Gelesen: Radikal mutig – meine Anleitung zum Anderssen von Hanna Poddig

Wahrscheinlich bin ich die letzte Person auf dem Planeten, die noch nie etwas von Vollzeitaktivistin Hanna Poddig gehört hat. Wie gut, dass ich aufmerksame Arbeitskollegen habe, die mich darauf hinweisen und mir Bücher empfehlen. Das Buch ist eine Mischung aus Biografie und Ratgeber. Sie selbst bezeichnet das Buch als eine Art Reiseführer. In diversen Kapiteln erzählt Poddig von gelungenen und auch weniger gelungenen Aktionen und zwar Querbeet durch sämtliche Handlungsfelder wie Konsumkritik, Militarismus, Justiz und Staat, Umweltschutz und Gentechnik, Atomkraft usw.
Der Anhang ist ausführlich: von Musiktipps über Linklisten, Buchtipps und einem veganen Tiramisurezept ist alles drin.
Fazit: sehr interessante Person mit sehr radikalen Ansichten, die einen zum Nachdenken anregen. Der Stil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber zum Unangepassten. Letztlich habe ich aber doch einen faden Nachgeschmack. Das Buch ist gespickt mit Energie und dem Tatendrang der Erzählerin und so voll mit Anekdoten von Aktionen, dass ich mir irgendwann ziemlich schlecht vorkam, weil ich nicht 24 Stunden am Tag protestiere. Da hat mir dieses Buch besser gefallen. Andererseits verstehe ich auch nicht, warum man eine Aktion als „gelungen“ bezeichnen kann, wenn man unter Anstrengung ein Plakat anbringt, das 10 Minuten hängt und danach alle Beteiligten von der Polizei abgeführt werden…?! Protestaktionen nur um zu protestieren? Hauptsache dagegen sein, egal gegen was? Irgendwie kommt das schon so rüber.
Auch bleibt ihre Kritik ein bisschen an der Oberfläche und gerade bei so radikalen Ausssagen wie „Strafe schafft Kriminalität“ fehlen mir Quellen auf eindeutige Studien und Statistiken. Und das war dann schon ganz schön langweilig.

3 Gedanken zu “Gelesen: Radikal mutig – meine Anleitung zum Anderssen von Hanna Poddig

  1. Liebe Frau DingDong, ich kannte bis gerade weder Autorin noch Buch, die negative Beschreibung von dir und die negativen Rezensionen auf Amazon reichen mir aber auch schon. Derweil lese ich gerade „Protest“ und bin begeistert.
    Oft ist es meines Empfindens ja so, dass Protest, Weltverbessern, Aktion im Widerspruch zu Optimusmus und Lebensfreude stehen. Wie schön, eine Ausnahme zu sehen.
    Adventliche Grüße von Nina

  2. Ich wünsche ein frohes neues Jahr.

    << Protestaktionen nur um zu protestieren? Hauptsache dagegen sein, egal gegen was? <<

    Nein. Denn das Engagement folgt ja einer Linie und ist nicht isoliert gegen das oder das was einen/bzw. Poddig stört oder gar die eigenen Interessen negativ betrifft, wie dies bei "normalen" bürgerlichen Protest der Fall ist.
    Es geht um das UND das UND das, weil die betreffenden Einzelthemen miteinander zusammenhängen. Es ist eben nicht nur das und das unsichere Atomkraftwerk von übel, sondern es sind die Prämissen und Logiken wonach derartige geplant, gebaut, betrieben wird.
    Voraussetzungen und Funktionsmuster nach denen nicht nur schrottige Atommeiler laufen, sondern auf denen die gesamte Gesellschaft basiert.
    Erst dadurch wird Protest wirklich konsequent und im Wortsinne: Radikal.

    << Auch bleibt ihre Kritik ein bisschen an der Oberfläche und gerade bei so radikalen Ausssagen wie “Strafe schafft Kriminalität” fehlen mir Quellen auf eindeutige Studien und Statistiken. <<

    Klar, kann man kritisieren. Auch wenns kein Fachbuch ist.

    Slogans wie "Strafe schafft Kriminalität" oder die Forderung nach Abschaffung von Geld wirkt auf die allermeisten die darüber nie tiefergehend reflektiert haben, sicher ähnlich grotesk, wie die Aussage das es keinen Gott gibt auf einen Menschen im Spätmittelalter. Derartige Aussagen verstoßen gegen das was die meisten gewöhnt sind, "Wahrheiten" und Gewissheiten mit denen sie sozialisiert wurden i.d.R. aber v.a. Herrschaftsverhältnisse spiegeln.

    Ich bin mir aber sicher, dass es gerade in Bezug auf Gesetz/Strafe im Anhang irgendwo ein Linksverzeichnis existiert, das z.B. hier hin führt:
    http://www.projektwerkstatt.de/antirepression/justiz/strafe.html

    Oder kurz und polemisch:
    http://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/peter-kropotkin/6425-kropotkin-die-rolle-des-gesetzes

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