Gelesen: Die Essensfälscher von Thilo Bode

Okay, dass wir beim Essen betrogen werden ist ja nix Neues. Der neue Trend: Buchbranche und Filmindustrie verwursten das Thema Lebensmittelverschwendung.
Ich bin zugegeben ein bisschen spät dran mit den „Essenfälschern“. Warum? Weil ich eigentlich über all das schon Bescheid wusste. Wenn man ein paar Hefte Ökotest gelesen hat und sich mit E-Nummern und Zusatzstoffen ein bisschen auskennt, weiß man ungefähr, was einem bei Fertigfutter aus dem Supermarkt erwartet.
Wie ich nun drauf gekommen bin? Einfach so. Hab ein paar Seiten aus Langeweile angelesen und habe dann einfach weitergelesen.
Thilo Bode, früher Greenpeace, heute Foodwatch entlarvt auf ca. 200 Seiten die Essensfälscher. Da gehts um Lebensmittelkennzeichnung und Verbrauchertäuschung, Biosiegel, Herkunftslüge, Desinteresse aus der Politik und ignorierte Kundenbeschwerden. Anhand von einigen Beispiellebensmittel wie Actimel oder Schwarzwälder Schinken werden diese Themen besprochen. Im Anhang befindet sich ein ausführliches Quellenverzeichnis und noch eine Kurzzusammenfassung, wie man damit umgeht.
Fazit: grausiges Thema, dennoch lesenswert und gut für Laien beschrieben, die sich bisher überhaupt nicht damit beschäftigt haben. Ich wusste zwar vorher schon gut über das Thema Bescheid, aber dass die Abgründe so tief sind, war mir nicht klar. Stellenweise war ich richtig fassungslos. Das Buch eignet sich meiner Meinung schon dazu, mal selbstständig ein bisschen hinter die Produktfassade zu gucken, obwohl es dazu eigentlich keine richtige Anleitung gibt. Leider ist das Kapitel „was man dagegen tun kann“ etwas dürftig ausgefallen, aber vermutlich ist es im Rahmen des Möglichen.
Übrigens lese ich vor/nach jeder Lektüre auch immer die Amazon-Rezensionen. Dazu möchte ich auch noch ein Statement abgeben:
Die negativen Kundenrezensionen handeln alle ausnahmslos von den ständigen Wiederholungen der Beispielprodukte, wobei ich das gut fand. Was bringt mir denn eine Einführung in ein Thema, wo sämtliche Produkte beschrieben werden? Das kann sich doch eh keiner merken. Es ist auch kein Ernährungsratgeber (wie fälschlicherweise von einem Leser erwartet), sondern will einerseits die Erzeuger-/Herstellerseite beleuchten, andererseits darüber Auskunft geben, was alles aufgrund von Lobbyismus zum Schutz des Verbrauchers verhindert wurde (berühmtes Bespiel: die Ampelkennzeichnung). Ich stimme damit überein, dass das Buch für Leute, die sich mit dem Thema bereits beschäftigt haben evtl. überflüssig ist. Es ist aber ein sehr gutes Buch für Menschen, die die meiste Zeit Tütensuppe, TK-Pizza und Mikrowellengerichte essen.

Mehr Info:
www.foodwatch.de
www.lebensmittelklarheit.de
www.lebensmittelwarnung.de
Zusatzstoffe-Datenbank

4 Gedanken zu “Gelesen: Die Essensfälscher von Thilo Bode

  1. Hi,
    also ich habe das Buch vor einem Jahr gelesen und ehrlich, nichts neues entdecken können. Liegt wohl auch daran, dass über das Thema „Lebensmittel“ sehr viel in den Medien berichtet wird.
    Ich hoffe wirklich, dass immer mehr Leute langsam mal aus ihrer Starre erwachen und sich wehren. Bislang schauen die meisten nur weg.

    lg

  2. Na, da scheint er ja im Prinzip etwas ähnliches zu machen wie Hans-Ulrich Grimm mit „Die Suppe lügt.“ Erschienen 1997. Oder eben „Futter fürs Volk“ Erschienen 2001.
    Und was sagt uns das? Gelesen, besprochen, vergessen! Leider.Denn beim Thema Lebensmittel sind wir in Deutschland, vergesslich wenn es um Skandale oder Wahrheit geht. In dem Sinne schenke ich mir diesen Titel ich könnte noch ein paar ältere in die Reihe werfen zum Thema. Nur Wirkung hat bis heute kein einziges gezeigt. Der moderne Mensch mag sein Essen halt, als „künstliches Genussmittel“ aus dem Labor. Wohl bekomms :)

  3. Ich habe das Buch kurz nach erscheinen gelesen und muss sagen, dass ich eher enttäuscht war. Dies lag aber hauptsächlich daran, dass ich zuvor schon einige Bücher von Hans-Ulrich Grimm gelesen hatte, der die gleichen Themen behandelt.

    Da du meintest, dass Dich das „was man tun kann“ Kapitel enttäuscht hat, kann ich Dir von Michael Pollan „Lebens-Mittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn“. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt!

    lg daniel

  4. Schließ mich dir an, nicht unbedingt neue Infos, aber ich mag es, die nochmal gesammelt als Zusammenfassung geliefert zu bekommen, da fällt das Verknüpfen der verschiedenen Bereiche und Zusammenhänge entdecken einfach leichter.

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