Minimalismus als Lebensstil der Zukunft?

Neulich wurde ich gefragt, warum ich Minimalismus für DEN zukunftsfähigen Lebensstil erachte und ich solle doch mal Beweise anbringen.
Beweise habe ich natürlich nicht, ich bin ja kein Zeitreisender. Ich kann nur Detektiv spielen und ein paar Indizien sammeln, die diesen Gedanken ein bisschen ausstaffieren. Das ist alles selbst noch nicht fertig gedacht (ist es bei mir nie :D), aber ich wollts mal aufschreiben und natürlich gerne eure Gedanken dazu lesen.

Also checken wir mal kurz, was Minimalismus eigentlich ausmacht:
– weniger Besitz, mehr Zugang
– weniger Dinge, mehr Erfahrung
– weniger Quantität, mehr Qualität; zeitlich, materiell und sozial
– die Idee, dass man sich für die wichtigen Dinge im Leben entscheidet und alles andere, was nicht dazu passt, reduziert

Ja, ich halte Minimalismus für DEN Lebensstil der Zukunft. (Alles andere erscheint mir gerade irgendwie…sentimental?? naja frag mich morgen nochmal, dann seh ich das bestimmt anders)

Warum?

1. Alles ist/wird alles digital.
Das betrachte ich durch die Wirtschaftsbrille. Warum in Zeiten von Ressourcenknappheit Dinge herstellen, die potentiell keiner kaufen wird (weil er es vielleicht nicht kann?) – also auf Nachfrage/on demand. Zum Bespiel Ersatzteile oder Kleidung aus dem 3D Drucker. Ich kaufe nur noch, wenn ich etwas benötige und dann wird es nach meinen Wünschen hergestellt.
Wem das zu abstrakt ist, kann sich mal fragen: Wann hast du zum letzten Mal eine CD/Buch/DVD gekauft?
Ich nutze hauptsächlich die Bücherei und den Rest streame ich oder kaufe ich als Datei. Das einzige was ich noch kaufe sind Comics. Da macht es mir tatsächlich mehr Spaß, sie in der Hand zu haben als online zu lesen. Ich brauche keine Dinge, um meine Identität klarer herausstellen. Das muss für mich auch ohne gehen. Und wen kümmern Dinge, wenn ich ständig online bin? Es zählt nur das was ich auf den sozialen Medien schreibe, zeige und teile.

2. Alles ist/wird smart
Natürlich gibts da auch ein paar Megafails, aber in keinem anderen Bereich ist die Zukunft greifbarer als beim Smart Home. Die Technik wird erschwinglicher, weil die Entwicklung voran geht. Ich brauche keine fünf verschiedenen Geräte sondern nur noch eines oder gar keines, weil alles auf Wände projeziert wird.

3. Robotik/Automatisierung
Alles, was automatisiert werden kann, wird auch automatisiert. Klingt vielleicht gruselig, ist aber in einem kapitalistischen System logisch. Roboter sind effizent und werden nie krank, arbeiten schneller als ein Mensch es je könnte. Roboter erleichtern uns den Alltag, in dem sie Rasen mähen oder staubsaugen oder kranken Menschen dabei helfen, selbstständig zu werden oder zu bleiben. Ich werde also weniger Arbeiten (müssen)

4. Urbanisierung + Mobilität
Die Menschen drängen in die Städte, doch Wohnraum ist knapp. Und freie Flächen muss man sich erlauben und vielleicht auch erkämpfen können. Mehr Menschen = weniger Wohnraum/Fläche? Wie viel Autos können wir uns in den Städten und Gemeinden erlauben? Wo sind Treffpunkte für Begegnung (und wie soll diese Begegnung aussehen?) Diese Fragen werden uns in Zukunft stärker beschäftigen und da ist weniger Zeug sehr hilfreich.

5. Klimakrise und Ressourcenverbrauch
Okay, das ist bitter. Aber sollte man bei dieser Aufzählung nicht außer Acht lassen. Wenn ich in einem Hochwasser-Gebiet (optional: insert x-beliebiges Land und wahrscheinlichste Naturkatastrophe here) leben würde und jedes Jahr aufgrund der Klimakrise absaufen würde, würde ich rein aus Bequemlichkeit weniger Zeug anhäufen, damit es mir hinterher nicht so schlecht geht, wenn ich meine liebsten Sachen verliere und ich schneller fliehen kann. Hierzulande ist das vielleicht jetzt übertrieben und das erscheint dir vielleicht zynisch, aber ich denke da gerade nur praktisch. Ich frage mich, wie es den Menschen im Hyperkonsumland USA während einer Hurricane Saison geht. Bis alles wieder einigermaßen aufgeräumt ist, kommt schon der nächste Sturm. Was bringt einem ein Haufen Zeug, wenn man jedes Jahr vor den Trümmern steht?

Irgendwie steht in meiner Gedankenblase noch das Wort „Globalisierung“. Könnte man eher als Oberbegriff sehen, der alles ummantelt. Die Länder der Welt sind miteinander durch Handel und Kaptialflüsse verbunden. Sie werden auch weiterhin zusammen wachsen zusammen und sind wechselseitig immer stärker voneinander abhängig. Katastrophen jeglicher Art sind nicht auf Kontinente oder Ländergrenzen beschränkt. Und vielleicht sind wir sogar früher oder später dazu gezwungen aufgrund von Klima oder Krieg zu flüchten und ein nomadisches Leben mit kleinem Gepäck zu führen?

Das sind wie gesagt nur Gedanken, die natürlich auch problematisch sind, aber auch Chancen bieten, wenn man es klug anstellt. Ich halte es daher für extrem wichtig, sich jetzt darüber Gedanken zu machen und darüber zu diskutieren. Das gelingt mir besser, wenn man sein Leben von überflüssigen Plunder befreit hat. Und natürlich ist bei all dem eine individuelle Balance wichtig, aber die gesellschaftliche Komponente darf man auch nicht aus den Augen verlieren.

Weiterlesen:
Emi von Downgrade Deluxe zählt Gründe auf, warum Minimalismus und Nachhaltigkeit zusammen gehören
Minimizing out impact on the environment
Minimalism trend: Will it save the planet?
5 ways to live minimally and save the environment


Also, wie siehst du das? Ist Minimalismus zukunftsfähig oder doch nur ein Trend der gerade von Hygge abgelöst wird? Welchen der Punkte würdest du so unterschreiben, wo siehst du es anders? Was fehlt in der Aufzählung? Warum interessierst du dich für eine minimalistische Lebensweise und ist das bei dir (noch?) aus individuellen Gründen geprägt oder gesellschaftlich-politisch?

Eine schrottige Zukunft

Ab und zu bleibt man nach ein bisschen Internetkonsum mit gemischten Gefühlen zurück. Keine Ahnung ob man lachen oder weinen soll.

Hier zwei Beispiele, die mich neulich völlig fertig machten:

1) Der Smart Juicer „Juicero“

Ja genau. Dieser 700$ teure Saftpresser kann nichts anderes als GEPRESSTEN SAFT IN TÜTEN AUSZUQUETSCHEN. Das muss man sich mal reinziehen. Wenn der QR-Code auf der Packung abgelaufen ist, ist es nicht mehr möglich, den Saft zu pressen. (Übrigens kann man auch keinen Saft pressen, wenn das Internet nicht läuft.) Aber es war ja noch Saft, deshalb haben die Leute die Packung aufgeschnitten und den Saft ins Glas geschüttet. Ich habe absolut keinen Schimmer wie das passieren konnte. Also alles. Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu erfinden und dafür auch noch Ressourcen zu vergeuden? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu finanzieren? Wie kommt man auf die Idee, sowas Sinnloses zu kaufen? Das Start-up ist mittlerweile zu meiner völligen Überraschung pleite.

2) Der smarte Salzstreuer SMALT

Naaaa? Zückst du schon die Kreditkarte? Ein salzstreuender Lautsprecher, der Musik spielen kann, den eigenen Salzkonsum überwacht, ein bisschen Stimmungslicht erzeugt und so für eine unique Dinner-Experience sorgen soll. Das Salz streuen funktioniert über eine App, also braucht man auch Internet dafür, sonst kriegt man kein Salz. Wow.

Es gibt noch mehr Beispiele für eine sinnlos-idotische Zukunft der Dinge. Die Dislikes unter den Videos zeigen immerhin noch eine Portion gesunden Menschenverstand an und darauf kann ich bauen.

Aber bleibt das so? Gerade in dieser Kickstarter-Crowdfunding-Start-up Welt, wo alles „smart“ sein soll, wirds meistens ziemlich dumm. Nachhaltig, cool und gesund soll alles sein – und dann nimmt man Sinnlosigkeit in Kauf??

Oh und wie oft wird man als am Minimalismus interessierte Person angesprochen, dass das „extreme“ Beschäftigen mit den Dingen im Umfeld ungesund sei? (Nach 7 Jahren Bloggen könnte ich eigentlich auch mal in Minimalismus-Bullshit-Bingo basteln) Aber Minimalismus ist eben mehr als Entrümpeln und Ordnung halten. Es ist immer eine bewusste Entscheidung für oder gegen Dinge und kann helfen, solchen Schrott zu vermeiden, der eh vermutlich nach 5 Jahren kaputt geht.
Mit einer minimalistischen Lebensweise trainiert man die Fähigkeit, entscheiden zu können, ob und wann ein Ding sinnvoll zu gebrauchen ist.
Oft wird Minimalismus auch mit dem Simple Living der 80er und 90er gleich gesetzt und den Menschen, die diesen Lebensstil praktizieren entsprechend eine Technologie-Verweigerung angedichtet. Aber das ist nicht so. Minimalismus heute konnte sich deshalb so gut entwickeln gerade WEIL alles digital vorhanden und jederzeit verfügbar ist. Man kann sich leichter von CDs und DVDs trennen, wenn man nen Streaming-Dienst hat. Es geht um Maß halten, aber nicht um Technologie-Feindlichkeit.

Oder wie siehst du das?

6 Tipps zum Secondhand Shopping – wie der Stoffwechsel auch Minimalisten Spaß macht

Okay – es folgt eine Tatsache und eine Beichte.
Die Tatsache: Ich hasse Shopping als Freizeitbeschäftigung. Den Sinn davon habe ich noch nie verstanden.
Die Beichte: Shoppen in Secondhandläden macht mir dagegen richtig viel Spaß. Das war nicht immer so. Und genau deshalb möchte ich davon berichten.

Lange Zeit habe ich überlegt, wie Secondhand Shopping als Minimalst vereinbar ist. Man kann nämlich beim Secondhand Shopping nich losgehen und genau das Teil finden, was man benötigt, sondern muss sich immer überraschen lassen. Dafür braucht man Geduld und Nervenstärke. Doch die Idee, möglichst nachhaltig und günstig seinen Kleiderschrank zu „füllen“ ohne Fairtrade Mode kaufen zu müssen, fand ich ziemlich gut. Also habe mich darauf eingelassen und werde seit dem ich es geschnallt habe regelmäßig belohnt.

Vielleicht findest du es eklig gebrauchte Kleidung zu kaufen. Falls das der Fall sein sollte, überleg mal, was das geringste Übel für dich ist: Vielleicht fängst du erstmal mit Accessoires an, wie Gürtel oder Taschen. Guck dich einfach mal um, was der Secondhandladen in deiner Nähe anbietet.
Unterwäsche, Socken, Bademode und Nachtwäsche kaufe ich auch nur neu und das finde ich völlig in Ordnung. Hosen auch, aber das lag bisher daran, dass ich noch keine im Secondhandladen gefunden habe.
Oder veranstalte mal mit deinen Freundinnen und Freunden eine Kleidertauschparty. Von einer Freundin würdest du doch einen Pullover anziehen, oder? Warum nicht auch von einem Unbekannten, aus dem Secondhandladen?

Hier nun das Destillat aus meiner bisherigen Secondhand-Shopping-Erfahrung:

1. Wissen, was einem steht und wie man sich kleiden will
Seit ich mein Stilmotto (Galaxy Warrior) gefunden habe und durch die Typberatung weiß, welche Farben mir stehen, gucke ich ganz anders in den Läden. Das gilt natürlich auch für Secondhand. Dort ist es sogar noch besser, weil die Kleidung meistens nach Kategorie und innerhalb der Kategorie nach Farben sortiert ist. Ich kann also wunderbar alles, was mir nicht steht ausblenden. Wer keine Ahnung von seinem Stilmotto hat, guckt mal bei into-mind.com oder theorganizedcardigan rein. Das Prinzip zur Stilfindung lässt sich übrigens auch als Mann anwenden.

2. Qualität erkennen (lernen)
Gute Qualität erkennen lernt man am Besten, wenn die Klamotten schon ein paar Mal getragen und gewaschen wurden und immer noch gut aussehen. Sind Fusseln zu sehen („Pilling“)? Zieht das Teil Fäden? Wie sehen die Säume aus? Gibt es Löcher oder Verfärbungen? (z.B. Deoränder) Kratzt der Stoff/das Material?. Ist das Teil noch in Form oder hat es sich schon verzogen? Welche Marken sind langlebig, welche nicht? Was steht auf der Waschanleitung? Bedruckte Kleidungsstücke oder besondere Stoffe bedürfen eventuell der Handwäsche. Bist du bereit, das Teil so zu pflegen? wenn nicht, lass es liegen.
Ich notiere mir auch ein paar Markennamen, wenn mir das Teil nicht gepasst hat, aber die Qualität top war. Man weiß ja nie.

3. Stöbern macht Spaß
Wenn ein Laden auf deiner Strecke liegt, guck regelmäßig rein. Secondhand Shopping funktioniert nicht auf Knopfdruck. Das braucht Zeit, es ist #slow – man braucht auch Geduld um tolle Sachen zu finden.
Ich mache jährlich eine Inventur von all meinen Klamotten und weiß daher, dass ich mal ein paar Shirts brauche. Manchmal sind es Hosen, ein anderes Mal wäre eine neue Bluse oder ein dicker Pullover nicht verkehrt, je nachdem, was ich aussortiert habe und glaube zu brauchen. Mit diesem groben Ziel geh ich los und klapper regelmäßig meine Lieblingsshops ab. Im Laden vor Ort steuer ich den Kleiderständer mit den Blusen an und sehe mir jedes Teil der gewählten Farbe an. Zwischen den Bügeln verbergen sich Schätze.

4. Sprich mit den Verkäufern
Die Verkäufer in den Läden kennen sich gut aus. Frag nach, wann und wie oft sie beliefert werden und plane deine Shopping-Ausflüge entsprechend. Gerade wenn du was Spezielles suchst, können dir die Verkäufer weiterhelfen.

5. Zieh dich bequem und funktional an
Wenn du tatsächlich einen Secondhand-Shopping-Samstag planst, denk an funktionale und bequeme Kleidung, da du vermutlich viel anprobieren wirst. Wenn du Schuhe hast und noch ein Kleid für einen besonderen Anlass brauchst, zieh die Schuhe an oder nimm sie mit. Wenn du weißt, dass der Secondhandladen eher ne dürftige Umkleidekabine hat, zieh ne Leggins und ein Tanktop drunter. Anprobieren vor Ort ist wichtig, weil man 1. die gebraucht erstandenen Sachen meistens nicht mehr umtauschen kann und 2. sich alle paar Jahre mal die Kleidergrößen ändern und bei Vintagemode komplett anders sind.

6. Spickzettel basteln
Gut, das ist ein Tipp, der für normales Shopping auch gilt. In meinem Filofax habe ich eine extra Kategorie für Stil und Klamotten, denn gute Vorbereitung erspart mir Stress und Zeit. Da drin befindet sich nicht nur meine Farbpalette, sondern auch diverse Maße, z.B. Handschuhgröße, perfekte Kleider- bzw. Rocklänge, Stylingideen, Kleider- und Schuhgrößen USA, Europa und GB. Den Rest habe ich als geheimes Pinboard in der Pinterest-App immer im Smartphone dabei.

In Hamburg gehe ich übrigens gerne in diese Läden:

  • Oxfam Shops (kleine Auswahl, dafür sehr günstig)
  • Stilbruch (neben Gebrauchtmöbeln gibts in der Ruhrstraße auch Klamotten)
  • Vintage & Rags (ausgefallene Vintage-Mode und Accessoires. Wer Vintage Sportswear oder Amerikanische Shirts sucht, wird hier fündig)
  • Humana Second Hand in Harburg (große Auswahl, teilweise qualitativ
  • Second Live in Harburg, ein paar Häuser nach dem Humana Secondhand Landen (große Auswahl, auch für Männer. Toll für dicke Jacken und Mäntel sowie große Größen)
  • Pick ’n Weight am Pferdemarkt (vintage, leider ziemlich kleiner Laden, aber wer Geduld hat findet Schätze)

weitere Läden in Hamburg findet man in dieser Broschüre von Greenpeace Hamburg.

Kaufst du deine Kleidung Secondhand? Was hast du gelernt? Welche Tipps und Tricks magst du teilen?

Reden wir über die Zukunft: Minimalismus und Arbeit

Krass, oder? Ich blogge schon fast 7 Jahre unter anderem über das Thema Minimalimus und noch nie ist das Thema Arbeiten so richtig vorgekommen. Lag vermutlich daran, dass alles von dieser Digital-Nomad Perspektive überschattet wurde und ich nie dazu kam, mal zum Thema 9-5 Vollzeitjob und Minimalismus Stellung zu nehmen. Ist das überhaupt vereinbar? Oder unsinnig? Ich weiß noch nicht.

Wenn ich mit offenen Augen durch die Welt hopse, sehe ich ziemlich viele Jobs verschwinden oder sich verändern. Die Sparkasse im Viertel verkauft jetzt auch gebrauchte Bücher zu 3 Euro das Stück, weil sie einen „Lounge Charakter“ etabilieren will, damit die Kunden sich wohlfühlen, wenn auf das Online-Banking verzichtet wird. Der Typ am Schalter zählt keine Geldrollen mehr, sondern entleert einen Sack Kleingeld in eine Zählmaschine.
Die Jobs verändern sich. Das Management redet von Kundenservice und Effizenz und hat gleichzeitig ein neonrotes Alarmschild blinken auf dem „Digitalisierung“ steht. Der Servicemitarbeiter in der Filiale guckt den Kunden über die Schulter, wie die sich mit nem neuen Interface abstümpern. Bei Oma Frieda macht man die Arbeit dann doch noch selbst, weil sie das nicht mehr hinbekommt.

Also frag ich mich: Wie verändern sich die Jobs? Und wie pass ich da rein, mit meinem Vollzeitjob und mit einem Wunsch nach „weniger?“

Die aktuelle Umbruchsituation ist unsinnig: Man dient einer Maschine, obwohl man selber schneller die Arbeit erledigen könnte. Oder man lagert die Arbeiten gleich an die Kunden aus, um Personal einzusparen.
Das wird nicht ewig so sein, irgendwann ist die Technologie soweit fortgeschritten, dass der Mitarbeiter komplett überflüssig ist. Vielleicht steht da noch ein Aufpasser in der Ecke, aber sonst?
Wie kann man als Vollzeitmitarbeiter diesen Unsinn wieder in Sinn verwandeln? Wie kann der Entwertung der eigenen Arbeit begegnet werden?

Die digitalen Nomaden sind dann schon weiter, aber ich mag meinen Job im Großunternehmen. Meine Kollegen mag ich auch. Ich find die Kunden meistens auch ziemlich dufte. Es gefällt mir, morgens aufzustehen, an einen Ort zu fahren und Expertin in meinem mir selbst ausgesuchten Job zu sein.
Aber es ist Unsinn, so viel zu arbeiten, wenn man es nicht muss. Denn wenn ich meine Arbeitszeit reduziere, bekommt jemand anderes vielleicht die restlichen Stunden, weil er/sie mehr arbeiten will. Und wenn die Stelleanteile gestrichen werden, weil man einen neuen Automaten aufstellt – okay. Das ist die Zukunft.

Was kann ich tun, um meinen Job, meine Arbeit wertvoller zu gestalten bzw. ein bisschen zukunftsfitter zu machen?

1. Die wöchentliche Stundenanzahl reduzieren und mit einem weniger an Gehalt und einem mehr an Zeit auskommen (und überlegen, wie du damit umgeht) #minimalismus
Die Personalabteilung rechnet dir aus, wie viel du bei deiner gewählten Stundenanzahl verdienen würdest. Eigentlich wollte ich dieses Jahr schon auf 35 Stunden reduzieren, aber das hat wegen einer Fortbildung nicht geklappt. Vielleicht klappts ja 2018. Auch wichtig zu wissen: Man kann das erst mal ausprobieren. Nach einem Jahr oder so wird man gefragt, ob man die Stellenanteile kündigen will.

2. Den eigenen Job neu erfinden und evtl. den Schwerpunkt verlagern

Und sich gleich mal einen neue Jobbezeichnung dazu ausdenken. Sie regelmäßig anwenden.
Ich habe mir das auch schön auf eine Visitenkarte drucken lassen und sie steht auch unter meinem Namen in der E-Mail-Signatur :D

3. Sich umsehen, was es sonst noch für Jobs gibt
(…und sich evtl. mal bewerben. Einfach so. Marktwert checken und so.) Hab regelmäßig neue Jobangebote in ner Liste, das ist ganz interessant, was sich so tut. Hilft auch bei der Wahl von Jobbezeichnungen ;) Und manchmal bin ich dann doch ganz schön froh, dass ich nen tollen Job habe, auch wenn manchmal was daran verbessert werden könnte.

4. Bildungsurlaub machen. Is gut für eine andere Perspektive oder um etwas Neues zu lernen
Steht jedem Mitarbeiter zu. Informier dich bei deiner Gewerkschaft oder bei Vereinen, die sich mit politischer Grundbildung auseinandersetzen. Auch sind einige VHS-Kurse als Bildungsurlaub anerkannt.

5. Sabbatjahr einlegen oder 1 Monat Sonderurlaub beantragen
So ein Sabbatjahr ist nicht ohne. Das bedarf guter Planung. Frag mal rum, vielleicht kennst du jemanden, der das schon mal gemacht hat oder lies auf Blogs nach, was zu beachten ist.

6. Sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit auseinandersetzen
Wenn man im Job nicht glücklich ist, kann man kündigen. Klar. Und dann? Wie sehen die aktuellen Regelungen zum Bezug von Arbeitslosigkeit aus? Wie bleibt man in einer guten Stimmung, wenn man schon länger keinen Job (und keine Ideen) hat. Darüber kann man regelmäßig nachdenken und sich informieren, denn das gibt ein bisschen Sicherheit.

7. Mit anderen das Grundeinkommen diskutieren
z.B. beim Minimalismus-Stammtisch, bei einem Meetup oder einfach so mit Freunden und Familienmitgliedern. Was würdest du machen, wenn du monatlich garantierte 800 oder 1000 Euro bekommen würdest? Wie würde dein Leben aussehen? Wofür würdest du das Geld verwenden? Würdest du trotzdem weiter arbeiten? Spiel mal mit den Gedanken rum.

8. Karriereleiter überdenken
Macht es Sinn, im Unternehmens eine Stufe höher zu steigen? Ist das überhaupt möglich oder sind die Hierarchien eh schon so flach? Was bringt mir das neue Aufgabenfeld, die Verantwortung? Kann und will ich das überhaupt?
Ich habe heute beschlossen, meine Aufgabe als Führungskraft aufzugeben. Mal sehen ob es mir gelingen wird, aber sie macht mir einfach keinen Spaß mehr.

9. Andere Arbeitszeitmodelle ausprobieren
Wenn es nicht klappt, deinen Stundenanzahl zu reduzieren, gibt es vielleicht ja noch andere Möglichkeiten. Geht dein Job in Teilzeit? Oder sogar von Zuhause aus? In einer anderen Schicht?

10. Das papierlose Büro oder: den Arbeitsplatz funktionaler und organisierter gestalten
Regelmäßig die Ablagekörbe ausmisten und Post-it-Notizen entfernen ist ne prima Beschäftigung für den Freitagnachmittag oder wenn einem nach einem Meeting das Gehirn ausläuft. Seit ich One-Note für mich entdeckt habe und ich meine To Do Liste und Kalender zumindest im Büro digital führe, hat sich mein Schreibtisch sehr verändert. Dadurch bin ich auch konzentrierter geworden. Also: Wie funktional ist dein Schreibtisch?

Lange Rede, kurzer Sinn: In dieser Umbruchphase kann man sich selbst ziemlich schnell ne Nische bauen und seinen Job weiter ausdifferenzieren. Das find ich sehr spannend. Und auch wenn sich der Job gerade ändert und es nervig ist: Cool bleiben und Mitdenken. Vielleicht hast du eine Idee, um es besser zu machen.


Wie siehst du das? Wie kann man sich seine Aufgaben und Arbeitsgebiete so wählen, dass man sich unentbehrlich macht? Sollte man das überhaupt sein? Ist dein Job gefährdet oder wandelt er sich auch gerade?
Was fehlt in der Liste?

Übrigens:
Wer mal eine konkrete Liste über die Jobs der Zukunft sehen will, sei auf diese umfassende Liste verwiesen. Das ist echt abgefahren. Und kratzt laut Autor Thomas Fry erst an der Oberfläche.

Reden wir über die Zukunft: 10 Ideen, die dich fit für die Zukunft machen

Wie bereitet man sich auf die Zukunft vor? Wie wird man fit für die Zukunft?
Welche Fähigkeiten braucht man, um mit der Zukunft klar zu kommen?
Über diese Fragen denke ich schon länger nach, weil ich gerne über die Zukunft nachdenke.
Hier mal eine lose Sammlung von 10 Fähigkeiten, die für die Zukunft vermutlich ganz nützlich sind. Die Liste ist nicht vollständig zu betrachten und ist eher ein Destillat aus sämtlichen Sci-Fi Romanen, Filmen und Comics, die ich bisher gelesen und gesehen habe. (Das kommt so konkret natürlich nicht unbedingt in den Romanen oder Filmen vor, aber der Vibe der Geschichten inspiriert trotzdem)

1. Systemisch Denken
Wenn man im Hyperloop mit 1000 km/h von A nach B dahinrast und man sich die neuesten Schuhe aus dem 3D Drucker zuhause ausdruckt, gibt es keine Distanzen mehr. Alles hängt zusammen. Auch jetzt schon, positiv wie negativ. Also wäre es doch sinnvoll, sich sofort als Weltbürger zu betrachten und global zu denken. Verantwortungsvoll handeln und zu überlegen, wie einzelne Prozesse in der Gesellschaft miteinander verbunden sind, gehören da auch dazu.
Machen: Sich intensiver mit etwas beschäftigen, neues lernen und mit anderen Menschen diskutieren, z.B. mit einem MOOC

2. Definiere: „Arbeit“
Gerade Lebensläufe sind schon längst passé. Schule, Studium, Job, das gilt nicht mehr. Falls du zu denjenigen gehörst, die noch einen geraden Lebenslauf haben: Glückwunsch. Interessiert aber auch niemanden :D
Du hast keine Ahnung, was du studieren sollst? Mach das, was dich interessiert und das in kreativer Weise. Effizienz ist was für Roboter, die Menschen sind fürs Kreative und fürs Spielerische zuständig. Ich glaube, dass man Experte werden muss für eine Nische, die man sich selbst aussucht. Interesse und Motivation stehen dabei ganz oben. Die Frage nach dem Gehalt ist zwar (noch?) wichtig, aber aus meiner Sicht kein Grund, sich für Ausbildung XY zu entscheiden. Wenn du deinen Job beschreiben kannst, wird er verschwinden und automatisiert. Also mach lieber gleich etwas, was dir Spaß bringt und diskutier mit anderen über das Grundeinkommen.
Machen: Was bedeutet Arbeit für dich? Holst du dir darüber deine Wertschätzung ab oder gibt es noch andere Wege? Wie viele wöchentliche Arbeitszeit ist gut für dich? Willst du mehr oder weniger? Macht dir deine Arbeit Spaß? Was passiert, wenn du statt „Arbeit“ das Wort „Aufgabe“ benutzt? Und: Lebenslang gelernt wird sowieso.

3. Erwarte das Unerwartete und behalte die Weitsicht
Keiner weiß was kommt. Aber es kommt rasend schnell. Und ja, viele reden von Fokussieren, aber ich glaube, das man auch das Gegenteil können muss: Weitsichtig und visionär denken, dabei aufmerksam und auch mal geduldig sein.
Machen: Kennst du Werkzeuge oder Arbeitsmethoden, die dich in visionärem Denken unterstützen? Wie stehts um deine Spontanität oder um dein Stressmanagement, wenn etwas passiert, was so nicht eingeplant war?

4. Lernen lernen und: Wissen wo es steht
Leider ist es ja noch nicht so, dass wir uns nen Chip einsetzen und das Wissen abspielen und einspeichern können. Aber das Lernen von Fakten wird uns auch nichts mehr bringen. (Machen wir eh nich mehr, wenn wir aus der Schule sind, oder? Steht ja alles in diesem Internet) Blended Learning oder Integriertes Lernen ist sinnvoll, aber bringt nur bedingt was, wenn du nicht weißt, wie du lernst und am Ball bleiben kannst. Weißt du welcher Lerntyp du bist? Wie stehts um deine Informations- und Medienkompetenz? Weiß du, wie die Dinge zumindest im Groben funktionieren und kannst du damit umgehen?
Machen: Überlege, wie du gelernt hast, wie du jetzt Informationen aufsaugst und dir merkst. Warum merkst du dir einige Sachen, warum merkst du dir andere nicht? Im Internet gibts auch nen Haufen Tests, mach am besten mehrere, damit du dich einschätzen kannst.

5. Denk regelmäßig über die Zukunft nach
Klingt jetzt blöde, aber mach mal. In der Schule hatten wir Geschichtsunterricht, aber was war mit der Zukunft? Die kam nur bei dem Thema Berufswahl auf und das war ganz schön öde, als der Typ vom Arbeitsamt in der Klasse war und darüber informierte, wie wichtig ein Job sei. Also denk mal an (d)eine Zukunft. Und ich meine damit nich „morgen“ oder „nächste Woche“ oder „Im Winter“ sondern 2030 oder 2045. Und denk nicht nur an Technologien oder Erfindungen sondern auch an die Gesellschaft. In welcher Welt willst du (und deine Kinder) leben?
Machen: Wenn deine Zukunftsvision eher dystopisch in Schwarz- und Grautönen ist, denk dir mal eine Solarpunk Version aus. Und wenn du nur Friede-Freude-Eierkuchen-Szenarien denkst, überleg dir mal ne Apokalypse. Bastel dich da rein. Wie gestaltest du mit diesen Visionen im Hinterkopf dein Jetzt?

6. Erfinde dich neu
Okay, klingt auch blöde und nach nem Slogan einer Frauenzeitschrift. Aber wenn man durch Minimalismus Zeit und Raum geschaffen, seine Persönlichkeit zu entdecken, kann man sich ja leichter neu erfinden, weil man vielleicht zum ersten Mal genau hinsieht. Dieses „sich neu erfinden“ könnte auch heißen: flexibel bleiben.
Machen: Was entdeckst du, wenn von dem ganzen Plunder in der Wohnung nix mehr übrig ist? Wer bist du? Brauchst du ein Motto? Wer willst du sein? Denk dir was aus und schauspielere mal einen Tag lang. Idealerweise im Urlaub, an einem anderen Ort. Denk an die Kostümierung und die Requisiten, den Soundtrack und das Bühnenbild. Was davon war gut, was nicht?

7. Mut und Neugier
Raus aus der Komfortzone, rein in die Panikzone. Zumindest ein klitzeklein bisschen. Für die Zukunft muss man mutig sein. Und mutig sein, kann man leichter, wenn die Neugier siegt.
Machen: Fordere dich selbst heraus und werde ein bisschen neugieriger und dadurch mutiger. Ich rede nicht von einem Bungee-Sprung (kann natürlich auch sein), sondern eher etwas, was man sich im Alltag nicht traut. Jemanden ansprechen, ein gewagtes Kleidungsstück tragen, raus aus den Gewohnheiten!

8. Kreativität
In meiner Zukunftsvision haben die Handwerker und Künstler einen superguten Stand. Zuerst sind wir fasziniert von den Werken, die uns künstliche Intelligenz hervorzaubert, aber ich glaube, ein Bild, das ein Roboter malt, ist irgendwann auch ein bisschen fad. Gut, keine Ahnung, ob das so sein wird, in den Filmen und Romanen kommen eigentlich fast nie Künstler vor, aber handwerkliche Skills sind schon ziemlich praktisch. Vor allem in ner Zombieapokalypse.
Machen: Jeder ist kreativ. Aber: Kultivierst du deinen Kreativitätsmuskel genug? Wenn nicht, wie könntest du es anstellen, kreativer zu werden?

9. Hinterfragen, hinterfragen, hinterfragen – und immer schön kritisch bleiben
Die Multioptionsgesellschaft ist Fluch und Segen zugleich. Als Minimalist hinterfragt man Produkte sowieso schon und das wird auch bei einer zunehmenden Digitalisierung weiterhin so bleiben. Muss ich alles tracken? Welche Gesetze brauche ich, wenn alles automatisiert wird? Brauchen Roboter Rechte? Warum hat ein Vibrator eine Kamera eingebaut (und warum kauft man sowas?)?
Machen: Besuch eine Diskussionsrunde zum Thema Digitalisierung oder 2030, bring dich ein. Hör dir regelmäßig andere Meinungen an. Komm raus aus deiner Filterblase. Lies dir in den Sozialen Netzwerken Kommentare (ja, nich zu viele…das is ungesund) oder folge mal Leuten, die nix mit deiner Lebenswirklichkeit zu tun haben. Das Puzzle sollte viele Teile haben, siehe Punkt 1.

10. Scheitern üben
Dieser Punkt soll nicht traurig machen, sondern eher eine Erinnerung daran sein, dass es völlig okay ist, wenn man scheitert. Das ist menschlich. Es kann nicht immer alles zu jeder Zeit gelingen. Manchmal ist man nicht gut genug, oder jemand anderes war schneller. Scheitern kann auch schön sein. Wie wird es sein, wenn Maschinen immer alles richtig machen und wir per se die Nieten sind? Warum nicht einfach das Thema anders aufziehen und die Perspektive wechseln? Was bedeutet scheitern, Fehler machen, versagen, wenn meine einzige Konkurrenz eine Maschine ist?
Machen: Im Scheitern oder in der Erfolglosigkeit steckt ziemlich viel Macht. Wie könnte man glücklicher versagen? Gelernt hat man ja trotzdem was, wenn du dich bewusst mit der Niederlage auseinandersetzt. Und wer weiß, was die Zukunft bringt.

Das war ganz schön viel, aber das ging mir seit ein paar Monaten durch den Kopf.

Wie siehst du das? Welche Fähigkeiten braucht man deiner Meinung nach, um fit für die Zukunft zu werden? Wie spielt da Minimalismus mit rein? Ist das Thema vielleicht sogar unwichtig? Welches ist die wichtigste Fähigkeit aus der Liste?

Minimalismus und Zukunftsfähigkeit

Aufmerksame Leser haben es sicherlich schon bemerkt. Ich habe heimlich, still und leise die Kategorie „Minimalismus“ ergänzt durch einen Schrägstrich und das Wort „Zukunftsfähigkeit“.
Das hat einen Grund.

Nein, eigentlich mehrere:

1. Minimalismus als Thema ist irgendwie ausgelutscht. Jeder Beauty-Vlogger kuratiert seine 50 Teile Garderobe und jeder weiß, wie man seine Sachen los wird. Sämtliche Medien haben die immer gleichen Fragen gestellt, die immer gleich beantwortet wurden. Daran ist nichts Schlechtes, es ist nur für mich (und bestimmt auch für alle anderen, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen) mittlerweile ziemlich langweilig. Weil es zum Alltag gehört. Es ist nichts besonderes mehr.

2. eine minimalistische Lebensweise ist für mich die Basis für alles was da zukünftig auf uns zu kommt. Das fängt an mit meiner konsumreduzierten Lebensweise und endet bei selbstverantwortlicher Lebensgestaltung für sich und andere. Dazwischen ist ordentlich Platz für (gedankliche) Abenteuer. Trennen kann ich das alles irgendwie nicht.

3. was da alles genau kommt weiß ich noch nicht, find ich aber spannend. Ich bin an der Zukunft interessiert und möchte daran teilhaben. Mehr dazu steht in meinem Artikel „Kommt nach dem Minimalismus jetzt der Solarpunk?“

Also…was kommt jetzt?

Kommt nach dem Minimalismus jetzt der Solarpunk?

Kommt nach dem Minimalismus jetzt der Solarpunk?Wenn ich im Bus mal nicht lese, dann wandern meine Gedanken oftmals zu der Frage, was mit dem Wörtchen „Minimalismus“ ist. Und was wir tun, wenn wir ausgemistet haben, klare Verhältnisse in Kopf und Körper geschaffen haben, wenn wir uns heiter-gelassen fühlen und sich der Nährboden für etwas Neues vor uns ausbreitet. Da frage ich mich: Was kommt nach dem Konzept „Minimalismus“? Nicht nur für mich als Einzelperson, sondern auch als Teil einer immer größer werdenden Masse und schließlich auch als Gesellschaft auf dem Raumschiff Erde.

Ich verfolge aufmerksam Futuristen, Statistiker und Trendforscher und denke immer wieder: Minimalismus ist der Anfang. Aber von was? Das Thema Reduktion kommt immer wieder vor.

Kein Wunder warum so viele darauf anspringen und jeder TV Sender und jede Zeitschrift schon darüber berichtet hat – die Welt ist groß, laut und wird immer dunkler. Wir haben Angst, wir verlieren die Kontrolle, wir sind überfordert. Da ist es gut und nützlich sich zurückzuziehen, einen Klarheits-Claim abzustecken und nach den eigenen Wichtigkeitsgoldklumpen zu suchen. Wenn ich das mithilfe einer minimalistischen Lebensweise nicht getan hätte bzw. tue, dann wäre ich bestimmt nicht so fröhlich. Ich wäre gestresster, trauriger, müder und wüsste nicht mal warum.

Aber ist das alles? Was kommt nach dem „Wesentlichen“? Kann man sich darauf ausruhen? Oder ist es angesichts dieser verrückten Welt nicht besser, ab und zu mal Position zu beziehen und die Zukunft gemeinsam neu zu denken?

Noch habe ich keine Ahnung, wie das für mich klappen kann, aber mir scheint, dass Minimalismus das kann und vielleicht auch muss. Achtsamkeit ist ein Megatrend. Entschleunigung ist nicht erst seit letztem Jahr ein Thema. Die Lust am Handwerk, zerowaste, DIY und Digital – das sind alles Symptome für die großen Veränderungen, die vor unserer Haustür stehen. Veränderung, die wir wollen. Weil wir merken: Irgendwie haut das alles so nicht mehr hin.

Das Entrümpeln auf der einen Seite ist erledigt, in der Wohnung habe ich aber noch genügend Baustellen. Trotzdem: ich habe meinen Frieden damit gemacht und ich hab nix gegen Konsum (wichtiges Stichwort an dieser Stelle: Experience Economy -was kann ich eigentlich in Zukunft noch konsumieren, wenn alles Software ist?) an sich. Die Dinge sind im Fluss. Ich will aber meine minimalistische Lebensweise auch dafür einsetzen, dass es anderen auch besser geht, also an meinem Überfluss teilhaben und die Welt in der ich lebe auch für nachfolgende Generationen ein bewohnbarer und schöner Ort bleibt.
Ich habe Schwierigkeiten an dieser Stelle weiter zu denken, weil ich nicht weiß, ob wir das hinkriegen. Die Medien übertrumphen sich mit Doomsday-Nachrichten und die ältere Generation denkt auch nur noch „WTF? Das hatten wir doch schon mal?“

Deshalb finde ich den Begriff „Solarpunk“ so toll, weil er eine kleine Tür in meinem Kopf öffnet.

Auf den Begriff bin ich vor 2 Jahren schon mal gestoßen und mir gefiel der Vibe, den der Begriff ausstrahlt. Ich erforsche gerne literarische Dystopien, aber in der echten Welt wünsche ich mir was Optimistischeres! Ta-Da Solarpunk!
Solar = grün, nachhaltig, Technik, Photosynthese, Sonne, Wachstum
Punk = Rebellion, Nonkonformismus

Oder wie es Adam Flynn, der Betreiber des solarpunks-tumblrs ist, ausdrückt:

If cyberpunk was ‘here is this future that we see coming and we don’t like it’, and steampunk is ‘here’s yesterday’s future that we wish we had’, then solarpunk might be ‘here’s a future that we can want and we might actually be able to get.’

Ich stelle mir vor:

Post-Peak-Oil/Zero City-Gesellschaft vermixt mit einem Weniger, weil wir ja gelernt haben, dass wir nicht so viel brauchen und uns das nur stresst, dazu ein bisschen Internet-of-Things-Zeugs und ner ordentlichen Portion DIY. Ein bisschen weniger. Aber eben besser. Entschleunigt. Trotzdem cool. (Und bunter.) Für alle. Weil wir nicht alle Aussteiger sein wollen, die sich mit ner kleinen Gruppe einen Resthof teilt. (Das will ich zumindest nicht. Ich find Technik super, Raumfahrt auch und meine Wohnung schätze ich auch sehr.)

Vielleicht geht das auch (noch) gar nicht. Ich weiß es nicht. Aber wenn ich mir anhöre, dass einige Länder umdenken (Schweden mit der 30 Stunden Woche; Finnland will das BGE ausprobieren, Oslo will die erste autofreie Stadt Europas werden etc.), dann stimmt mich das optimistisch und es macht mich sehr fröhlich, weil wir da schon mittendrin in einer gewaltigen Veränderung stecken!

Die Frage ist nicht, ob eine Veränderung komm, sondern wann! Und wenn wir kurz innehalten und uns umsehen, stellen wir fest: Ups, da tut sich ja schon längst was.
Wie bereiten wir uns auf die Zukunft vor? Wie können wir die alten Pfade verlassen? Wie können wir neu denken? Was brauchen wir dazu als Einzelpersonen, als Kommune, als Gesellschaft?

Zum Weiterforschen:
Vortrag von Matt Cloyd (ca 5 Min.)
Solarpunk – notes toward a manifesto
Kurze Beschreibung der Solarpunk Ästhetik von Olivia Louise
Solarpunk Tumblr
Die politische Dimension von Solarpunk
Solarpunk will Science-Fiction den Optimismus zurückgeben