Woran uns Minimalismus erinnert

Dieses Zitat ist von François de La Rochefoucauld und ich habe es in dem Buch von Kristin Neff über „Selbstmitgefühl“ gefunden.

Sich selbst Mitgefühl für schwierige Situationen zu schenken kann sehr hilfreich und tröstend sein. Ein Teil einer selbstmitfühlenden Haltung ist auch die Selbstwertschätzung, wenn man Dankbarkeit und Genuss empfindet. Glücklicherweise sind das beides Sachen, die man kultivieren kann. Dankbarkeit und Genuss zu empfinden bereitet Freude und Freude feiert Stärken, während das Selbstmitgefühl Schwächen akzeptiert und man sich so sein Leiden erleichtern kann.
Was passiert da? Man nimmt sich selbst die Schwere.
Ganz einfach. Es ist Magie!

Ich brauche mich nicht mit materiellen Dingen zu trösten.
Ich muss blöde Gefühle und schwierige Situationen nicht mit einer Shoppingtour ersticken. Keine Teller an die Wand werfen. Kein Verstecken hinter verstaubten „Sammlungen“, die mir nichts mehr bedeuten.

Ich kann mich einfach nur hinsetzen, mir über den Arm oder die Wange streichen, mir sagen „Das ist gerade blöd, wie du dich fühlst“;
mir vorstellen, dass ich nicht die Einzige auf der Welt bin, die so empfindet.
…mich achtsam fragen: Was brauche ich jetzt wirklich im Moment, damit ich glücklicher werde?
Ich erkenne das Gefühl an – und lasse los.

Innehalten.
Staunen, wundern, weitermachen.

Die einzige Stilregel, die du brauchst

Okay wenn ich noch einmal irgendwo lese, dass jede Frau ein kleines Schwarzes oder ein Tuch von Hermès braucht um als stilvoll zu gelten, dann werde ich vermutlich verrückt. Was ist das bei den Herren? Die Rolex und das Einstecktuch? Ich verstehe nicht, woher diese altbackenen Stilregeln herkommen und warum man im 21. Jahrhundert immer noch glaubt, dass diese Sinn machen? Sie werden von Zeit zu Zeit immer wiedergekäut – anstatt das man Menschen beibringt, wie man sich richtig Schnitte und Farben für seinen Körper aussucht, damit man immer gesund und strahlend aussieht. Man sagt uns, wir sollen uns Dinge wünschen und kaufen, obwohl sie teuer sind „weil man das nun mal braucht, wenn man stil- und niveauvoll durch die Welt schreitet“.

Ich sehe das anders.

Superheldenstil

Die einzige Stilregel, die wir brauchen ist die:

Kleide dich so, dass du dich wie ein/e Superheld/in fühlst.

(Das haben mir 10 Jahre Superheldenfilme anschauen beigebracht)

Merkmale eines Superhelden-Outfits:

  1. Hoher Wiedererkennungseffekt
  2. Funktional
  3. Schnell anzuziehen
  4. Hat diverse Eigenschaften, wie z.B. wasserdicht, gepanzert, Tarneffekt, eingebaute Features…
  5. Angepasst an die Körperform des Helden
  6. Zeitlos
  7. keine Markennamen, das Heldenhafte ist die Marke!

Ich habe überlegt, wie sich das vielleicht auf die Normalo-Klamotten in den Läden übersetzen ließe und freue mich über mein Stilmotto. Natürlich ist so dieses „Erneuerungs-Shopping“, was mir eh bevorsteht – ein bisschen schwieriger, aber es muss ja nicht alles auf einmal sein. Hauptsache sie erfüllen o.g. Eigenschaften. Und das kann man alles ja prima mit einer Capsule Wardrobe / Grundgarderobe vereinbaren, oder?

  • Welche Kleidungsstücke machen dich stark und unverwundbar?
  • Welche klare Botschaft senden sie aus? Will ich das?
  • Wohinter möchtest du deine normale Identität verbergen? Dachtest du an Make-up oder an einen Helm? Eine Brille?
  • Wie komfortabel ist deine Kleidung?
  • Wie funktional ist deine Kleidung?

Also – zieh das an was du magst und dich cool, stark, schön, heldenhaft macht. Mehr Stilregeln braucht es nicht.

Tschüss, 2018! (Machen Sie sich bitte frei!)

Okay, das Motto „Freiheit“ war eines der Schwierigsten, das ich mir die letzten Jahre herausgepickt habe.
Zugegeben, ich bin da ein bisschen naiv rangegangen, aber meistens hilft ja der Anfängergeist. Mir ist relativ schnell klar geworden, dass das Wort „Freiheit“ wahnsinnig aufgeladen ist. Zwischendurch überkam mich sogar der Ekel vor dem Wort, weil ich es so oft in der Werbung gesehen habe!
Freiheit wird im Kapitalismus gleichgesetzt mit „Konsumiere und du bist frei!“ – Aber warum eigentlich? Warum soll ich mich freier fühlen, wenn ich „unbegrenztes“ Datenvolumen habe? wenn ich durch Fast Fashion meine „Individualität ausdrücken“ kann oder wenn ich ständig in der Welt umherjette ohne zur Ruhe zu kommen? Fühle ich mich dann wirklich frei? Und wenn ja, was bedeutet meine Konsumfreiheit für andere Menschen, die das nicht können?
Konsum und Werbung, immer und überall – schränkt mich ein. Statusängste und Vergleiche schränken mich ein. Ungesunde Gewohnheiten und Einstellungen beschränken mich in meiner Freiheit.
Aber: Finanzielle Mittel bieten Sicherheit und die wiederrum lässt einen sich freier fühlen – oder?

Du merkst schon, das Thema ist kompliziert und ich bin eigentlich auch noch nicht fertig mit dem Denken. Ich taste mich voran.
Ich habe schnell gemerkt, dass Freiheit ein flutschiges Stück Seife ist. So richtig greifbar ist es nicht. Deshalb habe ich mich an meiner Mini-Zitatsammlung, die ich zu jedem Motto erstelle, festgehalten:

Schwing‘ dich aus allem heraus, was dich beschränkt.“ – Bettina von Arnim

Dieses Zitat ist super. Da ist Schwung drin. Da will man sich gleich aus blöden Situationen rauswiggeln. Auf der Schaukel, himmelhoch, kurz vorm Abspringen. Energie.

Blöde Situationen gab es dieses Jahr viele. Die Kurzfassung ist: ich fühlte mich nicht wohl (<-- Untertreibung des Jahrhunderts :D) Nirgends. Nicht daheim, nicht auf Arbeit, nicht mit meinen Mitmenschen, nicht in meinem Körper, nicht in meinem Kopf. Grund: Eine enorme Kraftlosigkeit, die dann auch noch einem B12-Mangel gipfelte. Alles war anstrengend, ich wurde anstrengend. Es hat mich um den Verstand gebracht, nicht herausfinden zu können, was da eigentlich los war oder wie ich mir selber helfen konnte oder wie ich andere konkret um Hilfe bitte konnte. Das war alles irgendwie zuviel. Und dann puff! Lösen sich manche Probleme tatsächlich von selbst. Und sitzt da und lacht sich selbst aus, weil mit einem alles völlig in Ordnung ist. Ich habe daraus 3 Sachen gelernt: 1. ich muss mich als HSP/Empath viel viel besser vor der Gefühlsscheisse anderer Menschen beschützen 2. herumdoktorn mit diesem inneren Kind Zeugs braucht echt viel Aufmerksamkeit und is megaanstrengend, tut aber immer gut, wenn man in Kontakt tritt. Wenn man sich sowas vornimmt, sollte man alles andere ruhen lassen und sich nur darauf konzentrieren. 3. klar kann man bei sich selbst anfangen und evtl. die Einstellung zu einer Situation ändern, aber es ist wichtig auch mal "Fuck off" zu denken und anderen die Schuld an der Misere zu geben. Bockig werden. Jammern. Sauer werden. Punkt 3 ist neu in meinem Denken. Das finde ich sehr interessant. Und so schön einfach! :D

„Freiheit besteht im Erkennen der Grenzen“ – Krishnamurti

Erkenne ich Freiheit, wenn ich an meine Grenzen komme? Wenn ich diese Grenzen dann überwinde? So ganz habe ich Krishnamurti nich verstanden, aber an meine Grenzen bin ich oft gestoßen. Vor allem diese Kraftlosigkeit durch sozialisieren mit anderen Biowesen, durch diesen B12-Mangel, durch Ideenlosigkeit. Ich habe erforscht, welche „unterbewussten“ Programme in meiner Kommunikation ablaufen, festgestellt welche mich davon behindern und versucht, diese durch neue Verhaltensmuster abzubauen. Das ist mir nicht zu 100 % gelungen, aber ich arbeite daran und ich erkenne Fortschritte, die mir gut tun, weil sie meine Selbstliebe steigern. Aber es ist ultramegaanstrengend im Sinne von: Endgegner!

Also, was hat sich mit dem Motto „Freiheit“ im Hinterkopf alles verändert? Fühle ich mich freier als vorher?

  • Ich bin von meiner Teamleiter-Stelle als Assistenz der Geschäftsführung zurückgetreten und das war eines der besten Sachen, die ich dieses Jahr gemacht hab :D
  • Die zweitbeste Sache ist, dass ich für 2019 meine Arbeitszeit reduziert habe, somit habe ich immer einen Tag zusätzlich frei.
  • Ich habe nach 17 Jahren meine Frisur verändert. Die Zeit war einfach dafür reif. Interessant daran ist, dass ich dadurch öfter gesehen werde. Kann mein Gesicht jetzt nich mehr verstecken. Und ich musste lernen Komplimente auszuhalten (gut, aushalten ist relativ :D ich hab „danke“ gesagt und bin schnell weggelaufen :D)
  • Ich habe meine Höhenangst abgelegt!
  • Stichwort: Mentale Autonomie: Ich habe mich von meinen Social Media Kanälen verabschiedet (Twitter und Instagram) und vermisse gar nichts. Es ödet mich auch zu sehr an und weiß auch gar nicht mehr was das alles soll. (Pinterest steht übrigens auf der Kippe. Dieser Beliebtheitsalgorithmus spült mir nur hässliches Zeug in meinen Feed, das macht mich echt wütend.)
  • Nach dem Fasten (frei von Nahrung) kam die Vollwertkost (mehr freie Zeit, weil das Essen wirklich sehr einfach wird) und damit auch ein niedrigeres Gewicht! Die zweite Fastenwoche während der Arbeitszeit war zwar echt Hardcore, aber dafür hat es alle meine emotionalen Esstrigger nachhaltig hinweggefegt. Frei sein von diesen Stress-Langeweile-Keiner-hat-mich-lieb-futtern ist wirklich richtig gut.
    Und mit meinen Faul-Schlau-Essregeln nehme ich sogar noch weiter ab. Endlich hab ich es geschnallt ey.
  • Nach 10 Jahren habe ich mein Zimmer umgestellt, weiter ausgemistet, die Organisation der übrigen Dinge verbessert und noch eine Wand mehr türkis gestrichen.

Hm. Ich weiß eigentlich gar nicht, ob ich mich jetzt freier fühle. Ich glaube nicht. Die Fülle kommt immer sofort nach.

Online-Shopping, Minimalismus und Umweltschutz

Okay, Zeit für ein Geständnis:

Ich bestelle fast nie was online. Ich habe auch keinen Account bei Amazon. Und ich habe vor 3 Wochen zum allerersten Mal in meinem 33-jährigen Leben etwas aus dem EU-Ausland online bestellt. Das war wirklich sehr aufregend für mich!
Es hat auch geklappt.
5 Sterne, gerne wieder.
Oder?

Ich weiß, dass das vielen lächerlich erscheint. Man hat so seine Wunschlisten und wenn man was will, dann kauft man sich es halt. Egal woher das Zeug dann kommt. Und bevor ich Samstags in das überfüllte, stickige Einkaufszentrum pilgere, bestell ich es lieber ganz bequem abends vorm Abendbrot. Schön einfach.

Aber ich frage mich – ist das wirklich so? Machen wir uns zu wenig Gedanken darum?
Was ist, wenn wir nur denken, dass es bequem ist?

Ich sehe die Berge an Kartonagen in der Straße stehen. Die muss man ja vorher da hin tragen.
Ich beobachte Menschen, die genervt sind, weil ihr Paket nicht ankam, es irgendwo abgelegt wurde, oder sie es irgendwo abholen müssen.
Ich sehe Menschen, die gernervt sind, weil sie sich wieder irgendwo anstellen und warten müssen, damit das Zeug das nicht gefällt oder passt wieder zurückgeschickt wird.

Einige bestellen Zeug nur für das Instagram-Foto, andere weil sie nirgendwo was finden (was in Dörfern und Kleinstädten echt ein Problem ist)
Die Retour-Ware, die technisch gesehen noch Neuware ist? Kommt auf den Müll. (Und ja, mir wurde richtig schlecht, als ich das gehört habe)
Fahrer kurven mit halbgefüllten Wagen durch die Straßen, ist ja schließlich Express-Versand. Da lassen sie manchmal den Motor laufen, weil sie sich ja für den mickrigen Stundenlohn auch noch beeilen müssen. Dann is da niemand, der das Paket annehmen kann, also wird es woanders hingefahren.
Wie viel CO2 kommt da eigentlich zusammen?
Und dann der ganze Verpackungsmüll!
Oh und noch geiler ist ja, wenn man sich im Fachhandel beraten lässt und dann trotzdem online kauft. Klar, kann man machen. Ist aber unfair und die lokalen Händler verkommen zu Amazon-Showrooms. Dann wird sich gewundert, warum so viele kleine Läden sterben und jede Fußgängerzone in Deutschland gleich aussieht.

Also ist das wirklich bequem? Wollen wir das so?

Wenn man spezielle Sachen sucht, die man nirgends bekommt – ja.
Bei besonderen Kleidungsstücken oder Sondergrößen oder fehlender Transportmöglichkeit bei Möbeln finde ich das durchaus okay.

Wenn man wirklich Schnäppchenjäger ist und sich Teil xy unbedingt wünscht und es das ausgerechnet online günstiger zu haben ist, okay – warum nicht?

Aber wenn man neue Schuhe haben will und sich 10 Paar bestellt und schon weiß, dass man 9 Paare zurück schicken wird – warum muss das sein?

Ich finde es ja eher nervig, Pakete irgendwo abholen zu müssen, weil das mit der Lieferung nicht geklappt hat.
Ich finds auch blöd, wenn ich Sachen zurückschicken muss (bisher ist das gottseidank nur 2 x passiert)

Eine Arbeitskollegin hat gefragt, wie ich denn einkaufe, so ganz ohne Online-Handel. (Für sie wäre es eine Strafe an einem Samstagnachmittag ein Einkaufszentrum zu besuchen – für mich auch.)

Meine Art ist vielleicht auch nicht bequem, aber es macht mir Spaß, weil ich mir beweisen will, dass ich die Dinge, die ich haben will auch ohne Online-Shopping bekomme. Das kann ich deshalb so einfach, weil ich meine Einkäufe niemals wichtig oder dringend finde. Außerdem finde ich Online-Shopping ein bisschen langweilig. Ich fasse Dinge gerne an.
Als Minimalistin erlaube ich mir den Spaß:

  • Also schreibe ich manchmal Firmen an, die mir dann sagen, welche Händler in meiner Nähe ihre Ware verkaufen. Da fahr ich dann da hin.
  • Ich frage auch manchmal in Geschäften, ob sie Marke xy nicht in ihr Programm aufnehmen wollen.
  • Oder wenn eine bestimmte Größe nicht vorhanden ist, ob und wann sie wieder reinkommt oder bestellbar ist.
  • Einmal ist mir mein To Go Becher runtergefallen und der Deckel war kaputt. Also habe ich auf der Firmenseite nachgesehen, wer in meiner Nähe diese Becher verkauft. Ich rief den Händler an, schilderte mein Problem und ob sie eine Lösung hätten. Da haben sie mir einfach einen Deckel nachbestellt!

  • Ich gucke mir bei diversen Marken die aktuellen Modelle an und weiß, welche Läden ich meiden kann, weil da nur hässlicher Schlonz verkauft wird. Wenn ich was brauche, hilft mir mein Klamotten-Kalender.
  • Meistens kaufe ich ja eh second-hand, aber auch bei Neuware merke ich mir Läden und Marken, die gut passen.
  • Wenn ich dann mal Kleidung online bestellt habe, habe ich mich vorher genau ausgemessen und die Tabellen angesehen, ob da was übereinstimmt. Dann passte es auch.
  • Oh und dann bin ich noch ein großer Fan vom guten alten Warenhaus. Alles, was man glaubt zu brauchen ist dort versammelt. Dazu Verkäufer die man fragen darf und unterm Dach gibts immer Kaffee und Kuchen. :D
  • …und die Click-and-Collect-Magic! Bisher nur im Baumarkt ausprobiert, aber das ist online-shopping und echtes einkaufen gleichzeitig. Da sucht man sich online aus was man haben will und die Fachverkäufer ziehen einem das ausm Regal. Man muss dann nur noch hingehen, abholen und bezahlen.

Mehr Infos:
Amerika, das Land der Hoarder
Video: Retouren für den Müll
Und diese Dame hat eine interessanten Lösungsansatz für dieses Problem
Die Schattenseiten des Online-Handels
Mit gutem Gewissen online einkaufen: E-Commerce schadet der Umwelt nicht
So umweltschädlich ist Onlineshopping

Tja, also keine Ahnung ob Online Shopping gut oder schlecht ist oder das normale Einkaufen besser oder bequemer. Ich glaube, das kann man so auch nicht sagen. Vielleicht ist es auch egal.
Vielleicht muss man sich hierbei auch wieder minimalistisch besinnen und sagen: Brauch ich beides nicht. Wenig geht auch.

Reden wir über Weihnachten

Ja ja, ich weiß schon! Du denkst: „Was will die denn jetzt schon mit Weihnachten?! Das is ja noch ein bisschen hin!“ – stimmt. Aber nachdem der Supermarkt schon seit Ende August alles mit Lebkuchen ausstaffiert hat, dachte ich, dass das gar nicht mal so dumm ist, sich jetzt schon über Weihnachten aufzuregen Gedanken zu machen.
Denn jetzt kann man sich schön viel und in Ruhe überlegen, um dann eben NICHT in diesen (Vor-) weihnachtlichen Stress zu geraten.
Ein bisschen Vorbereitung und man hat einen entspannten Advent. Das klingt doch traumhaft, oder?

Also – was kann man jetzt erledigen, damit man einen stressfreien Dezember hat?
Hier ein paar Ideen:

1. Überlege dir, ob und wie du beschenkt werden willst und fang an, mit allen darüber zu reden.
Mittlerweile krieg ich nur noch brauchbare Geschenke in Form von: „gar nichts“, Nahrungsmittel oder Sachen, die sich selbst verbrauchen. Erlebnisse sind auch toll, aber Gutscheine haben sich immer noch nicht durchgesetzt :D
Worauf ich hinaus will: Menschen lieben es Geschenke zu machen, aber wenn du Angst davor hast, wieder mit sinnlosen Plunder vollgemüllt zu werden, solltest du rechtzeitig mit allen potentiellen Schenkern darüber sprechen, dass du nichts bzw. anders handhaben willst. Schenkt euch gegenseitig ein Loslassen, ein Nichts-schenken-müssen.

2. „Was wünscht du dir?“ – „nichts“.
Der Klassiker: Eigentlich hatte man vereinbart, sich nichts zu schenken, aber dann kam der andere plötzlich an etwas vorbei, das er einfach kaufen und dir schenken MUSSTE.
Um das zu vermeiden gibt es nur zwei Auswege: Konsequent nichts verschenken und an Heiligabend den Zustand aushalten. (Schwierigkeitsstufe: hoch, für sensible Personen: seeeehr hoch)
Und: Für sich definieren, was dem „nichts“ nahe kommt und trotzdem funktioniert. Also sag etwas Spezifisches, wie z.B. 1 Flasche Craft Beer der Marke xy oder 1 Glas deiner selbstgemachten Himbeermarmelade oder: einen Gutschein im Wert von 10 Euro, damit ich mir Musik runterladen kann oder „ich wünsche mir, dass du am (Datum xyz) um (Uhrzeit xyz) zu mir kommst und wir bei Kaffee und Kuchen uns einen schönen Nachmittag machen“ oder sowas. Bedenke bei deinem Wunsch das finanzielle und zeitliche Budget des Schenkers.
Wichtig ist, deutlich zu machen, dass es völlig okay ist, so kleine Geschenke zu machen und man damit völlig zufrieden ist. Aufmerksamkeit ist in unserer heutigen Zeit auch ein Geschenk.

3. Eine Geschenkeliste anlegen: Wer wird mit was beschenkt?
Idealerweise führt man diese Liste das ganze Jahr. Ich notier mir immer schnell, wenn eine Freundin oder ein Freund mal im Nebensatz erwähnt, was er gut findet. Ich versuche dabei, den materiellen Wunsch in ein Erlebnis zu verwandeln.
Wer sparen muss, legt eine Budgetgrenze fest; Wer basteln will, sollte sich auch schon mal eine Zeitplanung überlegen und sich ein freies Zeitfenster im Terminplaner auspicken.

4. Geschenke einkaufen oder basteln
Mit der Liste in der Hand kann man in der Mittagspause oder nach Feierabend bequem schon ein paar Dinge (also Geschenke oder Bastelmaterial) einkaufen. Eine Freundin von mir hat im Flur einen Schrank und darin ist ein Fach nur für Geschenke reserviert. Also immer wenn sie wo ist und sie etwas sieht, was Person xy gefallen könnte, kauft sie es und packt es in dieses Fach und hat das ganze Jahr über Geschenke parat. Darin sind auch Kleinigkeiten, wie eine Packung Buntstifte, ein lustig bedrucktes Paar Socken, eine gute Flasche Wein. Sachen, die auch als Gastgeschenke oder Mitbringsel funktionieren.

5. Feiertagsplanung
Wer kommt zu wem und wann? Wie soll Heiligabend aussehen? Wie die Feiertage? Sind die Tickets für die Reise gebucht? Evtl. Hotelzimmer?
Und: Plan etwas mit ein, was gegen das Durchdrehen hilft. Das ganze gemeinsame Rumsitzen und reden wird schnell zu viel, bei schlechtem Wetter sinkt die Laune, die Kinder werden unruhig und Opa fängt an darüber zu diskutieren, dass früher alles besser war. Also check rechtzeitig die Möglichkeiten. Gibt es ein Museum, das geöffnet hat? Ein Kino? kann man in der Umgebung einen langen Spaziergang machen?

6. Essen! Einkaufen!
Eigentlich Wahnsinn, dass da jedes Jahr immer so ein Aufwand getrieben wird und hinterher jammern alle wieder, dass sie zugenommen haben…und dann diese Einkaufsorgien, als ob die Zombieapokalypse ausbricht. Man versteht es nicht.
Daher: Stöber dich rechtzeitig durch die Rezepte, schreib schon mal eine Einkaufsliste oder halte dich an das traditionelle Weihnachtsgericht deiner Familie. Wenn du keines hast, erfinde eines. Das entstresst, ebenso wie Vorkochen oder Tiefkühlware. Und denk mal über Aufgabenverteilung nach. Es muss ja nich immer einer alles machen. Was das Plätzchen backen angeht – auch das kann man rechtzeitig planen. Und mit einer Teigsorte kann man viele verschiedene Plätzchen backen.
Und lagerfähige Dinge wie Toilettenpapier, Seife oder Waschmittel muss man auch nicht am 24.12. kaufen.

7. Adventskalender basteln
Wer keinen Gekauften mag und selber befüllen will, sollte sich daher auch schon rechtzeitig Gedanken um die Adventskalenderfüllung machen. Ideen en masse gibts auf Pinterest

8. Dekoration
Ich bin ja überhaupt keine Dekofee, aber ein bisschen gemütlich darfs schon sein. Minimaler Aufwand, maximale Wirkung. Und mein Augenmerk liegt auf Deko, die die ganze Wintersaison über sinnvoll ist. Lichterketten, Schneeflocken aus Papier oder mit Fenstermarker – zack hat man Deko von November bis Februar und kann sich genügend Zeit fürs Abbauen lassen.

9. Weihnachtspost verschicken
Ich verschicke so gerne Post! Allerdings definiere ich vorher, wem ich was schreibe und ob es ein Brief oder eine Karte wird. Das klappt mal gut, mal weniger gut, aber wenn man sich rechtzeitig ausdenkt, wer und in welcher Weise Post bekommen soll, gehts eigentlich. In Amerika ist das ja eher so ein Jahresabschlussbrief, wo immer ausführlich die Erfolge der Kinder beschrieben werden, aber warum auch nicht? Is doch nett, wenn man sich wenigstens einmal im Jahr per Brief ein Update gibt.

10. entstresste Terminplanung + Selfcare
Dezember is Zeit für Weihnachtsfeiern, Nikolaus, Gottesdienste usw. Aber es ist auch schön leer: Im Kino, im Museum, in der Bibliothek….herrlich! Meinen 30. Geburtstag damals habe ich gefeiert, in dem ich mir einen Ausflug nach Kiel gewünscht habe und wir waren die einzigen im Naturkundeuseum. Danach gabs Torte. Das war supergut. Weihnachten soll ja besinnlich sein, das vergisst man in dieser Konsumhektik nur leider immer. Dabei ist Dezember als Jahresabschluss-Monat doch total magisch! Also könnte man sich doch auch jetzt schon mal hinsetzen und sich ein paar Dates mit sich selbst ausmachen, damit aus dem hektischen Dezember ein langsamer Monat der Introspektion und Seeligkeit wird. Nachdenken über das vergangene Jahr, sich vorbereiten auf das Nächste…einfach einen Gang runterschalten und sich erlauben, bei der Hektik da nich mitzumachen.


Was sind deine Tipps für eine beSINNliche Adventszeit? Wie und wann bereitest du dich auf Weihnachten vor? Hast du den ultimativen Tipp, der vor Weihnachtsstress bewahrt?

Minimalismus als Megatrend

Keine Ahnung wie es dir geht, aber ich finde es super gut, dass Minimalismus mittlerweile so große Wellen geschlagen hat. Umso mehr freut es mich, Minimalismus auch noch in der Megatrend Map vom Zukunftsinstitut verortet zu sehen.
Megatrends überdauern mehrere Jahre. Seit 8 Jahren blogge ich schon über das Thema Minimalismus und ich konnte beobachten, wie es vom Nischenthema in den Mainstream gewandert ist. Das hat meiner Meinung nach das ganze Thema einerseits verwässert, weil ständig das Rad neu erfunden wurde, anstatt in die Tiefe und weiter zu denken, andererseits hat diese Vielfalt sehr viele neue Aspekte und Ideen hervorgebracht. Und jeder dieser Aspekte trägt nach wie vor dazu bei, die Idee weiter zu denken.

Minimalismus ist ein ganz und gar unminimalistisches Fass ohne Boden. Es betrifft sämtliche Bereiche von Außen (Entrümpeln, Grundgarderobe usw.) nach Innen (weniger Arbeiten, ungesunde Lebensmuster loslassen). Die einen sind zufrieden mit einer aufgeräumten Wohnung, die anderen krempeln daraufhin ihr ganzes Leben um. Es betrifft also nicht nur den Konsumaspekt sondern auch die eigene Individualität. Und dadurch, dass wir uns verwandeln, verwandelt sich auch die Gesellschaft. Dieser Wertewandel ist die Basis einer zukunftsfähigen Gesellschaft (wenn man es denn richtig anstellt, aber das muss ich noch erforschen :D)

Interessant am Minimalismus ist, dass es ein globales Phänomen ist. Ursprünglich ist der Begriff bzw. der Lebensstil ja aus den Vereinigten Staaten herübergeschwappt, dazu kam dann irgendwann die Zen-Asthetik aus Japan, vermixt mit den Grundzügen der Simple living Bewegung der 80er Jahre. Und während wir hier gerne Minimalismus mit einem grünen zerowaste Lifestyle verbinden, nutzen die Amerikaner die Idee, um ihre Schulden loszuwerden. (Der amerikanische Minimalismus langweilt mich übrigens extrem. Die kommen von ihrem Konsum-Schulden-Thema irgendwie auch nicht los…) Minimalismus hat eben viele Facetten. Da hängt diese ganze Achtsamkeits-Slow-Bewegung mit drin, aber natürlich auch die Sharing Economy, Zero Waste Experimente und Bio-Vegan-Superfood genauso wie die Technomaden und das Thema Postwachstumsökonomie.
Die spannende Frage ist: Wie bastelt man mit Minimalismus an einer Umformung der Gesellschaft im technologischen, gesellschaftlich-sozialen und – auch nicht zu vernachlässigen – ökonomischen Sinne, das daraus ein gutes Leben für alle wird und der Planet nicht vor die Hunde geht?
Und – auch spannend – was kommt als Gegentrend? Ist es schon „Hygge„? Oder das plakative Tragen von Markennamen um den Influcencer-Konsum-Lifestyle noch weiter zu treiben?

Lagerraum oder Lebensraum?


Okay, neulich blättere ich in dem aktuellen Katalog eines Möbelherstellers. Da stand irgendwas von „Wir glauben, dass es gut ist, wenn man seine Wohnung regelmäßig verändert blabla“ – bin zu faul das richtige Zitat abzutippen, aber der Inhalt war klar: „Kauf regelmäßig unsere Möbel, wirf sie nach ein paar Jahren weg und kauf dann wieder Neues, danke.“

Das ging mir das irgendwie nicht mehr aus dem Kopf.

Ich meine damit nicht die Aufforderung ständig Möbel zu kaufen und wegzuwerfen, sondern der Gedanke, dass das Leben ganz schön schnell stecken bleibt, wenn man nicht aufpasst. Obwohl ich mich für Minimalismus interessiere – und das seit mittlerweile 9 Jahren – habe ich im letzten halben Jahr gefühlt wieder mehr Dinge angehäuft und gekauft und mich so im Alltag eingesperrt. Bei genauerer Überprüfung habe ich gar nichts Neues angehäuft sondern eher tatsächlich aussortiert und ausgetauscht, aber es fühlt sich nach mehr an. Wie kommt das?
Aus diesem Steckenbleiben-Gefühl wird ein Lagerraum, weil sich nichts an der Menge der Sachen ändert und an dem Drumherum auch nicht. Das Regal wurde an diese Ecke gestellt und da blieb es auch die letzten 10 Jahre. Die Bücher wurden so geordnet und setzen Staub an, werden aber nicht gelesen. Alles verkommt zu einem Lager von nicht fertiggestellten Projekten, von ungelesenen Zeitschriftenstapeln, von klobigen Möbeln, die rumstehen aber sinnlos sind.
Aber sollte unsere Wohnung nicht Lebensraum sein? Etwas, das lebt, ist lebendig. Die Dinge sind im Fluss. Aber wann sind sie es schon?
Versteh mich nicht falsch. Ich liebe diese klinisch-minimalistischen Penthouse Wohnungen aus den Architekturzeitschriften und auf pinterest, aber ist das nicht auch starr? Klar, wir wohnen in Wohnungen oder Häusern aber wir wollen doch ein ZUHAUSE. Kuratiert von den Bewohnern nach ihren individuellen Bedürfnis nach Schönheit und Ordnung.
Aber viel zu leicht verfällt man im Alltag in diese Starre (Ich merke das übrigens nur, weil ich selbst in dieser Starre stecke und mich ja dieses Jahr das Motto „Freiheit“ beschäftigt. Diese Dissonanz is wie ne Bratpfanne, die mir jemand überzieht. Mehrmals.Kräftig.Hintereinander.) und ich glaube, das tut uns nicht gut. Wir entwickeln uns. Die Wohnung sollte sich auch mit entwickeln. Oder?

Wann hast du das letzte Mal den Flur gestrichen?
Hast du das angefangene Projekt, das Staub ansetzt und erstmal zur Seite geschoben hast, schon fertig?
Macht die Aufbewahrung, die du dir für Bastel- und Nähkram ausgedacht hast noch Sinn oder behindert sie dich?
Passt der Stil deiner Wohnung noch zu dir?
Liegt unter der Wandfarbe und unter den Tapeten dein wahres Ich vergraben?

Wir verändern uns ständig, aber unsere Wohnung nicht so oft.
Es ist Herbst und deshalb Zeit für Veränderung.
Keine Panik, ich will nicht, dass du los gehst und dir neue Möbel kaufst oder Duftkerzen und so nen Müll den niemand braucht.
Aber vielleicht mal was weglassen, was nervt. Und hinzufügen, was Freude macht.

Ich habe eine Wand mehr mit türkis angemalt und es fühlt sich gut an.

Vom Bullet Journal zur Ich-Bibel

Okay, wie du ja weißt, kam ich mit dem Bullet Journal leider nicht zurecht. Das Potential darin hab ich erkannt, aber diese elendige Abschreiberei von Sammlungen und Gedankenfetzen, die mit ins neue Notizbuch kommen sollten, war mir dann doch zu viel. Aber schriftlich nachdenken ist super, deshalb habe ich das Thema weiter abgegrast und ta-da – das Internet hat natürlich wie immer eine Lösung! :D

Kevin Gao hat sich selbst eine Bibel geschrieben, in der er immer liest. Er notiert sich Gedanken, Gedichte, Zitate, Fragen, Lebenstugenden, inspirierende Geschichten und Schnipsel aus Büchern, die er gelesen hat. Fertig ist die eigene Bibel.

Dazu schreibt er:

My goal for this Personal Bible is to have a handbook of the most inspiring, powerful, and interesting content I’ve experienced. Something I can read every day or as often as possible, a resource I can turn to when facing important decisions or tough emotional times. Together, they represent the ideas and beliefs and insights that I want to remember forever, concepts that I want to become a concrete part of my daily life.

Und ich dachte – gute Idee, das wird gleich nachgemacht und ausprobiert.

Also habe ich mir ein Notizbuch im Format A6 aus dem Regal gezogen, tatsächlich einen Index angelegt, der sogar funktioniert (in meinem obigen Test war der Index total sinnlos, keine Ahnung warum) und mir Gedanken gemacht. Ich nenne es – inspiriert von Hannah Arendt – „Nachdenkbuch 2018“.

Und das ist bisher drin:

  • Zitate zum Thema Selbstliebe, Freiheit, Akzeptanz – kurzum, jedes Zitat, was mir ins Auge sticht und mich interessiert.
  • Liste: Orte, die ich mal besuchen möchte
  • Liste: Dinge, die ich gerne mal tun möchte
  • Fragen, jede Menge Fragen. Ich liebe Fragen! Die helfen besonders gut beim Nachdenken und Kopf-verdrehen
  • Selfcare Ideen, um meine Bedürfnisse zu erfüllen
  • Meine Werte nach denen ich leben will bzw. die ich ergründen will
  • Postkarten mit schönen Motiven oder Fotos und Sticker, die mich freuen
  • Liste mit Dingen, die mich glücklich machen und mir Kraft geben
  • Liste mit Sachen, die ich bisher erfolgreich gemeistert habe, quasi ein kleines Erfolgstagebuch
  • Meine Vorbilder und was mich an diesen Menschen fasziniert
  • positive Affirmationen
  • Notizen aus Büchern, die mir weitergeholfen haben
  • positive Sachen, die ich erlebt habe oder die jemand über mich gesagt hat
  • Liste: Darin bin ich gut
  • Liste: Das will ich noch lernen/das will ich verbessern
  • Dankbarkeitsliste
  • Kraftcollagen und Mini-Moodboards
  • Realitäten: Kurze Notizen zu realen Erlebnissen, die meine negativen Glaubenssätze entkräften
  • Morgen- und Abendroutinen in Bezug auf meine Bedürfnisse
  • Reflektionen zum Jahresende
  • Ausblick und Visionen für das kommende Jahr
  • Erkenntnisse, die ich aus TED-Talks gesammelt habe
  • Zielplanung, fernab von dieser SMART Grütze.

Hier habe ich noch mehr Ideen, die man in einer Ich-Bibel sammeln könnte:

  • Das habe ich heute/diese Woche/diesen Monat gelernt
  • Meine größte Probleme sind…
  • Wege und Ideen, um meine Probleme zu lösen
  • Blogs und Internetseiten, die mich auf gute Ideen bringen
  • Das tröstet mich…
  • Das tut mir gut, wenn…
  • Das ärgert mich/Trigger
  • Das hat gut geklappt
  • Ich hab Angst vor … und tu es trotzdem

Im Grunde geht es darum, sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen, sich selbst besser kennenzulernen und immer wieder abzugleichen und zu hinterfragen. Ich finde es spannend, wie sich dadurch mein Leben verändert, denn das tut es damit. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Büchlein mich so sehr weiterbringt. Ich nehme es gerne zur Hand, blättere darin herum, zeichne und kritzle und erlaube mir, mein Inneres da rein zu destillieren. Anders als beim Tagebuch-Gesülze, wo ich Dinge einfach nur rauslasse, ist dieses Nachdenkbuch dann doch etwas lösungsorientierter und gibt Antworten auf meine Fragen. Das hilft besonders wenn ich mal wieder am Grübeln bin. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ich merke, dass irgendwas schief läuft in meiner Wahrnehmung (aka Negative Glaubenssätze) und ich aber lese, dass mein Vergangenheits-Ich notiert hat: Ey, in der Situation war das ähnlich und das Problem hast du so gelöst und es ging dir gut – weiß ich, dass ich mir vertrauen kann und alles gut wird. Vielleicht müssen das andere Menschen nicht machen, weil die das alles in ihrem Kopf geregelt kriegen. Ich kanns leider nicht so gut.

Das wars schon. Ich hoffe, der Beitrag war in irgendeiner Art und Weise hilfreich für dich.
Was könnte man noch drin notieren? Führst du so ein Denktagebuch auch? Welche Collections hast du in deinem Bullet Journal, die dich weiterbringen?

Was die Serie „Queer Eye“ mit Minimalismus zu tun hat

Okay, reden wir über die Fab 5 – kennst du die Serie „Queer Eye“? Gerade ist auf Netflix die 2. Staffel draußen und ich bin immer noch begeistert. Eigentlich ist es eine Umstyling Show und das Prinzip geht so: Fünf schwule Experten fallen wie Heuschrecken in das Leben von meist heterosexuellen, bibeltreuen Landeiern ein und geben denen den nötigen Arschtritt, um mal einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen. Es geht um Mode und Stil, Inneneinrichtung, Körperflege sowie Coaching und (kulturelle) Bildung. Das Ganze innerhalb einer Woche. BAM! Fertig ist ne tolle Show! Dabei werden Schlaglichter auf die amerikanische Kultur (Hello heftige Konsumkultur) geworfen und durchaus ernste Themen wie Rassismus, Feminismus, Sexismus und religiöse Ausgrenzung besprochen. Plötzlich sieht man sich umarmende Männer, die auch vor Rührung und Dankbarkeit weinen und das ist (leider noch) so neu, dass man gleich mitheult.

Nach der Folge, wo sie einen 8-köpfigen Haushalt entrümpeln mussten, um überhaupt irgendwas anzufangen und ich mich wieder an diese Konsumkultur erinnerte, die mir mittlerweile so fremd erscheint, ist mir klar geworden, dass diese Show mehr mit Minimalismus zu tun hat, als bloßes Umstyling. Denn das, was man pro Folge sehen kann, ist ein Mikro-Turbo-Minimalismus. Vom Außen nach Innen. Mit jeder Menge Selfcare und sich verändern wollen, weil man feststeckt, nicht weil man irgendwas für andere optimieren muss. Natürlich bleibt das ganze eine Unterhaltungsshow, also allzuviel Tiefgang ist nicht immer zu erwarten, aber der respektvolle Umgang miteinander ist sehr sehenswert.

Jeder der Teilnehmer ist quasi sein eigenes Projekt. Einer outet sich am Schluss seiner Stiefmutter, der andere führt endlich mal wieder seine Frau aus, ein schüchterner Mensch hält vor seinen Freunden und Kollegen eine Rede – solche Sachen. Bis zu Tag X wird der Teilnehmer gepimpt.
Sein Kleiderschrank wird von Tan (mein Favorit :D) durchgecheckt, entrümpelt und dann geht er mit dem Teilnehmer shoppen. Mode interessiert ihn nicht, nur der bisherige Stil des Teilnehmers und die Figur. Es ist wird stilistisch nur geupdated. Der Hippie bleibt im Grunde eine Hippie, zieht aber statt Schlabbershirt mal ein Leinenjacket an.
Jonathan kümmert sich um die Körperpflege und die Haare. Er erklärt den Teilnehmern bei auch bei geringem (Zeit-)Budget, wie man sich richtig trimmt. Er verpasst ihnen eine neue Frisur, stutzt den Bart und erklärt, worauf sie achten müssen. Jonathan ist zwar extra, aber für die Teilnehmer bleibt es im Rahmen. Das was er sagt, scheint auf die Männer immer mächtig Eindruck zu machen, weil sie 1. keine Ahnung von Pflegeprodukten haben und 2. Selfcare wirklich ein Fremdwort ist. Jonathan zeigt den Typen, dass es nicht exklusiv weiblich ist, sich zu pflegen. Also geht er mit ihnen auch mal zur Pediküre :D
Antoni checkt den Kühlschrank. Er erkennt meistens, dass in den Kühlschränken entweder a) nichts b) Ungesundes oder c) absolut Ekliges ist. Komischerweise riecht und probiert er auch mal, was eindeutig eine masochistische Ader vermuten lässt :D Jedenfalls ist er ein Feinschmecker und kocht mit den Teilnehmer ganz einfache Gerichte, die unaufwendig, gesund und leicht nachzuvollziehen sind.
Bobby hat wohl den Löwenanteil, der kann zaubern. Innerhalb einer Woche stylt der dir die Bude so um, dass du dein Haus nich mehr wieder erkennst. Sein Motto: Wenn dich deine äußere Umgebung inspiriert und dir gefällt, geht es auch deinem Inneren gut. Meistens hat er damit zu tun alles möglich zu entsorgen und Möglichkeiten für eine gute Haushaltsorganisation zu schaffen. Dabei nutzt er auch sentimentale Stücke zum Dekorieren, was ich immer sehr schön finde.
Karamo ist der „Daddy“ der Truppe. Er coacht den Teilnehmer durch die Woche und hat immer tolle Ideen, wie man Probleme angeht und sich Lösungen ausdenkt. Dem Hipster-Bürgermeister aus Staffel 2, der Probleme mit dem Halten von Reden hatte, ließ er nen Rap vorführen, um lockerer zu werden. Er sucht sich immer Sachen aus, die auch zur Persönlichkeit und zum Problem des Teilnehmers passen, aber auch immer mit ein bisschen Unbequemlichkeitsfaktor . Teilnehmer Remi trinkt gern Whiskey, also soll er was über Whiskey lernen, um ein bisschen kultivierter zu werden. Teilnehmer AJ hatte Angst vor dem Ungewissen, also ab in den Hochseilgarten und den Sprung mit verbundenen Augen nach unten (natürlich mit Sicherung) – da stecken wirklich ganz viele tolle Beispiele in der Show. Und wenn jemand andere Leute auftauen kann, ist es Karamo.

All das zusammengewürfelt ergibt einen heilsamen, ehrlichen Perspektivwechsel, der einem auch selber gut tut. Sich auch für andere ein bisschen Mühe zu geben, Fragen stellen, zuhören lernen, sich Zeit für sich nehmen, sich pflegen und verwöhnen, weil man es verdient, gut genug zu sein, sich selbst wertschätzen – das ist das was wir alle brauchen.
Und das ist es doch auch, was am Ende beim Minimalismus rauskommt, wenn man seine Wohnung entrümpelt hat, seine Pflege und seinen Haushalt vereinfacht hat, seine Ernährung überprüft hat, oder? Durch das eigene „Update“ kommt man raus aus der Langeweile, der Gewohnheit, der Alltagsunzufriedenheit. Zumindest sollte/könnte das ein Ziel sein.

Hier ist noch ein toller Artikel über die Fab 5 und die Webisode in Australien.
Oh und die die Webisode in Australien ist auch seit gestern draußen, aber die ist ein bisschen anders als die anderen Folgen.

Also los, reden wir über die Fab 5! Welcher der Fab 5 ist dein Liebling? Hast du was aus der Show gelernt? Und wie könnte man sich selbst in einer Woche updaten? Was braucht es dazu?