Fernsehen und Minimalismus

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Minimalismus-Blogs da draußen was zum Thema Fernsehen/TV geschrieben haben. Fernsehen ist böse, macht dumm und du vergeudest wertvolle Lebenszeit – heißt es immer wieder. Ja, auch Everett Bogue schrie herum, dass man seinen Fernseher vom Dach seines Hauses werfen soll. (…etwas gefährlich???) Einfach so, um sich vom Bann der bewegten Bilder zu lösen. Und dann sind alle immer so wahnsinnig stolz keinen Fernseher mehr zu besitzen, gucken aber ab und zu via Netflix Filme und Serien und hängen den halben Tag bei Facebook und Twitter rum. Getauscht wurde nur der Bildschirm. Super Ratschläge.

Mir geht das ziemlich auf die Nerven. Durch diese Blogposts fühlte ich mich schlecht, manchmal auch beleidigt. Ich glaube kaum, dass du den ganzen Tag vor der Glotze hockst und dir sogenanntes „Hartz IV-Fernsehen“ reinziehst. Komm schon, wir wissen doch alle, dass das Fernsehen nicht mehr das ist, was es mal war. Der Verfall hat eingesetzt, als die Gameshows aufgehört haben und alles mit Handy-Klingeton-Werbung gefüllt war. (Vermisst eigentlich noch wer „Glücksrad“ und Viva2?)

Im Grunde genommen ist doch Fernsehen genauso Unterhaltungsmittel wie Lesen, im Netz surfen oder sich mit Freunden zu treffen oder Videospiele zu spielen. Man unterhält sich eben mit etwas. Und schwupp ist die Lebenszeit zusammengeschrumpft. Und wenn man keine Hobbies hat oder irgendwelche spannende Erlebnisse geplant hat, setzt man sich eben vor dem Fernseher. Das ist es doch, oder? Man hockt vor der Kiste, weil man nicht weiß, was man sonst tun soll. Oder?

Ich wähle mir vorher Sendungen aus und nutze den Fernseher ganz bewusst als Bildungs- und Unterhaltungsinstrument. Ich habe 4-5 Sendungen, die ich regelmäßig schaue, auf die ich aber auch verzichten kann und komme so auf 2,5 bis 3 Stunden pro Woche TV-Konsum.
Und ja, ich bin froh, dass ich einen Fernseher habe, denn ich gucke mir Dokumentationen an und erfahre etwas über Dinge, die ich wohl niemals wirklich erleben werde. Das finde ich bequem. Ich sehe im Fernsehen Opern und Ballettaufführungen, die ich mir nicht leisten kann und komme auf neue Ideen, die mich inspirieren. Und wenn ich krank bin und den Tag im Bett verbringen muss, freue ich mich über Abwechslung, weil mein Kopf zu müde ist um etwas zu lesen. Bei Nachrichten und Verbraucherreportagen freue ich mich darüber, dass es schlauere Menschen gibt, die dafür bezahlt werden, irgendeinen Sachverhalt für mich zu recherchieren. Natürlich kann ich das mittels Internet alles selbst rausfinden, aber warum soll ich Zeit aufwenden, wenn das jemand anderes bereits für mich erledigt hat? Als Mensch mit ausgeprägtem visuellen Gedächtnis lerne ich sehr viel und spare dadurch Zeit. Wenn ich noch weitere Informationen benötige, kann ich ja trotzdem noch mal recherchieren, habe dann aber bereits ein bisschen Vorwissen gesammelt.

Wie ich fernsehe:
Ich sehe mir die Fernsehzeitung durch (online oder in Print, aber nur die, die kostenlos mit den Zeitungen kommen) und kreuze mir alles an, was ich interessant finde. Und das gucke ich. Mehr nicht. Wenn ich was verpasst habe: Auch nicht schlimm. Leider ist es mittlerweile ja gar nicht mehr so viel, was man sich ansehen kann und ohne Kabel wird das sowieso noch mal weiter ausgedünnt.
Bei Werbung schalte ich den Ton aus und mache mir eine Tasse Tee.
Wenn die Sendung zu Ende ist, schalte ich das Gerät komplett ab.
Wenn ich 3 Wochen oder länger nichts gesehen habe, macht das auch nichts. Und wenn Herr DingDong den Fernseher nicht mit in den Haushalt gebracht hätte, dann hätte ich vermutlich sowieso keinen.

Es geht wie immer um die Frage: Was ist jetzt für mich wichtig? Und es ist immer eine Sache der Perspektive.
Wir werden nicht draufgehen, nur weil wir nicht mehr vorm Computer hocken oder Fernsehen können. Gottseidank.

Wie ist das bei dir? Hast du einen Fernseher? Guckst du viel? Würdest du lieber weniger gucken? Oder mehr? Oder gehörst du zu den Leuten, die einfach nur den Bildschirm getauscht haben? ;)

6 Gedanken zu “Fernsehen und Minimalismus

  1. Mal wieder ein super Blog Post von Fr. Ding Dong.

    Ich schaue nur sehr selten TV. Die privaten Sendern sortiere ich kategorisch aus, dort gibt es nichts zu sehen – es sei denn: Fußball!
    Das beste Programm gibt es bei den Dritten WDR, NDR oder SWR. Hier laufen die Sendungen, die ich gerne schaue:
    Dittsche, Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs, Mitternachtsspitzen, Quarks & Co. Das meiste nehme ich inzwischen auf (Serienaufnahme) und schaue dann, wenn ich Lust und Zeit habe. Mit Ausnahme von Fußball Länderspielen, die werden natürlich live geschaut ;-)

  2. Die privaten Fernsehsender habe ich auch schon seit Jahren an meinem Fernseher ausgeblendet.

    Die meiner Meinung nach sehenswerten Sendungen / Reportagen / Dokumentationen laufen in der ARD, auf Arte und 3sat. Sehr oft aber erst spät am Abend – nach 23:00 Uhr.

    „Kaufen für die Müllhalde“ eine Dokumentation über die geplante Obsoleszenz habe ich beim Zapping entdeckt.

    http://www.youtube.com/watch?v=WD2GZUfULv4

    Und Filme auf dem Notebook anzusehen ist nicht Minimalismus sondern Kulturverfall.

  3. Ich habe keine Fernseher … öhm … aber einen DVTB-Stick und DVDs. lasse damit die Fernseh-Kultur langsam verfallen ;-) und entdecke dabei die alte Kultur des Filmtheaters wieder.

    Ich finden Deinen Artikel eine schöne Denkvorlage und finde es auch etwas arg minmal-dogmatisch, TV so in Bausch und Bogen zu verdammen.

    Wie ich damit umgehe? Hm, ganze eigene Geschichte, ich habe ganz andere Erfahrungen wie Du – weißt Du was, ich schreibe da mal selber die Tage ausführlicher was auf Finnsland, ja?

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