Lagerraum oder Lebensraum?


Okay, neulich blättere ich in dem aktuellen Katalog eines Möbelherstellers. Da stand irgendwas von „Wir glauben, dass es gut ist, wenn man seine Wohnung regelmäßig verändert blabla“ – bin zu faul das richtige Zitat abzutippen, aber der Inhalt war klar: „Kauf regelmäßig unsere Möbel, wirf sie nach ein paar Jahren weg und kauf dann wieder Neues, danke.“

Das ging mir das irgendwie nicht mehr aus dem Kopf.

Ich meine damit nicht die Aufforderung ständig Möbel zu kaufen und wegzuwerfen, sondern der Gedanke, dass das Leben ganz schön schnell stecken bleibt, wenn man nicht aufpasst. Obwohl ich mich für Minimalismus interessiere – und das seit mittlerweile 9 Jahren – habe ich im letzten halben Jahr gefühlt wieder mehr Dinge angehäuft und gekauft und mich so im Alltag eingesperrt. Bei genauerer Überprüfung habe ich gar nichts Neues angehäuft sondern eher tatsächlich aussortiert und ausgetauscht, aber es fühlt sich nach mehr an. Wie kommt das?
Aus diesem Steckenbleiben-Gefühl wird ein Lagerraum, weil sich nichts an der Menge der Sachen ändert und an dem Drumherum auch nicht. Das Regal wurde an diese Ecke gestellt und da blieb es auch die letzten 10 Jahre. Die Bücher wurden so geordnet und setzen Staub an, werden aber nicht gelesen. Alles verkommt zu einem Lager von nicht fertiggestellten Projekten, von ungelesenen Zeitschriftenstapeln, von klobigen Möbeln, die rumstehen aber sinnlos sind.
Aber sollte unsere Wohnung nicht Lebensraum sein? Etwas, das lebt, ist lebendig. Die Dinge sind im Fluss. Aber wann sind sie es schon?
Versteh mich nicht falsch. Ich liebe diese klinisch-minimalistischen Penthouse Wohnungen aus den Architekturzeitschriften und auf pinterest, aber ist das nicht auch starr? Klar, wir wohnen in Wohnungen oder Häusern aber wir wollen doch ein ZUHAUSE. Kuratiert von den Bewohnern nach ihren individuellen Bedürfnis nach Schönheit und Ordnung.
Aber viel zu leicht verfällt man im Alltag in diese Starre (Ich merke das übrigens nur, weil ich selbst in dieser Starre stecke und mich ja dieses Jahr das Motto „Freiheit“ beschäftigt. Diese Dissonanz is wie ne Bratpfanne, die mir jemand überzieht. Mehrmals.Kräftig.Hintereinander.) und ich glaube, das tut uns nicht gut. Wir entwickeln uns. Die Wohnung sollte sich auch mit entwickeln. Oder?

Wann hast du das letzte Mal den Flur gestrichen?
Hast du das angefangene Projekt, das Staub ansetzt und erstmal zur Seite geschoben hast, schon fertig?
Macht die Aufbewahrung, die du dir für Bastel- und Nähkram ausgedacht hast noch Sinn oder behindert sie dich?
Passt der Stil deiner Wohnung noch zu dir?
Liegt unter der Wandfarbe und unter den Tapeten dein wahres Ich vergraben?

Wir verändern uns ständig, aber unsere Wohnung nicht so oft.
Es ist Herbst und deshalb Zeit für Veränderung.
Keine Panik, ich will nicht, dass du los gehst und dir neue Möbel kaufst oder Duftkerzen und so nen Müll den niemand braucht.
Aber vielleicht mal was weglassen, was nervt. Und hinzufügen, was Freude macht.

Ich habe eine Wand mehr mit türkis angemalt und es fühlt sich gut an.

Vom Bullet Journal zur Ich-Bibel

Okay, wie du ja weißt, kam ich mit dem Bullet Journal leider nicht zurecht. Das Potential darin hab ich erkannt, aber diese elendige Abschreiberei von Sammlungen und Gedankenfetzen, die mit ins neue Notizbuch kommen sollten, war mir dann doch zu viel. Aber schriftlich nachdenken ist super, deshalb habe ich das Thema weiter abgegrast und ta-da – das Internet hat natürlich wie immer eine Lösung! :D

Kevin Gao hat sich selbst eine Bibel geschrieben, in der er immer liest. Er notiert sich Gedanken, Gedichte, Zitate, Fragen, Lebenstugenden, inspirierende Geschichten und Schnipsel aus Büchern, die er gelesen hat. Fertig ist die eigene Bibel.

Dazu schreibt er:

My goal for this Personal Bible is to have a handbook of the most inspiring, powerful, and interesting content I’ve experienced. Something I can read every day or as often as possible, a resource I can turn to when facing important decisions or tough emotional times. Together, they represent the ideas and beliefs and insights that I want to remember forever, concepts that I want to become a concrete part of my daily life.

Und ich dachte – gute Idee, das wird gleich nachgemacht und ausprobiert.

Also habe ich mir ein Notizbuch im Format A6 aus dem Regal gezogen, tatsächlich einen Index angelegt, der sogar funktioniert (in meinem obigen Test war der Index total sinnlos, keine Ahnung warum) und mir Gedanken gemacht. Ich nenne es – inspiriert von Hannah Arendt – „Nachdenkbuch 2018“.

Und das ist bisher drin:

  • Zitate zum Thema Selbstliebe, Freiheit, Akzeptanz – kurzum, jedes Zitat, was mir ins Auge sticht und mich interessiert.
  • Liste: Orte, die ich mal besuchen möchte
  • Liste: Dinge, die ich gerne mal tun möchte
  • Fragen, jede Menge Fragen. Ich liebe Fragen! Die helfen besonders gut beim Nachdenken und Kopf-verdrehen
  • Selfcare Ideen, um meine Bedürfnisse zu erfüllen
  • Meine Werte nach denen ich leben will bzw. die ich ergründen will
  • Postkarten mit schönen Motiven oder Fotos und Sticker, die mich freuen
  • Liste mit Dingen, die mich glücklich machen und mir Kraft geben
  • Liste mit Sachen, die ich bisher erfolgreich gemeistert habe, quasi ein kleines Erfolgstagebuch
  • Meine Vorbilder und was mich an diesen Menschen fasziniert
  • positive Affirmationen
  • Notizen aus Büchern, die mir weitergeholfen haben
  • positive Sachen, die ich erlebt habe oder die jemand über mich gesagt hat
  • Liste: Darin bin ich gut
  • Liste: Das will ich noch lernen/das will ich verbessern
  • Dankbarkeitsliste
  • Kraftcollagen und Mini-Moodboards
  • Realitäten: Kurze Notizen zu realen Erlebnissen, die meine negativen Glaubenssätze entkräften
  • Morgen- und Abendroutinen in Bezug auf meine Bedürfnisse
  • Reflektionen zum Jahresende
  • Ausblick und Visionen für das kommende Jahr
  • Erkenntnisse, die ich aus TED-Talks gesammelt habe
  • Zielplanung, fernab von dieser SMART Grütze.

Hier habe ich noch mehr Ideen, die man in einer Ich-Bibel sammeln könnte:

  • Das habe ich heute/diese Woche/diesen Monat gelernt
  • Meine größte Probleme sind…
  • Wege und Ideen, um meine Probleme zu lösen
  • Blogs und Internetseiten, die mich auf gute Ideen bringen
  • Das tröstet mich…
  • Das tut mir gut, wenn…
  • Das ärgert mich/Trigger
  • Das hat gut geklappt
  • Ich hab Angst vor … und tu es trotzdem

Im Grunde geht es darum, sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen, sich selbst besser kennenzulernen und immer wieder abzugleichen und zu hinterfragen. Ich finde es spannend, wie sich dadurch mein Leben verändert, denn das tut es damit. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Büchlein mich so sehr weiterbringt. Ich nehme es gerne zur Hand, blättere darin herum, zeichne und kritzle und erlaube mir, mein Inneres da rein zu destillieren. Anders als beim Tagebuch-Gesülze, wo ich Dinge einfach nur rauslasse, ist dieses Nachdenkbuch dann doch etwas lösungsorientierter und gibt Antworten auf meine Fragen. Das hilft besonders wenn ich mal wieder am Grübeln bin. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ich merke, dass irgendwas schief läuft in meiner Wahrnehmung (aka Negative Glaubenssätze) und ich aber lese, dass mein Vergangenheits-Ich notiert hat: Ey, in der Situation war das ähnlich und das Problem hast du so gelöst und es ging dir gut – weiß ich, dass ich mir vertrauen kann und alles gut wird. Vielleicht müssen das andere Menschen nicht machen, weil die das alles in ihrem Kopf geregelt kriegen. Ich kanns leider nicht so gut.

Das wars schon. Ich hoffe, der Beitrag war in irgendeiner Art und Weise hilfreich für dich.
Was könnte man noch drin notieren? Führst du so ein Denktagebuch auch? Welche Collections hast du in deinem Bullet Journal, die dich weiterbringen?

Was die Serie „Queer Eye“ mit Minimalismus zu tun hat

Okay, reden wir über die Fab 5 – kennst du die Serie „Queer Eye“? Gerade ist auf Netflix die 2. Staffel draußen und ich bin immer noch begeistert. Eigentlich ist es eine Umstyling Show und das Prinzip geht so: Fünf schwule Experten fallen wie Heuschrecken in das Leben von meist heterosexuellen, bibeltreuen Landeiern ein und geben denen den nötigen Arschtritt, um mal einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen. Es geht um Mode und Stil, Inneneinrichtung, Körperflege sowie Coaching und (kulturelle) Bildung. Das Ganze innerhalb einer Woche. BAM! Fertig ist ne tolle Show! Dabei werden Schlaglichter auf die amerikanische Kultur (Hello heftige Konsumkultur) geworfen und durchaus ernste Themen wie Rassismus, Feminismus, Sexismus und religiöse Ausgrenzung besprochen. Plötzlich sieht man sich umarmende Männer, die auch vor Rührung und Dankbarkeit weinen und das ist (leider noch) so neu, dass man gleich mitheult.

Nach der Folge, wo sie einen 8-köpfigen Haushalt entrümpeln mussten, um überhaupt irgendwas anzufangen und ich mich wieder an diese Konsumkultur erinnerte, die mir mittlerweile so fremd erscheint, ist mir klar geworden, dass diese Show mehr mit Minimalismus zu tun hat, als bloßes Umstyling. Denn das, was man pro Folge sehen kann, ist ein Mikro-Turbo-Minimalismus. Vom Außen nach Innen. Mit jeder Menge Selfcare und sich verändern wollen, weil man feststeckt, nicht weil man irgendwas für andere optimieren muss. Natürlich bleibt das ganze eine Unterhaltungsshow, also allzuviel Tiefgang ist nicht immer zu erwarten, aber der respektvolle Umgang miteinander ist sehr sehenswert.

Jeder der Teilnehmer ist quasi sein eigenes Projekt. Einer outet sich am Schluss seiner Stiefmutter, der andere führt endlich mal wieder seine Frau aus, ein schüchterner Mensch hält vor seinen Freunden und Kollegen eine Rede – solche Sachen. Bis zu Tag X wird der Teilnehmer gepimpt.
Sein Kleiderschrank wird von Tan (mein Favorit :D) durchgecheckt, entrümpelt und dann geht er mit dem Teilnehmer shoppen. Mode interessiert ihn nicht, nur der bisherige Stil des Teilnehmers und die Figur. Es ist wird stilistisch nur geupdated. Der Hippie bleibt im Grunde eine Hippie, zieht aber statt Schlabbershirt mal ein Leinenjacket an.
Jonathan kümmert sich um die Körperpflege und die Haare. Er erklärt den Teilnehmern bei auch bei geringem (Zeit-)Budget, wie man sich richtig trimmt. Er verpasst ihnen eine neue Frisur, stutzt den Bart und erklärt, worauf sie achten müssen. Jonathan ist zwar extra, aber für die Teilnehmer bleibt es im Rahmen. Das was er sagt, scheint auf die Männer immer mächtig Eindruck zu machen, weil sie 1. keine Ahnung von Pflegeprodukten haben und 2. Selfcare wirklich ein Fremdwort ist. Jonathan zeigt den Typen, dass es nicht exklusiv weiblich ist, sich zu pflegen. Also geht er mit ihnen auch mal zur Pediküre :D
Antoni checkt den Kühlschrank. Er erkennt meistens, dass in den Kühlschränken entweder a) nichts b) Ungesundes oder c) absolut Ekliges ist. Komischerweise riecht und probiert er auch mal, was eindeutig eine masochistische Ader vermuten lässt :D Jedenfalls ist er ein Feinschmecker und kocht mit den Teilnehmer ganz einfache Gerichte, die unaufwendig, gesund und leicht nachzuvollziehen sind.
Bobby hat wohl den Löwenanteil, der kann zaubern. Innerhalb einer Woche stylt der dir die Bude so um, dass du dein Haus nich mehr wieder erkennst. Sein Motto: Wenn dich deine äußere Umgebung inspiriert und dir gefällt, geht es auch deinem Inneren gut. Meistens hat er damit zu tun alles möglich zu entsorgen und Möglichkeiten für eine gute Haushaltsorganisation zu schaffen. Dabei nutzt er auch sentimentale Stücke zum Dekorieren, was ich immer sehr schön finde.
Karamo ist der „Daddy“ der Truppe. Er coacht den Teilnehmer durch die Woche und hat immer tolle Ideen, wie man Probleme angeht und sich Lösungen ausdenkt. Dem Hipster-Bürgermeister aus Staffel 2, der Probleme mit dem Halten von Reden hatte, ließ er nen Rap vorführen, um lockerer zu werden. Er sucht sich immer Sachen aus, die auch zur Persönlichkeit und zum Problem des Teilnehmers passen, aber auch immer mit ein bisschen Unbequemlichkeitsfaktor . Teilnehmer Remi trinkt gern Whiskey, also soll er was über Whiskey lernen, um ein bisschen kultivierter zu werden. Teilnehmer AJ hatte Angst vor dem Ungewissen, also ab in den Hochseilgarten und den Sprung mit verbundenen Augen nach unten (natürlich mit Sicherung) – da stecken wirklich ganz viele tolle Beispiele in der Show. Und wenn jemand andere Leute auftauen kann, ist es Karamo.

All das zusammengewürfelt ergibt einen heilsamen, ehrlichen Perspektivwechsel, der einem auch selber gut tut. Sich auch für andere ein bisschen Mühe zu geben, Fragen stellen, zuhören lernen, sich Zeit für sich nehmen, sich pflegen und verwöhnen, weil man es verdient, gut genug zu sein, sich selbst wertschätzen – das ist das was wir alle brauchen.
Und das ist es doch auch, was am Ende beim Minimalismus rauskommt, wenn man seine Wohnung entrümpelt hat, seine Pflege und seinen Haushalt vereinfacht hat, seine Ernährung überprüft hat, oder? Durch das eigene „Update“ kommt man raus aus der Langeweile, der Gewohnheit, der Alltagsunzufriedenheit. Zumindest sollte/könnte das ein Ziel sein.

Hier ist noch ein toller Artikel über die Fab 5 und die Webisode in Australien.
Oh und die die Webisode in Australien ist auch seit gestern draußen, aber die ist ein bisschen anders als die anderen Folgen.

Also los, reden wir über die Fab 5! Welcher der Fab 5 ist dein Liebling? Hast du was aus der Show gelernt? Und wie könnte man sich selbst in einer Woche updaten? Was braucht es dazu?

Produktfrei leben – mal ein wieder ein Update

Es wurde sich von verschiedenen Seiten immer mal wieder ein Update zu meinem damaligen „Produktfrei Leben“-Versuch gewünscht und dem komme ich gerne nach! Das letzte Update is ja auch schon länger her…
Für alle neuen Blogleser eine kurze Zusammenfassung: Ich habe 2011 versucht, einen Monat lang auf Shampoo, Duschgel, Make-up, Cremes, Salben, Wässerchen usw. zu verzichten um zu gucken, was passiert. Spoiler: Ich lebe noch.

Aber: was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Eine Menge!
Und zwar im wahrsten Sinne. Es hat sich wieder jede Menge Zeug angehäuft.

Ich benutze nach wie vor regelmäßig: Nagellack, Seife, Gesichtsöl oder -creme, Handcreme, Parfüm, Lippenpflege und/oder Lippenstift.
Ich benutze ab und zu: Shampoo (da reicht mir Seife oder aber auch mal so Reisegrößen, ich wasche mir mittlerweile einmal pro Woche die Haare mit echtem Naturkosmetik-Shampoo), Lidschatten, Rouge, Tagescreme, Gesichtsmasken
Ich benutze nie: Wimperntusche (da fühlen sich meine Augen zentnerschwer und hässlich an), Spülung aus Essig (hat sich nich mehr so ergeben)

Die große Überraschung: Ich hab mir getönte Tagescreme gekauft und benutze sie ab und zu. Weil ich innerhalb von wenigen Wochen mind. 4 Mal von verschiedenen Menschen auf meine roten Stellen im Gesicht angesprochen wurde. Die ich schon immer hatte und habe. Komisch, oder? Da merke ich selber, wie ich mir meine Unsicherheiten wegtönen will. Ob ich mir diese Tagescreme nachkaufen werde? Ich glaube nicht. Blöd nur, dass mir das alles erst hinterher aufgefallen ist. Meine roten Wangen kommen laut Gesichtsdiagnostik von einer überforderten Bauchspeicheldrüse. Also sollte ich lieber da mal aufpassen, anstatt mein Geld für Gesichtstönung rauszuwerfen…
Auch ne Überraschung: Ich mag es wieder, mir ab und zu ein bisschen schillernden Lidschatten aufs Auge zu pinseln. Nicht viel, aber ein bisschen Glanz hab ich gern. Das ist wirklich was für mein Herz. Mich glänzend machen, mich anschauen, mich schön fühlen. Das hatte ich früher beim Schminken nie. Ob das diese Selbstliebe ist, von der alle ständig reden?
Keine Überraschung, aber trotzdem erwähnenswert: Bunter Nagellack ist echt mein Ding. Wirklich. Das hab ich während der damaligen Challenge ja auch am meisten vermisst und ich bin mittlerweile total zum Maniküre-Mensch mutiert :D Es glitzert, glänzt und schillert und macht mich einfach froh. Ganz großartig ist es jetzt übrigens mit Nailart Stamping. Mein neues Lieblingshobby :D Und wie es mit Hobbies halt so is – es sammelt sich jede Menge Zeug an. Allerdings habe ich alles in einer Kiste und darauf soll sich das auch beschränken. Und ja, gesund isses nicht, aber das is mir egal.

Mein selbstgemachtes Deo ist immer noch das Beste, was ich je hatte. Zwischendurch, in einem Anfall von Unsicherheit, habe ich mir wieder normales Deo gekauft und wurde sofort enttäuscht. Mich nervt auch, wieder so wahnsinnig viel Zeugs herumstehen zu haben, deshalb ist jetzt aufbrauchen und aussortieren angesagt. Vielleicht merke ich mir mal, dass ich das meiste einfach eh nich brauche.
Mittlerweile kaufe ich auch in speziellen Fällen eher diese Reisegrößen, z.B. für Sonnenmilch. Da reichen 50 ml für einen Hamburg Sommer :D Ansonsten ziehe ich handgemachte Pflanzenölseifen den gekauften 30 Cent Stücken vor. Die riechen besser, ich unterstütze kleine Läden und fürs Haare waschen sind sie ideal.
Und ja, ich bleib bei meiner Meinung: Haare sind in erster Linie ein Ergebnis von Hormonen und Ernährung und falscher „Pflege“ – nämlich gnadenloser Überfordung durch ein zu viel und zu oft. Wenn du da Probleme hast, sprich mit deinem Friseur darüber und versuch mal das eine oder andere Produkt auszutauschen oder wegzulassen. Und mit der Haut ist es genauso. Guck dir mal genau ins Gesicht, mach vielleicht nach diversen Nahrungsmitteln Fotos. Dieser Kreislauf aus zu fett, zu zuckrig, zu viel Kaffee und zu wenig Schlaf hinterlässt seine Spuren. Das sind Binsenweisheiten, ich weiß. Aber genau deshalb sollte man das nicht ignorieren.

Das wars mit meinem Fazit.

Wie machst du dich schön? Viel Make-up oder gar keins? Eyebrows on fleek? Was ist dein Schönheitsgeheimnis? Was würdest du gerne weglassen? Was musst du definitiv mal aufbrauchen oder ausmisten?

Die Social Media Ödnis

Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat…riecht ihr das auch? Es stinkt faulig, schwefelig, manchmal auch wie ein verschimmelter Dachboden. Ach und das neue Vero. Das stinkt auch.
Ich habe ja immer mal wieder angedeutet, dass mir Twitter und Co. gerade keinen Spaß mehr machen.
(Und ja, mein Blog ist auch ein kleines Problem.)

Warum ich darüber schreibe? Es muss raus. Und weil ich gefragt wurde, warum ich meinen Twitteraccount gelöscht habe. Die kurze Antwort: es langweilte mich extrem.

Twitter wurde immer anstrengender. Ich sah Dinge, die ich nicht sehen wollte, las belangloses Blabla, das ich nicht mal abonniert hatte. Mein Mitteilungsbedürfnis geht schön langsam gegen null.
Wer liest eigentlich noch Blogs? Sind sie wirklich tot? Macht das hier noch einen Sinn?
Auf Instagram malen sich die Mädchen dicke Augenbrauen und wenn ich auf „entdecken“ klicke, sehe ich nur Schleimvideos, lachende Babys und Transformtuesday-Bilder von Menschen, die vorher dick waren und es jetzt nicht mehr sind. Immer dasselbe.
Dazwischen sehe ich „Vorschläge“ oder „was ich verpasst habe“ – das bereichert aber nicht meine Gedanken, das interessiert mich nicht, das ist Spam.
Es ödet mich an.

Früher, ich weiß nicht wann früher ist, machte das alles Spaß, man konnte (sich) ausprobieren und sich vernetzen. Jetzt tut man es anscheinend nur noch, wenn man was verkaufen will oder muss. Glückwunsch, wir haben uns auch das Internet so durch kommerzialisiert, dass es nun richtig schön nervig ist. Ständig diese Werbung.
App auf, Leute, die was wollen, App zu.
Es ödet mich an.
Es ödet mich nicht an, was die vielen Menschen zu sagen haben. Das ist witzig, tragisch, rührend, inspirierend. Aber wie es einem verkauft wird bzw. wie es von den Algorithmen kuratiert, wird nervt mich. Plötzlich sind wir doch nur noch Informationskonsumenten mit ner Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege geworden.

Ich vermisse die Fragen, Ideen und klugen Diskussionen, die das Internet zu so einem tollen Ort gemacht haben. Ich will keinen Algorithmus, der mir sagt, für was ich mich zu interessieren habe. Ich will selber gucken! Teppiche hochheben, Falltüren aufmachen, irgendwo runtersteigen, mit ner Taschenlampe leuchten, Regale abstauben, durchlüften. Entdecken.

So, wie es jetzt gerade ist, bereichert mich Social media nicht mehr. Klar hätte ich einfach sämtliche Follower löschen und neuen Leuten folgen können. Das habe ich zwischendurch auch gemacht, aber es hat sich nichts geändert.

Ich habe meinen Twitter Account deaktiviert und überprüfe, wie sich das anfühlt.
Von Vero hab ich mich wieder gelöscht, weil…ach wozu denn?
Instagram behalte ich erstmal, weil ich eure Stories so mag, aber ich beschränke mich und reduziere meine Online-Zeit.
Wie es mit dem Blog weitergeht, weiß ich immer noch nicht. Ich habe genügend Themen und Ideen, aber es ist halt sehr zeitaufwendig und ich weiß noch nicht genau, ob es mir noch was bringt. Vielleicht kommt ja bald eine Idee vorbei, wie das Schreiben in ein „Bloggen 4.0“ verwandeln kann. Der eigene, werbefreie Blog gegen die Ödnis der Algorithmen. Aber hat das eine Zukunft? Reicht die Aufmerksamkeitsspanne noch um einen Beitrag mit mehr als 300 Zeichen zu lesen?

Mit dem Thema fühle ich mich irgendwie allein. Alle Welt scheint Spaß daran zu haben, Selfies zu posten, Schminkvideos zu drehen, Sachen zu teilen. Und ich sitz hier und schreib und weiß nicht, ob das wo ankommt, bei wem, was das mit demjenigen oder derjenigen macht und ich selber lese ja auch kaum Blogs und weiß nicht mal warum.

Wie ist das bei dir? Liest du noch Blogs? und das regelmäßig? Was hat sich deiner Meinung nach verändert? Wann war das? Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Social Media aus? Was nervt? Was findest du super? Was fehlt?

Ich hab natürlich nachgeforscht, ob es anderen auch so geht. Das sind meine Fundstücke:

Why Blogs are still important in 2017
Starting a blog in 2017? Don’t.
Has Instagram Come Full Circle?
Why Instagram Really Isn’t Much Fun Anymore
Why Teens are leaving Facebook
Vom 9-10 März war übrigens wieder National Unplugging Day
auch schon älter, aber interessant: Your Brain on Facebook

Minimalismus als Lebensstil der Zukunft?

Neulich wurde ich gefragt, warum ich Minimalismus für DEN zukunftsfähigen Lebensstil erachte und ich solle doch mal Beweise anbringen.
Beweise habe ich natürlich nicht, ich bin ja kein Zeitreisender. Ich kann nur Detektiv spielen und ein paar Indizien sammeln, die diesen Gedanken ein bisschen ausstaffieren. Das ist alles selbst noch nicht fertig gedacht (ist es bei mir nie :D), aber ich wollts mal aufschreiben und natürlich gerne eure Gedanken dazu lesen.

Also checken wir mal kurz, was Minimalismus eigentlich ausmacht:
– weniger Besitz, mehr Zugang
– weniger Dinge, mehr Erfahrung
– weniger Quantität, mehr Qualität; zeitlich, materiell und sozial
– die Idee, dass man sich für die wichtigen Dinge im Leben entscheidet und alles andere, was nicht dazu passt, reduziert

Ja, ich halte Minimalismus für DEN Lebensstil der Zukunft. (Alles andere erscheint mir gerade irgendwie…sentimental?? naja frag mich morgen nochmal, dann seh ich das bestimmt anders)

Warum?

1. Alles ist/wird alles digital.
Das betrachte ich durch die Wirtschaftsbrille. Warum in Zeiten von Ressourcenknappheit Dinge herstellen, die potentiell keiner kaufen wird (weil er es vielleicht nicht kann?) – also auf Nachfrage/on demand. Zum Bespiel Ersatzteile oder Kleidung aus dem 3D Drucker. Ich kaufe nur noch, wenn ich etwas benötige und dann wird es nach meinen Wünschen hergestellt.
Wem das zu abstrakt ist, kann sich mal fragen: Wann hast du zum letzten Mal eine CD/Buch/DVD gekauft?
Ich nutze hauptsächlich die Bücherei und den Rest streame ich oder kaufe ich als Datei. Das einzige was ich noch kaufe sind Comics. Da macht es mir tatsächlich mehr Spaß, sie in der Hand zu haben als online zu lesen. Ich brauche keine Dinge, um meine Identität klarer herausstellen. Das muss für mich auch ohne gehen. Und wen kümmern Dinge, wenn ich ständig online bin? Es zählt nur das was ich auf den sozialen Medien schreibe, zeige und teile.

2. Alles ist/wird smart
Natürlich gibts da auch ein paar Megafails, aber in keinem anderen Bereich ist die Zukunft greifbarer als beim Smart Home. Die Technik wird erschwinglicher, weil die Entwicklung voran geht. Ich brauche keine fünf verschiedenen Geräte sondern nur noch eines oder gar keines, weil alles auf Wände projeziert wird.

3. Robotik/Automatisierung
Alles, was automatisiert werden kann, wird auch automatisiert. Klingt vielleicht gruselig, ist aber in einem kapitalistischen System logisch. Roboter sind effizent und werden nie krank, arbeiten schneller als ein Mensch es je könnte. Roboter erleichtern uns den Alltag, in dem sie Rasen mähen oder staubsaugen oder kranken Menschen dabei helfen, selbstständig zu werden oder zu bleiben. Ich werde also weniger Arbeiten (müssen)

4. Urbanisierung + Mobilität
Die Menschen drängen in die Städte, doch Wohnraum ist knapp. Und freie Flächen muss man sich erlauben und vielleicht auch erkämpfen können. Mehr Menschen = weniger Wohnraum/Fläche? Wie viel Autos können wir uns in den Städten und Gemeinden erlauben? Wo sind Treffpunkte für Begegnung (und wie soll diese Begegnung aussehen?) Diese Fragen werden uns in Zukunft stärker beschäftigen und da ist weniger Zeug sehr hilfreich.

5. Klimakrise und Ressourcenverbrauch
Okay, das ist bitter. Aber sollte man bei dieser Aufzählung nicht außer Acht lassen. Wenn ich in einem Hochwasser-Gebiet (optional: insert x-beliebiges Land und wahrscheinlichste Naturkatastrophe here) leben würde und jedes Jahr aufgrund der Klimakrise absaufen würde, würde ich rein aus Bequemlichkeit weniger Zeug anhäufen, damit es mir hinterher nicht so schlecht geht, wenn ich meine liebsten Sachen verliere und ich schneller fliehen kann. Hierzulande ist das vielleicht jetzt übertrieben und das erscheint dir vielleicht zynisch, aber ich denke da gerade nur praktisch. Ich frage mich, wie es den Menschen im Hyperkonsumland USA während einer Hurricane Saison geht. Bis alles wieder einigermaßen aufgeräumt ist, kommt schon der nächste Sturm. Was bringt einem ein Haufen Zeug, wenn man jedes Jahr vor den Trümmern steht?

Irgendwie steht in meiner Gedankenblase noch das Wort „Globalisierung“. Könnte man eher als Oberbegriff sehen, der alles ummantelt. Die Länder der Welt sind miteinander durch Handel und Kaptialflüsse verbunden. Sie werden auch weiterhin zusammen wachsen zusammen und sind wechselseitig immer stärker voneinander abhängig. Katastrophen jeglicher Art sind nicht auf Kontinente oder Ländergrenzen beschränkt. Und vielleicht sind wir sogar früher oder später dazu gezwungen aufgrund von Klima oder Krieg zu flüchten und ein nomadisches Leben mit kleinem Gepäck zu führen?

Das sind wie gesagt nur Gedanken, die natürlich auch problematisch sind, aber auch Chancen bieten, wenn man es klug anstellt. Ich halte es daher für extrem wichtig, sich jetzt darüber Gedanken zu machen und darüber zu diskutieren. Das gelingt mir besser, wenn man sein Leben von überflüssigen Plunder befreit hat. Und natürlich ist bei all dem eine individuelle Balance wichtig, aber die gesellschaftliche Komponente darf man auch nicht aus den Augen verlieren.

Weiterlesen:
Emi von Downgrade Deluxe zählt Gründe auf, warum Minimalismus und Nachhaltigkeit zusammen gehören
Minimizing out impact on the environment
Minimalism trend: Will it save the planet?
5 ways to live minimally and save the environment


Also, wie siehst du das? Ist Minimalismus zukunftsfähig oder doch nur ein Trend der gerade von Hygge abgelöst wird? Welchen der Punkte würdest du so unterschreiben, wo siehst du es anders? Was fehlt in der Aufzählung? Warum interessierst du dich für eine minimalistische Lebensweise und ist das bei dir (noch?) aus individuellen Gründen geprägt oder gesellschaftlich-politisch?

Eine schrottige Zukunft

Ab und zu bleibt man nach ein bisschen Internetkonsum mit gemischten Gefühlen zurück. Keine Ahnung ob man lachen oder weinen soll.

Hier zwei Beispiele, die mich neulich völlig fertig machten:

1) Der Smart Juicer „Juicero“

Ja genau. Dieser 700$ teure Saftpresser kann nichts anderes als GEPRESSTEN SAFT IN TÜTEN AUSZUQUETSCHEN. Das muss man sich mal reinziehen. Wenn der QR-Code auf der Packung abgelaufen ist, ist es nicht mehr möglich, den Saft zu pressen. (Übrigens kann man auch keinen Saft pressen, wenn das Internet nicht läuft.) Aber es war ja noch Saft, deshalb haben die Leute die Packung aufgeschnitten und den Saft ins Glas geschüttet. Ich habe absolut keinen Schimmer wie das passieren konnte. Also alles. Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu erfinden und dafür auch noch Ressourcen zu vergeuden? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu finanzieren? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu kaufen? Das Start-up ist mittlerweile zu meiner völligen Überraschung pleite.

2) Der smarte Salzstreuer SMALT

Naaaa? Zückst du schon die Kreditkarte? Ein salzstreuender Lautsprecher, der Musik spielen kann, den eigenen Salzkonsum überwacht, ein bisschen Stimmungslicht erzeugt und so für eine unique Dinner-Experience sorgen soll. Das Salz streuen funktioniert über eine App, also braucht man auch Internet dafür, sonst kriegt man kein Salz. Wow.

Es gibt noch mehr Beispiele für eine sinnlos-idotische Zukunft der Dinge. Die Dislikes unter den Videos zeigen immerhin noch eine Portion gesunden Menschenverstand an und darauf kann ich bauen.

Aber bleibt das so? Gerade in dieser Kickstarter-Crowdfunding-Start-up Welt, wo alles „smart“ sein soll, wirds meistens ziemlich dumm. Nachhaltig, cool und gesund soll alles sein – und dann nimmt man Sinnlosigkeit in Kauf??

Oh und wie oft wird man als am Minimalismus interessierte Person angesprochen, dass das „extreme“ Beschäftigen mit den Dingen im Umfeld ungesund sei? (Nach 7 Jahren Bloggen könnte ich eigentlich auch mal in Minimalismus-Bullshit-Bingo basteln) Aber Minimalismus ist eben mehr als Entrümpeln und Ordnung halten. Es ist immer eine bewusste Entscheidung für oder gegen Dinge und kann helfen, solchen Schrott zu vermeiden, der eh vermutlich nach 5 Jahren kaputt geht.
Mit einer minimalistischen Lebensweise trainiert man die Fähigkeit, entscheiden zu können, ob und wann ein Ding sinnvoll zu gebrauchen ist.
Oft wird Minimalismus auch mit dem Simple Living der 80er und 90er gleich gesetzt und den Menschen, die diesen Lebensstil praktizieren entsprechend eine Technologie-Verweigerung angedichtet. Aber das ist nicht so. Minimalismus heute konnte sich deshalb so gut entwickeln gerade WEIL alles digital vorhanden und jederzeit verfügbar ist. Man kann sich leichter von CDs und DVDs trennen, wenn man nen Streaming-Dienst hat. Es geht um Maß halten, aber nicht um Technologie-Feindlichkeit.

Oder wie siehst du das?

Von Dingen und Gewohnheiten

Gerade habe ich zwei hässliche alte Kisten mit alten Briefen, Postkarten, Notizbüchern und Bildern ausgemistet und die Schätze, die bleiben dürfen in neue weiße Kisten gepackt. In einem der aussortierten Notizbüchern habe ich ein Post-it aus dem Jahr 2014 mit „gesammelten Erkenntnissen“ gefunden, wo so Sachen drauf stehen wie „mehr Wasser statt Spezi trinken“ und „weniger Essen tut mir gut“. (Super Erkenntnisse, gell? hahaha)

Aber mir kam dabei ein Gedanke, weil mir das Wasser trinken leichter fällt als früher. (das mit dem weniger essen übrigens auch, aber nur, weil ich jetzt seit fast 3 Jahren intermittierend faste). Ich habe mich gefragt, was da anders geworden ist und des Rätsels Lösung ist ein Ding! Vor ein paar Wochen kaufte ich mir in einem schwedischen Möbelhaus spontan eine Karaffe. Fassungsvermögen 1,1 L – was meinem persönlichen Tagesziel entspricht. (Von diesen Angaben man solle jeden Tag 2 Liter oder mehr trinken halte ich übrigens nichts, ich bin kein Leistungssportler, wohne in einem gemäßigten Klima und will nicht alle 10 Minuten aufs Klo rennen…)
Nun, seit ich diese Karaffe habe, fülle ich diese jeden Abend mit Leitungswasser und trinke. Ohne Anstrengung. Ohne mich daran erinnern zu müssen. Weil das Ding auf meinem Schreibtisch steht und sichtbar ist und es bequem ist.

Daher lautet die spannende Frage: Wie beeinflussen die Dinge unsere Gewohnheiten? Oder: Warum tun sie es nicht?

Wenn ich Süßigkeiten kaufe und in der Schublade bunkere, nasche ich. Wenn ich keine Süßigkeiten zu Hause habe, dann nicht.
Wenn ich wenig Dinge besitze, muss ich nicht so viel aufräumen und putzen.
Wenn der Mixer leicht zu reinigen ist, benutze ich ihn öfter, um mir einen Smoothie zu machen.
Wenn ich in der Nähe einer schönen Laufstrecke oder in der Nähe eines Fitnessstudios wohne, gehe ich öfter hin.
usw.

Welche Dinge brauche ich, um ein gutes Leben zu führen und welche nicht? Welche Dinge sind hilfreich und nützlich?

Beim darüber nachdenken fiel mir der Begriff Environment Design wieder ein. Das bedeutet, seine Umgebung so zu gestalten, dass Gewohnheitsänderungen leichter gelingen. Eben zum Beispiel das mit der Wasserkaraffe. Seit der Aktenvernichter dauerhaft neben meinem Schreibtisch steht, stapeln sich keine Unterlagen mehr. Durch das Vogelhäuschen am Fenster erfreue ich mich morgens mit einer Tasse Tee in der Hand an der Natur und das macht mich ruhig. Wenn genügend ausgedruckte Einkaufslisten an der Pinnwand hängen, markiere ich sofort was fehlt und ich muss weniger nachdenken.

Wie viele unserer Gewohnheiten sind wohl an Dinge gekoppelt? Und: Löst man diese Gewohnheiten wirklich, wenn man die Dinge verkauft/wegwirft/spendet?

6 Tipps zum Secondhand Shopping – wie der Stoffwechsel auch Minimalisten Spaß macht

Okay – es folgt eine Tatsache und eine Beichte.
Die Tatsache: Ich hasse Shopping als Freizeitbeschäftigung. Den Sinn davon habe ich noch nie verstanden.
Die Beichte: Shoppen in Secondhandläden macht mir dagegen richtig viel Spaß. Das war nicht immer so. Und genau deshalb möchte ich davon berichten.

Lange Zeit habe ich überlegt, wie Secondhand Shopping als Minimalst vereinbar ist. Man kann nämlich beim Secondhand Shopping nich losgehen und genau das Teil finden, was man benötigt, sondern muss sich immer überraschen lassen. Dafür braucht man Geduld und Nervenstärke. Doch die Idee, möglichst nachhaltig und günstig seinen Kleiderschrank zu „füllen“ ohne Fairtrade Mode kaufen zu müssen, fand ich ziemlich gut. Also habe mich darauf eingelassen und werde seit dem ich es geschnallt habe regelmäßig belohnt.

Vielleicht findest du es eklig gebrauchte Kleidung zu kaufen. Falls das der Fall sein sollte, überleg mal, was das geringste Übel für dich ist: Vielleicht fängst du erstmal mit Accessoires an, wie Gürtel oder Taschen. Guck dich einfach mal um, was der Secondhandladen in deiner Nähe anbietet.
Unterwäsche, Socken, Bademode und Nachtwäsche kaufe ich auch nur neu und das finde ich völlig in Ordnung. Hosen auch, aber das lag bisher daran, dass ich noch keine im Secondhandladen gefunden habe.
Oder veranstalte mal mit deinen Freundinnen und Freunden eine Kleidertauschparty. Von einer Freundin würdest du doch einen Pullover anziehen, oder? Warum nicht auch von einem Unbekannten, aus dem Secondhandladen?

Hier nun das Destillat aus meiner bisherigen Secondhand-Shopping-Erfahrung:

1. Wissen, was einem steht und wie man sich kleiden will
Seit ich mein Stilmotto (Galaxy Warrior) gefunden habe und durch die Typberatung weiß, welche Farben mir stehen, gucke ich ganz anders in den Läden. Das gilt natürlich auch für Secondhand. Dort ist es sogar noch besser, weil die Kleidung meistens nach Kategorie und innerhalb der Kategorie nach Farben sortiert ist. Ich kann also wunderbar alles, was mir nicht steht ausblenden. Wer keine Ahnung von seinem Stilmotto hat, guckt mal bei into-mind.com oder theorganizedcardigan rein. Das Prinzip zur Stilfindung lässt sich übrigens auch als Mann anwenden.

2. Qualität erkennen (lernen)
Gute Qualität erkennen lernt man am Besten, wenn die Klamotten schon ein paar Mal getragen und gewaschen wurden und immer noch gut aussehen. Sind Fusseln zu sehen („Pilling“)? Zieht das Teil Fäden? Wie sehen die Säume aus? Gibt es Löcher oder Verfärbungen? (z.B. Deoränder) Kratzt der Stoff/das Material?. Ist das Teil noch in Form oder hat es sich schon verzogen? Welche Marken sind langlebig, welche nicht? Was steht auf der Waschanleitung? Bedruckte Kleidungsstücke oder besondere Stoffe bedürfen eventuell der Handwäsche. Bist du bereit, das Teil so zu pflegen? wenn nicht, lass es liegen.
Ich notiere mir auch ein paar Markennamen, wenn mir das Teil nicht gepasst hat, aber die Qualität top war. Man weiß ja nie.

3. Stöbern macht Spaß
Wenn ein Laden auf deiner Strecke liegt, guck regelmäßig rein. Secondhand Shopping funktioniert nicht auf Knopfdruck. Das braucht Zeit, es ist #slow – man braucht auch Geduld um tolle Sachen zu finden.
Ich mache jährlich eine Inventur von all meinen Klamotten und weiß daher, dass ich mal ein paar Shirts brauche. Manchmal sind es Hosen, ein anderes Mal wäre eine neue Bluse oder ein dicker Pullover nicht verkehrt, je nachdem, was ich aussortiert habe und glaube zu brauchen. Mit diesem groben Ziel geh ich los und klapper regelmäßig meine Lieblingsshops ab. Im Laden vor Ort steuer ich den Kleiderständer mit den Blusen an und sehe mir jedes Teil der gewählten Farbe an. Zwischen den Bügeln verbergen sich Schätze.

4. Sprich mit den Verkäufern
Die Verkäufer in den Läden kennen sich gut aus. Frag nach, wann und wie oft sie beliefert werden und plane deine Shopping-Ausflüge entsprechend. Gerade wenn du was Spezielles suchst, können dir die Verkäufer weiterhelfen.

5. Zieh dich bequem und funktional an
Wenn du tatsächlich einen Secondhand-Shopping-Samstag planst, denk an funktionale und bequeme Kleidung, da du vermutlich viel anprobieren wirst. Wenn du Schuhe hast und noch ein Kleid für einen besonderen Anlass brauchst, zieh die Schuhe an oder nimm sie mit. Wenn du weißt, dass der Secondhandladen eher ne dürftige Umkleidekabine hat, zieh ne Leggins und ein Tanktop drunter. Anprobieren vor Ort ist wichtig, weil man 1. die gebraucht erstandenen Sachen meistens nicht mehr umtauschen kann und 2. sich alle paar Jahre mal die Kleidergrößen ändern und bei Vintagemode komplett anders sind.

6. Spickzettel basteln
Gut, das ist ein Tipp, der für normales Shopping auch gilt. In meinem Filofax habe ich eine extra Kategorie für Stil und Klamotten, denn gute Vorbereitung erspart mir Stress und Zeit. Da drin befindet sich nicht nur meine Farbpalette, sondern auch diverse Maße, z.B. Handschuhgröße, perfekte Kleider- bzw. Rocklänge, Stylingideen, Kleider- und Schuhgrößen USA, Europa und GB. Den Rest habe ich als geheimes Pinboard in der Pinterest-App immer im Smartphone dabei.

In Hamburg gehe ich übrigens gerne in diese Läden:

  • Oxfam Shops (kleine Auswahl, dafür sehr günstig)
  • Stilbruch (neben Gebrauchtmöbeln gibts in der Ruhrstraße auch Klamotten)
  • Vintage & Rags (ausgefallene Vintage-Mode und Accessoires. Wer Vintage Sportswear oder Amerikanische Shirts sucht, wird hier fündig)
  • Humana Second Hand in Harburg (große Auswahl, teilweise qualitativ
  • Second Live in Harburg, ein paar Häuser nach dem Humana Secondhand Landen (große Auswahl, auch für Männer. Toll für dicke Jacken und Mäntel sowie große Größen)
  • Pick ’n Weight am Pferdemarkt (vintage, leider ziemlich kleiner Laden, aber wer Geduld hat findet Schätze)

weitere Läden in Hamburg findet man in dieser Broschüre von Greenpeace Hamburg.

Kaufst du deine Kleidung Secondhand? Was hast du gelernt? Welche Tipps und Tricks magst du teilen?