Der Tod, Minimalismus und ich

Das Leben erscheint mir manchmal wie ein Theaterstück.
Wer hätte gedacht, dass der Text, der mittlerweile 3 Jahre alt ist, einmal so wichtig für mich sein würde? „Minimalismus heißt sterben lernen“ war nur ein kurzes unbequemes Stimmungsbild und ist für mich nun aktueller denn je.
Ich habe letzte Woche meine Mutter beerdigt und dadurch hat meine Geschichte in diesem Jahr eine neue Wendung erhalten.

Es sind die Lebenden,
die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten,
die den Lebenden die Augen öffnen.

Mein ganzes Leben wurde einmal komplett durchgeschüttelt. Ich musste meine Ordnungs- und Verwaltungstalente einsetzen, um sämtliche Formalitäten zu erledigen und tausend Unterlagen zu ordnen.
Mein Biografie-Projekt bekommt einen seltsamen Beigeschmack.
Der Tod lehrt mich das Leben und stellt ganz einfach für mich fest, was wichtig ist und was nicht.
Der Tod stimmt mich nachdenklich, weil für mich das Thema Verlust sehr stark mit Minimalismus zusammenhängt.

Ich habe mich gezwungen, kein Feigling zu sein, genau hinzusehen und alles abzuspeichern und trotzdem vermischt sich in die Trauer die Vergesslichkeit.
Alles ist surreal, alles verblasst. Vermutlich ist das eine Schutzfunktion des Körpers, damit man nicht verrückt vor Kummer wird. Die Mediziner reden von einer „Anpassungsstörung“. Ha.

Der Tod, Minimalismus und Ich

Ich lerne viel aus dieser dramatischen Lektion. So viel, dass ich es noch gar nicht in Worte fassen kann.
Nur eines habe ich herausgefunden:
Das Wesentliche am Minimalismus, das, was am Ende übrig bleibt, sind Gefühle.