Hilfe, ich bin ein Smombie! – Digital Detox, Selbstakzeptanz und Minimalismus

Da hab ich jetzt zwei Wochen gegrübelt, worüber ich schreiben könnte und dann fliegt mir das Thema direkt vor die Füße. Ich beherzige also die alte Bloggerweisheit: „Schreibe darüber, was du gerade erlebst und was dir wichtig ist“ und das tue ich. Denn es herrscht Alarmstufe Rot – ich bin zum Smombie mutiert!

Hilfe, ich bin ein Smombie - Digital Detox, Minimalismus und Selbstakzeptanz | Frau Ding Dongs Leben.

Ich knips hier und da mal ein Foto, lade es auf Instagram oder auch nicht, teile Blödsinn mit Freunden via Telegram, treffe Verabredungen und checke hin und wieder Pinterest und Twitter auf dem Telefon. Sonst eigentlich nix. Wenn ich mit anderen unterwegs bin, bleibt das Handy in der Tasche. Eigentlich nicht schlimm, wenn man das so liest. Fühlt sich auch nicht schlimm an, wenn ich alle 20 Minuten zum Handy greife.

Aber: ich check auch schnell mal meine Mails im Gehen. Ich höre nicht mehr richtig zu und kann mich schlechter aufs Lesen konzentrieren (was, zugegeben, auch an meiner Literaturauswahl liegt…) und jetzt kommt wohl das Allerallerschlimmste: Ich habe angefangen mich mit diesen Menschen in diesen gekünstelten Instagram-Bilderwelten zu vergleichen! Das ich da so reingerutscht bin, erschreckt mich. Denn ICH WEIß es doch eigentlich besser. Nicht so schlank und fit wie die Mädels in den Yogahosen, kein besonderes Essen morgens, keine atemberaubende Natur und auch kein minimalistisches Arbeitszimmer mit Designerstücken. Ich gucke ins Handy. Ich sehe mich um und fühle mich schäbig. Ich wurde unzufrieden mit mir und meinem Leben. (ich neige auch ohne Instagram zu Übertreibungen)

Darüber kann ich, wenn ich länger reflektiere und das alle für mich sortiere, herzlich lachen. :D
Viel zu spät habe ich jedoch bemerkt, was da wirklich los ist. Der Mechanismus des Sich-Scheiße-Fühlens durch Instagram ist nämlich viel subtiler und gemeiner und geht so: Ich sehe, was Leute, die ich kenne und mag alles „liken“ und ordne mich da sofort irgendwie ein. Ich vergleich mich mit Leuten und Dingen, weil ICH gerne geliked werden will.

Als mir das am Sonntag zum ersten Mal klar wurde, wusste ich: Zeit, was zu ändern und zu verzichten. Deshalb experimentiere ich diese Woche ein bisschen mit Digital Detox.
Ich lass das Telefon zu Hause.
Abends ein bisschen im Internet surfen, nette Mails beantworten und Twitter checken, darf ja passieren. Bei Instagram gucke ich nur den Feed, aber erstmal nicht, was die anderen mögen.
Damit lässt sich die Perspektive hoffentlich wieder gerade rücken.

Das habe ich mir überlegt:

1. Allen wichtigen Menschen Bescheid geben, die sich höchstwahrscheinlich melden werden. Einige werden es nicht mal bemerken, wenn du mehrere Tage aus der Matrix verschwindest.
2. Baby Steps zählen auch. Klar könnt ich das Handy abschalten und erst am Sonntag wieder anstellen. Aber das wäre mir gerade viel zu heftig und überfordern will ich mich nicht. Also Reduktion.
3. Die Umwelt wahrnehmen. Ich hab gestern in der Mittagspause einen 30-minüten Spaziergang durchs Herbstlaub gemacht und es war wunderschön.
4. Offen sein für neue Erfahrungen
5. Sich selbst diese wichtige Frage stellen: Was brauchst du jetzt? und lernen, auf seine Bedürfnisse zu hören.

Gestern war Tag 1. Heute ist Tag 2. Am Sonntag erzähle ich im Wochenrückblick dann kurz, wie es insgesamt gelaufen ist und ob es was gebracht hat.

Wie ist das bei dir? Wann hattest du das letzte Mal das Gefühl, zu viel „Phone“ zu suchteln? Wie gehtst du damit um? Hast du eine Smartphone-Knigge? Braucht man das? Wann? (Und wieso, wenn sich keiner dran hält?)
Welche Apps sind bei dir ständig offen?

10 Gedanken zu “Hilfe, ich bin ein Smombie! – Digital Detox, Selbstakzeptanz und Minimalismus

  1. Hallo Frau DD :-)

    an diesem Artikel erfreut mich zweierlei: Erstens natürlich, dass ich mich im Thema direkt wiedererkenne. Ich habe erst seit zweieinhalb Jahren ein Smartphone und bin seitdem dauernd irgendwie irgendwo online. Zweitens – was war nochmal zweitens? Tja, auch ich kann mich kaum länger auf was konzentrieren bzw verliere schnell den Faden. So wie du, wenn du sagst, du kanst dich nicht mehr aufs Lesen konzentrieren. Das allerdings funktioniert bei mir noch gut, puh, zum Glück. Nur lange komplizierte Zeitungsartikel gehen irgendwie nicht, na gut, irgendwas ist ja immer.
    Aber was war denn nun zweitens??? Jetzt weiss ich wieder: Der erste Satz deines Artikels, in dem du erklärst, du hättest tagelang gegrübelt, was du denn schreiben sollst :-)

    Ich habe daher deinen Artikel auf bloglovin`“geloved“ – die Frage ist nun, habe ich das getan, um auch „geloved“ zu werden? :-P

    Darüber denke ich – vielleicht – während meiner nächsten Facebook-Pause nach und wünsche eine schöne Restwoche :-)

    Gruss, Bettina

  2. Uff, erstmal habe ich Zombie gelesen :-D dann noch mal geschaut, ach so Smombie, was war das nochmal? Ah stimmt, irgendwas mit abhängig vom Smartphone.

    Wie gut das du es rechtzeitig erkannt hast, das ist doch ein großer Schritt wieder in Richtung Normalität und bewußteren Umgang mit dem kleinen Teufelchen :-)

    Ein Smartphone habe ich nicht, nur ein ganz normales Handy für Sms und telefonieren. Ich möchte auch kein Smartphone haben. Aber ich habe ein IPad und das ist schon häufig in Benutzung. Es ist aber für mich mehr mein kleiner Pc für nebenbei. Es ist praktisch weil ich nicht erst meinen Rechner hochfahren muss um mal ein halbes Stündchen in Blogs zu lesen oder mal bei Twitter zu schauen, auch kurze Notizen für Blogbeiträge tippe ich schnell in die Wp App. Seit ich es habe nehme ich es aber immer nur ganz bewußt in die Hand, das ich es unbewußt in die Hand nehme nur um mal eben schnell zu kucken, oder gar damit durch die Gegend zu laufen, das ist bis jetzt noch nicht passiert. Ich schleppe es auch nicht mit zum spazieren gehen oder wenn ich wo zu Besuch hin gehe. Das ist glaub ich der Vorteil, weil es eben bedeutend größer und schwerer ist als ein Smartphone und man es nicht dauernd rumschleppen mag.
    Bei zu großer Sucht mit dem Smartphone würd ich direkt jedem den Umstieg auf normales Handy + Pad empfehlen ;-)

    Lg Aurelia

  3. Hallo,

    ich habe immer noch mein „olles“ Klapp Handy. Ab und zu telefonieren, mal eine Nachricht…ansonsten RUHE. Funktioniert prima.

    Diese Zunahme an Snombies ist einfach nur absolut nervig und gefährlich. Auf dem Fahrrad, beim Auto fahren, im Gespräch (wie unhöflich und respektlos) und all die durch die Gegend laufenden, auf ihr Smartphone starrenden Gestalten

    Es verliert sich so vieles. Ein wohliges Miteinander, Intensität, „Berührung“, Wahrnehmung… auch im übertragenen Sinne… Leben eben. Einfach traurig und für mich völlig unverständlich.

    Fröhlich bunte Gedanken

    Claudia

    1. Hallo Claudia,
      ich glaub gar nich, dass sich soo vieles verliert. Es verlagert sich nur und ist dann anders, zumindest habe ich die Erfahrung gemacht. Mein Leben ist durch ein Smartphone reicher geworden. Nicht weil ich alles mögliche durch intelligente Apps miteinander verdrahte, aber der Kontakt zu Freunden ist intensiver, weil häufiger geworden und ich habe mehr Menschen gelernt, weil ich Online sein kann, wann ich will. Da bin ich zeitlich flexibler als immer abends noch vorm Rechner zu hocken und Mails zu beantworten. Ich kann abends den PC auslassen und hab halt dann meine Ruhe.
      Was die einen zu viel machen, nämlich ständig am Phone herumwischen, machen die anderen zu wenig. Beides halte ich für bedenklich. Stichworte Sucht und Medienkompetenz.
      Das es nervig und gefährlich ist, ist leider nur zu wahr!

      Viele Grüße,
      die andere Claudia :)

      1. Danke, für Deine Antwort, liebe Claudia:-).

        Und…dogmatisch denken/handeln ist nie gut. Weder in die eine, noch in die andere Richtung… oder drumherum:-). Also, was ich meine ist, dass ich das Smartphone auch nicht verfluche…

        Sonnige (so ein schöner herbstlicher Tag) Gedanken

        Claudia

  4. Hallo,

    ich besitze kein Smartphone sondern nur ein ein uraltes Nokia und das ist gut so.
    Dein Beitrag hat mich bestärkt mein altes Handy zu hüten – wer mich erreichen will weiß wo er mich findet und ansonsten höre ich den Wellen an der Ostsee zu.
    Gut ist es aber immer wieder mal zu reflektieren was und wie viel man digital konsumiert um dann gegebenenfals gegenzusteuern.

    Viele Grüße
    Jörg

  5. nach 8 Wochen Smartphone war es kaputt und ich musste bis zur Klärung meine Simcard wieder in das olle aber zuverlässige Candybar-Handy schieben.
    Obwohl ich niemals im Gehen Timelines checke, Smartphone nie auf Restauranttische lege, oft den Flugmodus benutze und mit Freunden nicht über Socialmediakanäle kommuniziere war ich doch sehr überrascht, wie amputiert ich mich zunächst fühlte. Jetzt, nach 1 Woche ist die Ruhe wieder da, aber in den ersten Tagen musste ich mich immer daran erinnern, dass ich bis kürzlich mit dem gammeligen alten Handy prima überlebt habe :-)
    Hat mir sehr zu denken gegeben, weiß aber nicht, was ich besser machen könnte, wenn das Smartphone gesund zurückkommt und wieder im Einsatz ist. Es gefällt mir nicht, subtil in Abhängigkeit gesteuert zu werden und die Medienkompetenz setzt für mich auch nicht zwangsläufig die Verwendung eines Smartphones voraus.
    Zuhause mit Wlan ist mein iPad viel im Einsatz, weil viel praktischer als der Computer (den ich nur noch zum Arbeiten benutze). Manchmal guck ich, was mir hereingespült wird an Geteiltem – 90% davon ist verzichtbarer Unterhaltungsmüll, der vor allem Zeit raubt. Und die allermeisten Instagramfotos sind ohne jeden zwingenden Nutzen.
    Verfolge derzeit intensiv, mit welchen Methoden Leute versuchen, ein Digitalbusiness aufzubauen – also Likes und Abos zu generieren. Soviel gruselige Fakeglückseligkeit für Zuschauer die leben lassen und ihre Träume dann liken. Habe nicht den Eindruck, dass das Schielen auf Applaus, vulgo Likes, die Ehrlichkeit fördert.

  6. Alkohol, Glimmstängel, Smartphone, kombinationen aus alledem..
    Der Mensch selbst ist ja dafür verantwortlich was er wie und in welcher Dosis konsumiert.
    Und nur, weil das gesellschaftlich akzeptiert ist, muss ich es dennoch nicht für mich als richtig empfinden und auch so ausleben.
    Alkohol kommt mir niemals in die Tüte, ne Tüte ob mit Nikotin allein oder anderem versetzt ebenso nicht, und beim Smartphone muss ich eben auch für mich entscheiden wie sehr ich mich davon einspannen lasse.

    Ich schreibe zum Beispiel aus altbackener Empathie niemandem, von dem ich weiß, er sitzt grad am Steuer. Weil ich zwar weiß, er ist für sich selbst verantwortlich, aber wenn er wegen meiner Nachricht stirbt, halt ich mir das trotzdem ewig vor.
    Diese Einstellung hab ich noch nie von irgendwem sonst gehört..

    Und würde ich Kraftfahrzeuge bewegen, würde ich selbst für mich dort auch nicht konsumieren, merke ich doch auf Rad und Board schon wie unkonzentriert man wird und das bei 15-35km/h. und eben auch wie gefährlich..

    nichtsdestotrotz: ein Smartphone ist für mich ein Werkzeug. eine Kamera, eine Erinnerungshütungsgedönse mit Made in China.
    Missen will ich es nicht. Aber wenn ich es müsste, ist es eben so.

  7. Ich habe mein Smartphone kürzlich verkauft. Habe es bis dato eigentlich nie benutzt, es war also meistens ausgeschaltet. Von Facebook und Co. habe ich mich schon lange getrennt, hat mir aber auch nichts gebracht. WhatsApp habe ich nach einem kurzen und nervigen Test umgehend wieder gelöscht. Die fürchterlichste Art der Kommunikation, wie ich finde. Jetzt lebe ich komplett ohne Handy, und das im 21. Jahrhundert. PS: Ich bin gerade mal 20 Jahre alt … ;-)

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