Genug Weltverbesserung?

Dieser Blogbeitrag liegt schon seit Juli 2013 in meinem Entwürfe-Fach. Das Dokument war leer, es gab nur die Überschrift. Und dann war da ein schwarzes Loch, weil ich plötzlich nicht mehr wusste, worüber ich eigentlich schreiben will. Das Thema ist zu komplex. Damals war ich verwirrt, weil ich zu viel gelesen habe und ich nicht mehr wusste wo ich mich einordnen muss: Ohnmacht oder Aktionismus?

Und diese Frage beschäftigt mich auch heute noch jeden Tag. Wie wird man angesichts der Lage der Welt nicht verrückt? Krieg, Seuchen, Quälerei, Umweltzerstörung in den Nachrichten, glücklich lächelnde Kinder und Tiere auf grünen Wiesen, im Hintergrund romantisch verklärte Windräder auf Werbeplakaten. Mir ist schwindelig und ich fühle mich weichgespült.

Was soll man tun? Ist das, was man macht, überhaupt gut? Bringt das was? Oder macht es alles nur noch schlimmer? Warum lernt man sowas nicht in der Schule? Gibts da jemanden, den man fragen kann? Wie bleibt man emotional in diesem Zusammenhang gesund und robust? Wie weiter lächeln, morgens aufstehen und die Hoffnung nicht verlieren?

Ich habe in mir geforscht und notiere meine Ideen:

  • aufmerksamer Beobachter

Ich bleibe wach und aufmerksam. Das gelingt zugegeben nicht immer, aber ich versuche es. Ich beobachte und versuche herauszufinden, wo sich meine Stadt, das Land, die Gesellschaft hinbewegt.

  • informiert sein

…und die Informationen in den richtigen Kontext setzen, filtern: Ist wirklich alles so, wie es die Medien darstellen? Nein. Kein Grund zur Panik. Wird mir was verheimlicht? Dann unbedingt recherchieren.

  • Heute gut, morgen schlecht.

Diese Einstellung ist zwar bitter, aber bewahrt mich davor, völlig auszuflippen und anderen mit missionarischem Eifer auf die Nerven zu gehen. Denn alles hat Konsequenzen. Mein Handeln, mein Nicht-Handeln. Ob das, was heute gut ist, morgen auch noch so toll ist, wird sich zeigen und vielleicht werde ich es nie erfahren. Trotzdem will ich mit meinen Beinen fest auf dem Bodem der Tatsachen stehen. Gedanklich spazieren gehen und einen Perspektivwechsel vollziehen.

  • Danke

Dankbarkeit für das, was ist und für das, was ich habe. Ich bin reich. Ich brauche nichts. Ich bin sterblich und alles macht irgendwie Sinn. Das darf ich nicht vergessen.

  • Und trotzdem!

Klein anfangen, bei sich selbst. Selber denken. Was kann ich tun? Wie kann ich es tun? Wenn ich selbstverantwortlich an Sachen arbeite, die mir wichtig erscheinen, beruhigt das ungemein, denn ich habe ein klein bisschen das Gefühl der Kontrolle. Ich kann entscheiden, ob und was ich konsumiere. Ich kann wählen. Ich kann Dinge selbst herstellen, wenn ich das möchte. Ich kann es aber auch sein lassen. So oder so: Ich schreibe mit an der Weltgeschichte. Ein sehr mächtiger Gedanke.

  • Allein gemeinsam, gemeinsam allein

Es gibt sie, da draussen. Im Netz. Leute, denen nicht alles scheißegal ist. Menschen, die was bewegen wollen. Die ihr Konsumverhalten verändern, die versuchen, keinen Müll zu verursachen, die auf Demos gehen und sich an Bäume ketten. Ich bin nicht allein. Du bist nicht allein. Das ist wichtig zu wissen.

Mehr:
Lesenswert:
Wie man die Welt verändert von John-Paul-Flintoff
Selbst denken von Harald Welzer
Protest! von Kirsten Brodde

School of Life – Moods
Geschichten des Gelinges von Futurzwei

Dieser Beitrag wurde inspiriert von @hng23

Was machst du, um nicht verrückt zu werden?

7 Gedanken zu “Genug Weltverbesserung?

  1. Jetzt kommt der Weichspüler Kommentar des Tages ;)
    „Was machst du, um nicht verrückt zu werden?“
    –> deinen Blog lesen :)

    Dieses Gemeinschafts Ding kann schon echt was. Deinen Blog lesen, andere Blogs, Bücher und schön langsam auch mehr action im „richtigen“ Leben. Das zeigt mir: Ich bin bei weitem nicht der einzige Ökospinner mit moralischer Ader. Ich hasse inzwischen echt diesen Begriff des „Gutmenschen“. Was ist bitte belächelnswert dran, die Welt ein bisschen besser machen zu wollen? Hab neulich in einem Interview (wars der Welzer vl?) gehört, dass jemand das inzwischen einfach als Kompliment umdeutet. Will ich auch so machen

    „Und trotzdem!“ Ist auch so ein Motto von mir. Ich bin Christin, damit bin ich in der Gegenwart auch so eine seltsame Randerscheinung. Im Glauben und Glauben leben hilft mir der Satz bereits. Aber du hast recht, zum Minimalismus passt er auch sehr gut.

  2. Ha, genau diesen Lagerkoller hatte ich vor einiger Zeit auch! (http://foolfashion.blogspot.de/2014/09/prima-klima.html)
    Gerade dein letzter Gedanke, dass da noch andere sind, denen es genauso geht, hat mich damals bewegt. Wo sind diese anderen und wie können wir uns vernetzen, um etwas zu bewirken, das über unser kleines, privates Umfeld hinausgeht? Ich habe da ein sehr großes Bedürfnis nach, eine gewisse Schlagkraft zu entwickeln, weil diese privaten Bemühungen zwar aller Ehren wert sind, aber leider, leider nicht ausreichen. Ich möchte gerne Synergieeffekte zwischen Menschen und ihren Ideen nutzen, weil gemeinsam sehr viel mehr geht.
    Konkret ist aus meinem Koller noch nix entstanden, außer dass eine andere Bloggerin sich bei mir gemeldet hat, die auch gerne was tun möchte.
    Derzeit denke ich darüber nach, wie so ein Austausch über Damit wären wir ja vielleicht schon zu dritt?

    Ich weiß nicht genau, wie so ein Austausch funktionieren könnte, aber ich glaube, es ist an der Zeit, aus der privaten Öko-Nische rauszugehen und sich zusammenzutun, um wirklich was zu bewegen.

    Weltretterische Grüße
    Zora

  3. Jeder einzelne und sei er noch so kleine Schritt ist mir wichtig. Wir können die Welt nicht komplett umkrempeln. Ich glaube, dass vermutlich irgendwann die Zeit des Menschen vorbei ist und das selbstproduziert. Aber trotzdem zählt jeder einzelne Schritt.
    Ich bin auch nicht perfekt. Habe mir gerade erst zwei Mützen gekauft. Konnte mich nicht für eine entscheiden.
    Aber ich konsumiere wesentlich weniger als früher und will weitere Schritte zu einem geringeren Konsum gehen.
    Je mehr umdenken, desto wahrscheinlicher wird dann auch ein gesamtes Umdenken.
    Aber auch ich frag mich manchmal: bringt das überhaupt was? Kauf ich mir jetzt nicht vielleicht doch T-Shirts bei H&M, weil ich keine Nerv habe, was passendes ökologisches zu finden. Aber nein. Ich lass es.
    LG Nanne

  4. Es haben schon viele versucht die Welt zum Besseren zu verändern. Keinem ist es auf Dauer gelungen. Im Gegenteil.
    Manchmal glaube ich, der Mensch ist von Natur aus ein Ich-Mensch. Also eine Person, die sich als Zentrum allen Geschehens betrachtet.

  5. Um nicht verrückt zu werden…

    1) Dankbar sein. Ich bin reich beschenkt, habe Familie, Freunde, keine Geldsorgen, habe alles, was ich brauche, wir sind gesund.

    2) Den Radius nicht zu gross schlagen. Ich versuche, nicht jeden Tag Nachrichten zu hören/ sehen, sondern gezielt, einmal die Woche oder sogar in längeren Abständen.

    3) Dafür versuche ich, in meiner nächsten Umgebung wirksam zu sein. Kleine Impulse zu setzen, in der Art wie ich anderen Menschen begegne, ob gross, ob klein, egal, und daran zu arbeiten, mich zu verbessern in meiner Art zu kommunizieren etc. Bester Lehrer: mein 13jähriger.
    Und da auch Menschen ansprechen, die ich gar nicht kenne. Auf der Strasse mit Menschen sprechen. Nicht das Handy ausklappen, sondern die Augen öffnen und lächeln.

    4) Immer mehr zu spüren, was gebraucht wird, was nicht gebraucht wird, bei uns zu Hause, im Wohnhaus, in der Nachbarschaft und da aktiv sein.

    5) Immer weniger zu kaufen. Und immer darauf zu achten, wo die Dinge herkommen, wie der Produktionskreislauf war und Ähnliches. Ich kaufe schon sehr lange viel Bio und Regional, das ist mir immer wichtiger gewesen als schicke Kleider oder so. Weil ich das primär politisch finde. Weil ich nicht die konventionelle Landwirtschaft unterstützen will, die letztendlich alles zerstören wird.

    6) Gemeinschaft. Leute finden, mit denen man Dinge zusammenmachen kann. Sich austauschen und Sachen tauschen. Sich gegenseitig helfen. Überhaupt helfen.

    Ja, das war’s erstmal. All das erfordert manchmal aber auch schon ziemlich viel Zeit und Kraft.

    Danke für Dein Blog, hab’s erst kürzlich entdeckt – gefällt mir gut!

    LG
    Sh

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