Einfachheit und Stille

Auch die Einfachheit ist nicht still, denn sie läßt die Abwesenheit sprechen.

Ich bin Gast in einer Wohnung, die nicht meine ist. Ich muss überlegen, wo die Lichtschalter sind und wo ich den Kaffee finde. Ich bin zwar hier in dieser Stadt zuhause, aber die Gegend kenne ich nicht, weil ich mich noch nicht mit meinen Gewohnheiten ausgebreitet habe. Ich habe nur ein Buch und ein paar Comics bei mir. Meine Gewohnheiten habe ich in der anderen Wohnung. Meine Sachen sind auch dort.
Also: Wer bin ich ohne meine Dinge und meine Gewohnheiten?
Wer bist du ohne deine Dinge?

7 Gedanken zu “Einfachheit und Stille

  1. Hmmm. Wer bin ich eigentlich? Ohne meine Gewohnheiten? Die Frage nehm ich mit.
    Vor allem bin ich gerade umhertragend. Erst den Bauch. Jetzt das Baby. Das macht mich gerade echt sehr stark aus…

  2. Ich finde die Frage immer wieder spannend. Auf Reisen. An neuen Orten. Bevor die Umzugskartons ausgepackt sind. Finde, es ist noch immer eine Entdeckungsreise. Ohne Sachen finde ich noch „Definitionen“. Wie sehr mich Gewohnheiten prägen merke ich immer dann, wenn ich ihnen nicht nachgehen kann (also in oben genannten neuen Situationen).
    Und es geht mir wie rage, dass meine Identität stark an dem Kind hängt, dass ich umhertrage. Wenn nicht am Körper, dann im Herzen. Wird man irgendwie nicht los.

  3. Ohne meine Dinge… schwierig zu sagen, weil ich nie wirklich gar nichts habe, das mich prägt. Jedes Besitztum sagt etwas über mich aus. Zunächst wollte ich nämlich sagen, dass ich es so interessant finde, dass das erste was beim Umzug passiert, häufig die Frage nach dem WLAN-Schlüssel ist. Doch sogar das sagt es über uns.

    Machst du zum ersten Mal Housesitting? Ich habe damit leider noch gar keine Erfahrung, finde das Prinzip aber echt interessant! :)

    Lieber Gruß,
    Philipp

    1. ich habe mittlerweile zum 3. Mal Housesitting gemacht und es war jedesmal ziemlich cool. Da du ja eher der Vagabund bist, interessiert dich vielleicht ein Leben als Hauswächter? http://de.cameloteurope.com/37/1/kriterien-fur-hauswachter/kriterien-fur-hauswachter.html Da kann man dann in aller Herren Länder in Schulen, Schlössern oder Sporthallen wohnen. Dadurch werden diese Leerstände genutzt und sind eher vor Vandalismus geschützt.

  4. Ich finde es interessant wie eine fremde Umgebung auf einen wirkt. Aber ich unterscheide zwischen umziehen und woanders Gast sein. Bei einem Umzug machen mich vollgestellte Zimmer mit Kartons und Möbel nervös. Aber wenn das Wenige dann an seinem Platz ist, fühle ich mich direkt wie zu Hause und ich genieße das Gefühl des neuen.
    Auf reisen bevorzuge ich sogar die leere eines Raumes. Da reicht mir nur ein Bett. Und natürlich Mann und Kind.

    Viele Grüße
    Maren

  5. Darf ich nicht trotzdem zum Teil aus meinen Gewohnheiten bestehen? Ich bin ins Ausland gezogen und hatte nur das bei mir, was ich tragen konnte. Wichtige Gewohnheiten wie Tee trinken und Lesen habe ich trotzdem mitbekommen, also sie dort genauso wieder ausgelebt wie hier. Überall, wo ich bin, liebe ich es in der Umgebung spazieren zu gehen und mir mein Umfeld zu erlaufen. Sei es damals dort oder heute im Urlaub.
    Wenn ich das hier schreibe und nachdenke, fällt mir auf, dass ich vielleicht mehr mit den Gewohnheiten verbunden bin, als mit Sachen. Abgesehen davon, dass ich gerne Kleidung trage, in der ich mich wohlfühle, fällt mir an Sachen nichts ein, was mir wirklich wichtig wäre (vielleicht Tagebuch schreiben, aber das würde ich ebenfalls einer Gewohnheit zuordnen, um die Sachen dabei, geht es mir nicht).
    lg Nanne

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