Erkenntnisse: Wie man es schafft aufzuräumen und ordentlich zu bleiben.

Aufräumen. Ordentlich sein. Organisiert sein und bleiben. Dieser Prozess war für mich eine schwere Geburt. Hat mir ja niemand erklärt, wie das genau geht, mit „sich selbst organisieren“ und „Ordnung halten“. Über sowas führt man ja auch keinen Small Talk. Da redet man übers Wetter oder über Politik ohne irgendeinen besonderen Nutzen. Und in der Schule? Warum lernt man denn sowas Grundlegendes nicht in der Schule??!?
3 Jahre lang hat diese Erkenntnis zum Heranreifen gebraucht. Wahnsinn. Aber nun kann ich mit Stolz behaupten, dass ich mich selbst zu einer organisierten Person erzogen habe. Es geht also! Gut, einige werden sich beim Anblick meiner Wohnung doch noch fragen, was daran ordentlich sein soll, aber für mich ist das ausreichend. Ich finde alles was ich brauche. Ich vergesse weder Schlüssel noch Geldbörse (aber doch noch manchmal den Einkaufszettel). Und meistens finde ich sogar die Dinge von Herrn Ding Dong!
…tja und weil einige Ratgeber zu diesen Grundgedanken doch unzureichend sind, dachte ich mir, ich könnte meine gesammelten Erkenntnisse mal hier vorstellen. Sie werden sich – du wirst es gleich merken – als Binsenweisheiten herausstellen. Vielleicht mag ja der eine oder andere ein paar Tipps als Kommentar hinterlassen und seine Erkenntnisse teilen?

Erste Erkenntnis: Aufräumen bedeutet nicht unbedingt, dass man gut organisiert ist. Man kann ordentlich sein und trotzdem total viel Zeit damit vergeuden, die Pfanne aus dem Küchenschrank zu wühlen, weil der Wok und das Raclette davor stehen und die Hälfte bei der Erledigung seiner Besorgungen vergessen. Man kann aber auch gut organisiert sein und dafür aber bisschen unordentlich sein. Man kann aber auch beides zugleich sein! Vielleicht ist es sogar so, dass sich beides ab einen gewissen Zeitpunkt gegenseitig beeinflusst?! Ich gehöre zu der Sorte, die beim Aufräumen auch mal Fünfe grade sein lassen können. Das reicht mir. Übertreiben kann man es bei anderen Sachen ;)

Aufräumen
1. Um ordentlich zu werden, braucht man weder Talent noch ordentliche Eltern, die einem Ordnung schon als Kindergartenkind beigebracht haben. (braucht man wirklich nicht, beides könnte aber hilfreich sein und den ganzen Prozess beschleunigen.)
2. Jeder kann aufräumen und Ordnung halten, wenn er bereit ist, ein bisschen zu schwitzen und Zeit aufzuwenden (nur am Anfang, dann ist es ein Kinderspiel, ehrlich!)
3. Vorüberlegungen: Wo anfangen? Egal. Lass deinen Bauch entscheiden. Was stört dich am meisten? Der Haufen ungelesener Zeitungen und Zeitschriften im Wohnzimmer oder der übervolle Kleiderschrank? Dann fang dort an. Und zwar nur dort! Klein anfangen bringt im Arbeitsalltag den größten Nutzen. Jeden Abend eine Schublade oder ein Regalbrett. Und das aber auch wirklich durchziehen! Hilfsmittel für aktue Schweinehundattacken: Timer auf 15 Minuten stellen. Mülltüten oder Kartons aufstellen und alles rein, was einem nicht gefällt, was veraltet ist, nicht mehr passt usw. Da schafft man schon einiges. Und wenn man erstmal angefangen hat, macht man meistens auch weiter.
4. Ordnung fängt mit Platz an. Wenn man ausreichend (Stau-)Raum hat, hat auch jedes Ding seinen Platz. Oder etwas mathematischer ausgedrückt: Platz > Dinge.
5. Starten: Also erst Platz schaffen indem man entrümpelt. Frage dich ständig, auch beim künftigen Einkaufen: „Brauche ich das wirklich?“, „Ist es nützlich/funktional/praktisch/bequem/von guter Qualität?“ und „Gibt mir das Ding ein gutes Gefühl oder ärgere ich mich irgendwann darüber/macht es mich traurig?“ Glaub mir, das meiste kann weg. Wir brauchen weniger als wir denken.
6. Die aussortierten Dinge entweder reparieren, verschenken oder – wichtig – wegschmeißen und loslassen. Das gilt auch für Erbstücke und Geschenke, die sich wie ein Klotz am Bein anfühlen.
7. Alles mal richtig gründlich durchputzen. Wenn etwas richtig sauber geschrubbt ist, möchte man die Oberfläche nicht gleich wieder mit irgendwelchen Krimskrams vollstellen.
8. Für jedes Ding einen Platz suchen/ausdenken, es da hin legen, sich merken, wo es hingehört. Es mindestens 21 Tage lang immer wieder dort ablegen. (21 Tage lang dauert es, bis sich eine Gewohnheit gefestigt hat)
9. Das Ding nach jeder Entnahme wieder da hin zurück tun, wo es hin gehört. Mindestens 21 Tage lang durchziehen!
10. Recherchieren wo man die aussortieren Dinge hinbringen kann. Das kann der nächste Recyclinghof sein oder ein Secondhand-Laden. Kaputte Dinge, die man behalten will, reparieren. Und zwar innerhalb einer Woche. Wenn sie nach Ablauf von einer Woche nicht repariert sind, ist das jeweilige Ding ja vielleicht doch nicht so wichtig? (und kann dann weg.)

So. Jetzt ist schon mal eine Grundordnung vorhanden. Weil die übrig gebliebenen Dinge nun Platz haben, lassen sie sich finden. Das Aufräumen fällt einem leichter, weil die Dinge nun einen festen Platz haben. Oh gott, ist das einfach. Wenn man mir das nur mal früher erzählt hätte!
Interessanterweise fühlt man sich nach dem Entrümpeln und Aufräumen besser, nicht wahr?

Organisieren
1.Nun kann man sich Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll war, alles so anzuordnen, wie man es sich in Schritt 8 überlegt hat.
Dazu muss man nur herausfinden,
– wie oft man das Ding braucht (sehr oft, oft, selten? Oft benutzte Sachen sollten leicht zugänglich sein)
– wo man es benutzt (Küche? Arbeitszimmer? Bad? usw.)
und
– ob es ähnliche Dinge gibt, die zum gleichen Arbeitsprozess gehören. (Messer, Gabel, Schere, Licht = Küchenschublade oder irgendwo im Esszimmerbereich)
Ziel dieser Überlegungen ist also: gute Erreichbarkeit in möglichst kurzer Zeit bei möglichst kurzem Weg.
Also nicht von Zimmer A zu Zimmer B laufen, dort den halben Schrank ausräumen müssen, weil Objekt A hinter Objekten B,C,D,E und F liegt, dann wieder zurücklaufen zu Zimmer A, dort alles erledigen, um dann wieder zurück zu Zimmer B zu laufen, damit alles wieder wegräumt werden kann. Das ist doch nervig!
2. Organisation ist ein laufender Prozess, der sich immer wieder ändert, genauso wie sich Persönlichkeiten und Leben immer wieder ändern. Also sollte man von Zeit zu Zeit seine Gewohnheiten überprüfen und ggf. ändern.
Wenn man Ähnliches zu Ähnlichem legt, also Gegenstände gruppiert und seine Arbeitsabläufe überdenkt und optimiert hat man den maximalen Zusatznutzen. Mehr Zeit für’s Wesentliche, weniger Stress. Und das ist doch schon mal eine gute Basis!
3. Man braucht keine teuren Aufbewahrungsmöbel und schicke Kisten, vor allem nicht am Anfang. Ausgediente Schuhkartons, leere Keksdosen, Marmeladengläser und sonstige Sachen reichen erstmal aus, um das Zeug ordentlich wegzuorganisieren. Da sich gerade am Anfang viel ändert, lohnt es sich nicht, extra was zu kaufen. Das kann man später immer noch machen.

4. Oh, noch ein Wort zu kaufen. NIEMALS, NIIIIIIIEMALS den Fehler machen und denken: „Ich muss mein Zeug gut unterbringen, also kaufe ich mir Regale, Kisten, Stehsammler und xyz, damit ich alles aufräumen kann“ – FALSCH!!!! STOPP!! Da ist unser Gehirn irgendwie verkorkst und will uns nur was vorgaukeln…Der Trick ist: ERST Entrümpeln und DANN überlegen, ob man noch ein Möbel/Box/irgendwas braucht, um alles vom Boden verschwinden zu lassen. Früher glaubte ich unbedingt eine Kommode zu brauchen, um meine restlichen Klamotten unterzubringen, dann habe im Laufe der Zeit mindestens 2x 120 L Säcke Klamotten aussortiert und hergegeben – und das Anschaffen der Kommode hat sich in Luft aufgelöst! (=mehr Platz, juhu!)

Und wie bleibt man dann auch wirklich ordentlich?
Ich muss mich immer noch dazu zwingen, die Dinge da hin zurück zu legen, wo ich sie her habe. Meistens tue ich das nämlich nicht sofort, dafür aber spätestens am nächsten Tag. Immerhin. Es meldet sich aber jedesmal ermahnende Stimme, die sagt „Du, das gehört hier nicht hin und das weißt du“ – da spring ich auf und räum es weg. Krümel, Tropfen oder Kleckse werden sofort aufgesaugt und weggewischt, dann muss man da hinterher nicht ewig dran herumschrubben.
Mein Ziel bei dieser „Daueroptimierung“ ist: mehr Freizeit! …und das klappt auch schon ganz gut, denn wie sonst hätte ich so einen langen Artikel schreiben können? ;)

War der Beitrag in irgendeinerweise für dich nützlich? Was kann man dazu noch ergänzen? Ich lerne gerne dazu!
Wie organisierst du dich? Oder bist du ein Verfechter von „kreativen Chaos“?

14 Gedanken zu “Erkenntnisse: Wie man es schafft aufzuräumen und ordentlich zu bleiben.

  1. Ha! übrigens: wenn man Fernbedienungen aussortiert, braucht man nichts aufzuräumen und nichts zu organisieren :D
    Oh und wenn man keinen Fernseher hat, braucht man auch keinen DVD-Player, Videorekorder, keinen Receiver – ergo auch keine Fernbedienungen! Verrückt. Aber nicht machbar, wenn man gerne Filme guckt.

  2. Frau DingDong!

    Am besten finde ich den Satz: „Aufräumen bedeutet nicht unbedingt, dass man gut organisiert ist. Man kann ordentlich sein und trotzdem total viel Zeit damit vergeuden, die Pfanne aus dem Küchenschrank zu wühlen, weil der Wok und das Raclette davor stehen (…)“

    Ausserdem bin ich über Dein gewaltiges Output (positiv) schockiert. Ganz schön viel, was die Frau DingDong da in einen Artikel packt. Könnte man auch drei Artikel draus machen :-). Wie immer schön geschrieben.

    Einen guten Rutsch in das neue Jahr!

    1. Dankeschön.
      Ich habe auch zuerst überlegt, ob ich nicht mehrere Artikel draus machen sollte, aber da war ich mir nicht sicher. Ich muss ja erst herausfinden, warum die Leute wirklich hier sind :D und wenn die nix über Organisation lesen wollen, dann macht es auch keinen Sinn mehrere Artikel darüber zu schreiben. Deshalb hab ich meinen Gehirnschlonz gleich auf einmal rausgelassen. Vor allem habe ich jetzt noch die Zeit dafür so viel aufzuschreiben :D
      aber die nächsten Posts werden bestimmt wieder kürzer…

  3. Frau DingDong,

    vielen Dank für diesen wundervollen Artikel, wie immer großartig geschrieben. Übrigens finde ich es gut dass es alles auf einmal geschrieben ist, schön übersichtlich und klar, schließlich reicht mir das Chaos um mich herum, gut wenn ich nicht im Blog nach dem zweiten und dritten Teil des Artikels suchen muss.

    Nun es ist wirklich so, man unterhält sich über alles mögliche, jedoch seltenst wie man Ordnung hält. Es gab einmal eine Situation, als ich noch in einer Wohngemeinschaft wohnte und ein gemeinsamer Freund vorbei kam, der zwar von aussen nicht so wohnt, aber doch äusserst ordentlich und organisiert ist (ich war schockiert als ich ihn mal in seiner Wohnung besuchte!). Ihn fragte ich „sag mal, bei Dir ist es so super ordentlich, wie machst Du das? Ich weiss einfach gar nicht wo ich anfangen soll“.
    Darauf hin half er mir in meinem damaligem (unvorstellbar chaotischem Zimmer!) aufzuräumen. Am liebsten hätte ich die ganze Zeit nur „HAAAALT! und STOOOOP!“ gerufen.

    Er begann damit sich mit Putzhandschuhen und einer großen Mülltüte zu bewaffnen.
    1. Jeglichen Müll sofort weg (also auch so Krimskrams wie Überraschungseifiguren, jaja so Sachen hebt man auch manchmal auf)
    2. Alle Flächen abräumen und auf einen Haufen
    3. Alle Flächen reinigen
    4. Neu anordnen, bevor man jedoch etwas wieder hinstellt, nochmal zum Mülleimer schielen und sich fragen „brauch ich das wirklich?“
    5. sich freuen

    Nun es war damals ein unglaublicher Erfolg, jedoch nicht von langer Dauer. Aber wenigstens hatte ich somit schon einmal einen Anhaltspunkt.

    Meine Eltern übrigens sind äusserst ordentliche Menschen.
    Jedoch haben sie mir dennoch nie gelernt wie man richtig Ordnung HÄLT.
    „Räum Dein Zimmer auf“ bedeutete für mich. O.K. Schrank auf, Sachen rein, SImsalabim!

    Danke für diesen Super Artikel, da er doch viele Informationen enthielt, wie P.Hinzmann schon bemerkte, werde ich ihn wohl noch öfter lesen,
    aber ich konnte schon ein lautes Klicken in meinem Kopf vernehmen ;)

    Leider las ich das zu spät mit den „bloß keine extra-Kisten kaufen“
    haha die stehen jetzt gerade hilflos im Gang herum und trippeln auf der Stelle, denn natürlich habe ich keinen Platz dafür haha!

    Das alte Jahr geht nun zu Ende und wie ich dem Artikel von P.Hinzmann entnehmen konnte, beginnt er schon mit dem „Kehraus“ im September.
    Merke ich mir fürs kommende Jahr, am Besten ich trage es im Kalender ein.

    Also großes Lob an diesen Super-Artikel.
    Bin sehr motiviert, dass nächste Jahr aufgeräumter uuuund organisierter zu verbringen. Das mit den 21 Tagen war übrigens ein sehr guter Hinweis und ein Ziel ist es, es gleich richtig mit dem kleinen Sohnemann zu lernen! Guter Ansporn.

    Einen Guten Rutsch nach 2011 und liebe Grüße auch an dieser Stelle an Herrn DingDong!

    Liebe Grüße
    Jean Gnilbeuts

    1. wow, das wäre mal was gewesen wenn ich auch mal Hilfe beim Aufräumen gehabt hätte…ach mensch, vielleicht hätte ich einfach mal super ordentliche Menschen fragen sollen, wie das geht…Problem: Ich kenne keine super-ordentlichen Menschen :D
      Dir auch einen guten Rutsch!!!

  4. Super Artikel! Das mit dem festen Platz für Gegenstände ist total wichtig! Ich habe neulich mal was darüber gelesen. Einfaches Beispiel: Unsere Zahnbürste!
    Diese steht im Zahnputzbecher stets im Badezimmer und wir kämen gar nicht auf die Idee, sie zum Beispiel in der Küchenschublade aufzubewahren. Und warum? Weil es total sinnvoll ist sie im Badezimmer zu haben, schließlich brauchen wir sie 2-3 Mal am Tag und wir brauchen auch immer das Waschbecken in der Nähe. Diese Selbstverständlichkeit müssten wir eigentlich nur auf alles anwenden, was uns beim Aufräumen in die Hände fällt. Ist nicht immer leicht, denn ich bin ziemlich chaotisch aber das mit der Zahnbürste wirkt bei mir einfach jedes Mal Wunder :-)).

    1. Die von meinem Stiefvater lag glaub ich schon überall…. und ich hab immer sooo einen kopf bekommen als sie irgendwann auf dem Sofa lag aber wieso legt man die bitte da hin?!?! Icheck verstehe es nicht und muss als Stieftochter hinter ihm herräumen…

  5. Vielen Dank für den tollen Artikel. Viele Menschen haben ein Problem damit. Man lässt nur all zu gerne etwas liegen, weil es bequemer ist. Nach und nach stapeln sich dann die Dinge. Es ist wirklich besser regelmäßig sauber zu machen-

  6. Ganz genauso mache ich es seit Jahrzehnten, da ich zu den „Ordentlichen“ gehöre. Und trotzdem – genauso wie du es beschreibst – muss ich mich immernoch überwinden, ständig die Dinge wieder an ihren Platz unterzubringen, umgekehrt stört es mich enorm, wenn Zeugs rumliegt. Von Zeit zu Zeit 1x pro Jahr, muss ich trotzdem ausmisten, weil sich einfach Herr Krimskrams nicht ganz ausmerzen lässt. Was mir noch hilft, besonders wenn man eine Bastelfee ist oder in Familie hat, ist, die Behälter mit Inhalt (Boxen, Schachteln etc) von Aussen zu beschriften.

    Manchmal muss ich mich aber auch bisschen zurückstecken: Besuch kommt. Rums, die Riesentasche von Freundin X knallt auf den schönen leeren Beistelltisch. Schuhe liegen unordentlich lose vor der Eingangstüre. Jacke wird über die Stuhllehne im Wohnzimmer geworfen. Mitgenommene Plastiktüte mit „weiss Gott was da alles drin ist“ liegt auf dem Boden neben der Couch und droht ständig umzufallen. Tja, und schon sieht meine kleine 2-Zi-Wohnung aus, als hätte ich das grösste Chaos – für mich! sieht’s so aus! Ich werde nervös und fange an, aufzuräumen und mich zu ärgern. Da muss ich noch an einer für beide stimmende Lösung arbeiten:)

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