Gelesen im Oktober

gelesen

Es ist was wundersames passiert: Ich bin Mitglied in meinem eigenen erfundenen Literaturkreis.
Ja, wir sitzen mit schwarzen Rollkragenpullovern in einem verrauchten Raum mit Eichenholzparkett und diskutieren hochintellektuell über hochwertige Literatur.
Okay, das stimmt nicht ganz. Wir sind nur zu dritt und ein Mitglied wohnt in der Schweiz, Facetime ist also angesagt. Und wir lesen jeden Müll, weil wir das aus Spaß tun. Und ich habe gar keinen schwarzen Rollkragenpullover.
Jedenfalls war der Oktober der erste Monat, in dem wir was gemeinsam gelesen haben. Unsere Buchvorschläge pfeffern wir in ein geheimes Pinboard auf pinterest und stimmen dann ab.
Für den Oktober kam das hier raus:

„Was sie begehren“ von Kenneth „Seaforth“ MacKennzie
Der sensible und verträumte Charles Fox ist 15 und wird von seiner Mutter auf ein Internat geschickt. Er ist von der Gesamtsituation verängstigt ist und wird gemobbt. Er findet nur Trost in der Natur, in Büchern und bei seinem 10 Jahre älteren Lehrer und später auch Freund Penworth. In den Ferien trifft er auf die schweigsame Margaret und so entdeckt er auch die erste Liebe.
Fazit: selbst für 1937 ziemlich schwülstig und ach, ja auch ein bisschen oberflächlich. Die überschwängliche Aneinanderreihung von poetischen Bildern unterstützen zwar das Träumerische im Charakter des Protagonisten und seine Sehnsüchte, weshalb man es gut weglesen kann, aber insgesamt blieb mir alles irgendwie zu wenig greifbar. Im Grunde ist es eine Teenager Schmonzette, die im Internat spielt. Ein Fall von „kann man lesen, muss man aber nicht“. Spaß gemacht darüber zu reden hat es aber trotzdem :)

Weil ich mit dem Buch schnell durch war, hatte ich mir noch zwei Bücher von meiner Sci-Fi-Leseprojekt-Liste ausgesucht (ich hab die Liste noch mal in Must-Read und Nice-to-read unterteilt, das waren Bücher von der Must-Read-Liste)

„Die linke Hand der Dunkelheit“ von Ursula K. Le Guin
Gesandter Ai landet als Botschafter der Ökomene auf dem Eisplaneten „Winter“. Dort ist nicht nur die Temperatur deutlich anders, auch die Bewohner: Sie sind Hermaphroditen, die in einem bestimmten Zyklus geschlechtsreif und somit „Frau“ oder „Mann“ werden. Durch „Fremdeln“ auf beiden Seiten kommt es zu allerlei Missverständnissen, Machtspielchen und Intrigen und plötzlich findet sich Genly Ai als Gefangener in einer Arbeiterbaracke wieder. Doch er kann mithilfe des Karhiders Estraven entkommen…
Fazit: obwohl ich anfangs Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte reinzukommen, finde ich es im Nachhinein außerordentlich lesenswert! Klar, es spielt auf einem fremden Planeten, mit komischen Wörtern, wo nicht immer klar ist, was das jetzt genau bedeutet – aber die Fragen, die gestellt werden, z.b. Geschlechterrolle, Heimatliebe vs. Fremdheit, Freiheit und Gleichheit sind sowieso universell. Und ja, das hat mich schon alles ins Grübeln gebracht. Ich fand auch klasse, dass der Planet und deren Bewohner durch Sagen und Schöpfungsgeschichten charakterisiert werden und sich die Perspektive zwischen Estravan und Genly Ai abwechselt. Definitiv ein Sci-Fi-Klassiker den man lesen sollte.

„Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro
In Rückblenden erzählt die 31-jährige Betreuerin Kathy über ihre Zeit im Hailsham Internat und ihre Freundschaft zu Ruth und Tommy. Im Internat heissen die Lehrer „Aufseher“ und den Kindern wird die Wahrheit zwar erzählt, aber zu Zeitpunkten, an denen sie sie nicht begreifen können, weil sie zu jung dafür sind. Eine der Wahrheiten ist: Sie sind Organspender. Nach der Zeit in Hailsham kommen sie grüppchenweise in Cottages unter, wo sie auf sich allein gestellt sind. Dann beginnt die Zeit als „Spender“ oder „Betreuer“. Ruth und Tommy werden als Spender abgeholt, während Kathy vor ihrer eigenen Spende als Betreuerin arbeitet.
Fazit: starkes Stück Literatur, daher lesenswert. Mir gefiel die ruhige Grundstimmung des Buches und die fein gezeichneten Charaktere. Die Dreiecksgeschichte, die sich in diesem Sci-Fi-Setting zwischen ihnen entspinnt hat ne ziemliche Kraft.

und das ist der Rest:


„Der Baum ist köstlich, Graf Zeppelin!“ von Katz & Goldt

Wer die Comics von Katz und Goldt immer noch nicht kennt, hat zwar kein Problem, aber bestimmt weniger Spaß im Leben :D
Fazit: ein Comic ganz nach meinem Geschmack, aber mit Katz & Goldt kann man eh nix falsch machen. Ich lache mich immer lauthals schlapp, weil allein die Zeichnungen so witzig sind und die Quatsch-Texte so gehirnverschwurbselnd lustig.

„Saga“, Band 4 von Brian K. Vaughn und Fiona Staples
Im 4. Band verdient Alana in einer Superhelden-Realityshow den Lebensunterhalt für ihre Familie und schreckt dabei nicht mal vor Drogen zurück. Während sie sich also mit schmierigen Laiendarstellern abgibt, wird ihr Mann Marko von einer hübschen Alleinerziehenden angeflirtet und überhaupt ist das Leben im Untergrund alles andere als einfach.
Fazit: klar auch lesenswert, aber bitte nicht in Bus und U-Bahn. Die Zeichnungen sind wie immer genial, aber eben nicht für alle Augen. NSFW. Das schreib ich in erster Linie für mich auf, da ich es echt gebracht habe, das Comic in einem vollbesetzten Bus aufzuschlagen, während in der Nähe ein 10-jähriger Junge stand. Also lest es lieber zu Hause auf dem Sofa. Aber lest es, ok? :D

„Ornithologie für Einsteiger“ von Michael Wink
Alles, was der Vogelfreund zum Thema Birdwatching wissen muss. Neben dem Wie, Wo und Wann gibt es zahlreiche weitere Kapitel zur Physiologie und Ökologie. Mit ausführlichen Erklärungen, vielen Bildern und Grafiken, einem Glossar, langer Liste zu Literatur und Internetquellen, Vogelsystematik und Artenliste.
Fazit: leider waren fachlich zum Bereich Optik ein paar Ungereimtheiten drin, aber das schadet nicht wirklich, denn das Buch ist ansich klasse. Wer sich mit Ornithologie beschäftigen will, findet in dem Buch alles, was er wissen muss. Neben zahlreichenden Tipps wann, wo und wie man Vögel beobachten kann, erfährt man allerhand über Vögel im Allgemeinen. Tolles Einsteigerwerk, das man auch als völlig Ahnungsloser verstehen kann.

ein paar Comic-Highlights, die weiterempfehle:
Deadpool Team-up ist leichte und wahnwitzige Kost für zwischendurch mit tollen Zeichnungen
Deadpool: Die Kunst des Krieges – die Zeichnungen von Scott Koblish mit dieser Buntstift-Textur waren ein Augenschmaus. Und die Story mit den Seitenhieben aufs Verlagswesen war auch sehr gelungen :D
Daredevil – Man without fear ist ein absolut lesenswerter Klassiker, der die ideale Ergänzung für Fans der Serie ist.

So, du bist! Was hast du im Oktober gelesen? Bist du in einem Literaturkreis? Slow Reading Club? in sozialen Netzwerken, wie goodreads oder lovelybooks?

2 Gedanken zu “Gelesen im Oktober

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