Gelesen, viel gelesen: Ein Roman-Special

Weil sich einige von euch doch für Romanbesprechungen interessieren und ich nicht mehr hinterher komme, werde ich hier mal einen riiiiiiiiiiiiesigen Beitrag posten, in dem es nur um die Romane geht, die ich in den letzten Wochen gelesen habe…

1) „Winterreise“ von Amélie Nothomb
Amélie Nothomb war vor Jahren mal eine Empfehlung einer Freundin. Seit mich „Metaphysik der Röhren“ schwer begeistert hat, habe ich alles andere von ihr auch gelesen. „Winterreise“ ist nun ihr neuestes Werk und ich habe mich sehr gefreut, als ich das Buch in der Bibliothek ergattern konnte.
Worum gehts?
Zoïle ist unsterblich verliebt in Astrolabe. Leider gibt es dabei aber ein Problem: Die geistig-behinderte /autistische (?) Schriftstellerin Aliénor, mit der Astrolabe in einer eisigkalten Dachwohnung zusammenlebt und sich ihr gegenüber zutiefst verpflichtet fühlt. Astrolabe lässt Aliénor nicht aus den Augen, was Zoïle in seiner leidenschaftlichen Liebe natürlich wahnsinnig auf die Nerven geht. Zoïle versucht sich mit der Situation zu arrangieren, besucht beide regelmäßig, macht sich im Haus nützlich, führt beide aus und bringt Geschenke mit, immer in der Hoffnung, Astrolabe möge Aliénor endlich verlassen. Astrolabe lässt sich leider nicht erweichen – und aus Zoïles Liebe wird Hass. Er plant einen terroristischen Anschlag, dessen Symbolik sich in Astrolabes Herz eingraben soll.
Fazit: Leider sind ihre Geschichten immer so kurz, dafür aber so skurril und humorvoll, dass man dadurch schnell entschädigt wird. Wer Fan von seltsamen Situationen, etwas verqueren Protagonisten und irrationalen Handlungen ist, sollte unbedingt mal was von Amelie Nothomb lesen. Gerade bei diesem Buch habe ich sehr oft gelacht, weil hier und dort ein paar Eindrücke aus einem Schriftstellerleben persifliert werden.

2) „Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger“ von Meir Shalev
Ach, Meir Shalev! Wie sehr liebe ich seine Geschichten! Meir Shalev war ein Tipp einer Buchhändlerin, als ich sie fragte, was ich lesen soll. Ich bin ihr bis heute zutiefst dankbar. Shalev schreibt wunderbare Familiengeschichten, verbindet sie mit naturwissenschaftlichem Forscherdrang und geschichtsträchtigen Ereignissen.
Worum gehts?
In „Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger“ geht es genau darum: Um Meir Shalevs Großmutter Tonia, die mit ihrem Putzzwang das Chaos im noch jungen Staat Israel bekämpfen will und um den amerikanischen Staubsauger, der als Protagonist ein ärmliches Dasein im dunklen, abgeschlossenen Badezimmer fristen muss. Um die Geschichte von seiner Großmutter Tonia vollständig erzählen zu können, ist er natürlich auch auf die verschiedenen Versionen seiner exzentrischen Verwandtschaft angewiesen, die allesamt dazu beitragen die wahre Geschichte ans Tageslicht zu fördern.
Fazit: sowas von lesenswert! Es ist zärtlich, tragisch, lustig, seltsam, unglaublich und nervig. Genau wie Familien eben so sind. Ich liebe dieses wohlige Gefühl, das am Ende bleibt.


3) „Populärmusik aus Vittula“ von Mikael Niemi

Mir wurde von einer Freundin „Erschieß die Apfelsine“ – das neueste Werk – empfohlen, aber das gabs noch nicht in der Bibliothek, also habe ich es erstmal mit diesem Roman versucht.
Worum gehts?
Pajala, eine kleine schwedische Gemeinde an der finnischen Grenze, 60er Jahre: Das Leben im Dorf ist eintönig. Es zählen Saunawettbewerbe, Saufgelage und Fingerhakeln. Die Bewohner sind wortkarg, störrisch, zäh und kräftig trotzen sie Wind und Wetter. Wer hier nicht mitzieht wird mit „knapsu“ beschimpft, eine Brandmarke für alles Weibisch-verweichlichte.
Im Stadtteil Vittula wachsen die Freunde Matti und Niila auf. Beide träumen von der großen, weiten Welt, die sich am Ende der Dorfstraße auftut. Zwischen Sonntagsgebeten und pubertierenden Geschwistern passiert es: Eine Beatles-Single platz in ihr Leben und verändert einfach alles.
Fazit: lesenswert, vor allem für Leute die auf dem Dorf aufgewachsen sind. Die Geschichte ist wunderbar erzählt, tragikkomisch, märchenhaft und ähm…teilweise ziemlich krass. Hatte die ganze Zeit Herzklopfen, weil es so spannend war. Oh, übrigens: Gibt es auch als Film!

4) „Wie ich mich einmal in alles verliebte“ von Stefan Merrill Block
Hier hat mich einfach nur der Titel und das Cover interessiert – ein Glücksgriff!
Worum gehts?
Der 15-jährige Seth ist ein von Akne geplagter Aussenseiter, der versucht als „Meister des Nichts“ möglichst schnell durch die Pubertät zu kommen. Doch dann kommt alles anders: Seine Mutter erkrankt mit 35 Jahren an einer mutierten Alzheimer-Frühform. Weil sein desinteressierter Vater keine bessere Idee hat, kommt seine Frau in ein Heim, aber Seth beschließt berühmter Wissenschaftler zu werden um ein Heilmittel zu finden. Als Grundlage für seine Studien versucht Seth die genetische Historie seiner Mutter nachzuvollziehen, was schwieriger ist als zunächst gedacht.
Abel, der zweite Ich-Erzähler, ist ein buckliger, alter Einsiedler, der sich der Trostlosigkeit seines Lebens hingegeben hat. Er erinnert sich an seinen Bruder Paul und dessen Frau Mae, in die er unsterblich verliebt war. Er wird auch niemals die Geschichten seiner Mutter vergessen, die Geschichten der sagenumwobenen, goldenen Stadt Isidora, wo keine Erinnerung existiert….
Fazit: Erinnern, Vergessen, Schuld, Liebe und eine schlimme Krankheit sind die großen Themen des Romans, alles leichthändig und elegant erzählt und vielschichtig verwoben mit den Geschichten um die fiktive Stadt Isidora. Ein wunderbares Buch, passt perfekt für den Herbst!

Und, hast du eines dieser vorgestellten Titel schon gelesen? Kennst du etwas von den Autoren? Hast du eine Empfehlung?

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