Ein Leben ohne Plastik?! Teil 2

Gestern habe ich völlig vergessen, die Frage „Kann man heutzutage ohne Plastik auskommen?“ zu beantworten.
Ganz ehrlich: Ich glaube nicht. Man kann und sollte es versuchen, aber irgendwann stößt man an eine Grenze.
Ich habe 3 Wochen lang ganz bewusst die Produkte in den Läden betrachtet. Geht ja schon bei den Bioprodukten los: Konventionell angebaute Gurken oder Bananen kommen ohne Plastikhülle, bei Bioprodukten sind sie in Plastikfolie eingeschweißt. Weil man sie laut EU-Richtlinie voneinander unterscheiden muss. Solche Kleinigkeiten sind wirkliche Hindernisse und machen es einem nicht gerade leicht. Und was tut man mit Zahnbürsten? Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, mir mit Schweineborsten die Zähne zu putzen.
Aber wie die Damen und Herren der gestern vorgestellten Blogs beweisen: Es geht! Man muss sich nur – wie so oft bei diesen Themen – ziemlich anstrengen.

Beth Terry von myplasticfreelife.com hat eine wunderbare Auflistung zusammengestellt, wo sie Tipps zur Umsetzung für alle Lebensbereiche gibt. Daraus habe ich viele wertvolle Tipps entnommen, die man für den Anfang in den Alltag einbauen kann.

Hier meine Favoriten, die ich so auch schon umsetze, bzw. umsetzen werde:

– Stoffbeutel zum Einkaufen nehmen (ich sags hier nochmal: gut angezogene, hübsche Jungs und Mädels werden durch Plastiktüten vom Discounter einfach nur peinlich! Dabei gibt es so tolle Taschen!)
– kein Wasser/Getränke mehr in Plastikflaschen kaufen
– Coffee oder Tea to go nur in meinem wiederverwendbaren Becher mitnehmen
– auf Wochenmärkten einkaufen (allerdings ist der bei mir in der Nähe nicht gerade etwas für Arbeitnehmer) oder sich eine Gemüsekiste liefern lassen
– eigene Behältnisse zum Einkaufen mitbringen (anscheinend ist das in Supermärkten aber ein bisschen problematischer, oftmals dürfen die das nicht)
– nichts Neues aus Plastik kaufen, sondern sich nach Holz oder Edelstahl umschauen bzw. Dinge aus Plastik gebraucht kaufen/tauschen
– Dinge so lange wie möglich reparieren (gottseidank ist Herr DingDong MacGyver! :D, aber ich will das auch selbst lernen)
– Dinge, die man schon hat, recyclen und benutzen (z.B. Einmachgläser, alte T-shirts zu Putzlappen usw.)
– viele Nahrungsmittel selbst machen (z.b. Müsliriegel!)
– Putzmittel selbst machen (Essig, Natron, Wasser – Rezepte gibts von Oma)
Deo selbst machen
Haare waschen ohne Shampoo
– Auf Make-up und andere Kosmetikprodukte verzichten oder selbst machen
– Seifenstück statt Flüssigseife nutzen (im Übrigen finde ich, dass man durch Flüssigseife mehr verbraucht, als mit nem Stück. Oder bilde ich mir das nur ein?)
– Eis in der Waffel statt im Becher (:D HA! das ist einfach!!! :D)
– Bei Online-Bestellungen in das Kommentarfeld (Anmerkung zur Lieferung) notieren, dass man keine Plastikverpackung wünscht. Ich habe kein Problem damit, wenn das Zeug in alte Zeitungen eingewickelt ist.
– Auf Einweg-Kugelschreiber verzichten und sich lieber ein schönes Schreibgerät mit auswechselbarer Mine aussuchen
– Überhaupt auf alles verzichten was „Einweg-“ ist. Natürlich ist bei der Grillparty Plastikgeschirr praktischer, aber was wäre, wenn jeder sein Besteck und seine Teller selbst mitbringt? Das wäre doch zu machen, oder?
– Keine CDs/DVDs mehr kaufen, sondern leihen
– Briefe an Hersteller schreiben und sie fragen, warum Recyclingklopapier in Plastikfolie eingepackt ist, oder warum es alle möglichen Arten von Kernen in Papiertüten gibt, aber Sonnenblumenkerne in Plastik verpackt werden…
– Wenn die Verkäufer schon mit der Plastiktüte wedeln einfach „Nein danke – ich tu was für die Umwelt“ sagen. Beeinflusst garantiert die ganze Schlange an der Kasse. (trau ich mich nicht, aber Herr DingDong ist da ganz anders. Er posaunt das immer richtig aus :D)
– Sich die Frage stellen: „Brauche ich das wirklich?“ #Minimalismus

Gerne wird auch mit diesem Bio-Kunststoff geworben, aber das ist auch mit Vorsicht zu genießen:
Bio-Kunststoff – Lösung oder neues Problem?
Eine saubere Alternative?

Bestimmt lässt sich die Liste nochmal verlängern/verändern, wenn man ganz bewusst durch alle Räume geht und sich umsieht: Was ist aus Plastik und welche Alternative gibt es dazu? Wenn es keine Alternative geben sollte: Brauche ich es überhaupt?

Tja, das war’s jetzt erstmal. Mehr kann ich momentan nicht machen. Ich will gut leben und nicht dauernd an Dinge denken müssen. Irgendwann reichts auch, oder? Wie siehst du das? Hast du noch irgendwelche Ergänzungen die weiterhelfen? Oder interessiert dich das vorhaben gar nicht, weil du es zu anstrengend findest?

11 Gedanken zu “Ein Leben ohne Plastik?! Teil 2

  1. Gerade Wasser in Plastikflaschen ist der größte Irrsinn.
    gesundheitsgefährdend, umweltschädlich und teuer.

    Irgendwo habe ich mal gelesen, auf 1.5 Liter Flaschenwasser käme etwa 1 Liter Öl, dank Herstellung und Transport.

    1. Ja, ich habe auch auf Plastikflaschen verzichtet. Eigentlich ist es doch echt schwachsinnig, dass wir sowas kaufen, obwohl wir gutes Leitungswasser haben…da wird uns wieder was eingeredet…pff!

  2. Hallo Frau Schwingelschwingeldingdong (gar nicht so leicht zu schreiben *gg*)
    vor einiger Zeit, auf der Suche nach interessanten Blogs, bin ich auf Deinen gestossen. Amüsiert und interessiert lese ich regelmässig Deine Beiträge und habe Dich auch jetzt in meiner Blogroll mit aufgenommen.

    Auf die Frage hin, lässt sich das Leben ohne Plastik geniessen, kann ich leider auch keine klare Antwort geben. Ich finde es wichtig, dass wir alle versuchen auf unnötiges Plastik, wie in Wasserflaschen, beim einkaufen und Co. zu verzichten, aber spätestens an der Gemüsetheke beim Biomarkt scheitern wir alle. Zu dumm, wenn man auch mal darüber nachdenkt, wie die Tüten entstehen und wenn man bewusst wahr nimmt, worum alles Plastik klebt. Viel können wir nicht machen, aber doch eine ganze Menge. Ich trage u.A. den Spitzname „Beuteltante“. Das kommt davon, dass ich immer zig Beutel mit mir rum trage. Es kommt auch vor, dass ich Leuten an der Kasse im Supermarkt einfach eine schenke, wenn ich sehe, wie sie zur Plastiktüte greifen. Manche sind doch glatt zu geizig, einen Stoffbeutel zu kaufen. Denken – tzzzz…ist ja 80 Cent mehr. Pfff…das man sich mehrfach verwenden kann und manch eine Plastiktüte bereits nach dem ersten schweren Einkauf reißt, bedenken viele nicht. Naja.

    Irgendwie auch verständlich, dass Tampons (und ja es gibt sie auch im Biomarkt) eingehüllt sind in Plastik – ist ja auch hygenischer – aber doch stutzte ich erst mals, als ich die Packung aufriss. Auch die Zigarettenschachteln (ja leider eines meiner Laster) sind alle eingepackt in Plastik. Warum denn nicht in Papier? Könnte man aufreissen? Drogen drin verstecken? Gerade hier denke ich manchmal, ob man nicht eine Alternative finden könne. Es rauchen sooo viele Menschen. Und soo viele sooo viel. Bestimmt gutes Einsparpotenzial vorhanden. Von den Plastik-Wasserflaschen mal abgesehen.

    Und zur Plastikverpackung bei Online-Bestellungen. Ich habe einen eigenen Shop http://www.definitions-sache.de wo ich mich auf besondere Marken konzentriere. Der Großteil meiner Marken produziert unter ökologisch korrekten Gesichtspunkten – auch ein schwieriges Thema. Auf jeden Fall sind alle Sachen und sind sie noch so öko, in poly Bags eingetüttet. Wenn ich die Ware verschicke, dann nutze ich diese weiter, bevor ich Einpackpapier verwende. Schließlich ist dieser Beutel bereits in Benutzung. Es kommt aber auch tatsächlich vor, dass KundenInnen die Ware lieber ohne Plastikverpackungen erhalten möchten. Dafür verwende ich dann recyceltes Seidenpapier. Auch das Problem mit den Verpackungen ist ganz groß. Ich wollte Tüten verwenden, die abbaubar sind und die man einfach in den Kompost werfen kann. Nebenbei hat man dann nicht die lästigen Kartons in der Wohnung rum fliegen. Aber wie Du es schon so richtig herausgefunden hast – so super sind sie auch nicht. Nun nehme ich wieder Pappkartons. Was mich jedoch auch irgendwie ärgert. Aber hier ist dann die beste Alternative „Wellpappe“. Aber auch das Thema Verpackungen sollte mal einer ernster bearbeiten. Gerade jetzt, wo das Onlineshopping immer mehr an Zulauf gewinnt. Schwierig, aber jeder ein bisschen und in der Masse kann man dann schon viel bewegen. Freue mich, dass ich immer mehr Blogs finde, die sich dem Thema annehmen und freue mich auf einen weiteren Austausch.

    Bunte Grüße, Frl. Emma

  3. Huhu Frau Schwingelschwingeldingdong :o)

    Woah normalerweise bekomm ich mit meinem Nickname – chaoskoeppsche – immer schon Mosereien bzgl der Schwierigkeit des Schreibens, aber deiner toppts definitiv. ^_^

    Wir haben auch vor ner ganzen Zeit schon auf „Jute statt Plastik“ und von Plastik- auf Glasflaschen umgestellt.

    Biogurken sind immer in Plastik und konventionelle blanko? Ich kenns zu 90% genau anders herum. Ob das auch Supermarkt-Bio-Gemüse betrifft, keine Ahnung.

    Wir kaufen unser „Gestrüpp“ seit geraumer Zeit nur noch auf dem Wochenmarkt (Gott sei Dank neben 1x i.d. Woche auch samstags), im Bioladen oder wenn genug zusammenkommt lassen wirs uns – Biokiste – von einem Bauern aus der Gegend liefern. :o)

    Zu den von Frl. Emma erwähnten Tampons: Sind die wirklich in Plastik eingewickelt?

    Ich kenns jetzt nur von den Bio-Binden, die ich benutze – da ist der vermeintliche Kunststoff Cellulose, der Rest ist Bio-Baumwolle. Kein Vergleich zu den konventionellen Plastikwemsern davor! :o)

    Auf diese Seite bin ich gestoßen, weil ich verdummi nochmal eine ordentliche, gesunde, umweltschonende Alternative zu Plastik-Gefrierdosen und -Beuteln suche… aber ich find nüx. :o(

    Es hat nicht zuuufällig jemand hier einen Tipp für mich???

    Grüße,
    chaoskoeppsche

    1. hmm…zum Einfrieren…*grübel*
      Also für den Alltag nehme ich nun Brotdosen aus Edelstahl, und zwar diese hier: http://www.kanteen.de/epages/es124872.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es124872_Kanteen/Categories/Brotdosen
      (die Flaschen sind übrigens auch super!) und das hier: Lunchskins http://www.use-again.de/Supplier-lunchskins_9.html
      die haben zwar ne Plastikbeschichtung, allerdings bpa-frei
      Hier mein Test: http://www.schwingelschwingeldingdong.com/2011/06/getestet-lunchskins/ – kann man sich aber auch selbst basteln. Google einfach mal nach „reusable sandwich wraps“ oder so, da findest du genügend anleitungen.

    2. jetzt ist mir noch eine idee gekommen. Gibt es vielleicht Gefriertüten oder sowas ähnliches aus Maisstärke? also „Biokunststoff“ der sich dann irgendwann zersetzt? weiß zwar nicht, obs sowas überhaupt zu kaufen gibt, aber ist mir gerade so eingefallen

  4. Bitte denken sie weiter!
    Glas statt Plastik? Hört sich gut an, oder. Warum eigentlich? Haben sie ein Idee wie Glass hergestellt wird? Was für eine Energiebedarf notwendig ist? Nicht? Einfach hier mal kurz informieren
    http://de.wikipedia.org/wiki/Glas

    Glas ist viel schwere als Kunststoff der Energiebedarf der zum Transport von Getränken in Glasflaschen notwendig ist, wird zu 40% nur für die Flasche aufgewendet. Darum nehmen auch ihre Kinder bestimmt immer Kunststoffflaschen mit zum Sport. Während iher Kind aber den Transport Co2 neutral anstellt. Macht das der LKW nicht!

    Stellen sie den Vergleich selber an http://de.wikipedia.org/wiki/PET
    … und suchen sie mal nach DICHTE

    1. Hallo Onta,
      vielen Dank für den Kommentar. Und ja, ich habe auch weitergedacht.
      Grundsätzlich stimmt das schon, was Sie schreiben. Aber wie Sie aus meiner „Plastikfrei leben“ – Reihe entnehmen können, geht es mir nicht nur um den Müll und den Umweltschaden, sondern auch um den gesundheitlichen Aspekt. Plastik macht Tiere zu Zwittern, lässt sie sterben und die Menschen werden unfruchtbar. Das ist zwar jetzt ein bisschen drastisch formuliert, ist aber mittlerweile durch diverse Studien bekannt.
      Dieser Film erklärt das ganz gut. http://www.youtube.com/watch?v=DoNu8hTOBag

      Natürlich ist Glas in der Herstellung aufwendiger, aber wenn die Kinder und WIR nicht davon krank werden, werde ich Glas immer Kunststoff vorziehen.

  5. Hallo,

    unsere Familie versucht auch plastikfrei zu leben. Wichtig ist meines erachtens, dass Plastik in ordentlichen Müllheizkraftwerken verbrannt wird. Somit die Energie genutzt wird und die Schadstoffe in Filtern bleiben, die auf Sondermülldeponien landen.

    Ich nutze auch Glasflachen. Fast überall gibt es regionale Mineralbrunnen. Der Transportvorteil von Kunststofflaschen rechnet sich erst ab 150 km. Eine entsprechende Ökobilanz haben ich während meinen Studium als Umweltberater, im letzten Jahrtausend erstellt. Eine Glasflasche lässt sich problemlos bis zu 40 mal wiederverwenden. Während PET Mehrwegflaschen maximal 3x befüllt werden können. (Wenn überhaupt) Ein höherer Cyclus ist Propaganda. Da sich der Kunststoff schon bei der 1 Reinigung verändert, werden die Flaschen oft gar nicht mehr wiederbefüllt. Das geringe Gewicht ist auch ein riesen Problem in den Reinigungsstraßen. Die regionale Glasflasche, ist der PET, in der Ökobilanz überlegen. Das ganze kippt bei ca. 150 km Transportweg. Tatsächlich schmeckt stilles Wasser aus Glas ganz anders wie aus PET. Das Wasser der Marke „Blackforest“ ist bei uns in Glas und PET erhältlich. Der Geschmacksunterschied ist enorm. In PET schmeckt das sehr mineralarme Wasser süßlich. Hinzu kommt, dass selbst das Pfandsystem der PET nicht verhindert, dass mindestens 10 % der Plastikflaschen nicht zurückkommen. Ein Großteil davon liegt in der Landschaft und beeinträchtigt alles Leben in vielerlei Hinsicht.

    Ich versuche gerade eine Wachstischdecke ohne Kunststoffbeschichtung, also mit echtem Bienewachs zu bekommen. Es gibt zwar welche aus fairer Biobaumwolle, aber Alle die ich bisher gefunden habe, sind entweder mit Acryl oder PVC beschichtet.

    Einfrieren ist echt auch schwierig.

    Gruß / Lukas

    1. Hallo Lukas, danke für deinen ausführlichen Kommentar! Mir schmeckt Wasser aus Glasflaschen auch deutlich besser, ich kann mich aber jetzt gerade gar nicht mehr erinnern, wann ich zu letzt aus einer Plastikflasche getrunken habe. Ich habe mir damals (nach der Artikelserie) eine Edelstahlflasche gekauft und ich trinke unterwegs nur noch Leitungswasser, das ich da abfülle.

      Hm…also wegen Einfrieren kann ich nur noch mal auf den Plastic-free-Living Guide von Beth Terry hinweisen. Unter PUnkt 23 ff steht da was. Ich friere zwar nicht allzu oft was ein, aber das mit den Lunchbots hat eigentlich ganz gut geklappt. Bei Glas sollte man schon aufpassen.

      Puh, Wachstuch ist sicherlich problematisch. Eine hat es mit Leinöl versucht und ist gescheitert (?): http://saperlotte.info/2011/selber-machen/wachstuch-selber-macher-or-not-thats-the-question/
      mmmh…oder könnte man nicht einfach ein Stück Stoff mit Bienenwachs einreiben?

      Oder sowas wie hier das hier:

      Zur Bereitung derselben spannt man den Stoff in Rahmen, überzieht ihn mit Mehlkleister und dann wiederholt mit Farbengrund, der gewöhnlich aus Ruß und Leinölfirnis besteht. Nach jedem Anstrich schleift man mit Bimsstein, überzieht das Stück, nachdem es genügende Stärke und Glätte erreicht hat, mit Glanzfirnis und lackiert es zum Schluss.

      (wiki eintrag zu „Wachstuch“)

      Echt wahnsinnig aufwendig und man muss evtl. das eine oder andere Produkt durch etwas umweltfreundliches ersetzen, aber vielleicht wäre das eine Idee? Ich könnte mir vorstellen, dass der Mehlkleister den Stoff schon mal etwas stabiler macht und grob abdichtet. WEnn man dann mit Leinöl oder Bienenwachs oder so drüber geht, ist er ja dann irgendwie versiegelt? Und das einfach mehrere Male wiederholen?!

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