Gelesen: Wenn Eulen schrein – von Janet Frame

Ich glaube, auf dieses Stück Literatur bin ich in irgendeinem Artikel über neurologische Erkrankungen und Fehldiagnosen gestoßen. Die Autorin, Janet Frame, wurde selbst zu Unrecht mit Schizophrenie diagnostiziet und entging dank ihrer Schreiberei knapp einer Lobotomie. Manchmal kann Literatur also doch Leben retten.
In ihrem neu übersetzten Roman aus dem Jahr 1957 ließ sie viele autobiographische Elemente einfließen. Es geht um die Eisenbahnerfamilie Withers. Die Eltern schuften, um sich und die die Kinder Francie, Toby, Daphne und Chicks durchzubringen. Das gelingt ihnen nicht wirklich, die Kinder bleiben arm und werden verspottet. Die älteste, Francie, geht mit 12 von der Schule ab, um als Haushaltshilfe zu arbeiten und die Familie finanziell zu unterstützten. Sie stirbt bei einem tragischen Unfall. Toby, seit jeher ein Epileptiker, muss mit diesem Stigma weiterleben. Ungepflegt und mit Dreck unter den Nägeln findet er auch keine Frau und bleibt ein einsamer, geiziger Altwarenhändler. Und während sich Chicks in eine langweilige Vorstadthausfrau verwandelt, die auf gutes soziales Ansehen hofft, wird Daphne in eine Nervenheilanstalt weggeschlossen, wo sie Szenen aus ihrer Kindheit erträumt.
Im ersten Teil wird die Kindheit beleuchtet, im zweiten Teil erfahren wir, was 20 Jahre später aus ihnen wird.
Fazit: ein sehr düsteres Familiendrama, ein alptraumhaft-poetisches Meisterwerk, dass sich zu lesen lohnt. Die Teile sind durch Gedichte, Verse und Daphnes Visionen aus dem „Totenzimmer“ wunderschön eingerahmt. Erinnert an eine Mischung aus Sylvia Plath und Allen Ginsberg.

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