Nachrichten aus der Mülltonne

Gestern habe ich zwei Publikationen zum Thema Müll entdeckt.

Die erste davon ist vielleicht für Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher ganz spannend:
„Nachrichten aus der Tonne“ ist ein Bilder-Sachbuchabenteuer mit Leo und Polly Pop.
Die Geschichte ist schön illustriert und erzählt vom Entstehen und Vergehen des Mülls. Ich war überrascht, wie modern das Buch ist. An einer Stelle wird sogar schon die Vermüllung der Ozeane thematisiert. Es gibt auch Tipps für Challenges, so ist zum Beispiel die Aufforderung enthalten eine Woche ohne Plastik durchzuhalten oder einen Tag lang keinen Müll zu produzieren. Das fand ich super!
Kostenlos bestellbar bzw. hier als Download

Und die zweite Entdeckung war endlich ein hübsch aufgemachter Ratgeber. „Abfälle im Haushalt“ erläutert alle Fragen rund um Mülltrennung, Abfallarm einkaufen usw. Der Informationsgehalt erscheint auf den ersten Blick recht mau bzw. altbekannt, aber die wahre Stärke des Ratgebers liegt m. E. in den Frage-Antwort-Übersichten und den vielen Literaturangaben.

Bonus: Wer wissen will, was Bund und Länder für die Abfallvermeidung tun, klickt hier.

Noch mehr zum Thema Abfallarm einkaufen habe ich in diesem Beitrag zusammengestellt.

Der gelbe Sack + Aufkleberspaß

Herr DingDong und ich wollten im neuen Jahr etwas Neues ausprobieren. Ausgehend von unserem (fast) plastikfreien Monat haben wir uns entschieden, den gelben Sack für unseren Plastikmüll zu nutzen. Mülltrennung ist in Hamburg nicht gerade üblich und eigentlich ist es hier wie im Mittelalter: Müll auf die Straße stellen und hoffen, dass das jemand abholt.

Nun gut, wir probieren das jetzt erstmalig aus. Ein „Starterset“ mit 10 Beuteln zu je 70 L gibts kostenlos beim Recyclinghof. Dort kann man sich auch schicke Aufkleber für den Kalender holen, damit man die Abfuhrtermine für seinen Stadtteil markieren kann. Das hat mich natürlich ganz besonders gefreut :D

ffkelb

Ob das wirklich sinnvoll ist, wird sich zeigen. Langfristig keinen Müll zu produzieren wäre natürlich ein Traum, aber das ist doch noch ganz schön schwierig für uns. Aber schon die Trennung von Plastik- und Restmüll ist erkenntnisreich und sagt viel über unsere Gewohnheiten aus. Es sind 6 Wochen vergangen und der 70 L Sack ist immer noch nicht voll.

Tja und dann treibt uns noch die Frage um, ob das wirklich sinnvoll ist. Einige behaupten, der Müll wird sowieso verbrannt und zwar zu 100%. Andere wiederrum meinen, Recycling ist deshalb idiotisch, weil 2/3 davon verbrannt werden und dann noch ÖL(!!) hinzugefügt werden muss, damit es besser brennt. Das Hamburger Abendblatt berichtete neulich davon, wie Mülltrennfaul die Hamburger doch sind.
Ich bin verwirrt. Bisher konnte ich nur herausfinden: Müll verbrennen gehört angeblich auch zum Thema „Recycling“. Dann wird aus dem Plastikmüll eben kein neuer Joghurtbecher oder Parkbank sondern Fernwärme.

Weiß da jemand genaueres?

Wir sind verwirrt und machen erstmal weiter.

Mikroplastik

Vor ein oder zwei Tagen kam mir ein Tweet mit einem Clip zum Thema Mikroplastik unter. Die Thematik ist für mich zwar nicht neu, aber das Ganze doch wieder ziemlich sprachlos gemacht. Zieht euch mal rein, wie viel Mikroplastik sie aus der Zahnpasta rauswaschen!
Bin ich froh, dass ich das Zeug nicht mehr benutze.
Am Samstag im Supermarkt habe ich 2 Marken auf Polyethylene durchgecheckt, war aber nicht drin. Vielleicht denken die Firmen doch schneller um, als gedacht..?

Produktfrei leben – 2 Jahre danach

Mein Mai-Experiment ist schon 2 Jahre her, also ist es wieder Zeit für ein Update. Ein herzliches Hallo an dieser Stelle auch an alle neuen Leser, die über den No Poo Beitrag hier gelandet sind!
Oh und wenn du jetzt nur Bahnhof verstehst, es geht darum.

Also, was hat sich getan?

Shampoo und Duschgel? Nö! Seifenstücke? Ja!
Seit ca. einem halben Jahr nutze ich ab und an ein Stück Seife zum Duschen. Ich brauch es zwar nicht, aber irgendwie hat ein Stück Seife jetzt doch so einen Wellness-Charakter bekommen. Einmal pro Woche oder seltener stehe ich also in einer Mandelduftwolke und komme mir vor wie in einem Wellnesstempel. Ansonsten eben weiterhin Wasser pur.
Beim Shampoo ist es ähnlich. Ich spüle mir jeden Tag die Haare mit Wasser durch. Müsste ich zwar auch nicht, aber meine kurzen Haare verlegen sich gerne mal und da ist auch nix mit Bürsten oder Haargel zu gewinnen. Ab und zu nehme ich ne Essigrinse, seltener Natron. Ich habe herausgefunden, dass gesundes und schönes Haar nur von der Ernährung und den jahreszeitlichen Umständen und Krankheit abhängt. Im Winter hatte ich doch öfter mal einen Bad Hair Day mit fettigen Ansatz und Schuppen, was sich aber auch durch Natron beheben lies. Und wenn ich mehr Zucker esse, sieht man das auch auch gleich an den Haaren. Unglaublich.
Seit Neuestem verwende ich Rasierseife zum Haarewaschen. Das ist nur so eine Spielerei, weil Herr DingDong und ich in unserer plastikfreien Zeit zufällig bei einer Seifenmanufaktur vorbeigekommen sind und uns gefragt haben, ob es auch Shampooseife gibt. Der Seifenhändler verneinte dies, meinte aber, wir sollten mal Rasierseife probieren, weil die so gut schäumt. Also haben wir aus Neugier ein kleines Stückchen gekauft. Und tatsächlich: Klappt super. Aber auch: Wellness-Charakter.
Und was mir auch aufgefallen ist: Ein Seifenstück hält soooo viel länger als Shampoo oder Duschgel! Ist es nicht toll!? Ich kann es ohne Müll kaufen und es verschwindet einfach nach/während der Benutzung ohne Müll wieder. Großartig!!!
Ich hab es sogar geschafft, meine Arbeitskolleginnen für Seifenstücke zu begeistern.

Zahnpasta?
Nö. Finde ich mittlerweile sogar ziemlich ekelhaft. Ich schmecke das Konservierungs-/Desinfektionsmittel und das Süßungsmittel heraus, was meine Schleimhaut austrocknet, Mikroplastik da drin find ich auch nicht gerade prickelnd und wegen der Fluorid-Geschiche weiß ich auch nicht weiter. Meine Zahnärztin (der ich nicht erzählt habe, dass ich selbstgebasteltes Zahnputzpulver nutze) meinte, ich hätte super Zähne, müsse aber trotzdem mal zur prof. Zahnreinigung kommen, weil ich an einigen Stellen einfach nicht ran komme. Aber das Problem hatte ich auch schon vorher, als ich noch normale Zahnpasta benutzt habe.
Ich putze 1-2 mal wöchentlich mit dem Zahnputzpulver und 3 mal täglich mit Wasser. Manchmal auch mehr. Lustigerweise hätte ich das vorher mit Zahnpasta nie gemacht. Dazu kommt mein neuestes Lieblingsdings: Ein Zungenschaber. Der ist zwar aus Plastik, aber mei, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, ne? Ich liebe dieses Dings. Man glaubt gar nicht, was da alles so los ist, auf der Zunge. Und wenn man das Ding einmal benutzt hat, weiß man erst, wie sich richtige Sauberkeit im Mund anfühlt. Das bekommt man mit keiner Zahnpasta. Gibts auch aus Metall.

Deo?
Jup, immer noch die selbstgemachte Variante. Wobei ich immer zwischen einem Kauf-Deo (Naturkosmetik) und der Natronvariante wechsle, da ich das Problem mit der Hautreizung immer noch nicht im Griff habe.

Make-up?
Hm…hab ich vorher ja auch nicht sooo viel benutzt und seit dem Experiment ist es noch weniger geworden. Ich mag ein bisschen Farbe im Gesicht, aber eigentlich nervt es mich mittlerweile total wenn ich nicht einfach in meinem Gesicht herumreiben kann, wenn mir danach ist LOL
(DAS sind vielleicht Probleme!!! hahahaha! aber ehrlich, wenn man geschminkt ist und sich mal die Augen reibt sieht man aus wie ein trauriger Clown der sich wie ne Schlampe aufführt.)
Ich werde also noch ungefähr 20 Mio. Jahre brauchen, um meinen Gesichtsmalkasten aufzubrauchen. Alles was zwischendrin schlecht wird, kommt sowieso in den Müll. Was aber für besondere Anlässe immer geht: Rouge und Lippenpflege. Ansonsten überlichweise nix.

Und sonst?
Ein absolutes Muss ist Handcreme, die bleibt definitiv, sonst würden meine Hände binnen kürzester Zeit zu Staub zerfallen. Als es mal ganz schlimm wurde, habe ich mal Olivenöl benutzt, das hat super geholfen. Man riecht zwar nach Salat, aber dafür waren die Hände total gepflegt.
Oh und Nagellack bleibt auch. Weil es so schön bunt ist. Und glitzert.

So schön einfach, zumindest in diesem Bereich nichts mehr kaufen zu müssen.

Broschüren zum Thema abfallarm einkaufen

Momentan lese ich ja einen DIN-Ratgeber zum Thema Müllvermeidung. Ganz hinten im Buch unter „weiterführender Literatur“ gab es neben Buchvorschlägen auch ein paar Angaben zu kostenlosen Broschüren. Nach laaaanger Sucherei bin ich endlich fündig geworden!

Abfallvermeidung im Büro – ein 36-Seiten .pdf von der Berliner Stadtreinigung, 2008
Am Schönsten war hierbei die übersichtliche Auflistung gängiger Büroartikel und Alternativprodukte, aber auch die anderen Handlungsempfehlungen sind ziemlich gut.

Abfallarm leben und einkaufen vom Bayerischen Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz aus dem güldenen Jahre 1994 (2004 nochmal überarbeitet)
Die Broschüre gibt es hier zum Download, einfach nach dieser Artikelbezeichnung suchen: stmugv_abfall_00014
Dieses Schmuckstück umfasst 93 Seiten und enthält wunderschöne Bilder von begeisterten Müllvermeidern! Die „Einkaufswagerl“ und der „Ratsch“ mit der Marktfrau haben mir persönlich ein wunderbares Leseerlebnis beschert ;D
Die Broschüre umfasst sämtliche Bereiche von Supermarkteinkauf, Markteinkauf, Sport, Hobby, Kinder und Baby, Jugendliche, Arbeit, bis Leihen – Tauschen- Instandhalten und bringt einen schnell auf gute Ideen!

…vielleicht auch noch interessant ist die Publikation Abfall – Vermeiden, trennen, verwerten oder beseitigen(Artikelbezeichnung lfu_abfall_00193 auf dieser Seite eingeben) Es geht hierbei zwar eher generell um Abfallwirtschaft, aber zwischendurch finden sich immer wieder Tipps und vor allem sehr, sehr viele Quellen.

Noch mehr gute Ideen gibt es in folgender Broschüre: Ideenpool Abfallvermeidung Die Ideen sind in tabellarischer Form aufbereitet und sind eher auf kommunaler Ebene gedacht, aber vielleicht bekommt man hier auch gute Anregungen, die man weitertragen kann.

Die Broschüren waren ganz tief unten auf den Anbieterseiten versteckt und sind leider auch etwas veraltet, aber im Prinzip taugen die Tipps noch immer.

Falls du auch noch irgendwelche Links hast – bitte her damit! :)

no new plastic challenge im April – das Fazit

Nun ja, wie du sicherlich aus den vorherigen Beiträgen ersehen konntest, stand ich der ganzen Aktion mit eher gemischten Gefühlen gegenüber.
Es war gut, es war schlecht. Es fühlte sich gut an, weil teilweise machbar und es fühlte sich schlecht an, weil man gegen Windmühlen kämpft.
Mein Gesamteindruck ist, dass man es unter großer Anstrengung oder mit dem richtigen Umfeld sicherlich hinbekommen könnte.

endstationmeer

So viel Anstrengung möchte ich aber nicht mehr aufbringen, denn das Thema meines Blogs ist ja auch „Einfachheit“ und die hat mir bei dem Thema leider noch viel zu oft ziemlich gefehlt.

Es war trotzdem sehr erkenntnisreich. Zum Beispiel ist uns aufgefallen, dass die meisten Menschen, die im Biosupermarkt einkaufen, sich überhaupt nicht um die Verpackungen, Papiertüten und Plastikbeutelchen kümmern, wohl aber freuen sich die Kassierinnen in großen Warenhäusern, wenn wir Verpackungen und Tüten ablehnen. Die eine Karstadtkassierin hat mich sogar ein bisschen überrascht, als sie erwähnte, wie fürchterlich sie die Bilder von verschmutzten Meeren findet und dass es doch überhaupt kein Problem sei, wenn man auch die bisher kostenlosen Tüten mit 20 Cent besteuern würde. Recht hat sie! Und die war definitiv kein Ökofritz :D
Tja, und auch wenn man aktiv Plastik vermeidet, heißt das ja noch lange nicht, dass man kein Plastik produziert – zum Beispiel beim Arzt (Spritzen, Medikamente etc.)

Unsere Plastikmüllanalyse ergab folgendes:

Insgesamt: 287 g
Davon Take-Away-Müll: 110 g (!!!)
Rest: 177 g (ohne Kabel, weil das ja kein Müll ist)

In diesem Haufen haben wir 9 verschiedene Kunststoffe entdeckt:

aprilmuell

Davon richtig übel:
PVC – Polyvinylchlorid (z.B.Kabel)
PS – Polystyrol (z.B. Take Away Behälter)
PU – Polyurethan (z.B. Geschirrreiniger, die nicht mal was taugen *grr*)

Der Rest ist im Rahmen des Kreislaufs zwar noch irgendwie okay, aber das heißt ja auch nix, wenn es nicht richtig entsorgt wird.
PP – Polypropylen (z.B. Obstschalen, Einwegspritzen)
PE-HD – Polyethylen high density (z.B. Füllmaterial Versand)
PE-LD – Polyethylen low density (z.B. Taschentücherumverpackung und wahrscheinlich auch die Toilettenpapierverpackung)
PE-LLD – Polyethylen linear low density (z.B. Plastiktüten)
CPP – Cast Polypropylen (z.B.Laminierfolie)
+ undefinierbar (z.B.Mülltüten)

Seltsamerweise steht auf den „Blaue Engel“ Produkten keine Angabe des Polymers drauf, weshalb wir beim Recyclinghof erfragen werden, was „aus recyclten Kunststoffen“ genau bedeutet und wie sich das dann als Müll verhält.

Ich freu mich sehr, dass wir kein Polycarbonat-Kunststoff gefunden haben – das bedeutet: kein BPA!!!


Wie sieht nun mein After-Challenge Schlachtplan aus?

1) weiterhin so plastikfrei bzw. müllfrei wie möglich einkaufen und wenn es nicht klappt, weil es irgendwas NUR in Plastik verpackt gibt sich nicht ärgern und es trotzdem kaufen
Nach so einer Challenge gibt es keinen Weg mehr zurück. (Oder?) Jeder kleine Schritt ist ein Schritt in eine (hoffentlich) richtige Richtung. Und: Kleinvieh macht auch Mist. Das haben wir ganz deutlich erfahren, als wir zweieinhalb Wochen gebraucht haben um einen 60 L Müllsack zu füllen. Normalerweise kriegen wir so ein Ding in einer Woche voll! Wir haben in dieser Zeit viele kleine Läden entdeckt, die müllfreies Einkaufen ohne große Umstände einfach so möglich machten. Es war wunderbar einfach. Dose auf die Theke gestellt, Verkäuferin hat den Käse/Salat/Aufstrich/wasauchimmer reingetan. Deckel zu, bezahlt, fertig, glücklich. Das war so einfach, dass wir uns immer gewundert haben :D
Die Analyse unseres Müllhaufens hat gezeigt, dass wir zu oft aus Gründen der Faulheit in die Take-Away-Falle tappen. Wenn es nicht die Faulheit ist, dann ist es dieses „Ich hätte mal wieder Lust auf…“-Getue in Kombination mit „nicht nachdenken“ und sich alles doppelt und dreifach einpacken lassen. (Was wir dann immer erst zu Hause gemerkt haben!!! Ey wir sind solche Roboter…schlimm…) Zukünftig möchte ich da ein bisschen besser darauf achten.

2) mehr über Kunststoffe lernen
Wenn schon Plastik, dann das geringste Übel wählen. Dazu muss man genau Bescheid wissen. Die Müllanalyse hat Herr DingDong durchgeführt und ich habe meistens nur Bahnhof verstanden. Mit Hilfe von Wiki und den Handouts der Endstation Meer – Ausstellung, die wir im März besucht haben, wird mir das gelingen.

3) meine bisherigen plastikfreien Gewohnheiten beibehalten
Das ist für mich selbstverständlich und betrifft z.B. solche Sachen wie Leitungswasser trinken, Stoffbeutel dabeihaben und ohne Shampoo und Zahnpasta leben. Mehr Inspiration gibt es hier.

4) weiterhin Firmen anschreiben und sie auf Verpackungsverbesserungen hinweisen
Ich liebe es anderen Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, warum nicht also die Firmen direkt anschreiben? Das ist nur eine kurze E-Mail – die vielleicht alles ändern könnte!

5) so viel Müll wie möglich im Laden lassen
Wenn die Läden vor Ort merken, dass sie selbst so viel Müll verursachen, denken sie vielleicht um. Das bedeutet, ich packe so gut es geht die Sachen aus oder um und nutze die Recycling-Station vor Ort, weil wir hier im Haus nicht recyclen können. Der nächste Recyclinghof ist weit weg und ich habe auch keine Lust mit meinem Müll per U-Bahn durch die halbe Stadt zu kurven, deshalb versuche ich es mal so.

6) Müll sammeln
Ich werde das ändern, was mich am Traurigsten macht: Ich werde Müll aufsammeln. Ich kann den Anblick nicht mehr ertragen. Die Büsche an meiner Laufstrecke sind voll Bonbonpapierchen, McDoof-Tütchen und Starbucksbechern. Man sieht überall übervolle Mülleimer, Reste von spontanen Grillparties im Park und Mini-Müllhalden an vielbefahrenen Straßen. Anstatt rumzuheulen und die „Macht des Verbrauchers“ zu nutzen, möchte ich mindestens einmal pro Monat Müll aufsammeln gehen. Das erscheint mir bis jetzt am Sinnvollsten und am Wirkungsvollsten gegen dieses Ohnmachtsgefühl zu sein.

fup

Falls du auch ein Plastik-Vermeidungs-Experiment hinter dir hast, was hast du daraus gelernt? Wie ist es jetzt? Hast du noch weitere Tipps? Versuchst du überhaupt drauf zu achten oder kommt dir das alles unsinnig vor?

Alles-anders-April: das Fazit

Was für ein turbulenter Monat!
Mir ist immer noch ganz schwindelig.

Diese Dinge (in kursiv) habe ich gemacht:
1) Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen
2) Abends noch ins Kino gehen
3) Nach der Arbeit noch zum Sport gehen
4) Die Mittagspause woanders verbringen oder zumindest mal woanders sitzen
5) Vollkornbrötchen backen
6) Jeden Tag Gymnastik machen
7) Eine 5 Minuten Collage machen
8) alle Lieblingsfilme angucken
9) ein Brettspiel spielen
10) Jeden Abend einen Spaziergang machen
11) Ein neues Restaurant testen
12) Sich schick machen
13) Im Rock zur Arbeit (OMG!!!) (Röcke SIND umbequem)
14) In der Mittagspause kochen
15) einen Krimi lesen
16) einen historischen Roman lesen
17) Bei Starbucks abhängen und cool tun (das mit dem „cool tun“ hat noch nicht so wirklich geklappt)
18) Woanders sitzen (im Bus, im Aufenthaltsraum etc.)
19) etwas essen, was ich normalerweise nicht mag
20) einen Horrorfilm gucken
21) einen anderen Sportkurs besuchen, den ich normalerweise nie besuchen würde
22) mit dem Kopf am Fußende schlafen
23) mal pünktlich ins Bett gehen und zwar ein paar Tage/Wochen am Stück
24) keine To-Do-Listen schreiben (sehr seltsam, aber auch ziemlich leicht)
25) ohne Tasche zur Arbeit fahren (ich glaube das war das Beste)
26) Tourist in der eigenen Stadt spielen
27) Abends noch ins Schwimmbad gehen
28) Eine Vorlesungsreihe komplett besuchen
29) Abends offline sein
30) morgens keinen Tee trinken
31) etwas nähen
32) Blumen kaufen (Ginster!)
33) Blut spenden
34) dekorieren
35) ein Bild fertig stellen
36) in einen H&M gehen und sich umschauen (*schwitz*)
37) Nägel in einer Farbe lackieren, die ich normalerweise nicht trage (sie waren feuerwehrrot!)
38) ein Kleid anziehen
39) abends noch mit Freunden um die Häuser ziehen
40) Streetartist spielen
41) rückwärts zur Bushaltestelle gehen
42) ohne Uhr aus dem Haus gehen
43) einen fremden Stadtteil erkunden
44) Schmuck tragen
45) etwas Kaltes zum Frühstück essen/trinken (bekommt mir nicht)
46) ein 3-Gänge Menu kochen
47) kalt duschen
48) Fremde ansprechen und Small talken (*inohnmachfall*)
49) etwas kaufen, auch wenn es sinnlos ist (dazu zähle ich jetzt mal den grauen Rollkragenpullover den ich im secondhand laden gefunden habe. Der ist von einer traumhaften Qualität, aber ich hätte ihn nicht gebraucht…)
50) ein Bild fertig stellen, das schon seit 2008 wartet…
51) einen Fantasyroman lesen
52) einen Psychothriller lesen

53) mit dem rechten Bein zuerst in die Jeans gestiegen
54) Pizza in einer anderen größe und mit anderen Zutaten belegt
55) morgens mal wieder Make-up aufgetragen
56) total improvisiert gekocht (und es hat geschmeckt!!)
57) Joghurt aus dem Glas gegessen, unterwegs (ab wann gilt man eigentlich als Stadtteilverrückte?)
58) ich war zum ersten Mal im tiefen Inneren der Fressmeile im Hbf, seltsames Völkchen dort
60) absichtlich eine Behindertentoilette benutzt (hat mich das nervös gemacht!! das war die einzige Toilette, die nicht vollkommen verschmutzt und klopapierlos war)
61) gleiche Frisur, andere Frisörin (hat sie auch gut gemacht!)
62) einen neuen Secondhand-Laden besucht (leider nix gefunden)
63) plastikfrei eingekauft (beim 1.Mal kommt man sich wie Captain Planet vor)
64) andere Musik als sonst gehört
65) absichtlich verloren gehen und bei einer mir völlig fremden S-Bahn Station rauskommen
66) einen VHS-Kurs im Bogenschießen besucht, 5 Stunden lang. (das war toll!)

Insgesamt betrachtet war der Alles-Anders-April eine wunderbare Erfahrung. Ich habe sehr bewusst Entscheidungen getroffen, auch wenn sie ziemlich unbequem waren. Ich habe permanent meine Bequemlichkeitszone verlassen und kam mir plötzlich ziemlich hilflos und unsicher und gleichzeitig auch recht mutig vor. Keine Ahnung woran das liegt, aber man kann sich in seinen Gewohnheiten doch recht wohl und „heimisch“ fühlen. Ha, deshalb sind es wohl Gewohnheiten! :D
Zwischendurch hatte ich sogar mal wirklich „Heimweh“ nach meinem Rhythmus, meiner Routine. Selbst die subtilsten Änderungen machen einen schon nervös, weil man es nicht gewöhnt ist!

Durch diese Anders-Aktionen lernt man sich nicht nur selbst besser kennen, sondern auch sein Umfeld. Eigentlich würde ich mich schon als neugierigen, offenen Menschen beschreiben, aber als ich einige Sachen durchgezogen habe, habe ich bemerkt wie sehr ich doch von Vorurteilen und Meinungen eingeengt werde.
Ich glaube, am Besten hat mir aber das Zwischenmenschliche gefallen. Als ich mich im Aufenthaltsraum zur Besprechung mal woanders als sonst hingesetzt habe, fühlten sich auch meine Kollegen etwas „unbequem“. Einige haben daraufhin im Laufe der Zeit auch mal den Platz gewechselt und stellten fest, dass so ein Sitzplatzwechsel auch eine neue Perspektive bietet.
Was auch noch toll war: seine Mitmenschen um Ratschläge für Anders-Aktionen zu bitten. Ich habe mir Literatur empfehlen lassen und habe die Begeisterung der anderen in den Augen leuchten sehen, wofür ich sonst nur endgültiges Urteil übrig hatte.
Durch die Kommentare und Ratschläge der anderen habe ich mich selbst anders kennenlernen dürfen. Man denkt man macht was anders und dann kommt einer daher und sagt: „Moment mal, so viel anders ist das jetzt nicht, weil…!“

Ein verrückter Monat, der ziemlich anstrengend und wunderschön war. Zukünftig werde es wohl häppchenweise angehen, wenn mir der Alltag wieder zu grau wird. Eine Woche bunt wird dann wohl genügen. Steht ja noch genügend auf der Liste. :)

oh und noch ein #funfact: Ich habe erfahren, dass ich eigentlich eine verkappte Linkshänderin bin!!! Ist das nicht faszinierend?!

Statusupdate II

Vielen lieben Dank für eure zahlreichen Kommentare zu meinem letzten Beitrag!!!!
Darüber habe ich mich seeehr gefreut und es hat gut getan, sich mal seinen Frust von der Seele zu schreiben, obwohl ich im Blog eigentlich nicht jammern möchte.

Am nächsten Tag habe ich zum ersten Mal seit fast 2 Wochen mal wieder eine Drogerie betreten (seltsames Gefühl) und hab die Stadtteilverrückte gegeben, als ich durch Knistern und Drücken der Schokoladenverpackung ein plastikfreies Geräusch entlockt habe. Mit meinem Babygehör habe ich doch tatsächlich eine Schoki erwischt, die in Alu eingewickelt war! Und ja, endlich mal wieder ein Stück Schoki und das Ganze auch noch ohne Plastikmüll – das hat mich natürlich wieder seeeehr motiviert!!

Diese Plastikchallenge ist stellenweise ziemlich frustrierend und das obwohl wir nur die lahme Vorgabe haben, nichts NEUES aus/mit Plastik zu kaufen.
Normalerweise kriegen wir zu zweit pro Woche ungefähr einen 60 L Müllbeutel voll. Nun dümpeln wir mit dem gleichen Müllbeutel schon seit Monatsanfang herum. In diesen Beutel kommen alle Vor-Challenge-Plastikverpackungen, weil wir diese Sachen aufgrund unserer Vorratshaltung schon vor dem 1. April hatten. Ich war von dem Thema ein bisschen überfordert und wusste nich wo anfangen, wo die Grenze ziehen – deshalb trennen wir das so.

Das ist unser bisherige Challenge-Müllhaufen, wobei der nicht ganz vollständig ist…

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nicht abgebildet: 2 Plastikbecher, in dem mein Mittags-Nudelsalat war; 3 Verpackungen von Washi-Tape *räusper* die ich ohne nachzudenken in der Arbeit entsorgt habe, eine leere Gummibärchentüte, die ich ohne Nachzudenken gekauft habe; + dazu muss nochmal so ne Take-Away Schale, die auch noch in den grünen Tüten eingewickelt waren. Da hat die Faulheit wieder mal gesiegt. Und wir haben uns geärgert.

Mal sehen, was morgen aus unserem Wochenendeinkauf wird.

Ins plastiklose Motivationsloch gefallen

Im Alles-Anders-April habe ich mir mal die Freiheit genommen, am Montag nix zu bloggen – ohne Ankündigung. Wow, das hat sich echt unfassbar falsch angefühlt. Durch diese „anders“-Aktionen komme ich mir mittlerweile total verloren vor, weil ich mich doch seehr in meinen Gewohnheiten zu Hause fühle und ich es kaum erwarten kann, wieder das zu tun was ich immer mache. (Nur, wird es dieses „Immer“ nach diesem Monat noch geben?)

Als ich am Samstag ein Frucht-Frust-Eis nach dem Sport geschleckt habe, das in Folie eingewickelt war und ich heute aus einer seltsamen Gefühlsneigung, die zwischen Rebellion und Untreue angesiedelt ist, einen Nudelsalat im Plastikbecher gekauft habe, ist mir klar geworden, dass meine „no-new-plastic“-Challenge gerade richtig hinkt. Es gibt zwar viel Positives, aber auch sehr viel Negatives, weil der freiwillige Verzicht zu oft zu einem Gefühl des Mangels wird.

Positiv: Ich esse so gut wie keine Süßigkeiten mehr
Negativ: laaaaangweilig – und manchmal hat man einfach Süßhunger, den man nicht mit einem Stück Obst wegkriegt!
(Wobei Inkas veganer Blitzbrownie aus dem Becher dann doch ganz gut geholfen hat!)

Positiv: Ich gebe sehr viel weniger Geld für Essen unterwegs (z.B. Mittagspause) aus
Negativ: Ich esse immer das Gleiche, was mir mittlerweile auch langweilig wird.
Salat im Glas? Fehlanzeige! Muss mich wohl mehr anstrengen.

Positiv: Ich nehme mein Einkaufsverhalten seeehr genau wahr und treffe ziemlich bewusste Entscheidungen.
Negativ: Es ist anstrengend, weil unbequem.

Und überhaupt: Ich finde Plastik blöd. Es verschmutzt unsere Umwelt und ist giftig. Und trotzdem mag ich Plastik. Es ist bunt und leicht und praktisch und ohne Plastik könnte ich nicht mal mehr meinem Hobby nachgehen. (Acrylfarben, Klebstoff – alles Kunststoffe!!!) Uff.

Ach ich weiß auch nicht. Es ist ein Jammern auf ziemlich hohem Niveau und das kommt nur daher, weil es gerade so unbequem ist. Aber was sich für mich jetzt schon herauskristallisiert, dass ein plastikfreies Leben nicht das Gelbe vom Ei ist. (Zumindest, solange wir noch nicht in Bulk-Shops einkaufen). Als normaler Arbeitnehmer hat man kaum eine Chance unter der Woche plastikfrei einzukaufen, weil die kleinen Spezialläden – wo man das problemlos mit mitgebrachten Behältnissen tun könnte – schon längst geschlossen haben. In dem Stadtteil wo ich arbeite, gibt es zwar mittwochs einen Ökomarkt, aber ein Einkauf dort ist bisher daran gescheitert, dass ich Kühlware nicht kühlen konnte, weil unser Kühlschrank im Büro kaputt ist. Und den Rucksack voll mit Gläsern und Boxen und Netzen usw. herumzutragen finde ich jetzt auch nicht sooo toll, weil das Zeug doch ganz schön was wiegt.
Und dann sitzt man dann eben ohne Käse da und isst seit 5 Tagen den gleichen Veggie-Aufstrich ausm Glas oder greift – wie Herr DingDong zu Butterbroten und Kräutern.

Organisation ist eben doch alles. Zumindest in diesem Fall. :) Mal sehen, was aus dem Rest des Monats wird.

Statusupdate

Okay, mir ist kein besserer Titel eingefallen. Denn momentan schüttelt es mich ganz schön durch. Nein, ich erlebe keine Krisen, oder naja, vielleicht doch kleine Mini-Erdbeben, die gerade meine Gewohnheiten durcheinander schütteln.
Einige haben das ja hier im Blog und/oder auf Twitter mitbekommen, was ich gerade veranstalte:
Einen „ALLES-ANDERS“-Monat, damit ich meinen Alltag ein bisschen bunter mache. Gleichzeitig hat aber Herr DingDong (!!!) spontan (!!!) über Nacht beschlossen, dass wir im April ein Experiment zum Thema „Ohne Plastik auskommen“ starten.

Zuerst war ich (!!!) dagegen, weil ich dachte, es wird mir zuviel, aber dann dachte ich: „Oh moment, das ist doch auch ANDERS als sonst, das passt ja!“

Und so ist es jetzt.

Während ich jeden Tag darüber nachdenke, was ich wie anders machen kann – z.B. abends bloggen :D
versuche ich parallel dazu auf neues Plastik zu verzichten. Bisher gelingt uns das gut, unser erster Plastikfreier Einkauf war erfolgreich. Leider habe ich dann gleich am Montag aus reiner Gewohnheit eine Packung Fruchtsaftbärchen gekauft. Hm.

plaein

Wie ich das Ganze blogtechnisch verwurste, weiß ich noch nicht. Es gibt ja jetzt schon so viel darüber zu erzählen, ich hoffe ich komme einigermaßen hinterher…

Immerhin habe ich es schon geschafft meine bisherigen Plastik/Müllvermeidungsstrategien einzuordnen. Ihr findet alles, was ich bisher dazu geschrieben habe hier.

Aber was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin nicht allein und das Apfelmädchen und der traurige Fisch machen das viel ausführlicher und besser als ich das jemals könnte! Guckt mal vorbei! Und lest auch fleißig die Kommentare durch, da gibts gute Tipps!

Und sonst noch? Momentan läuft gerade auf 3sat die Themenwoche „Hauptsache Konsum?“ mit vielen interessanten Beiträgen.

So…soweit dazu. Ich fühl mich wie der fliegende Robert und schwebe jetzt davon!