Gelesen: Vielen Dank für das Leben von Sybille Berg

Als ich gehört habe, dass es ein neues Buch von Sybille Berg gibt, bin ich nach Erscheinungstermin in den Buchladen gestapft und habe es mir sofort gekauft. Dann lag es ein halbes Jahr ungeöffnet und noch verpackt im Regal, weil ich erst alles andere lesen wollte und ich auf eine bestimmte Stimmung wartete. Die „Stimmung“ hieß Urlaub. %-D

Toto, ein 1966 geborener Zwitter, wächst in der DDR als Heimkind auf und ist nicht von dieser Welt. Er (im ersten Teil wird entschieden dass Toto ein „Er“ ist), versucht Freunde zu gewinnen, ist aber stets der Aussenseiter. Er ist nie aggressiv oder nachtragend, er be- und verurteilt nicht und wird von allen deshalb (und wegen seines undefinierbaren Äußeren) gehasst und erniedrigt. Von der Heimleiterin als billige Arbeitskraft in einer versoffenen Bauernfamilie untergebracht, bringt er sich das Singen bei. Er denkt viel nach und stellt fest, dass die armen, zerschundenen Leiber einfach nur traurig sind und dass man den Menschen helfen müsste. Also beschließt Toto sein Land zu verlassen und stolpert in das Leben. Eine Hippie-Kommune gabelt ihn auf, schmuggelt ihn in den Westen, wo Toto feststellt, dass der glänzende Kapitalismus auch nichts weiter ist eine Anhäufung von gescheiterten Existenzen. Aber auch dort begegnen ihm die Menschen mit Feindseligkeit und Verachtung, weil er anders ist. Aber da ist noch Kasimir, der Toto nicht aus den Augen lässt…
Fazit: Manchmal ist der Leser ist der Dumme. Weil er zu lange wartet, um das Buch zu lesen und dann beim Lesen sich nicht beeilen will, weil er weiß, dass es dann so schnell vorbei geht. Ein schönes und trauriges Stück Literatur, dass sich in all seiner brutalen Ehrlichkeit gut liest. Das einzige Manko: Ich hätte gerne gewusst, was aus Kasimir wird. Aber das denk ich mir dann eben selbst aus. ;)

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