeichnungen, das Medium selbst transporiert mehr als man denkt. Und das Spannende passiert zwischen den Bildern – ist es nicht faszinierend, eine Bildergeschichte zu erfassen, die mit wenigen (oder sogar keinen) Wörtern auskommt und in denen zwischen den Zeichnungen Lücken herrschen? Wie kann unser Gehirn sowas? Das ist doch unglaublich, non?

Nun ja, jedenfalls kann ich dir als Einsteiger empfehlen, mal einen Gratis Comic Tag mitzumachen. Da ist in den Comicläden immer viel los und es sind so viele Neulinge da, dass man als Normalo zwischen den Nerds gar nicht auffällt. Und: Es gibt Comics. Kostenlos. Man kann aus ca. 30 Heften wählen. Es gibt Mangas, Superheldencomics aus dem Hause Marvel und DC, meistens auch Disney und so Zeug aber auch kleine, feine Comicperlen, die man sonst übersehen würde. Meist handelt es sich um gekürzte Ausgaben oder extra für den Gratis Comic Tag zusammengestellte Geschichten. Wenn du sie gelesen hast, kannst du sie weiterschenken und es ist auch ein super Zeitvertreib mit Kindern im Gepäck. Darüber hinaus werden auch Workshops oder Signierstunden veranstaltet.

Klingt gut, oder?

Um die Hemmschwelle zu senken, gibts also jetzt meine gesammelten Tipps der letzten Jahre. Also – los geht’s!


1. Finde raus, wer überhaupt mit macht.

Du lebst in einer Kleinstadt und es gibt gar keinen Comicladen? Kein Problem. Es machen auch Bahnhofsbuchhandlungen mit oder große Buchhändler in Kaufhäusern. Guck einfach auf der Seite nach.
Oder du planst einfach gleich nen Ausflug in die nächst größere Stadt und guckst dich da mal um.

2. Finde raus, was es überhaupt an Comics gibt und triff ne Vorauswahl
die meisten Händler reglementieren die Abgabe der Hefte, weil der Andrang so groß ist. Bei dem einen kann man sich nur 2 aussuchen, beim nächsten 3 und beim letzten 5. Wähle weise!

3. Checke, ob es auch amerikanische Comics des freecomicbookday gibt und triff dann noch ne Auswahl
Comichändler, die auch amerikanische Comics verkaufen, haben oft auch Exemplare des free comic book day parat.

4. Plane einen gemütlichen Samstag mit viiiiiel Zeit ein – aber fang früh an!
Comicläden sind ziemlich winzig und platzen schnell aus den Nähten, deshalb muss man auch mal anstehen um an die gewünschten Hefte zu kommen. Ideal ist, wenn du schon früh los startest, weil es dann noch die größte Auswahl hat.

5. Deshalb: Nimm dir Snacks und was zum Trinken mit – und ne große Tasche
Snacks schaden nie! Und wenn es warm ist, darf die Sonnenbrille und Sonnencreme auch nicht fehlen

6. Pack dir Freunde ein.
Dann machts noch mehr Spaß und man ist nicht so unsicher in einem fremden Territorium

7. Sei offen für interessante Begegnungen
Die Atmosphäre ist meistens gut gelaut und entspannt. Comicleser sind durch und durch entspannte Menschen, mit denen man leicht ins Gespräch kommen kann. Also ruhig mal lächeln und neugierig sein :)

8. „Beute“ begutachten
Okay das ist ein Muss und für mich eigentlich der schönste Teil. Gemeinsam kann man hinterher bei nem schönen Mittagessen oder Kaffee & Kuchen die Heftauswahl begutachten und evtl. noch mal tauschen. :D

Naaaa? Bock auf Comics? Ja oder Ja?!

Die Social Media Ödnis

Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat…riecht ihr das auch? Es stinkt faulig, schwefelig, manchmal auch wie ein verschimmelter Dachboden. Ach und das neue Vero. Das stinkt auch.
Ich habe ja immer mal wieder angedeutet, dass mir Twitter und Co. gerade keinen Spaß mehr machen.
(Und ja, mein Blog ist auch ein kleines Problem.)

Warum ich darüber schreibe? Es muss raus. Und weil ich gefragt wurde, warum ich meinen Twitteraccount gelöscht habe. Die kurze Antwort: es langweilte mich extrem.

Twitter wurde immer anstrengender. Ich sah Dinge, die ich nicht sehen wollte, las belangloses Blabla, das ich nicht mal abonniert hatte. Mein Mitteilungsbedürfnis geht schön langsam gegen null.
Wer liest eigentlich noch Blogs? Sind sie wirklich tot? Macht das hier noch einen Sinn?
Auf Instagram malen sich die Mädchen dicke Augenbrauen und wenn ich auf „entdecken“ klicke, sehe ich nur Schleimvideos, lachende Babys und Transformtuesday-Bilder von Menschen, die vorher dick waren und es jetzt nicht mehr sind. Immer dasselbe.
Dazwischen sehe ich „Vorschläge“ oder „was ich verpasst habe“ – das bereichert aber nicht meine Gedanken, das interessiert mich nicht, das ist Spam.
Es ödet mich an.

Früher, ich weiß nicht wann früher ist, machte das alles Spaß, man konnte (sich) ausprobieren und sich vernetzen. Jetzt tut man es anscheinend nur noch, wenn man was verkaufen will oder muss. Glückwunsch, wir haben uns auch das Internet so durch kommerzialisiert, dass es nun richtig schön nervig ist. Ständig diese Werbung.
App auf, Leute, die was wollen, App zu.
Es ödet mich an.
Es ödet mich nicht an, was die vielen Menschen zu sagen haben. Das ist witzig, tragisch, rührend, inspirierend. Aber wie es einem verkauft wird bzw. wie es von den Algorithmen kuratiert, wird nervt mich. Plötzlich sind wir doch nur noch Informationskonsumenten mit ner Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege geworden.

Ich vermisse die Fragen, Ideen und klugen Diskussionen, die das Internet zu so einem tollen Ort gemacht haben. Ich will keinen Algorithmus, der mir sagt, für was ich mich zu interessieren habe. Ich will selber gucken! Teppiche hochheben, Falltüren aufmachen, irgendwo runtersteigen, mit ner Taschenlampe leuchten, Regale abstauben, durchlüften. Entdecken.

So, wie es jetzt gerade ist, bereichert mich Social media nicht mehr. Klar hätte ich einfach sämtliche Follower löschen und neuen Leuten folgen können. Das habe ich zwischendurch auch gemacht, aber es hat sich nichts geändert.

Ich habe meinen Twitter Account deaktiviert und überprüfe, wie sich das anfühlt.
Von Vero hab ich mich wieder gelöscht, weil…ach wozu denn?
Instagram behalte ich erstmal, weil ich eure Stories so mag, aber ich beschränke mich und reduziere meine Online-Zeit.
Wie es mit dem Blog weitergeht, weiß ich immer noch nicht. Ich habe genügend Themen und Ideen, aber es ist halt sehr zeitaufwendig und ich weiß noch nicht genau, ob es mir noch was bringt. Vielleicht kommt ja bald eine Idee vorbei, wie das Schreiben in ein „Bloggen 4.0“ verwandeln kann. Der eigene, werbefreie Blog gegen die Ödnis der Algorithmen. Aber hat das eine Zukunft? Reicht die Aufmerksamkeitsspanne noch um einen Beitrag mit mehr als 300 Zeichen zu lesen?

Mit dem Thema fühle ich mich irgendwie allein. Alle Welt scheint Spaß daran zu haben, Selfies zu posten, Schminkvideos zu drehen, Sachen zu teilen. Und ich sitz hier und schreib und weiß nicht, ob das wo ankommt, bei wem, was das mit demjenigen oder derjenigen macht und ich selber lese ja auch kaum Blogs und weiß nicht mal warum.

Wie ist das bei dir? Liest du noch Blogs? und das regelmäßig? Was hat sich deiner Meinung nach verändert? Wann war das? Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Social Media aus? Was nervt? Was findest du super? Was fehlt?

Ich hab natürlich nachgeforscht, ob es anderen auch so geht. Das sind meine Fundstücke:

Why Blogs are still important in 2017
Starting a blog in 2017? Don’t.
Has Instagram Come Full Circle?
Why Instagram Really Isn’t Much Fun Anymore
Why Teens are leaving Facebook
Vom 9-10 März war übrigens wieder National Unplugging Day
auch schon älter, aber interessant: Your Brain on Facebook

Getestet: 3 Monate Bullet Journal

Okay, also ich habs 3 Monate lang versucht mit dem Bullet Journal.
Die ganzen hübschen Bilder auf Instagram sind wirklich schön, wobei ich lieber bei der minimalen Variante ohne Schnörkel, Tape und Kalligrafie blieb.

Aber ganz ehrlich: Mir gefällts tatsächlich nicht so gut, wie ich als Organisations- und Schreibfreak erwartet habe. Ich merk auch nicht, dass ich „ultimativ produktiv“ geworden bin, aber das liegt daran, dass ich das auch nicht sein muss. Ich arbeite Vollzeit und hab dann irgendwann Feierabend, den ich mir beliebig gestalten kann und meistens fülle ich die Zeit vor dem Schlafen gehen mit Spaß aus, anstatt irgendwas „Produktives“ zu machen. Wobei die Wand anzustarren für mich schon sehr produktiv ist, weil es mich erholt, aber das muss ich mir nicht notieren.

Was ich am Bullet Journal schlecht finde:

  • es ist wirklich elendig viel Schreiberei

Eigentlich macht mir schreiben wirklich Spaß und ich bin auch ein Mensch, der schriftlich nachdenken MUSS, aber irgendwie war es mir dann komischerweise doch zu viel. Vor allem dann, wenn das Heft voll ist und man seine gesammelten Erkenntnisse irgendwie behalten will, aber die To-Do Listen eben nicht. Das führt mich gleich zum 2. Punkt.

  • Man schleppt immer alles mit sich herum

Ich habe mir neben einer Monatsübersicht nur meine Tages To-Dos notiert, dazu am Ende des Monats eine Monatsreview. Der Rest waren die sog. „Collections“, also Sammlungen von Gedankengrütze in beliebiger Form. Ich hatte Geschenkelisten, Film- und Musiktipps, Notizen zu Büchern, die ich gelesen habe, Zitate, meine Werte, Ideen zur Selbstfürsorge usw.
Mich stört es wirklich total, dass ich alten Ballast nicht zwischendurch abwerfen kann. Ich will das Bullet Journal auch nicht behalten, es soll mir ja nur ein Werkzeug sein. Aber wenn ich die Seiten aus den Collection-Bereich behalten will, muss ich alles wieder irgendwo hin übertragen, siehe Punkt 1.
Die Mischung aus Alltags-To-Do und einem Destillat von Gedanken passt für mich nicht so gut zusammen.

Ich hatte auch überlegt, ob es an dem Heft lag. Denn ein solches Problem hätte ich z.B. nicht, wenn ich ein Buch mit Spiralbindung nehmen würde und alles rausreisse, was ich nicht brauche. Aber da ich Spiralbindung nich so gern mag, kommt das wohl eher nicht in Frage für mich.


Was ich am Bullet Journal aber gut finde:

  • Man sieht in der Monatsübersicht sofort genau, was man alles gemacht hat

…und man erkennt auch sofort, obs zu viel war. Das hat mir sehr genützt, weil ich so meinen Energiehaushalt besser in Balance halten konnte.

  • die sogenannten Signifiers sind brauchbar und sehr nützlich

wobei ich die Signifier sehr beschränkt habe und ich eh schon seit längerem Symbole benutze, um meine Notizen zu organisieren.



So und wie gehts weiter?

Also ich verteufle natürlich niemanden, der es nutzt, denn es ist ein sehr mächtiges Werkzeug. Aber ich muss mich selbst gar nicht so sehr strukturieren. Ich arbeite Vollzeit, habe am Wochenende frei und kann nach der Arbeit machen was ich will. Mir reicht mein (Filofax-)Kalender für meine Termine und kurzen Ideen. Sonstiges Gedankengeschwurbel notiere ich mir dann in ein schönes Notizbuch und behalte die dann auch. Das angefangene Bullet Journal Heft werde ich vollkritzen und dann wegwerfen.

Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Menschen, die selbstständig arbeiten (Hausfrauen und Hausmänner, Studenten, Freiberufler etc.) und ein hohes Maß an Organisation brauchen, gut damit fahren, wenn sie Stift und Papier mögen.

Nutzt du das Bullet Journal? In welcher Weise ist es dir nützlich? Hast du es ausprobiert und für nicht so geeignet befunden?

Tschüss, 2017 – Hallo, 2018!

Ein herzliches Willkommen im funkelnigelnagelneuen Jahr 2018!

2017 fand ich irgendwie doof, obwohl auch viele gute Dinge passiert sind. Der Bildungsurlaub zum Beispiel oder auch die Nacht des Wissens. Ich habe mich mit Selbstfürsorge beschäftigt und habe viel über die Zukunft nachgedacht. Mein Jahresmotto „Ubuntu“ hat sich eigentlich nur im beruflichen Sinne verwirklicht und das auch ziemlich gut. Aber mit dem Programmieren lernen bin ich kaum weitergekommen, weil ich oft keine Energie hatte und auch keinen guten Zugang gefunden habe. Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif dafür.

Aber gut. Der Dezember war wie immer mein Kehraus-Monat. Ich habe wieder viel aussortiert (CDs zum Recyclinghof gebracht, Klamotten), geputzt und geplant, das Äußere und das Innere aufgeräumt und herausgekommen ist ein neues Motto, das mich irgendwie nervös macht, aber deshalb vermutlich gut wird.

Es heißt: „Freiheit“

Das Wort ist ziemlich aufgeladen, findest du nicht? Irgendwie bedeutungsschwer, aber auch so abstrakt, dass es sich wie Nebel und dadurch irgendwie leicht anfühlt. Ich will 2018 nutzen, dieses Wörtchen mal für mich zu erforschen.
Momentan schweben mir dazu diese Begriffe durch den Kopf: Autonomie und Selbstbestimmung, Abgrenzung, Wahlmöglichkeiten, Freiwilligkeit, freiheitlich-demokratisch, Privatsphäre, Für-sich-sein, Freigeist sein, FREIräume sehen und nutzen, FREIzeit gestalten, verreisen und noch viele mehr.

Wie ich darauf gekommen bin? über eine ganz schreckliche Werbung! Die Werbung ist von einer großen Bank und auf dem Plakat ist eine junge Frau zu sehen, die aus dem Flugzeugfenster guckt und darüber steht „Freiheit. Erinnern Sie sich?“ – das fand ich so abartig ekelhaft und gemein, gerade in Zeiten wo die Demokratie von allen Seiten geboxt wird. Puh, was hab ich mich aufgeregt!!! (auch jetzt noch…*grrrr*) Naja…jedenfalls hab ich daraufhin mal überlegt, was bedeutet es denn eigentlich in der heutigen Gesellschaft frei zu sein? Frei wählen zu können? (Und warum wollen das alle kaputt machen??) Und wie es dann so ist, überlegt man sich halt auch mal, wie frei man eigentlich selber ist…in seinen Kommunikationsmustern, auf der Arbeit, im Alltag, alleine, in der Familie, in der Partnerschaft, in seinen Rollen als Schwester, Chef, Kollege mit all seinen Zwängen und Gewohnheiten.

Um das Ganze ein bisschen zu unterstützen, werde ich die vielen noch ungelesenen philosophischen Texte in meinem Bücherregal lesen und/oder wiederlesen, Meditation ausprobieren, evtl. mal einen Klosterurlaub machen, wieder Fasten und auch mal außerhalb Deutschlands Urlaub machen. Ich möchte mich vor allem mit meinen (Kommunikations-)Mustern auseinandersetzen und diese – wenn sie ungünstig für mich sind – loslassen (#Minimalismus lässt grüßen)
Überhaupt…Minimalismus…irgendwie habe ich Lust, das Thema für mich wiederzubeleben. Also nicht unbedingt schriftlich hier im Blog, aber als ich neulich alle meine CDs weggebracht habe, erfuhr ich wieder mal wie schön es ist, nichts zu brauchen und irgendwie ist das Gefühl in den letzten Jahren dann doch eingeschlafen. Man wird mit dem Thema dann doch nicht fertig :D

Also mal sehen was 2018 bringt!

Für den Januar ist geplant:

  • ich hab mich wieder mal zu einem MOOC gemeldet
  • möchte wieder öfter ins Schwimmbad und mir eine Stretching-Routine ausdenken
  • steht noch an, meinen Filofax besser zu trimmen, damit ich gut organisiert ins neue Jahr starte
  • in die Elbphilharmonie zu Hauschka!!
  • dazu noch Ringsgwandl und Nutcracker Reloaded
  • Hotel spielen und Gäste beherbergen

Was ist mit dir? Hast du ein Jahresmotto für 2018? Wie heißt es und was planst du?