Gelesen im April

Schneekreuzer von Jaques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette
Die Zukunft: Der letzte Versuch den Klimawandel aufzuhalten scheitert, die Erde stürzt in eine neue Eiszeit. Letzte Rettung ist der Schneekreuzer, ein Hochgeschwindigkeitszug in dem sich sich eine Klassengesellschaft etabliert hat: Die dritte Klasse im hinteren Teil des Zuges ist beherrscht von Mord und Totschlag, Enge und Elend, während in den vorderen Abteilen, in der ersten Klasse Luxus und Überfluss herrschen.
Dazwischen gibt es das Vergnügungsviertel, das Millitär und die Religionskaste, alle Bereiche sind voneinander abgeriegelt und streng bewacht. Proloff, Passagier aus der dritten Klasse, gelingt eines Tages die Flucht und landet in einem vorderen Abteil. Dort wird er auch sogleich verhaftet und verhört. Eine junge Frau namens Adeline Bellau, die sich die Abschaffung der Klassengesellschaft auf die Fahnen geschrieben hat, versucht Proloff zu helfen. Da Proloff anscheinend eine ansteckende Krankheit aus dem hinteren Teil mitgeschleppt hat, bricht neben einer Seuche auch Panik aus. Der Kampf ums Überleben beginnt…
Fazit: lesenswert! Das Thema Menschheit/Apokalypse/Unterdrückung/Arm und Reich ist sowieso interessant, die Story bleibt in allen Teilen spannend. Die Zeichnungen im zweiten und dritten Teil gefielen mir besser, sie sind künstlerisch anspruchsvoller und man sieht, wie sehr sich der Zeichner weiterentwickelt hat. Ich hab dieses Comic nur gelesen, weil ich den Film im Kino sehen wollte, allerdings hab ich das bisher noch nicht geschafft.

Die Liebesblödigkeit von Wilhelm Genazino
Ein namensloser Apokalyptiker erlebt gerade selbst seine persönliche Apokalypse: Er hat zwei Freundinnen, die nichts voneinander wissen und glaubt sich nun – im Alter und bei zunehmender Gebrechlichkeit und bevorstehenden (eingebildeten) Tod – sich für eine von beiden entscheiden zu müssen. Wen soll er bloß auswählen? Die sorglose, pragmatische Sandra? Oder doch die kulturell gebildete Judith? Wer wäre denn besser? Je mehr er versucht Klarheit zu finden, desto öfter wird ihm bewusst, dass alles nur noch schlimmer wird.
Fazit: absolut lesenswert! Ich muss zwischendurch immer wieder lachen, weil Genazinos Figuren immer wahnsinnige Exzentriker sind. Diese Mischung aus verrückt und ernst kann man sich durchaus mal antun.

Wieviel ist genug? von Robert und Edward Skidelsky
Wie viel ist für ein gutes Leben genug? Was bedarf ein gutes Leben überhaupt? Kann man es überhaupt definieren? Und wenn ja, wie bekommen wir es hin? Robert Skidelsky, Wirtschaftshistoriker und Keynes-Anhänger, führt gemeinsam mit seinem Sohn Edward (Sozialphilosoph) durch sieben Kapitel „vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens“.
Fazit: lesenswerter Exkurs von den Anfängen der Wirtschaftswissenschaften bis zu der Idee des guten Lebens in der Gegenwart. Ich finds spannend, die Philosophie mit den Wirtschaftswissenschaften zu koppeln, würde das Buch allerdings nicht allzu ernst nehmen. Die Vorschläge in Kapitel 7 beziehen sich auf Staat und Politik, die dazu angehalten werden, einen Rahmen für das gute Leben zu bewerkstelligen. Durch die ganzen geschichtlichen Exkurse hab viel gelernt, auch wenn ich der Argumentation oftmals nicht so ganz folgen konnte (kein Wunder um 8 h morgens…)

Der Geschmack von Chlor von Bastien Vivès
Widerwillig macht sich ein schwächlicher junger Mann einmal pro Woche auf ins Schwimmbad – Verordnung vom Physiotherapeuten! Also quält er sich hin, allein unter vielen. Wasser in der Nase, den Geschmack vom Chlor auf der Zunge.
Doch dann trifft er eine Athletin, die ihm ein paar Tricks beibringt, das Schwimmen fällt leichter. Und aus der Qual wird Vorfreude.
Fazit: tut euch selbst einen Gefallen und lest dieses Album. Die Zeichnungen sind aus einer tollen Perspektive gezeichnet, schön beobachtet und die Geschichte ist einfach nur toll!!

Fünftausend Kilometer in der Sekunde von Manuele Fior
Sommer, Sonne, Strand und mehr: Nicola und Piero, Freunde seit Kindertagen stehen kurz vor dem Schulabschluss. Der eine ist schüchtern, der andere ein Frauenheld. Eines Tages zieht ins Haus gegenüber die hübsche Lucia ein, die den Jungs den Kopf verdreht. Piero und Lucia verlieben sich und Nicola bleibt allein zurück…
Mehr will ich nicht verraten. Es geht um Liebe, Freundschaft, Eifersucht und jede Menge unausgesprochener Gefühle.
Fazit: toll gezeichnet, hat mich ein bisschen an Illustrationen aus den 60ern und 70ern erinnert, allerdings war mir die Story ein bisschen zu fad erzählt. Was nicht bedeutet, dass sie schlecht ist. Vielleicht war ich einfach nur nicht in der Stimmung. Hm.

Ein Gedanke zu “Gelesen im April

  1. Wenn du den Skidelskys in ihrer Argumentation nicht immer folgen konntest, liegt es – glaube ich – weder an dir noch an der Uhrzeit, sondern daran, dass das Buch verworren geschrieben ist (meine Meinung). Es sind ein paar gute Gedanken drin, die ich unterstrichen hatte, aber irgendwann habe ich das Buch entnervt weggelegt.
    Übrigens: es gibt einen Comic über Keynes Theorien … sah ich neulich in der Buchhandlung.
    VG, Franka

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