Deodorant, selbstgemacht

Keine Angst, ich habe nicht vor, diesen Blog in einen Beautyblog zu verwandeln, aber gestern habe ich spontan Deo gebastelt und ich will kurz davon berichten, weil ich es genial finde.
Zuerst mal eine Klärung der Sachlage: Während Antitranspirante Substanzen enthalten, die die Schweißdrüsen verengen und somit weniger Schweiß ausgeschieden wird, handelt es sich bei Deodorants eher um Produkte zur Geruchsvermeidung bzw. Überdeckung. In beiden Fällen bildet sich aber trotzdem noch Schweiß, mal mehr, mal weniger. Und bestimmt weißt du das auch schon lange, ich sags hier aber nochmal: Der Schweiß ansich müffelt nicht, sondern erst wenn sich das Zeug auf der Haut sammelt und dort von Bakterien abgebaut wird. Das war jetzt sehr unwissenschaftlich, kannst du sicherlich nochmal irgendwo nachlesen.
Falls du handelsübliche Deos und/oder Antitranspirante verwendest, sieh dir noch mal die Zutatenliste durch. Teilweise sind da Sachen drin, die willst du nicht auf deinem Körper haben, glaub mir. Nutz am Besten codecheck. Falls dein Produkt nicht in der Datenbank auftaucht, mach dir ruhig die Mühe und trag es ein. Du wirst dann eine Auflistung bekommen und kannst nach Alternativen suchen.
Ich bin vor einigen Jahren auf Naturkosmetik-Produkte umgestiegen und komme eigentlich ganz gut klar, wobei es mich nervt, dass da alles immer so zitronig riechen muss. Und wie es bei Körperpflegeprodukten immer so ist: man probiert und probiert und probiert…

Das zur Einleitung. Ich hatte gestern spontan Lust zu experimentieren und hab mir Deo selbst gemacht. Die Rezepte gibt es quer verteilt im Internet, bestimmt findet ihr noch andere Rezepte.

Zutaten:
Stärke
Natron/Natriumhydrogenkarbonat (gibt es u.a. von der Marke Kaiser)

Beide Zutaten bekommst du im Supermarkt und kosten auch nicht viel. Falls das Deo nicht wirken sollte, kannst du beide Zutaten immerhin noch für andere Dinge verwenden.

Das Deo selbst ist schnell gemacht:

Beide Zutaten 1:1 mischen und mithilfe eines Pinsels, Wattepads, Puderquaste oder mit den Fingern unter den Achseln auftragen. Achtung: Bei mir gabs ne echte Sauerei, weil mir alles auf die Hose und auf den Boden gebröselt ist, also nimm erstmal nicht zu viel.
Man kann sich auch nur Natron in die Achseln reiben, aber das könnte Hautreizungen verursachen. Wie immer ist es eine Sache des persönlichen Geschmacks und der Experimentierfreude.

Mein Test:
Vormittags habe ich 1 EL Natron mit 1 EL Stärke gemischt und in dieser Mischung aufgetragen. Um 13 h habe ich das Haus verlassen. Wetter draußen: 23 Grad, teilweise bewölkt, habe schwere Bücher geschleppt und war viel zu Fuß unterwegs. Um 17 h war ich wieder zu Hause. Sichtbare Schweißflecken auf dem T-Shirt (ekelt euch das eigentlich an? :D) Dann der Schnuppertest – es riecht nach gar nichts, allerhöchstens nach meiner Haut. Ich war ziemlich skeptisch und dachte, dass das gar nicht sein kann, aber es stimmt. Sagt auch Herr DingDong. (oh man, der Junge muss echt leiden :D :D)
Ich hab dann noch mal eine Mischung aufgetragen, damit ich das später am Abend nochmal vergleichen konnte. War auch nichts. Verrückt!

Fazit:
Hätte nicht gedacht, dass es sooo wahnsinnig gut funktioniert! Es ist einfach zu machen, günstig, ergiebig und verursacht kaum Müll. Vor allem keinen Plastikmüll. Ich fühle mich besser, als mit so manch anderen herkömmlichen Produkten und werde es erstmal weiter benutzen. Das Einzige was mich ein bisschen stört, ist der Auftrag. So ein Deoroller oder ein Spray ist natürlich praktisch in der Handhabung, aber ich glaube, mit ein bisschen Übung und dem richtigen Werkzeug (Finger? Puderquaste?!) wird das auch klappen. Eine wiederverschließbare Dose wäre natürlich auch noch eine gute Idee und ein absolutes MUSS, wenn du es im Bad aufbewahren solltest. Vielleicht mische ich das nächste Mal mehr Natron und weniger Stärke, mal sehen.

Willst du es probieren? Oder machst du es schon immer so? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

21 Gedanken zu “Deodorant, selbstgemacht

  1. Hast Du schonmal über Alaunkristall nachgedacht? Seit ich mich mit einem Rasiermesser und nicht mehr mit sündhaft teuren Wechselklingen rasiere, benutzte ich Alaun-Kristall gegen Hautreizung und zum „Wundverschluss“.

    Das soll aber auch gegen Schwitzen selbst bis zu 24 Stunden, vor allem aber auch gegen zersetzende Bakterien helfen.

  2. Das mit dem Deo und dem Shampoo(-ersatz) werde ich demnächst mal ausprobieren!

    Wie ist das denn mit dem Deo, hinterlassen das Natron oder die Stärke Flecken an der Kleidung?

    Danke und viele Grüße!

    1. Oh, ja viel Spaß bei deinem Experiment!
      Natron hinterlässt bei mir nur Flecken auf der Innenseite des Stoffes, aber nur leicht. Ein leichter weißer Rand, der überhaupt nicht mit diesen Chemiekeulen-Deorändern zu vergleichen ist.
      Die Mädels vom mueckeblog zeigen auch eine Variante, wie man das Deo in Wasser anlösen kann, so als Pumpspray – auch interessant: http://mueckeblog.wordpress.com/2011/04/19/2-minuten-projekt-deo-selber-machen/

  3. Das Deospray-Basteln habe ich, weil ich aufs Pulvergebrösele verzichten wollte, auch schon ausprobiert. Mein Problem ist – entweder mit dem Zinkoxid oder dem Natron …? – dass sich der Sprühkopf nach 1,2 Sprühstößen zusetzt. :o/

    Ansich ist das echt ne wirkungsvolle und angenehme Mischung – mit 2,3 Tröpfchen ätherischen Ölen – es ginge auch ohne, aber da bin ich dämlich konventionellmistgeprägt – riecht frisch, ist frisch. ;o)

    Wofür eigentlich die Stärke? O_o

    1. die stärke macht das ganze irgendwie…mmh..gelartig? ich weiß nicht, aber wenn ich nur natron nehme, dann ist das wie ein peeling ;D mit Stärke hat es fast so eine Konsistenz wie dünn aufgetragener Rasierschau. Ich find das angenehmer.
      Hm. Danke für den Hinweis mit dem Zusetzen des Sprühkopfes…ich werde das mal ausprobieren. Vielleicht muss man ja einfach nur einen Zerstäuberkopf mit großer Öffnung benutzen? (In der Grafitiszene heißt das „Fat Cap“ – keine Ahnung wie man das normal im Laden verlangen soll ;D)

  4. Hallo, sehr interessant.
    Bin gestern auch auf die Idee gestoßen Deo selbst zu machen war sonst so ein Aluminium-Junkie. Habe mir gestern noch Stärke und Natron gekauft den Rest hatte ich zuhause. Aloe-Gel, Teebaumöl, Kokosfett (wird ja zu Öl) undZirtonenaroma. Alles gemixt (mehr Stärke als Natron) bis es eine feste Creme war und ausprobiert. Gesternabend war´s schon gut und heute den halben Tag (5 Std.) hälts auch schon, habe mir nen kleinen Tiegel für Unterwegs befüllt, sicher ist sicher… Werde weiter probieren, der Preis ist im endeffekt lächerlich, gegen normales Deo.
    LG an alle DIY-Fans

  5. Hallo, das Kokosfett habe ich vorher geschmolzen und dann einfach immer etwas reigetröpfelt bis es eine Creme war. Das nehm´ ich jeden Tag, riecht nach Zitronenkuchen! Lege meist mittags noch mal nach (bei 30 Grad momentan), dann hält´s den ganzen Tag. Achtung: beim umziehen gibt´s weiße Flecken, die mit wasser verschwinden. Hätte nie geglaubt, dass es so gut ist und so einfach umzusteigen… verstehe gar nicht, dass das nicht schon populärer ist.

  6. Hallo, was das Auftragen angeht hab ich gute Erfahrungen gemacht mit Tsh Oxenreiders (von simplemom.net) Tipp, die Deomasse in ein leeres Deostickgehäuse zu füllen (Ihr wisst schon: die, die wie ein Prittstift funktionieren). Wenn man das Deo im den Kühlschrank lagert, funktioniert das gut, inklusive Raufdrehen. Ist halt nix für unterwegs. Das Rezept, das ich ausprobiert hab, besteht aus 1 cup Natron, 1 cup Maisstärke und 4-6 EL Kokosöl (in kaltem, also festem Zustand) und ein paar Tropfen ätherischem Öl, mit Handmixer gemixt, mit einem Löffel in den Stick gefüllt. Für den Geruchstest warte ich noch auf wärmere Tage:)

    1. Ich habe auch schon versucht, das Natron mit dem Kokosöl zu mischen, aber leider hat es da auch Probleme mit der Hautreizung gegeben. Ich habe die trockene Natron-Stärke-Mischung in einem leeren Marmeladenglas. Wenn ich es in so einen Stick füllen müsste, müsste ich so ein Ding vorher auch besessen haben ;D Ich nehme einfach nur meine Finger.

  7. Super interessant! Ich habe exakt genau das gleiche Experiment gemacht,mit den selben Schlussfolgerungen: Natronpulver auf der Haut ist mega umständlich. Also hier ist meine Lösung: Ich habe ein Päckchen Natron in einer kleinen Plastikflasche mit warmen Wasser aufgefüllt und dann geschüttelt / stehengelassen bis das Wasser gesättigt war – also kein Natron mehr aufgenommen hat. (Das übrige Natron hat sich an den Boden abgesetzt) Jetzt das Natron-Wasser in eine Pumpflasche abgiessen und fertig ist das Sprühdeo – ohne verstopfte Pumpe und superwirksam. Ich sprüh das morgens auf und lasse es kurz antrocknen (wir reden hier von 10 Sekunden) Wirkt entgegen meiner Befürchtungen super, den ganzen Tag im Büro inklusive Alltagsstress und Fahrradfahren. Gereizte Haut habe ich davon auch nicht bekommen. Mein Pumpspray ist sehr klein, checke gerade täglich ob das „deo“ irgendwann umkippt. Tuts aber bis heute nicht. (Selbstversuch 14 Tage) Yip!

  8. Nur Natron hab ich noch nicht probiert…hab mir auch das Auftragen etwas umständlich vorgestellt, aber könnte in Wasser aufgelöst gut klappen.
    Ich mach mein Deo so:
    Bienenwachs (1,5 EL), Kokosfett und/oder Kakaobutter, Sheabutter (5 EL), Natron (2 EL), Pfeilwurzpulver (2 EL), Teebaumöl (10 Tropfen) und Ätherisches Öl nach Lust und Laune (lieber keine Zitrusöle im Sommer!) (10-15 Tropfen).
    Bienenwachs im Wasserbad auflösen, Fett(e) dazu bis alles flüssig ist, Natron und Pfeilwurzpulver so gut wie möglich im heißen Gemisch auflösen; vom Herd nehmen; Ätherische Öle dazu (dabei gut lüften da das im heißen Zustand echt stark riecht und einem Übel werden kann; kalt riechts angenehm schwach) und immer wieder während dem Abkühlen rühren, damit sich das Pulver nicht absetzt. Je nach Fett (Kokos/Kakao/Shea) ist das Deo von der Konsitenz her wie eine Creme oder wie ‚Marzipan‘. Das geb ich immer in ein kleines, flaches Marmeladenglas mit großer Öffnung; nehm eine ca. erbsengroße Menge mit dem Finger raus; kurz auf jeder Achselseite anschmelzen und dann verschmieren. Früher hab ich’s ohne Bienenwachs gemacht, aber das Fett blieb in meinem Bad flüssig und die Schwebteilchen setzten sich unten ab. Das war schwer zum Auftragen. Für mich bisher das Beste ‚gesunde‘ Deo das ich bisher probiert habe. Man schwitzt aber dabei entsteht kein Geruch. Gekaufte Naturkosmetik-Deos wirken gar nicht bei mir.
    Vielleicht hilft auch Bienenwachs bei dem Deostickgehäuse für unterwegs das Miriam als Problem angesprochen hat.

  9. Hallo Frau Ding Dong,

    wegen all der Begeisterungsstürme um diesen Natron-Kram hab ich es vor ein paar Monaten auch das erste Mal ausprobiert (in Wasser aufgelöst und mit einem Spritzer Rosenwasser in eine Sprühflasche) und war unangenehm überrascht. Inzwischen habe ich es nochmals versucht, mit mehr Natron, weniger Natron, Kokosöl, und und und, aber mein Eindruck bleibt, dass das Deo meinen Schweißgeruch nur verändert und intensiviert! Das ist irgendwie wenig hilfreich…
    Fällt dir dazu was ein? Ich bin es Leid, alle paar Monate eine neue massive Glassprühflasche mit 75ml Inhalt für 3-6 Euro kaufen zu müssen…

    Beste Grüße,
    Syl

  10. Ich hatte mich an ein „Rezept“ von anderen Begeisterten gehalten, das 100ml abgekochtes Wasser und 1 TL Natron verwendet.
    Nein, einfach so hab ich noch nicht probiert, weil ich so gern sprühe… aber das ist noch einen Versuch wert. Ich werde berichten.

  11. Schon mal darüber nachgedacht die stärke-natron mische in aufgewärmter sheabutter oder kokosöl einzumischen 1:1?

    mit dem richtigen fingerspitzengefühl hast du dann deine gewünschte festigkeit von deostick bis zu deocreme.

    gruß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*