Elektroschrott

Wenn ich hier durch die Großstadtstraßen schlendere, sehe ich nicht nur ausrangierte Christbäume sondern sehr viel entrümpeltes Zeug herumliegen. Wilde Müllhalden. Irgendwer wirds schon wegräumen.

In meiner grenzenlosen Naivität denke ich immer „Hurra, die Leute wollen minimalistischer Leben und misten ihr Leben aus!!!“ und erst dann holt mich mein Pessimismus ein: „ach nee, die schaffen nur Platz für was Besseres, Neueres, Schnelleres“. Seit Tagen steht ein „altmodischer“ Röhrenfernseher vor unserem Haus. Irgendwer wirds schon wegräumen. „Irgendwer“ und „weg“.  Aber Wer? Und Wohin?
Das hat mich neulich beschäftigt.
Da bin ich über dieses Video gestolpert. Filmemacher Alex hat mal nachgeforscht:

The Electronic Afterlife from Gizmogul on Vimeo.

Ich finds zwar nicht gerade prickelnd, dass er sein Zeug dort auch verbrennt, aber naja…auf mehr oder weniger kommts dort wohl auch nicht mehr an?! :(
Mir war das schon vorher klar, dass das nach Afrika oder sonst wohin verschifft wird, aber so im Detail kannte ich den Weg noch nicht.
Auf der Seite „Schrottfernseher“ kann man das aber nachvollziehen. Die Filmemacher haben einen GPS Sender in einen alten Röhrenmonitor gebastelt, das Ding abholen lassen und sind hinterher gereist. Erstaunlich.

Das ganze Thema ist ziemlich übel.

Was kann ich tun? Meine Ideen:
1. Nutzen, was ich habe und es gut pflegen. Muss ich immer up-to-date sein? Nö. Lernen, damit zufrieden zu sein. Auch wenn es nicht mehr ganz so modern ist. Wobei es ganz schön frech ist, dass man durch die weitere Technologisierung immer schneller ausgesperrt wird, obwohl die Hardware einwandfrei läuft.
2. Wenn ich was kaufe, dann vorher gut informieren. Geplante Obsoleszenz ist ja leider heutzutage auch ein Punkt. Herr DingDong hat tatsächlich den Drucker in seiner Firma mit nem Hack wieder hingekriegt! Das Internet hilft.
3. Andere Kanäle auftun. Ich kann ja auch erstmal was leihen und testen. Oder verleihen, wenn ich es nicht so oft benutze oder nicht mehr brauche.

Beim Dinge reparieren habe ich noch arge Schwierigkeiten, weil ich nicht nur untalentiert sondern auch faul bin. (Die Faulheit äußert sich dann in einem Verzicht) Aber es schadet bestimmt nicht, sich das mal ein bisschen beizubringen. Hm. Zumindest nehme ich mir das jetzt mal vor.

Wie ist das bei dir? Hast du viel Elektroschrott rumstehen? Reparierst du viel? Würdest du es gernen lernen? Warst du schon mal in einem RepairCafe?

8 Gedanken zu “Elektroschrott

  1. Bei uns steht auch hin und wieder „Elektroschrott“ an der Straße. Gerne auch mit einem „Zu verschenken. Funktioniert noch.“-Schild versehen, weil man sich nicht die Mühe machen wollte, das Gerät zu einem Recyclinghof zu bringen. Und da es offenbar ja noch funktioniert, scheint es wirklich nur durch etwas „Besseres“ ersetzt worden zu sein.

    Aber wird ein solches Verhalten nicht auch unterstützt durch Geräte, die sich nicht selbst reparieren lassen (z.B. hab ich sowas bei Apple-Produkten gehört, bei denen das Gehäuse verschweißt ist) oder bei denen eine Reperatur teurer ist als ein neues Gerät?

  2. Hallo Frau Ding Dong,

    ich nutze die Dinge meist solange bis sie kaputt sind. Wenn sie kaputt sind und ich den Fehler nicht selbst beheben kann, bekommt das „Ding“ erst einmal mein Opa. Der kann echt fast alles reparieren. Wenn er das nicht mehr hinbekommt, dann … biete ich sie online per Kleinanzeige an. Manch Bastler interessiert sich dafür. Selbst meine sieben Jahre alte und das Objekt nicht mehr ausfahrende Digi-Cam hat so noch einen neuen Besitzer gefunden. Alles, was noch funktioniert und ich austauschen möchte oder nicht mehr brauche, biete ich ebenfalls online an. Elekroschrott, der von meinem Haushalt direkt in den Müll wandert, habe daher wirklich selten. Das letzte war ein alter, kaputter Wasserkocher.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

    P.S.: Mein Laptop funktioniert auch nach mehr als sieben Jahren noch, mein Handy hat auch schon mehr als drei Jahre auf dem Buckel …

  3. Hallo,

    ich lebe seit 3 Jahren in der Ukraine. Sehr viele Leute haben sehr wenig Geld. Reparieren ist hier Standard. Schuhe, Elektroartikel, Autos…
    Unser guter Luxusstaubsauger hat nach etwa 6 Jahren den Motor kaputt gehabt (etwas früh finde ich) – für ca 18 € wurde er hier repariert und läuft wieder.
    Das macht glücklich – wirklich – reparieren macht glücklich! Anja kann froh sein so einen tollen Opa zu haben, der immer wieder etwas instand setzt.

    Das wollte ich nur mal teilen.
    Isabel

  4. Repair-Cafes sind eine prima Sache! Bisher nur immer zu weit von mir -wohnhaft im Emsland- entfernt.

    Aber gerade vor wenigen Tagen sprach diese Aktion jemand in einer lokalen Facebook-Gruppe zu unserer Stadt an und nun tut sich etwas in der Richtung wie es scheint. :)

  5. Ich bin ein absoluter Technik Fan, Nichtsdestotrotz kaufe ich abgesehen von Handys selten neue Elektronik und besitze auch sonst nur sehr wenig materielle Dinge.

    Mich fasziniert je längers je mehr der Gegentrend, also wie kann ich gebrauchte Produkte noch länger erhalten oder anderweitig einsetzen.

    Ein Beispiel:
    Mein alter Laptop läuft unter Windows 8 praktisch nicht mehr. Mit der kostenlosen Ubuntu (OS) Alternative konnte ich das Device wieder zum laufen bringen, mehr noch es ist wahrscheinlich so schnell wie noch nie zuvor (Arbeitseinsatz: 45 Min).

  6. Das Exportieren von Elektroschrott ist Illegal. Der Zoll führt Stichproben durch kann aber natürlich nicht jedes Gerät genau testen. Deshalb sollte man ein Gerät das wirklich entsorgt werden soll optisch zerstören, oder zumindest den Stecker abschneiden. Das erhöht wenigstens die Chancen das ein illegaler Export erwischt wird.

  7. Hi, Deinen Betrag finde ich gar nicht schlecht! Vielen Dank für das Video. Das kannte ich noch nicht.

    Eine Sache stört mich in Deinem Text. Vielleicht verstehe ich es einfach nicht… Magst Du mir das mal erklären?

    „Ich finds zwar nicht gerade prickelnd, dass er sein Zeug dort auch verbrennt, aber naja…auf mehr oder weniger kommts dort wohl auch nicht mehr an?! :(“

    Ich finde es schrecklich, dass dort Sachen verbrannt werden! Das wusste ich schon lange und ich pflege und hege meine Elektrosachen, damit sie bloß nicht auf einem solchen Platz landen. Es ist schrecklich, dass die Menschen damit leben MÜSSEN. So heißt es auch im Video, dass manche gar kein Geld verdienen würden, wenn sie das nicht hätten.

    Ich stelle mir das einfach so vor: Wäre so ein Platz genau neben Deinem Haus, Wohnung oder was auch immer… wärst Du immer noch der Meinung, dass es auf mehr oder weniger nicht ankommen würde?! Was soll das überhaupt bedeuten… mehr oder weniger?! Tag täglich bekommen diese Leute elektronische Geräte… Es handelt sich um einen ewig langen Zeitraum und nicht um eine Woche…

    Clara

    1. Natürlich ist es schrecklich, das dort so viel Zeug verbrannt wird!!! Und ich pflege meine Elektrogeräte auch. Wir kaufen auch so weit wie möglich gebrauchte Geräte (auch kaputte Sachen auf eBay, die wir dann reparieren. Naja, Herr DingDong mach das, während ich die Taschenlampe halte…).
      Meine Aussage mit dem „:(“ soll Resignation ausdrücken. Denn 1. steckt dahinter eine gigantische Industrie und letztlich basiert darauf auch unser Wohlstand und 2. selbst wenn dort ab morgen kein Elektroschrott mehr landet, ist der Boden trotzdem schon vergiftet und die Leute dort sind krank und werden es vermutlich auch bleiben. Das Kind ist schon längst in den Brunnen gefallen. Und daran kann ICH persönlich auch nicht viel ändern, selbst wenn ich nie wieder ein elektronisches Gerät kaufen würde.

Schreibe einen Kommentar zu Clara Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*