Gelesen im Juli

Jaaa..wir haben schon August, aber in letzter Zeit fällt es mir bei dem guten Wetter so schwer vorm Computer zu sitzen. Obwohl ich im Juli nicht sonderlich viel gelesen habe, bzw. nur „Depri-Literatur“, muss der Beitrag trotzdem sein.

„Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer
In dem Buch geht es genau um das: Tiere essen. Warum essen wir Rinder und Schweine aber nicht unsere Hunde und Katzen?
Wer kennt das Buch nicht? Ich wollte das Buch nur lesen, weil ich wissen wollte, warum danach alle zum Veganer oder Vegetarier mutieren. Die Antwort darauf geht ab S. 150 los, wo schön detailliert das Leben eines Schlachtviehs erzählt wird.
Fazit: Das Thema des Buches ist richtig und wichtig und jeder der Fleisch ist, sollte sich mal die Frage stellen, warum er das überhaupt macht. (…und nicht immer Vegetarier und Veganer ausfragen, um ihnen dann mit der Gesundheitskeule eins über zu braten…das langweilt) Das wars leider schon mit den Pluspunkten. Ich fand diese Erweckungsgeschichte eines Jungvaters ein bisschen zu pathetisch, das Blabla um das Essen seiner Oma langweilig und sein Schreibtstil für ein Sachbuch ziemlich ungeeignet. Es gab auch zu viele Wiederholungen, dafür wurde auf einige Sachverhalte fast gar nicht eingegangen. „Wir“ essen ja nicht nur Rinder und Schweine und Hühnchen, sondern auch Frösche, zumindest deren Schenkel, Muscheln, Schnecken, Ameisen, Strauss, Haifisch etc. Das nur der vollständig halber. Das Quellenverzeichnis ist mehr als verwirrend, man muss echt Arbeit reinstecken, um Textpassagen nachvollziehen zu können. Dem Buch hätte es gut getan, wenn im Fließtext Fußnoten gewesen wären. Wer sich mit der Thematik auseinander setzen will, aber kein Buch lesen möchte, sei der Film „We feed the world“ empfohlen.

Die „Morgen darf ich essen, was ich will – Diät“ von Bernhard Ludwig
Hier bereits besprochen


Ende der Märchenstunde: Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt von Kathrin Hartmann

Ja, die LOHAS: ein bisschen Bionade schlürfen, auf Utopia.de die neuesten grünen Konsumtipps lesen, dabei fröhlich sein und trotz vollem Genuss die Welt retten. Es ist ja ganz einfach! Oder?
In 5 Kapiteln erläutert die Autorin, dass es damit nicht getan ist. In Kapitel 1 geht es um die Zielgruppe LOHAS, wer sie sind und was sie wollen. Es wird ein sehr zynisches aber auch leider wahres Bild gezeichnet. Kapitel 2 beschäftigt sich mit dem Thema „Weltrettung 2.0“, also den Organisationen der Lifestyle-Ökos. Utopia.de und Karmakonsum kommen denkbar schlecht dabei weg. Die Unternehmen mit ihrem Lobbyismus und ihrem Green Washing bilden ein deprimierendes Kapitel 3. Beispiele von geläuterten Unternehme(r)n wie Bionade oder American Apparell werden in Kapitel 4 auseinandergenommen. Zu guter Letzt geht es im 5. Kapitel um die Politik und die Gesellschaft, der Einfluss von NGOs usw.
Fazit: puh, durch das Buch muss man sich durchquälen, weil es fürchterlich schlechte Laune verbreitet. Trotzdem lesenswert, weil die Thematik extrem wichtig ist.
Ich habe mich hilflos, verzweifelt und wütend gefühlt und am Schluss wusste ich nicht mehr was ich eigentlich tue. Eigentlich weiß ich es jetzt immer noch nicht genau…Mein Weltbild ist zerstört und ich sammle immer noch die Scherben auf.

Stolpersteine in der Mitarbeiterführung von Hans-Jürgen Kratz
In dem Buch werden 50 Stolpersteine aus Sicht der Führungskraft und aus der Sicht der Mitarbeiter beschrieben und mit Hintergrundwissen, Denkanstößen und Verhaltenstipps ergänzt. Aus beruflichen Gründen gelesen.
Fazit: häppchenweise Infos, je nachdem was man braucht. Kann man wunderbar selektiv lesen. Daher für jeden lesenswert, der etwas zu dem Thema braucht.

Eine Handvoll Leben von Marlen Haushofer
Als Vater Pfluger bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, sehen sich seine Frau Käthe und deren Sohn gezwungen, das Haus zu verkaufen. Eine reiche, ältere Amerikanerin namens Betty interessiert sich für das Haus. Doch in Wahrheit ist es Elisabeth, die nach 20 Jahren unerkannt in ihr Haus zurückkehrt und ihrem ahnungslosen Sohn gegenüber steht.
Sie bittet um eine Übernachtung, die ihr aus Gastfreundschaft gewährt wird. Doch an Schlaf ist nicht zu denken, als sie in der Kommode in ihrem Zimmer einen Stapel Postkarten von damals findet und sie an ihr früheres Leben erinnert wird.
Fazit: sachlich und ruhig erzählt, sehr beklemmend und höchst interessant.

Und, was hast du in letzter Zeit gelesen? Irgendwelche Tipps für den Urlaub?

3 Gedanken zu “Gelesen im Juli

  1. Tiere essen hab ich ja auch gelesen. Kann all deinen Punkten nur zustimmen. Allerdings hat es mich dennoch total gefesselt. Ich weiß nicht, woran es liegt, wenn man bedenkt, dass es als Sachbuch ungeeignet und die Geschichte mit der Oma immer wieder recht pathetisch, hast du geschrieben, wirkt. Vielleicht ist es die Lebenssituation und die Tatsache mich schon seit Beginn des Jahres mit der Thematik herumzuschlagen. Danke für den TVTipp. Da werd ich vielleicht auch mal reinschauen. Wobei es bei arte letzte Woche auch eine interessante Doku gab!

    Auf die Märchenstunde bin ich gespannt. Denn: Ich habe hier immer noch ein Buch von einem Bekannten liegen. Das nennt sich LOHAS und ich hab es nach etwa 30 Seiten wieder zur Seite gelegt, weil… Ja warum eigentlich?!? Ich befürchtete ein LOHAS zu sein. Obwohl ich keiner sein will. Außerdem wird der Konsum dieser Gruppe so glorifiziert… es war mir bislang nicht so wirklich sympathisch. MAl schauen. Vielleicht stelle ich mich diesen beiden Büchern doch nochmal in naher Zukunft.

    1. Man muss ja immer im Hinterkopf behalten WER der Leser eigentlich ist. Ich lese ja relativ viele Sachbücher und bin deshalb einen nüchternen, klaren Schreibstil von A nach B bis Z gewohnt. Das hat Herr Foer leider nicht so ganz hinbekommen, er ist eben kein Journalist sondern Schriftsteller. Da waren mir dann zuviele „Extras“ in dem Buch. Seine Romane sind aber wirklich toll.

      Oh…und zur „Märchenstunde“: Die LOHAS kommen da ziemlich schlecht weg. Fast schon Satire. Trotzdem befürchte ich auch ständig ein LOHAS zu sein, wofür ich mich dann total schäme…aber andererseits sagt die Autorin auch, dass es gut ist, wenn man FairTrade und/oder Bio kauft. Ihr ging es vermutlich tatsächlich eher um die Glorifizierung des Konsums und wie die Firmen das ausnutzen. So oder so – man wird immer irgendwie verarscht… :(

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