Gelesen: Genug – Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen von John Naish

Genug. Unscheinbar kommt dieses Buch daher: Die Hardcover-Version grau mit schlichten, großen, roten Lettern, die Taschenbuch-Ausgabe in gestylter Barcode-Optik. Die Klappentexte sind grässlich und nichtssagend. Der Guardian spricht sogar von einem „liebenswert heiterem Manifest für den Minimalismus als Lebensstil“. Das Buch finde ich nicht heiter, sondern sachlich und wenn dann eher eine schriftliche „Alarmstufe Rot ihr Pappnasen!“ – aber auf eine sehr elegante Art.

In den Kapiteln „Genug Information“, „Genug Essen“, „Genug Sachen“, „Genug Arbeit“, „Genug Auswahl“, „Genug Glück“, „Genug Wachstum“ und „Nie genug“ wird anschaulich erklärt, warum wir so sind, wie wir eben sind, woher das kommt und warum uns dieses „Zuviel“ krank, arm, müde und übergewichtig macht. Trotz Überflussgesellschaft streben wir immer nach „mehr“ und das ist nicht gut. Das wissen wir. Aber warum? Und hier wirkt dieses Buch wahre Wunder! Es werden verschiedene Studien und Experimente und deren Ergebnisse vorgestellt, die besagen, dass der heutige Mensch in Wirklichkeit auch nicht viel weiter ist, als der damalige Neandertaler. Es wird von Überlebensstrategien, Drogen und Alphatieren gesprochen – und von den Wirtschaftsmächten und Werbestrategen, die wissen, wie man damit umgehen muss. Ergänzend wird jedem Kapitel ein kleines, interessantes Zitat als Inspiration vorangestellt.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, weil es eine perfekte Mischung aus wissenschaftlicher Unterhaltungsliteratur und Ratgeber ist. Wobei er nur Tipps aufzählt, die ihm während seiner Recherche untergekommen sind, die er nützlich fndet und die er selbst auch erfahren hat. Angeblich ist Naish der einzige Times-Journalist ohne Mobiltelefon! Ganz besonders interessant fand ich die Kapitel über Auswahl, Arbeit und Glück, weil mir bei diesen Themen das ganze Ausmaß ja noch gar nicht klar war und das auch sonst eher selten im Minimalismus-Kontext besprochen wird. Zumindest nicht in den Blogs, die ich lese.
Großartig!
Fazit: Absolut lesenswert. Wer Spaß an populärwissenschaftlicher Literatur (vor allem Neurologie und Psychologie) hat, kommt genauso auf seine Kosten wie der Leser, der eine fundierte Basis für den Minimalismus-Lifestyle braucht. Ich habe das Buch geliehen, überlege aber noch ein Exemplar zu kaufen um es weiterzuleihen. Jeder, der einmal einen Blick in die Tretmühle des Modernen Lebens werfen will, sollte dieses Buch lesen. Sollten überhaupt alle lesen. Als Schullektüre. Wer sich noch eine andere Meinung reinziehen will, kann das hier tun.
So. Genug Blogbeitrag.

(Grafik: ©Bastei-Lübbe)

6 Gedanken zu “Gelesen: Genug – Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen von John Naish

  1. Gelungene Buchvorstellung! Ich kenne John Naish’s „Genug“ bisher noch nicht, habe mich aber von deiner Rezension inspirieren lassen. „Genug“ kommt definitiv auf meine Leseliste!!

    1. ja, mach das auf jeden Fall! Ich glaube, du wirst es mögen. Ich werde mir das Buch doch noch kaufen (Taschenbuchausgabe), weil sich ja doch viele für Minimalismus interessieren und ich dann meinen Bekannten und Freunden dann einfach dieses Buch in die Hand drücken kann. Erklärt das Ganze ziemlich gut!

  2. „Minimalismus-Lifestyle“ trifft es ganz gut, denn mehr ist es nicht. Wirkliche Einsicht erlangt man durch das Lesen dieses Buches nicht. Es ist langatmig und oberflächlich. Mögliches Kundenklienten für dieses Buch (und das wird im Buch auch so erwähnt): sind Käufer von Kuhfellschutzhüllen für Laptops. Absolut keine Kaufempfehlung, ausser du zählst zur letzteren Randgruppe (wobei du dann dieses Kommentar wahrscheinlich erst gar nicht zu Gesicht bekommen wirst).

    1. welche Einsicht(en) hast du denn erwartet?
      Ich finde den Aspekt des Populären (oder wie du es nennst „oberflächlich“) besonders gelungen, weil hier einfach mal ein Blick aus diesem Konsumieren-Arbeiten-Hamsterrad geworfen wird, ohne gleich mit Wirtschafts-bzw. Ökologie Keule zugeschlagen wird. Klar, wer irgendeine spirituelle Loslösung aus dem Materiellem erwartet oder ein Patentrezept wie richtiges Leben geht, wird mit dem Buch bitter enttäuscht.

  3. Das ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Das sollte wirklich jeder lesen und sich Gedanken machen, was er/sie im Leben ändern möchte und was wir tatsächlich mit unserer Welt tun und wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Es wäre auch irrsinnig, wenn der Autor Patentrezepte geschrieben hätte (Hochachtung, er hat es nicht), denn jeder Mensch ist anders, denkt anders, lebt anders und darf sich auch selbst Gedanken machen, was er/sie und wie er/sie etwas ändern/verbessern möchte. Es ist vor allem auch ein leicht verständliches Buch, für jeden Menschen geschrieben und nicht nur für hochbegabten Wissenschaftler oder Philosophen. Was ich nicht vergessen möchte, es ist sehr kurzweilig geschrieben und spornt an, ständig weiter zu lesen. Es ist ein großartiges Buch – sehr wertvoll.
    Übrigens, ich bin kein Käufer von Kuhfellschutzhüllen für Laptops.

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