Fazit Stilberatung

Weil viele von euch wissen wollten, wie mein Stilberatungskurs war, schreib ich das hier mal schnell auf.

Den Kurs selbst habe ich über die VHS gebucht, fand gestern von 10-18 Uhr statt und kostete 60 Euro.
Ich fand die 60 Euro gut in den Kurs – und somit in mich – gut investiert. Wir waren insgesamt 10 Frauen und haben viel gelernt. (Für die Profis: nach dem Color me Beautiful Prinzip) Der größte Lerneffekt war für mich beim Thema Farben und Farbwahrnehmung. Ich habe endlich verstanden, warum uns einige Farben blass, alt und krank machen, während andere Farben uns die Frische ins Gesicht zaubern. Und damit kann man arbeiten.
Es war aber auch anstrengend, so lange bei 9 Frauen zu sehen und wahrnehmen zu müssen. Der Großteil der Frauen waren kühle Typen, da hielt sich die Abwechslung in Grenzen und ging nur in Nuancen, das war auf die lange Zeit gesehen doch ein bisschen ermüdend.
Nachdem wir uns trölfmillarden Farben vors Gesicht gehalten haben, ging es dann noch um Gesichtsformen und was man am Besten bei Brillen und Frisuren beachten sollte, sowie um Körperformen, Stilpersönlichkeiten und Proportionen.

Die Kursleiterin war sehr nett und witzig. Sie hat praktische, lebensnahe Tipps gegeben, z.B. dass man sich das Geld für einen Farbfächer sparen sollte, weil die Dinger 1. teuer sind und 2. es die Farben meistens sowieso nicht im Laden zu kaufen gibt, wenn sie nicht gerade modern sind. (Denk nur mal an diese ganzen Nude-Töne!) Wenn wir uns in der Farbe vergriffen hätten, sollten wir es einfach wieder zurück bringen und den Verkäufern sagen, dass sie in der Umkleide besseres Licht machen sollen.
Wenn sie welche verkauft hätte, hätte ich mir wahrscheinlich trotzdem einen gekauft, weil ich gerne Farben angucke. :D Aber ich guck erst mal meinen Farbkreis zu Hause an und hol mir dann aus dem Baumarkt ein paar Farbkärtchen, die ich dann in meinen Filofax einhefte.
Letztlich gehts darum, seine Farbwahrnehmung zu schulen.

Und um euch zu beruhigen: Wir sind nicht die kompletten Vollhonks. Man fühlt sich sowieso zu dem hingezogen, was einem auch steht. Man liegt eigentlich nie so sehr daneben, aber manchmal gehts eben schon drum, ob das lila nun einen rötlichen oder bläulichen Unterton hat, gedeckt oder klar ist. Ich habe anhand des Drapings gelernt, dass meine Farbauswahl ziemlich okay ist. (Bis auf eine Camel-farbene Opa Strickjacke, die mich wirklich krank macht, aber das ist mir egal, die zieh ich nur zuhause an) Der Kurs hat mir in dieser Hinsicht noch ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Mut zugesteckt und ich werde mir mal ein schönes Himbeerrot aussuchen!

Von einigen, denen ich erzählt oder geschrieben habe, dass ich so einen Kurs mache, kam totales Unverständnis – was mich ziemlich überraschte. Ich hörte z.B. „Braucht man nicht“ oder „Das kannst du doch alles im Internet nachgucken“ oder „das kann ICH dir auch sagen!“ Und auch „Stil? Warum sollte mir denn jemand vorschreiben, was ich anzuziehen habe?!“

Das hat mir gezeigt, wie ominös diese ganze Sache für die meisten ist. Für mich war es das ja auch. Ich meine, wir lernen doch aus Frauenzeitschriften alle paar Jahre, dass die Sanduhren bitte A-Linien tragen sollten und Herbsttypen kein lila tragen sollten – aber das ist doch alles nicht in Stein gemeißelt. Und was bringen einem solche Aussagen, wenn man sie nicht umsetzen kann, weil die Läden voll mit abartigem Gruselgraus hängen? Wenn ich einen Typentest mache und herauskommt, dass ich klassische Sachen anziehen soll, ist das ja schön für den Typentest. Interessiert mich nur nicht. Vielleicht ist es aber auch so, dass es mich auf die Idee bringt, tatsächlich mal Loafer oder ein Poloshirt anzuprobieren. Vielleicht stehts mir ja besser als meine ausgelatschten Stiefel.
Alles kann, nichts muss. Es soll Spaß machen und Lust auf Farbe machen. Immerhin sind Klamotten unsere zweite Haut und auch wenn wir nur eine Winzigkeit verändern, könnte das Türen öffnen, die vorher noch nicht geöffnet waren.

Ha! Das klingt so als wäre ich jetzt voll zum Modepüppchen mutiert! Keine Panik, diese Gene trage ich nicht in mir. Aber Stilfindung und Minimalismus gehören für mich schon zusammen, weil es das Einkaufen noch mehr zusammengedampft hat.

Also: So eine Stilberatungs-Kurs ist was für dich, wenn du Lust auf Farbe hast und du eher im Bereich Schwarz, Weiß, Jeansblau angesiedelt bist und du gerne mal Fremdmeinungen hören willst.
So ein Kurs ist aber nix für dich, wenn du Probleme damit hast, vor einer größeren Gruppe beurteilt zu werden, dann wäre vielleicht eine Einzelberatung sinnvoller.

Wer jetzt erstmal ein bisschen was zum Rumklicken braucht, sollte mal bei Materialfehler oder auf into-mind oder bei un-fancy vorbeischauen.

4 Gedanken zu “Fazit Stilberatung

  1. Liebe Frau DingDong,

    mit so einer Farbberatung hadere ich schon seit Jahren, bisher habe ich mich einfach nicht getraut. Bei anderen wirkt das immer so aus, als wüssten sie ganz ohne auszuprobieren/nachzudenken, was ihnen gut steht und was nicht. Zumindest was bestimmte Formen angeht, habe ich in den letzten Monaten (durch Ausprobieren mit dem großen Kleidervorrat meiner Schwestern und durch verschiedene Blogs) einigermaßen rausgefunden, was meine Körperform unterstreicht. Vielleicht sollte ich also was Farben angeht über meinen Schatten springen?!

    Übrigens finde ich es auch als Minimalistin/Feministin/Gesellschaftskritikerin/etc. vollkommen in Ordnung, wenn man sich in solchen Bereichen beraten lässt oder sich dafür interessiert. Es geht ja nicht darum, einem bestimmten Ideal nachzueifern und blind alles möglich zu kaufen, sondern Kleidung zu finden, in der man/frau sich wohl fühlt. Das hat für mich auch etwas mit Achtsamkeit gegenüber meinem Körper zutun. Darüber wollte ich aber eh nochmal bloggen…

    Liebe Grüße, Svenja (Apfelmädchen)

  2. Hallo Cloudy,

    da merke ich tatsächlich, wie einfach ich es mit meiner Schwarz/Weiß/Grau Palette habe. Bei Farben bin ich wirklich sehr spärlich – unter anderem auch deshalb, weil sie mir sonst zu schnell nicht mehr gefallen.

    Ich glaube auch, dass es gut ist, so eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um selbst mehr Sicherheit zu bekommen.Schließlich möchte man sich ja auch wohlfühlen.

    Apropos: Ich bin immer etwas verwundert, wenn jemand Kleidung für zu Hause hat, in die sie oder er nach der Arbeit schlüpft. Ich trage doch auch tagsüber keine Kleidung, die unbequem ist. Oder bin ich da der Einzige?

    Lieber Gruß,
    Philipp

  3. Ich gebe deiner letzten Aussage absolut recht. Wenn man weiß, was einem steht, dann fühlt man sich wohl in der Kleidung und hat deutlich weniger Fehlkäufe und „Schrankleichen“. Bei mir beim Entrümpeln immer ein riesiges Problem. Denn einerseits sind die Klamotten eigentlich ganz neu, aber andererseits fühle ich mich so dermaßen unwohl drin, dass sie einfach nur hängen.

  4. Ja, meist hat mans im Gefühl, was einem steht, kanns aber vielleicht bicht immer benennen.
    Es gibt aber auch die große Gefahr des „ich will auch“. Nicht nur bei mir. Wenn ich Leute seh, die einen tollen Stil haben, der voll gut zu ihnen passt, dann will ich das auch. Früher, in meiner planlosesten Stilsuchezeit, hab ich dann denen das nachgekauft und sogar oft nicht (ein)gesehen, wenns mir Null gestanden hat. Heute weiß ich: das was ich immer so bewundert hab, das was ich auch wollte, war einfach nur typgerechte Klamotten :D und die sind bei mir wegen Körperformen und Charakter halt unter Umständen ganz anders als von meinem Objekt der Bewunderung.
    Ich bin daher lange in den falschen Farben herumgelaufen. Vor dieser Verwirrung war ich aber immer im richtigen Farbtyp unterwegs, oder knapp daneben. Schon als Kind hab ich instinktiv zu den Buntstiften meines Typs gegriffen.
    Ich seh andererseits auf der Straße unglaublich viele Leute in den falschen Farben herumlaufen. Wahrscheinlich haben die meisten einen richtigen Farbinstinkt, aber äußere Umstände wie Verfügbarkeit, Mode, Wunschdenken, wasweißich…

    Thema Farbfächer:
    Es geht bei denen nicht darum, dass man exakt die Farben aufm Fächer nachkauft. Ein Farbfächer besteht aus lauter Papierstreifen, auf denen Farbchips kleben/aufgemalt sind und die auf einem Eck zusammengenietet sind. Man fächert den dann so auf, dass Lücken dazwischen bleiben und haltet den dann auf den Stoff drauf. Wirkt die Farbe vom Stoff so, als gehöre sie zum Fächer dazu? Oder wirkt sie etwas fremd?
    Es ist natürlich lästig, dass nicht immer alle Frben in den Geschäften sind, aber da sich der Farbtyp niemals ändert, freut man sich vielleicht in fünf Jahren drüber, dass man doch noch das eine kühle klare Kirschrot gefunden hat, das einen am Fächer schon immer so schick angelacht hat.
    Ich persönlich finde den Fächer extremhilfteich und bei Einzelberatungen ist der meist im Preis inbegriffen.
    Aber man kann sich auch echt gut mit pinterest die Augen schulen.

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