Dokkōdō – Der Pfad der Einsamkeit

Ronin - Dokkodo

Da drückt man einmal den Zufallsbutton auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite und dann kommt das raus!

  1. Accept everything just the way it is.
  2. Do not seek pleasure for its own sake.
  3. Do not, under any circumstances, depend on a partial feeling.
  4. Think lightly of yourself and deeply of the world.
  5. Be detached from desire your whole life.
  6. Do not regret what you have done.
  7. Never be jealous.
  8. Never let yourself be saddened by a separation.
  9. Resentment and complaint are appropriate neither for oneself nor others.
  10. Do not let yourself be guided by the feeling of lust or love.
  11. In all things, have no preferences.
  12. Be indifferent to where you live.
  13. Do not pursue the taste of good food.
  14. Do not hold on to possessions you no longer need.
  15. Do not act following customary beliefs.
  16. Do not collect weapons or practice with weapons beyond what is useful.
  17. Do not fear death.
  18. Do not seek to possess either goods or fiefs for your old age.
  19. Respect Buddha and the gods without counting on their help.
  20. You may abandon your own body but you must preserve your honor.
  21. Never stray from the way.

Miyamoto Musashi, ein herrenloser Samurai bzw. Ronin, hat diese Regeln in einer Höhle eine Woche vor seinem Tod aufgeschrieben. Als er fertig war, hat er sich sein Schwert in den Bauch gerammt und wurde aufrecht und ehrenvoll beerdigt.

Eine deutsche Übersetzung und weitere Erläuterungen habe ich in diesem Blogbeitrag gefunden.

Irgendwie steckt in so einer Auflistung von Lebensregeln oder Manifesten total viel Kraft. Zumindest fühle ich mich immer inspiriert, wenn ich welche lese. Mittlerweile ist das ja total hipstermäßig, solche Listen auf Instagram oder sonst wo zu posten. Aber das zeigt mir eigentlich nur wie sehr wir (junge) Leute solche moralischen Gerüste und Wertesysteme brauchen. Wenn ich mich mit meine Zielen und Werten auseinandersetze, merke ich jedesmal, dass sich irgendwas in meinen Gedankenwald lichtet. Werte und Regeln können in der heutigen „alles erlaubt, jeder hat die gleichen Chancen blabla“-Zeit ein notwendiger Kompass sein, der das Leben leichter macht. Ich frage mich nur, wie man da die Balance kriegt, sich nicht in seinem eigenen „Regelwerk“ zu verheddern.

Was denkst du? Wie geht es dir damit? Hast du Lebensregeln?

Übrigens: ich habe mich schon öfter mit diesem Thema beschäftigt:
The warriors reminder
Benjamin Franklins 13 Namen der Tugenden
Secrets of Adulthood

5 Gedanken zu “Dokkōdō – Der Pfad der Einsamkeit

  1. Hi Frau Dingdong,
    das erste was mir aufgefallen ist, ist, dass die beiden Übersetzungen sich teilweise fundamental voneinander unterscheiden:
    Z. B. Nr. 16
    „Ich finde keinen Gefallen an irgendwelchen Utensilien, ausser an Schwertern und anderen Waffen.“
    bzw.
    „sammle keine Waffen, oder übe nicht mit Waffen über das nützliche hinaus.“ (Meine deutsche Übersetzung von deinem englischen Text)
    .. sind zwei ziemlich unterschiedliche Kernaussagen.
    Das gibt dem Ganzen ehrlich gesagt eine gewisse Beliebigkeit.

    Dazu kommt noch, dass Lebensregeln, die aus einer spezifischen Kultur heraus entstanden sind, umso weniger Sinn machen, und umso unverständlicher sind, je weiter diese von der Kultur des Lesers entfernt ist. Und die japanische Samurai-Kultur des 17. JH dürfte denkbar weit von unserer entfernt sein.

    Ich hab da mal ein äußerst interessantes Buch zu diesem Übersetzungsproblem in anderem Zusammenhang gelesen: „Ist die Bibel richtig übersetzt?“ von P. Lapide.
    Der verbreitet sich ziemlich ausführlich über dieses Problem und die möglichen Übersetzungsfehler die passieren (und im Falle der Bibel teilweise auch passiert sind) weil der Übersetzer den Kulturellen Kontext nicht kannte. Ein markantes Beispiel sind z. B. die Teufelshörner. Die mittlerweile so in den kulturellen Kontext eingebettete,Vorstellung, dass man sie sich gar nicht mehr wegdenken kann, der Teufel trage Hörner, beruht faktisch auf einem Übersetzungsfehler.

    All das zusammen genommen macht eine mehr oder minder zusammengeschusterte Zusammenstellung von Lebensregeln einer fremden Kultur für mich ziemlich wertlos.
    Nichtsdestotrotz lohnt sich aber die Frage, darüber nachzudenken, welche Lebensregeln denn unsere Kultur so hat bzw. welche man selbst – vielleicht auch ganz unbewusst – verfolgt.
    Liebe Grüße von der Chaoskämpferin (Astrid)

    1. Hi Chaoskämpferin,
      ich gebe dir Recht mit den Übersetzungen. Übersetzer filtern ja auch nochmal und jeder Mensch versteht irgendwas anders, das macht das ganze ja so schwierig und deshalb gibts jede Menge beschissene Literatur. Ich hab einen Link zu einer möglichen dt. Übersetzung gesetzt für alle, die des Englischen nicht wirklich mächtig sind. Deinen Buchtipp werde ich trotzdem aber mal angucken, einfach weil mich das Thema interessiert und wie man das herausgefunden hat.

      Diese „Lebensregeln“ sind für mich ein Angebot, das ich nutzen kann oder eben auch nicht. Ernst nehmen muss ich nicht alles und mir ist es auch völlig egal, aus welchem Kulturkreis diese Anschauungen kommen, da ich nicht vorhabe mich zwanghaft den Regeln eines Samurai zu unterwerfen – eben weil ich (leider? :D) keiner bin. Ich lese aus diesen Notizen z.B. nahezu dasselbe heraus wie beim edlen achtfachen Pfad. Ich lese auch die Ansichten heraus, die mir von den Stoikern bekannt sind.
      Wenn ich alle philosophische Ideen ablehnen würde, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, dann wäre mein Leben ziemlich mager.

  2. Hallo Frau DingDong,
    ich glaube, Lebensregeln oder Lebensleitlinien können einem dabei helfen, das umzusetzen und zu leben was man gerne leben möchte. Problematisch wird es erst, wenn diese Regeln dogmatisch oder zwanghaft eingehalten werden müssen – denn dann helfen sie ja auch nicht mehr beim Leben.

    Viele haben sicherlich auch Lebensregeln ohne darüber nachgedacht zu haben. Man übernimmt sie einfach von den Eltern oder der Umgebung (Religion, etc.). Ich denke, es ist wichtig darüber zu reflektieren, von was man sich leiten lässt und ob einem das wirklich hilfreich ist. In diesem Sinne ist es wohl auch eine individuelle Sache.

    Je nach Lebensabschnitt können sich die Regeln ja auch wieder ändern – ich habe so etwas schon einige Mal in mein Tagebuch geschrieben und dabei bemerkt, dass es sich immer wieder ändert. Grundlegend oder nur in Facetten. Allerdings würde ich mir diese Regeln nicht (mehr) als Poster an die Wand hängen.

    Als Jugendliche hätte ich sie mir vielleicht doch als Poster an die Wand gehängt.

    Liebe Grüße
    Annika

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