Gelesen: Nachricht von dir von Guillaume Musso

Ja, ich weiß, der Beitrag tanzt etwas aus der Reihe, weil nicht Montag ist, aber wenn ich das hier nicht blogge, werde ich nie fertig.
Also die übliche Geschichte: Das Cover war nett, der Klappentext las sich nicht schlecht und auf dem Ettikett der Bücherei klebte „Liebe“ – genau das brauchte ich: eine seichte, unterhaltsame Feel-Good Liebesgeschichte.
Doch es kommt ganz anders:
Jonathan, ein geschiedener Koch, stolpert in aller Eile am JFK-Airport über Madeleine, Ex-Polizistin und Blumenladenbesitzerin. Sie verschütten ihre Getränke, die Smartphones fallen zu Boden, es werden sich Beleidigungen an den Kopf geworfen. Zurück in San Francisco bzw. Paris merken beide: Mist, Handys vertauscht.
Natürlich bleibt es nicht bei einem „Ja gut, ich schicke Ihnen das Handy“ sondern beide fangen an, in dem Handy des anderen herumzuschnüffeln. Und was sie dabei entdecken, lässt sie erkennen, dass sie schon seit langer Zeit durch ein Geheimnis aus der Vergangenheit verbunden sind..
Fazit: einfach nur schlecht. Das war so ein tiefer Griff ins Klo wie schon lange nicht mehr. Die Charaktere sind total flach und unrealistisch (ein hackender Sternekoch und eine ehemalige Polizistin, die einen erfolgreichen Blumenladen in Paris führt?!), die eingeführten Nebenfiguren werden schnell fallen gelassen und ein Entführungsopfer mit Nierenversagen, dass beim Entführer Wünsche äußern darf und weder ihre Medikamente noch Wasser(!!) verlangt sondern Oreokekse und Erdbeermilch. Was für ein Schrott. Das Buch ist eine fürchterliche Mogelpackung. Klappentext und Cover suggerieren eine Liebesgeschichte, aber es ist in Wirklichkeit ein schlechter Thriller mit einer unglaubwürdigen Liebesgeschichte, die nur am Rande so dahinplätschert. Der Autor hätte sich auf eines von beiden konzentrieren sollen, dann wäre da vielleicht was daraus geworden.

Traurig, dass die modernen Bestseller mittlerweile fast alle so geschrieben sind, als würden daraus bald Filme werden. Es kommt also vermutlich wahnsinnig fieser visueller Müll auf uns zu.

5 Gedanken zu “Gelesen: Nachricht von dir von Guillaume Musso

  1. Ich hatte schon durch ein paar Rezensionen von dem Buch gehört und, auch wenn manche davon durchaus positiv ausgefallen sind, dachte mir schon, dass das wohl nicht so ganz meins sein würde. Es gibt einfach so Buchblogger und -youtuber, bei denen ich genau weiß, dass wir absolut nicht den gleichen Buchgeschmack haben, daher überrascht mich dein Fazit nicht sonderlich. Doch gut, jetzt eine Bestätigung zu haben. ;)

  2. Ui, und dieses Buch ist wirklich ein Bestseller? Klingt irgendwie nach einem typischen Sat. 1-Film(-Film). Na, Danke für die Warnung. Ich les ja solche Unterhaltungsliteratur garnet, eben weil es so viel Schund gibt und ich mich dann nur ärger, kostbare Zeit mit dem Buch verbummelt zu haben. Trotzdem bin ich immer mal neugierig auf diese Literatur und greif dann lieber mal zum Hörbuch. Dabei kann man gemütlich mit dem Freund kuschelnd im Bett liegen und z. B. „Resturlaub“ von Tommy Jaud hören und sich dabei gemeinsam scheckig lachen.
    In diesem Sinne, schöne Restwoche.

  3. Danke Frau Ding Dong für den Beitrag.
    Oh ja, ich kenne das auch, die Verführung über Cover und Klappentext. Und dann stellt sich heraus: Billigster Literatur-Fastfood. Schnell geschrieben, hip beworben. Gelesen eine Enttäuschung.
    Leider sind die guten Romane immer seltener. Meist nehme ich 5 bis 6 Romane aus der Bücherei mit und brauchbar – sprich lesbar – ist dann einer maximal zwei. Kaufen tue ich für Romane schon nicht mehr.
    Immer häufiger lese ich Klassiker. Die sind Klassiker geworden, weil sie es meist wert sind.
    Ich wünsch dir spannende Lektüre beim nächsten Roman!

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